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1. Bundesliga, 12.Spieltag

Birgit Prinz überragend

1. FFC Frankfurt - VFL Wolfsburg 5:1 (1:1)

Bilder von Volker Lieberum
Text von Tom Schlimme

4.3.2007   Auch wenn es nichts Neues ist, es ist einfach so: jede Mannschaft kann sich glücklich schätzen, Birgit Prinz in ihren Reihen zu haben, und auch heute wieder war Prinz letztlich die Garantin des Sieges für den Tabellenführer aus Frankfurt über den VFL Wolfsburg. Dabei war Wolfsburg deutlich besser als Rheine vor vier Wochen, doch am Ende steht diesmal kein torloses Unentschieden in den Büchern, sondern ein 5:1 - ein sicherlich um ein bis zwei Tore zu hoch ausgefallener Sieg für den FFC Frankfurt.

Doch so ist das nun mal im Fußball, die Bälle, die gegen Rheine noch gegen den Pfosten sprangen, gingen heute rein und boten 830 bei schönstem Frühlingswetter gekommenen Zuschauern am Ende doch reichlich Anlass zum Jubel. Am Ende, denn fast 70 Minuten lang war das Spiel wieder extrem spannend und strapazierte die Nerven des Publikums und sicher auch die der Frankfurter Verantwortlichen, die die am letzten Spieltag gewonnene Tabellenführung nicht schon wieder den Bach runter schwimmen sehen wollten.

Petra Wimbersky Petra Wimbersky Petra Wimbersky

Umstrittene Szene in der ersten Halbzeit: Andrea Wilkens gegen Petra Wimbersky im Strafraum. Eigentlich Elfmeter, würde ich sagen, erst das Bein gespielt und dann den Ball. Doch die Pfeife von Schiedsrichterin Nicole Schumacher blieb stumm
unser Fotograf Volker sagt, er sei nah dran gewesen und Wilkens habe zuerst den Ball gespielt. Sieht man mal, wie schwer das ist!

Bis zu jener 69. Spielminute stand es 1:1. Frankfurt war zwar überlegen, doch Wolfsburg hielt dagegen. Wolfsburgs Spitzen Martina Müller und die brasilianische Nationalstürmerin Cristiane ackerten und kämpften, versuchten die Frankfurter Abwehrspielerinnen durch frühes Stören aus dem Konzept zu bringen und waren außerdem immer wieder bemüht, mit schnellen Kontern für Gefahr vor dem Frankfurter Tor zu sorgen. Frankfurt erspielte sich zwar schnell ein deutliches Chancenplus, knüpfte aber erst mal nahtlos am Rheine-Spiel an, das heißt, der Ball ging nicht rein.

Nicole Schumacher

Keine Ahnung, was Schiedsrichterin Nicole Schumacher in dieser Szene aus der zweiten Halbzeit mit Petra Wimbersky zu bereden hatte. Bei der Pressekonferenz waren sich allerdings alle einig, die Leistung von Schumacher heute war eher mittel als gut...
Links die sehr gute Wolfsburger Keeperin Stephanie Ullrich, am Pfosten Maren Tetzlaff

7. Minute, Kerstin Garefrekes setzt sich rechts durch, schöne Flanke nach innen, Renate Lingor köpft aus dem Fünfmeterraum über das Tor. 15. Minute, Kopfball Steffi Jones nach Ecke, aber Ball nicht voll erwischt. 16. Minute Garefrekes wieder mit dem Kopf, aber wieder vorbei nach schöner Flanke von Saskia Bartusiak. 19. Minute Flachschuss von Prinz knapp am linken unteren Eck vorbei. 23. Minute Schuss Bartusiak von der Strafraumgrenze, der Ball springt von der Latte vor die Linie, das Nachsetzen von Garefrekes wird abgeblockt. 29. Minute, Petra Wimbersky setzt sich links gegen zwei Gegenspielerinnen durch, gibt schön in die Mitte in den Rücken der Abwehr, doch Meike Weber schießt über das Tor. Soweit die Chancen der Frankfurterinnen in der ersten halben Stunde.


Birgit Prinz

Birgit Prinz machte ein Bombenspiel und erzielte mit diesem Schuss das 1:0 für Frankfurt. Von links können nur zuschauen: Andrea Wilkens, Britta Carlson (in der Winterpause von Potsdam gekommen, gutes Spiel im Mittelfeld) und Cristiane Pezzato. Pezzato ist ebenfalls in der Winterpause nach Wolfsburg gekommen, die brasilianische Nationalspielerin verstärkte die Wolfsburger Abwehr

In der 32. dann die erste Gelegenheit für Wolfsburg: Müller erobert einen Ball im Mittelfeld, schickt Cristiane, doch die schließt ihren Lauf mit einem Schuss neben das Gehäuse ab. Trotzdem zeigte heute neben Müller auch Cristiane eine gute Leistung, man fragt sich schon, wieso eine Spielerin dieses Kalibers in Potsdam die meiste Zeit auf der Bank verbrachte. Urplötzlich platze dann aber der Knoten: Birgit Prinz hatte die Faxen wieder einmal dicke, ignorierte fünf Wolfsburgerinnen, die sie einfach Spalier stehend vorbeiziehen ließen, und hämmerte den Ball in die Maschen. 1:0, na also, geht doch. 38. Minute. Jetzt gemütlich zurücklehnen als Zuschauer, noch ein paar Tore genießen und sich abends über die verteidigte Tabellenführung freuen.

Doch gemach, man soll die Rechnung nicht ohne die Frankfurter Abwehr machen. Die wirkte trotz der Störmanöver von Müller und Cristiane zwar bis dahin recht sicher, doch in der 42. Minute wird der Ball erstmals vertändelt, gutes Zuspiel von Cristiane auf Müller, doch die schießt drüber, Riesenchance! Nur zwei Minuten später ähnliche Situation, die Frankfurter Abwehr hat den Ball eigentlich schon sicher, doch plötzlich ist die Wolfsburgerin Mirka Mohs links durch, schießt - oder ist es eine Flanke? - Cristiane rutscht einen Meter vor dem Tor in den Ball, Ausgleich!

Cristiane name

Jubel bei Wolfsburg: Cristiane (unteres Bild mitte) hat den 1:1 Ausgleichstreffer erzielt. Es gratulieren Britta Carlson (unten rechts mit der 22) und Mirka Mohs, von der die Flanke kam. Oben holt Frankfurts Keeperin Uschi Holl den Ball aus den Maschen, während Steffi Jones schon mal Richtung Anstoßpunkt marschiert

Nach der Pause ging es erst mal genauso weiter: Frankfurts Sandra Smisek, heute wie gegen Rheine mit einem schwachen Spiel, schob den Ball aus nächster Nähe vorbei, als die zweite Halbzeit gerade eine Minute alt war, und auf der anderen Seite brachte Martina Müller das gleiche Kunststück fertig. Schön geschickt von Cristiane kann Müller sich die Ecke aussuchen, doch auch ihr Schuss geht vorbei. Die Sensation lag in der Luft, zumal auf Frankfurter Seite weitere Gelegenheiten vergeben wurden und Müller in der 67. auch noch mal zum Schuss kam, aber wieder verzog.

Petra Wimbersky

Petra Wimbersky allein mit dem Ball gegen die Torhüterin - daraus folgt fast immer ein Tor, so auch hier zum 4:1

Doch dann erzwang wieder Birgit Prinz die Entscheidung, indem sie sich in der 69. Minute gegen zwei Gegnerinnen links durchsetzte und von der Torauslinie nach innen Petra Wimbersky bediente, die nur noch einzulochen brauchte. Prinz besorgte dann wenig später im Alleingang das 3:1 selber, Wimbersky, steil geschickt aus dem Mittelfeld, ließ in der 80. Minute Wolfsburgs guter Keeperin Stephanie Ullrich keine Chance, und fast mit dem Schlusspfiff markierte Wimbersky dann auch noch den 5:1 Endstand mit einem satten Schuss von der Strafraumgrenze.


Wolfsburgs Trainer Bernd Huneke war hinterher nicht wirklich zufrieden: "Wenn man auswärts solche Chancen bekommt und gegen einen Top-Club solche Dinger nicht macht, dann steht man halt am Ende mit leeren Händen da. Wir haben 60 Minuten gut gespielt, ein Punkt wäre mit Glück und Treffsicherheit drin gewesen. Wir waren auf keinen Fall so schlecht, wie das zu hoch ausgefallene Ergebnis glauben macht." Hunekes Kollege auf Frankfurter Seite, Dr. Hans-Jürgen Tritschoks, war umgekehrt zwar mit dem Ergebnis sehr zufrieden, nicht aber mit dem Spiel seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit. Zu langsam, zu inkonsequent sowohl vorne als auch in der Abwehr sei man aufgetreten. Doch in der zweiten Halbzeit habe sich dies geändert und Birgit Prinz leztlich den Unterschied ausgemacht. So fiebert jetzt in Frankfurt weiter alles dem Spitzenspiel gegen Duisburg am 25.3. entgegen. Es kann eigentlich nur ein spannendes Spiel werden!

Dr. Hans-Jürgen Tritschoks Bernd Huneke

Bei der Pressekonferenz: Links Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks, rechts Wolfsburgs Trainer Bernd Huneke



1. FFC Frankfurt:

Holl - Kliehm (46. Affeld), T. Wunderlich, Jones (83.Künzer), Bartusiak - Weber, Lingor (79. P. Wunderlich), Prinz - Garefrekes, Wimbersky, Smisek

VfL Wolfsburg:

Ullrich - Wilkens - Pezzato (Kazubski), Tetzlaff (58. Kampf), Unzeitig, Mohs (79. Horwege) - Brendel, Carlson, Bock - Cristiane, Müller

Tore:
1:0 Prinz (38.)
1:1 Cristiane (44.)
2:1 Wimbersky (69.)
3:1 Prinz (75.)
4:1 Wimbersky (79.)
5:1 Wimbersky (90+2)

Gelbe Karten: Pezzato, Unzeitig, Mohs

Schiedsrichterin: Nicole Schumacher (Oberhausen)

Zuschauer: 830


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