Text von Tom Schlimme Bilder von Volker Lieberum 4.2.2007
Rheines Manager Alfred Werner war noch in der Halbzeitpause überzeugt, dass seine Mannschaft heute beim 1. FFC Frankfurt verlieren würde. Doch der Halbzeitstand von 0:0 war nach 92 Minuten auch der Endstand, Rheines Spielerinnen lagen sich jubelnd in den Armen, die aus Frankfurt verstanden die Welt nicht mehr.
Drei Pfostenschüsse, insgesamt gut zehn hochkarätige Chancen, ein Eckenverhältnis von mehr als 15:0 hatten die Frankfurterinnen auf ihrer Habenseite zu verzeichnen, doch das alles entscheidende Tor fehlte. Pech, Unvermögen bei den (Ex)Meisterschaftsfavoritinnen? Meiner Meinung nach beides!
 Wer hätte das gedacht: Am Ende jubelte das Team von Heike Rheine
Unvermögen zeigte sich bei den vielen Eckbällen, von denen nicht einer zu einer wirklich torgefährlichen Situation führte. Hier sind Trainingseinheiten fällig, wie es auch Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks in der Pressekonferenz nach dem Spiel einräumte. Pech war aber auch dabei, denn einer der Freistoßpfostenschüsse von Renate Lingor hätte nun wirklich reingehen können, oder in der Szene in der 54. Minute, als Birgit Prinz schon die sehr gute Rheinenser Torhüterin Loes Geurts ausgespielt hatte und dann noch am Pfosten scheiterte.
 Kaum zu glauben, aber dieser Schuss von Birgit Prinz prallte vom Innenpfosten ins Spiel zurück! Anouk Dekker wäre hier machtlos gewesen, Torhüterin Geurts war schon ausgespielt
Auch bei so manch anderer Frankfurter Großchance beschlich mich als Zuschauer früh das Gefühl, heute würde kein Tor fallen, zu unwahrscheinlich war es, solche Chancen zu vergeben, der Gedanke, ein Fluch läge über dem Tor bzw. es sei mit unsichtbaren Brettern vernagelt, drängte sich einfach auf.
Das Spiel war extrem einseitig, Rheine tat wie angekündigt und stellte sich mit zwei Viererketten hinten rein. Nationalspielerin Kerstin Stegemann, sonst bei Rheine meist im Mittelfeld zu finden und eine der torgefährlichsten Spielerinnen im Team, bildete mit Anouk Dekker die Innenverteidigung und verließ kaum einmal den eigenen Strafraum. Ein Sonderlob von Manager Werner bekam die erst 16-jährige Lena Wermelt, die neben den Routiniers Stegemann und Dekker ein Superspiel in der Abwehr machte. Nach vorne ging dafür gar nichts. Die Versuche, mit hohen steilen Bällen die schnellen Spitzen Dyanne Bito und Melissa Thiem zu erreichen, scheiterten fast alle, Rheine bekam den Ball praktisch nicht aus der eigenen Hälfte.
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Typisches Bild: Kerstin Stegemann spitzelt den Ball vor ihrer Nationalmannschaftskollegin Renate Lingor weg. Anouk Dekker braucht nicht mehr einzugreifen
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Abgesehen von der 78. Minute, da hatte Rheine die einzige Chance im gesamten Spiel, und das war eine große: hohe steile Flanke auf Bito, Tina Wunderlich verschätzt sich, Bito hat den Ball, geht auf die herauslaufende Frankfurter Keeperin Uschi Holl zu, schießt, statt die Torhüterin auszuspielen, und der Schuss geht knapp vorbei.
 Die Riesenchance von Dyanne Bito (14) - das hätte die Sensation sein können! Doch Keeperin Uschi Holl war gut herausgelaufen und Tina Wunderlich auch schon wieder ganz nah...
Frankfurt war in diesem Spiel vergleichsweise bestens besetzt. Renate Lingor wirkte erstmals seit langem wieder richtig fit, Pia Wunderlich, deren Einsatz nach ihrer durch einen Bänderriss bedingten Verletzungspause noch fraglich war, konnte spielen und wirkte ebenfalls gesund. Steffi Jones war wieder dabei und hielt es bald nicht mehr in der Abwehr aus, sondern versuchte im gegnerischen Strafraum ihre Kopfballstärke zum Einsatz zu bringen. Einzig Petra Wimbersky hatte wegen einer von der Chinareise der Nationalmannschaft mitgebrachte Zehenverletzung um Schonung gebeten und wurde erst sehr spät eingewechselt, und am verletzungsbedingten Fehlen der defensiven Mittelfeldspielerin Louise Hansen kann die Torflaute auch nicht gelegen haben.
 Hier ist es Birgit Prinz, die von Kerstin Stegemann gestört wird. Im Hintergrund steht wieder Anouk Dekker bereit
Lauffreude und Kampfbereitschaft waren nicht nur bei Rheine zu sehen, sondern auch auf Frankfurter Seite vorhanden, wo auch noch Spielwitz dazukam, auch taktisch gab es kaum etwas zu bemängeln, das Frankfurter Spiel wurde immer wieder über die Flügel in die Breite gezogen, um Räume zu schaffen, aber je näher der Ball dem Rheinenser Tor kam,
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desto mehr Beine stellten sich einem Torschuss in den Weg. So muss man am Ende dann auch dem Team aus Rheine bescheinigen, dass neben großem Einsatz das verdiente Glück der Tüchtigen zum Erfolg führte.
Die nunmehr fast begradigte Tabelle (das Wiederholungsspiel Bad Neuenahr gegen Wolfsburg steht noch aus) sieht nun also weiterhin Duisburg vor Frankfurt an der Tabellenspitze, jetzt mit einem Punkt Vorsprung. Am Tabellenende hat Rheine aufgrund des Torverhältnisses einen entscheidenden Platz gut gemacht und den punktgleichen SC Freiburg auf den 11. Platz verdrängt. Kann keiner sagen, die Bundesliga sei nicht spannend. Und um gleich noch ein Klischee zu widerlegen: Schiedsrichterin Marija Kurtes hat sehr gut gepfiffen!
 Morgens um 5 Uhr mit dem Bus gestartet: "Meine Mädels waren wach, als sie auf dem Platz standen" lobte Rheines Manager Alfred Werner seine offensichtlich belastbare Mannschaft
1. FFC Frankfurt:
Holl - Kliehm, T. Wunderlich, Jones, Affeld, Garefrekes, P. Wunderlich (80. Wimbersky), Lingor, Bartusiak,
Smisek, Prinz
FFC Heike Rheine
Geurts - Wermelt (77. Heuvels), Stegemann, Dekker, Kattenbeck, Reinicke, Sauer, Voss, Leugers,
Bito (89. Siegers), M. Thiem (80. Graf)
Tore: Null
Gelbe Karte: Dekker
Schiedsrichterin: Marija Kurtes (Düsseldorf)
Zuschauer: 530
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