| 11.12.2006
Vor 350 Zuschauern im Freiburger Weststadion konnten am 10. Spieltag die Damen des SC Freiburg ihr erstes Heimspiel gewinnen. Die SG Essen-Schönebeck wurde mit einem knappen, aber nicht unverdienten 2:1 nach Hause geschickt.
Davon "Abstiegskampf pur erlebt" zu haben sprach der Freiburger Trainer Dietmar Sehrig nach dem Spiel, eine Sicht, die man teilen kann, aber nicht unbedingt muss. Von der Papierform hatte er natürlich Recht. Rheine hatte am Vormittag vorgelegt, und so musste man im Breisgau den Tabellenvierten aus Essen besiegen, um die lange Winterpause nicht auf einem Abstiegsplatz zu verbringen.
Doch in der ersten Halbzeit konnte man nicht unbedingt den Eindruck gewinnen, dass es den Frauen des SC Freiburg gelingen würde, diese Zielsetzung auch umzusetzen. Das Spiel machte Essen und fand weitgehend in der Freiburger Hälfte statt. Nach der ersten Ecke der Essenerinnen nach sieben Minuten, kam es zu einem wilden Herumgestochere im Strafraum, doch die Freiburger Torhüterin Marisa Brunner konnte klären. Praktisch im direkten Gegenzug gab es einen der wenigen Entlastungsangriffe der Breisgauerinnen; die erstmals in dieser Saison bei einem Heimspiel aufgelaufene U-19-Weltmeisterin von 2004, Melanie Behringer bekam auf ihrer rechten Seite den Ball, passte klug auf die im Sturmzentrum postierte Sandra Schmidt, die jedoch ihren Bewegungsablauf nicht vollendet kontrollieren konnte und so aus sehr aussichtsreicher Position am Tor vorbeischoss.
 Essens Spielmacherin Melanie Hoffmann (rotes Trikot) im Zweikampf mit Myriam Krüger
Bild: Peter Clesle
Nach einer Viertelstunde stand es nach Ecken bereits 0:3, eine Minute später jedoch schon 2:3. Und beide Ecken des SC hätten auch in den Maschen von SG-Keeperin Stefanie Löhr zappeln können. Zunächst wurde ein Flachschuss von Innenverteidigerin Verena Faißt von einer Abwehrspielerin knapp am Tor vorbeigelenkt, nach der zweiten Ecke köpfte Schmidt wunderbar, aber ebenfalls knapp über die Querlatte.
Der Rest war Mittelfeldgeplänkel. Die SC-Defensive stand weitgehend sicher, die Abseitsfalle ebenso, so dass Essener Torchancen Mangelware waren. Bis zur 29. Spielminute, da kam es, wie es kommen musste: die Freiburger Abwehr passte kurz nicht auf, Mirja Kothe konnte seelenruhig Charline Hartmann bedienen, die, bedrängt von Alexandra Stegmann, in die Flanke hineinrutschen und den Ball im Tor unterbringen konnte. Auf der Tribüne wurde gemunkelt, es sei ein Eigentor von Stegmann gewesen - mag sein, dass Stegmann den Ball als letzte berührt hatte, ohne sie wäre der Ball aber dennoch ins Tor gegangen.
 Das 0:1 für Essen durch Charline Hartmann (mit der 11 am Boden)
Bild: Peter Clesle
Kurz darauf stand erneut Kothe am linken Strafraumeck sträflich frei, bekam den Ball und flankte - ein Flanke die beinahe im Tor gelandet wäre, aber so knapp vorbei ging, dass auch keine der Mitspielerinnen noch etwas daraus machen konnte. Danach kam der SC wieder besser ins Spiel,
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Erstmals nach langer Verletzungspause wieder bei einem Freiburger Heimspiel dabei: Melanie Behringer (links) wird hier von Steffi Schubert angegriffen. "Wir müssen uns darauf einstellen, dass Behringer wieder spielt, die spielt Pässe, von denen der Rest der Mannschaft gar nicht weiß, dass es sie gibt," freute sich Freiburgs Trainer Dietmar Sehrig über die Rückkehr seiner Nationalspielerin
Bild: Peter Clesle
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offensichtlich gewillt, den Rückstand wettzumachen. Nicole Söder kam von der Strafraumgrenze aus frei zum Schuss, setzte den Ball jedoch klar am Tor vorbei (33.), auf Vorlage von Behringer versuchte sich Christine Kaltenbach mit einem Heber aus rund 17 Metern, der nur knapp über dem Tor landete (36.), in der 40. Spielminute wird Schmidt von Behringer in zentraler Position bedient aber haute blind auf den Ball, obwohl sie viel Platz und Zeit gehabt hätte, den Ball besser zu kontrollieren.
 Freiburgs Abwehrspielerin Alexandra Stegmann hat den Ball und Essens Stürmerin Mirja Kothe kommt nicht dran
Bild: Peter Clesle
Vier Minuten später bekam Behringer einen Freistoß von weit rechts außen, ca. 30 Meter von der Grundlinie entfernt, den sie vors Tor zog, der Ball flog über Freund und Feind hinweg bis von links Innenverteidigerin Alexandra Kury angeflogen kam und den Ball mit dem Kopf zum Ausgleich ins Tor wuchtete (43.).
Praktisch mit dem Halbzeitpfiff prüfte Behringer mit einem Drehschuss die Essener Torhüterin nochmals, Löhr bestand die Prüfung.
Aus der zweiten Halbzeit gab es kaum etwas zu berichten. Die SC-Frauen gingen deutlich engagierter zu Werke, richtige Torchancen indes gab es in der gesamten Hälfte nur drei.
Nach einer Viertelstunde steckte Schmidt den Ball auf Myriam Krüger durch, die von der Strafraumgrenze aus sich eigentlich die Ecke hätte aussuchen können, doch zu uneigensinnig auf Behringer abgab, die von ihrer rechten Position knapp links am Tor vorbeischoss (60.).
Ein Essener Freistoß aus rund 20 Metern konnte von Brunner in der Ecke der Mauer gehalten werden, sowohl der Freistoß, als auch Brunners Abwehr hatten das Prädikat: sehenswert (75.).
 Hier spielt sich Jeanne Haag zwischen Marlene Kowalik (rechts) und Kathrin van Kampen durch
Bild: Peter Clesle
Bei der nach einer Stunde für Jeanne Haag eingewechselte U-19-Europameisterin Juliane Maier konnte man sich fragen, was die heute auf dem Platz machte. Die fehlende Sommerpause war ihr deutlich anzumerken (Maier spielte im Sommer die Europameisterschaft und im Anschluss die U-20-Weltmeisterschaft). Sie gab die Antwort kurz vor dem Schlusspfiff selbst: Auf Vorlage
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von - wieder einmal - Behringer konnte sie alleine aufs Tor zugehen, und netzte den Ball ganz
abgeklärt zum 2:1 ein (90.). Der erste Heimsieg war perfekt.
Essens Trainer Ralf Agolli kochte nach dem Spiel förmlich: wir haben "das schlechteste Spiel der Hinrunde abgeliefert, sind in Schönheit gestorben, die Mannschaft war zu doof" dieses Spiel zu gewinnen. Sie hätten es "nicht verstanden, die Feldüberlegenheit in Torchancen umzumünzen" er räumte ein, "auch wenn es schwer über meine Lippen kommt, Freiburg hat verdient gewonnen". Er schloss sein Statement mit "mehr will ich dazu nicht sagen, ich bin völlig außer mir." Die Heimfahrt der Essenerinnen wird vermutlich nicht sonderlich gemütlich gewesen sein.
Freiburgs Trainer war natürlich zufrieden mit dem Sieg, räumte aber durchaus ein, dass sie "natürlich glücklich aber verdient gewonnen" haben, alle Mannschaftsbereiche seien "gut gestanden" und haben "gut gekämpft". Lediglich in der Chancenverwertung sah er Defizite.
"Wir müssen uns darauf einstellen, dass Behringer wieder spielt, die spielt Pässe, von denen der Rest der Mannschaft gar nicht weiß, dass es sie gibt." Zeit dazu ist genug, das nächste Bundesligaspiel bestreiten die SC-Frauen erst am 25. Februar 2007 in Potsdam.
Riesenjubel bei Freiburg nach dem Siegtor durch Juliane Maier in der 90. Spielminute!
Bilder: Peter Clesle
SC Freiburg:
Brunner, Kaltenbach, Faißt, Kury, Stegmann, Haag (61. Maier), Bornschein, Söder, Behringer, Krüger, S. Schmidt (85. Zirnstein)
SG Essen-Schönebeck:
Löhr - Chojnacki, Schubert, van Kampen (46. Ganser), Kowalik (46. Balkenhol), Bresonik, Duhme, Kothe (62. Winter), Hellmann, Hoffmann, Hartmann
Tore: 0:1 Hartmann (29.) 1:1 Kury (43.) 2:1 Maier (90.)
Gelbe Karten: Stegmann / -
Schiedsrichterinnen: Tanja Schneider (Amberg) Anita Cohan, Maike Fricke
Zuschauer: 350
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