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1. Bundesliga, 18. Spieltag

Potsdam macht es wieder spannend!

1. FFC Frankfurt - 1. FFC Turbine Potsdam 1:1 (0:0)

Text von Tom Schlimme

6.5.2007   Potsdam macht es wieder spannend, nicht nur den Kampf um die Meisterschaft in dieser Saison, der nun wieder recht offen ist, weil Frankfurt durch den heutigen Punktverlust nur noch zwei Punkte Vorsprung auf den FCR Duisburg hat und damit vier Spieltage vor Saisonende wieder alles drin ist. Nein, auch die nächste Saison wird wieder spannend werden, denn mit der Leistung am heutigen Tage hat sich Potsdam zurückgemeldet unter den „großen Drei” und wird im nächsten Jahr bei der Vergabe von Meisterschaft und Pokal wieder ein gewichtigeres Wörtchen mitreden als in dieser Saison.

Es ist schon erstaunlich, wie es Potsdams Trainer Bernd Schröder hinbekommen hat, aus diesen zum großen Teil noch sehr jungen (Schröder sprach vor dem Spiel von einem Altersdurchschnitt von 20 Jahren) Spielerinnen ein derart spielstarkes Team zu formen. Laut Schröder standen dabei heute gleich sechs Spielerinnen auf dem Platz, die noch nie gegen den FFC Frankfurt gespielt haben.

Franziska Hagemann und Birgit Prinz

Franziska Hagemann gehört zu den jungen Spielerinnen, die zum ersten Mal auf die dreimalige Weltfußballerin Birgit Prinz (links) trafen

Bild: Tom Schlimme

Allerdings, dies muss man einschränkend anmerken, im Zerstören war die junge Truppe deutlich besser als im Aufbau des eigenen Spiels. Vor allem in der ersten Halbzeit gelang auf Potsdamer Seite nach vorne kaum etwas. Hinten stand eine so auch noch nicht oft gesehene Fünferkette aus Carolin Schiewe, Josephine Schlanke, Babett Peter, Steanie Draws und Aferdita Kameraj, noch tatkräftig unterstützt von der sehr gut aufgelegten Peggy Kuznik, die als Staubsauger vor der Abwehr fungierte und sich dabei oft auf Birgit Prinz konzentrierte, während Kapitänin Jennifer Zietz wieder einmal Renate Lingor das Leben schwer machte.

So kamen die Frankfurterinnen in der ersten Halbzeit zwar zu einer deutlichen Überlegenheit im Mittelfeld, aber kaum einmal in den Potsdamer Strafraum. Die wenigen Frankfurter Chancen vereitelte dann meist Nationaltorhüterin Nadine Angerer. Eine gute Chance in der 23. Minute verpasste Petra Wimbersky, die von Sandra Smisek nach schnellem Vorstoß angespielt das Tor nicht traf. Wenig später lagen dann Babett Peter und Steffi Jones nach einem Zusammenprall ihrer Köpfe am Boden. Peter konnte weiterspielen, Jones mußte mit Schwindelgefühlen vom Platz und setzte sich später mit einer riesigen Beule am Kopf in die Zuschauerränge. Für sie kam Nia Künzer, die mit einigen guten Kopfbällen nahtlos an die kopfballstarke Jones anknüpfen konnte, aber natürlich nicht ganz die Sicherheit in die Abwehr bringt, wie man es von Jones gewohnt ist.

Nia Künzer und Anja Mittag

Anja Mittag am Ball, angegriffen von Nia Künzer

Bild: Peter Henkel

Renate Lingor erwischte mit einigen krassen Fehlpässen nicht ihren besten Tag und setzte auch einen Freistoß kurz vor dem Halbzeitpfiff aus guter Position hoch über den Kasten. So ging es


Nadine Angerer hält

Babett Peter (links) kann sich entspannen: Potsdams Keeperin Nadine Angerer blockt Kerstin Garefrekes in schnellem Herauslaufen noch ab. Eine typische Szene in diesem Spiel!

Bild: Peter Henkel

torlos in die Pause, in der sich die Noch-Potsdamerin und künftige Frankfurterin Conny Pohlers warm machte, um dann auch tatsächlich mit Beginn der zweiten Hälfte für Aferdita Podvorica eingewechselt zu werden. Potsdam wurde nun auch offensiver und kam prompt zu Chancen, so gleich in der 48. Minute durch einen Schuss von Draws aus nächster Nähe, den Frankfurts Keeperin Uschi Holl mit glänzendem Reflex parieren konnte.

In der 54. Minute entschied die gut leitende Schiesrichterin Nicole Schumacher auf Freistoß für Potsdam, etwa 30 Meter vor dem Tor, an sich keine große Gefahr. Doch Keeperin Holl stellte nur eine Zwei-Spielerinnen-Mauer, die von Caro Schiewe mit einem platzierten Schuss mühelos überwunden wurde. Ein an sich haltbarer Ball angesichts der großen Entfernung, doch... siehe Bilder! Damit stand es 0:1 für Potsdam.

Freistoßtor Carolin Schiewe Freistoßtor Carolin Schiewe Freistoßtor Carolin Schiewe Freistoßtor Carolin Schiewe

Locker vorbei an der nur aus Katrin Kliehm und Renate Lingor bestehenden Mauer, Keeperin Uschi Holl zu spät im Eck. Gut geschossen von Caro Schiewe!

Bilder: Tom Schlimme

Aber auch auf der anderen Seite war nun mehr möglich, für Frankfurt taten sich Räume auf, die in der ersten Halbzeit verschlossen geblieben waren. Kerstin Garefrekes, heute nicht so stark wie gewohnt, verpasste nach einer knappen Stunde freistehend mit dem Kopf knapp eine Hereingabe von Smisek, die sich zumindest was ihre Vorbereiterqualitäten angeht, langsam wieder aus einer kleinen Formkrise herausarbeitet. Wenig später muss dann aber wieder Holl mit einem Reflex, diesmal gegen Pohlers, klären. In der 65. Minute bewies auch Potsdams Keeperin Angerer ihre Klasse und bewahrte ihr Team durch gutes Herauslaufen gegen Judith Affeld vor einem Rückstand.

Seitfallrückzieher von Sandra Smisek

Auch das wurde kein Tor: Seitfallrückzieher von Sandra Smisek

Bild: Peter Henkel

Der Ausgleichstreffer lag in der Luft und fiel dann auch durch ein Tor von Birgit Prinz, erzielt in ihrer typischen Manier. Mit dem Ball am


Fuß aufs Tor gezogen, mehrere Gegenspielerinnen stehen gelassen und dann noch platziert abgezogen. Eine Klasseleistung von Prinz, die sich allerdings vorher einige Male zu eigensinnig festgespielt hatte und heute auch nicht ganz ihr Potential ausschöpfen konnte. Auf der Gegenseite schoss dann Pohlers nach Vorarbeit von Mittag aussichtsreich über das Tor, die eingewechselte Karolin Thomas, erstmals für die erste Mannschaft des FFC Frankfurt auf heimischem Platz schoss genau auf Angerer, dann wehrte Angerer einen Schuss von Smisek ab, Nachschuss Weber, wieder abgeblockt. Es gab noch einige Frankfurter und zwei Potsdamer Chancen für die eingewechselte Bianca Schmidt, aber nachdem Petra Wimbersky in der Schlussminute Angerer noch einmal genau in die Arme schoss, pfiff Schiri Schumacher ab.

Birgit Prinz

Birgit Prinz besorgte den Frankfurter Ausgleich wieder einmal im Alleingang

Bild: Peter Henkel

Nach Meinung ihres Trainers Schröder in der Pressekonferenz hätte Potsdam das Spiel durchaus gewinnen können. Seine Mannschaft sei acht Jahre jünger und unerfahrener als der Gegner gewesen. In der nächsten Saison werde man mit diesem Team wieder voll angreifen. Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks trauerte der ersten Halbzeit nach, in der man optisch überlegen gewesen sei, aber nicht den nötigen Zug hinter den Aktionen hatte. Beide Trainer waren sich einig, dass die zweite Halbzeit deutlich besser als die erste gewesen war, ein Genuss allemal für die über 2000 Zuschauer, auch wenn sich diese in ihrer Mehrzahl sicher einen Frankfurter Sieg gewünscht haben.



1. FFC Frankfurt

Holl - Kliehm, Jones (38. Künzer), T. Wunderlich, Affeld - P. Wunderlich (61. Thomas), Lingor (67. Weber), Garefrekes, Wimbersky, Prinz, Smisek

1. FFC Turbine Potsdam

Angerer - Schiewe, Schlanke, Peter, Draws (58. Hagemann), Kameraj - Kuznik, Zietz, I- Kerschowski (77. Schmidt), Mittag, Podcorica (46. Pohlers)

Tore:
0:1 Schiewe (54.)
1:1 Prinz (67.)

Gelbe Karten: P. Wunderlich /
Draws, Podvorica

Schiedsrichterinnen: Nicole Schumacher (Oberhausen) - Marija Kurtes, Katrin Heimann

Zuschauer: 2040


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