Von Jens Wolter (Text)
und Beate Wolter (Fotos)
28.03.2007
Nach dem deutlichen Auswärtssieg in Freiburg wollte man auf Hamburger Seite den ersten Sieg über das Team aus Essen feiern, zumal diese auch nicht in
Bestbesetzung antreten konnte. Dieses Vorhaben scheiterte nicht zuletzt an der ausgezeichneten Essener Torhüterin Stefanie Löhr, die auch die klarsten
Chancen der Hamburgerinnen zunichte machte.
Die erste offensive Aktion des Spiels gehörte den Gästen, die bereits in der zweiten Minute zum ersten Eckball kamen, der jedoch von Torfrau Bianca Weech
sicher gefangen wurde. In den anschließenden gut 35 Minuten war offensiv von den Gästen jedoch überhaupt nichts Berichtenswertes mehr zu sehen, denn alle
Versuche, sich in Richtung HSV-Tor zu bewegen, scheiterten entweder an ungenauen Zuspielen oder wurden von der Hamburger Abwehr sicher abgefangen.
Stattdessen erspielten sich die Gastgeberinnen eine Reihe von guten bis sehr guten Gelegenheiten. Den Anfang machte in der fünften Minute Christina
Plessen, die in diesem Spiel im defensiven Mittelfeld statt in der Abwehr eingesetzt wurde, als sie nach einem Alleingang den Ball steil auf Anna Blässe
spielte, die jedoch aus rund fünf Metern Entfernung lediglich Stefanie Löhr anschoss. Blässe, die immer noch auf ihr erstes Bundesliga-Tor für den HSV
wartet, hätte sich in dieser Begegnung gleich dreimal in die Torschützenliste eintragen können, wäre da nicht die Essener Torfrau gewesen, die jedesmal
noch Hand oder Fuß dazwischen brachte. Kaum eine Minute nach dieser ersten Gelegenheit trat mit Shelley Thompson, die vielleicht auffälligste Akteurin der
ersten sechzig Spielminuten, das erste Mal in Erscheinung, aber ihr Versuch eines Fallrückziehers wurde von Stefanie Löhr und ihren Abwehrspielerinnen zur
Ecke abgelenkt.
Shelley Thompson (l.) war die vielleicht auffälligste HSV-Akteurin, stand aber unter ständiger Bewachung von Kathrin van Kampen.
Die nächste Gelegenheit hatte in der neunten Minute Tanja Vreden, die jedoch zu weit nach rechts abdriftete und aus dieser Position am
langen Eck vorbei schoss. In der 15. Minute ging dann Thompson links allein bis zur Grundlinie durch und passte von dort zurück auf Silva Lone Saländer,
deren zu schwach geratener Schuss jedoch in den Armen von Löhr endete. Nur eine Minute später entkam Thompson erneut der persönlichen Bewachung von
Kathrin van Kampen, drang diesmal von rechts in den Strafraum ein, legte sich jedoch den Ball zu weit vor. In der 27. Minute drang Vreden von rechts in den
Strafraum ein und spielte mit einem Querpass auf Blässe. Deren Schuss konnte die herausstürzende Löhr mit einer Fußabwehr entschärfen. Diese Szenen und
drei direkte Freistöße durch Christine Schoknecht (21. und 31. Minute) und Saländer (38.) sorgten für ein solches Plus hinsichtlich Ballbesitz,
Spielanteilen und Chancen, dass es nur noch eine Frage der Zeit schien, bis der HSV in Führung gehen würde. Der erlösende Torschrei lag dem heimischen
Anhang in der 39.
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Stephanie Schubert (l.) hat Mühe, Anna Blässe zu stoppen. Doch auch das engagierte Spiel der jungen Hamburgerin reichte nicht, um den ersten Sieg gegen
Essen einzufahren.
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Minute erneut mindestens auf der Zunge, als wieder Shelley Thompson nach Alleingang und Steilvorlage von Blässe vor Löhr auftauchte und
den Ball an der Torfrau vorbei schoss - allerdings auch knapp am linken Torpfosten.
Fast im Gegenzug musste der HSV-Anhang dann tief durchatmen, als Essens Sandra Deilmann allein vor Biance Weech auftauchte, ihr erster Schussversuch
von der Hamburger Keeperin und ihren hinterherstürzenden Verteidigerinnen gerade noch abgewehrt werden konnte und der zweite Versuch knapp über das Tor
ging. Diese erste Essener Chance des gesamten Spiels in der 40. Minute hätte fast den gesamten Spielverlauf auf den Kopf gestellt. Der zweite bzw. dritte
Essener Torschuss durch Charline Hartmann in der 44. Minute wurde eine sichere Beute der Hamburger Torfrau.
Der HSV begann die zweite Spielhälfte mit dem offensichtlichen Vorsatz, jetzt eine schnelle Führung und damit wahrscheinlich eine Entscheidung gegen die
sich schwach präsentierenden Gäste zu erzwingen. Bereits in der 46. Minute wurde ein Kopfball von Saländer nach einer Rechtsflanke durch Vreden gerade noch
ebenfalls per Kopf abgelenkt. Eine Minute später ergab sich die vielleicht größte HSV-Chance des bisherigen Spielverlaufes. Ein fulminanter Schuss von
Tanja Vreden ging an die Unterkante der Latte und sprang von dort ins Feld zurück. Stefanie Löhr hatte in dieser Situation das sprichwörtliche Glück des
Tüchtigen auf ihrer Seite.
Die 59. Minute brachte einen Schock für die Gastgeberinnen. Shelley Thompson zog sich bei einem Zusammenprall eine schwere Knöchelverletzung
zu. Sie wurde, da das Spiel noch nicht unterbrochen war, von einer Gegenspielerin in einer sehr fairen Aktion aus dem Essener Strafraum hinter die
Grundlinie getragen und von dort zum Krankenwagen gebracht. Für sie kam zunächst Marion Wilmes ins Spiel, ihre eigentliche Position im Angriff wurde
später jedoch von der eingewechselten Gina Heinßen übernommen.
Faire Geste: Nachdem sich Shelley Thompson verletzte, trug Gegenspielerin Stephanie Schubert sie vom Platz.
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In der Folge verflachte das Spiel zusehends. Hamburg bemühte sich zwar weiterhin, den Führungstreffer zu erzielen, die Aktionen waren jedoch nicht mehr so
zwingend. Auf der Gegenseite konnte Essen das Spiel nun offener gestalten, aber nicht mit zwingenden Aktionen glänzen.
Die Matchwinnerin: Es gab keinen Ball, den Essens Torhüterin Stefanie Löhr nicht erreichte.
Eine Großchance für den HSV gab es nochmals in der 72. Minute, als Löhr einen 18-Meter-Schuss von Saländer in die rechte untere Ecke gerade noch
herausfischen, aber nicht festhalten konnte und den sofortigen Nachschuss von Blässe aus kurzer Distanz bravourös zur Ecke lenkte. Ein letztes Mal
entscheidend eingreifen mußte Löhr in der 80. Minute, als sie einen Steilpass auf Heinßen an der Strafraumgrenze abfangen konnte.
Die letzte Andeutung einer Torchance ergab sich in der 87. Minute, als nach einem direkten Freistoß von Hartmann der Ball von einem Essener Kopf ins Toraus
gelenkt wurde. Nach drei Minuten Nachspielzeit konnte Essen dann endlich einen zur Pause noch unerwarteten Punktgewinn bejubeln.
Der HSV hingegen hat reichlich Grund, sich Sorgen zu machen: Das dritte Heimspiel des Jahres 2007 ohne Sieg, dabei zweimal kein Tor geschossen und nun
auch noch mit Shelley Thompson die bisher erfolgreichste Torschützin möglicherweise längerfristig außer Gefecht. Das Team muss bis zum Ende der Saison
noch sehr viel Energie und Konzentration aufbringen, um sich entscheidend von den Abstiegsplätzen abzusetzen.
Aufstellungen
Hamburg
Weech - Engel, Gärtner, Haye, Schoknecht (73. Heinßen) - Wübbenhorst, Plessen - Vreden, Saländer, Blässe - Thompson (61. Wilmes)
Essen
Löhr - Schubert, Lange, van Kampen, Duhme - Kowalik (90.Balkenhol), Hartmann, Mpalaskas, Kothe - Hellmann (69. Winter), Deilmann (46. Ganser)
Tore: Fehlanzeige
gelb: van Kampen
Schiedsrichterin:
Anja Kunick (Lissa)
Zuschauer: 380 (laut Ansage, eigene Schätzung 200)
Erste Bundesliga
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