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1. Bundesliga, 22. Spieltag

Verloren? Egal!

SC Freiburg - 1. FFC Turbine Potsdam 2:4 (1:0)

Text von Johannes Huber
www.dorfgeschwaetz.de

11.6.2007   Aus dem sonnengefluteten Freiburger Weststadion entführte vor 1251 ZuschauerInnen der 1. FFC Turbine Potsdam drei Punkte vom SC Freiburg mit einem verdienten 2:4-Sieg. Es ging, wie so oft am letzten Spieltag um die vielzitierte "goldenen Ananas". Freiburg konnte zwar, bei entsprechenden Ergebnissen in den anderen Bundesligastadien noch drei Plätze in der Tabelle gut machen, Potsdam hatte nur noch rechnerische Chancen, den dritten Tabellenlatz an den FC Bayern zu verlieren, wenn Freiburg und Bayern in Summe mit sage und schreibe 19 Toren Unterschied gewinnen würden. Realistisch betrachtet war den Turbinen also die Bronzemedaille nicht mehr zu nehmen.

Und so kam vor dem Spiel etwas Wehmut auf, als einige Spielerinnen verabschiedet wurden, allen voran Katja Bornschein, die 37-fache Nationalspielerin, 5-fache Pokalsiegerin und Deutsche Meisterin von 1995 hängt mit 35 Jahren ihre Fußballschuhe an den Nagel. Sie bleibt dem SC allerdings als Jugendkoordinatorin erhalten.

Katja Bornschein und Bianca Schmidt

Alt und jung: Frauenfußball-Urgestein Katja Bornschein in ihrem letzten Spiel, verfolgt von Turbines großer Nachwuchshoffnung Bianca Schmidt

Bild: Peter Clesle

Ebenfalls offiziell verabschiedet wurde Alexandra Schwald, die schon seit der Winterpause wegen einer Arthrose im Knie nicht mehr spielen konnte aber heute immerhin nicht mehr mit Krücken die Blumen in Empfang nehmen konnte. Ines Österle, nicht gerade Stammspielerin, aber doch zumeist erste Einwechseloption zieht es nach Italien, wo sie schon in der Saison 2003/2004 spielte; die unermüdliche Außenbahnläuferin Christine Kaltenbach gönnt sich einen einjährigen Aufenthalt in Australien; Anne Kaiser wechselt zum Zweitligisten SC Sand, Svenja Bolz und Fabienne Breisacher verlassen den SC mit unbekanntem Ziel. Außerdem muss der SC zukünftig auf die Dienste der Ergotherapeutin Annette Eller verzichten.

Katja Bornschein, Christine Kaltenbach, Alexandra Schwald und Ines Österle

Ehrung zum Abschied: Katja Bornschein, Christine Kaltenbach, Alexandra Schwald und Ines Österle (v.l.)

Bild: Peter Clesle

Fußball wurde auch noch gespielt. Und zwar dem Wetter angepasst eher behäbig. Die erste Halbzeit könnte man so zusammenfassen: Das Spiel machte Potsdam, Freiburg das Tor. In der sechsten Spielminute konnte man erstmals so etwas wie eine Torchance notieren, als Potsdams Aferdita Podvorica zwei Meter am Tor von Marisa Brunner vorbeischoss.

Tor durch Melanie Behringer

Nationalspielerin Melanie Behringer erzielt hier das 1:0 für den SC Freiburg

Bild: Peter Clesle

Nach zehn Minuten war erstmals eine schöne Einzelaktion von Freiburgs Nationalspielerin Melanie Behringer zu sehen, die sich an der Mittellinie den Ball eroberte, auf dem Weg zum Tor drei Gegenspielerinnen stehen lies, und den Abschluss dann verstolperte, so dass der Ball sichere Beute von Turbines Torhüterin Nadine Angerer wurde.

Nach einer Viertelstunde trat Conny Pohlers erstmals nennenswert in Erscheinung - die Stürmerin hat seit dem Pokalfinale 2006 in der Redaktion den Status "Stürmerin vor dem Herrn" - sie gab heute ihr letztes Spiel im Dress der Potsdamerinnen und wechselt zur neuen Saison zum 1. FFC Frankfurt - machte aber keineswegs den Eindruck, dass sie sich aus Potsdam schon verabschiedet hatte, kämpfte sie


Conny Pohlers

Conny Pohlers kämpfte und ackerte in ihrem letzten Spiel für Potsdam wie zu besten Zeiten. Pohlers erzielte auch den wichtigen Ausgleichstreffer zum 1:1. Hier kommt sie gegen Alexandra Kury zum Schuss, Nicole Söder kommt von rechts zu spät

Bild: Peter Clesle

Weitere Fotos von Peter Clesle findet ihr unter:
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doch 90 Minuten aufopferungsvoll, wenn auch nicht immer glücklich. Einen Schritt zu spät kam sie nach 14 Minuten, als eine Flanke in Freiburgs Fünfmeterraum geschnippelt kam.

Sandra Schmidt und Babett Peter

Die eingewechselte Sandra Schmidt, hier gestoppt von Babett Peter, konnte in der letzten Spielminute das Ergebnis für Freiburg noch etwas freundlicher gestalten

Bild: Peter Clesle

In der 22. Spielminute verwertete Peggy Kuznik einen Eckball an der Strafraumlinie, Brunner war wohl mit den Fingerspitzen noch dran, so dass der Ball die Querlatte streifte und ins Aus flog. Zwei Minuten später versuchte sich Ines Österle, deren Abschluss aus 15 Metern jedoch zu schwach geriet und wiederum drei Minuten später machte es Jennifer Zietz Kuznik gleich und schoss den Ball knapp über das Freiburger Tor. Kurz darauf war Pohlers schon einen halben Schritt weiter, erwischte den Ball jedoch nicht richtig, so dass er weit am langen Pfosten vorbei flog.

Wie bereits in der Anfangsphase war es Behringer, die in der 41. Spielminute über Österle und Myriam Krüger den Ball bekam, 30 Meter alleine auf das Tor zuging, dieses Mal aber souverän zur 1:0 Pausenführung für die SC-Frauen verwandelte. Kurz vor dem Halbzeitpfiff kam Pohlers noch einmal zu einer Gelegenheit, köpfte den Ball aber über das Freiburger Tor.

Peggy Kuznik und Jeanne Haag

Da dreht sich Jeanne Haag lieber weg: Peggy Kuznik beim Freistoß

Bild: Peter Clesle

Die zweite Halbzeit begann mit einem Potsdamer Doppelschlag: Nach einer schönen Kombination verwandelte Pohlers zum Ausgleich (51.), ehe sie zwei Minuten später mit einem Querpass die Vorlage zu Anja Mittags 1:2 gab (53.). Im direkten Gegenzug zog Behringer mit einem sehenswerten Schuss knapp am langen Pfosten vorbei. Danach wurde munter durchgewechselt. Für die etwas formschwache Myriam Krüger kam Sandra Schmidt und mit großem Applaus bedacht durfte Kaltenbach die Saison frühzeitig beenden. Rund 20 Minuten vor Spielende machte die Turbine Bianca Schmidt nach einem Eckball, den sie an den Innenpfosten weiterlenkte, das 3:1 und damit praktisch alles klar (68.). Wirkliche Gegenwehr war von Freiburg ab da nicht mehr zu sehen, aber wer wollte es Ihnen auch verdenken? Kurz darauf gab Pohlers eine Flanke aus dem Halbfeld auf Bianca Schmidt, die damit alleine vor Brunner auftauchte, aber knapp vorbeizog.

Danach durfte sich auch Katja Bornschein zum Abschluss Ihrer aktiven Karriere einen Extraapplaus abholen. Sie wurde für Kerstin Boschert ausgewechselt. Boschert? Potsdam? War da nicht etwas? Vor gut einem Jahr zog sich Boschert im Heimspiel gegen Potsdam einen Kreuzbandriss zu, und fiel in Folge dessen praktisch die gesamte Saison aus. erst im letzten Heimspiel gegen Wolfsburg kam sie zu einem Kurzeinsatz. Die Frage, ob sie sich irgendwie seltsam gefühlt habe, als sie ausgerechnet gegen Potsdam eingewechselt wurde verneinte sie aber mit einem Lächeln: "Ich habe mich richtig gut gefühlt und gedacht, jetzt schließt sich ein Kreis." In der 84. Spielminute versuchte sich Anja Mittag nochmals aus der 2. Reihe mit einem Distanzschuss, der prompt zum 1:4 im Tor landete. Brunner sah in dieser Situation nicht sonderlich glücklich aus, hat aber den Ball wohl auch sehr spät gesehen.


Doch der Schlusspunkt blieb den Gastgeberinnen vorbehalten: Behringer flankte von rechts auf Jeanne Haag, die von links Sandra Schmidt in der Mitte bediente. Schmidt nickte zum 2:4 Endstand ein. Bernd 'wir kommen gerne in den Schwarzwald' Schröder genießt ein Schwarzwälder Bier."Wir kommen gerne in den Schwarzwald, weil wir in den letzten Jahren die Punkte immer mitnehmen konnten", konnte sich Turbine-Trainer Bernd Schröder einem leicht hämischen Unterton nach dem Spiel nicht verkneifen - die Rückrunde ungeschlagen gespielt, da kann man ihm das nachsehen. Freiburgs Trainer Sehrig nahm's gelassen und gab Schröder recht: "Potsdam hat verdient gewonnen." Insgesamt zeigte er sich mit dem Verlauf der Rückrunde und dem letztlich doch sicheren Klassenerhalt zufrieden, auch wenn "wir heute immer ein bisschen zu weit weg von den Gegnerinnen standen."

Zuguterletzt gibt es noch einen Abschied zu vermelden: Der langjährige Frauenfußball- Berichterstatter Johannes Huber verabschiedet sich von der Dorfgeschwätz-Redaktion. Er wird den SC-Damen an anderer Stelle verbunden bleiben. Sollte jemand die Lust verspüren, seine Nachfolge bei Fansoccer anzutreten, freuen wir uns sehr über eine Kontaktaufnahme an unsere mailadresse fansoccer@gmx.de




Jennifer Zietz, Melanie Behringer, Anja Mittag

Nadine Angerer und Alexandra Schwald

Das macht Frauenfußball immer wieder sympathisch: Nach dem Spiel konnte man die Spielerinnen von Potsdam und Freiburg in freundschaftlichem Gespräch beobachten: Bild oben Melanie Behringer zwischen Jenniger Zietz (l.) und Anja Mittag, unten die (Ex-) Keeperinnen Nadine Angerer und Alexandra Schwald

Bilder: Peter Clesle



SC Freiburg:

Brunner - Maier, Faißt, Kury, Kaltenbach (64. Haag) - Bornschein (78. Boschert), Söder - Krüger (57. S. Schmidt), Behringer, Österle, Zirnstein

1. FFC Turbine Potsdam:

Angerer - Kuznik, Schlanke, Peter, Schiewe, Kameraj (90. Sainio), Zietz, Podvorica (46. B. Schmidt), Pohlers, I. Kerschowski (90. Hagemann), Mittag

Tore:
1:0 Behringer (41.)
1:1 Pohlers (51.)
1:2 Mittag (53.)
1:3 B. Schmidt (68.)
1:4 Mittag (89.)
2:4 S. Schmidt (90.)

Gelbe Karten: - / -

Schiedsrichterinnen: Christiane Schönfeld - Anita Cohan, Anke Gottfried

Zuschauer: 1251


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