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1. Bundesliga, 20. Spieltag

Birgit Prinz macht den Unterschied

1. FFC Frankfurt - Hamburger SV 2:1 (0:0)

Text von Tom Schlimme

20.5.2007   Nach einem schweren Stück Arbeit gegen eine nicht nur mit großem Einsatz und taktischem Geschick, sondern auch beachtlichen technischen Fertigkeiten tapfer kämpfende HSV-Elf kann sich der 1. FFC Frankfurt dem Gewinn der Meisterschaft ganz nahe fühlen. Nicht zuletzt auch dank Manager Siggi Dietrichs neugewonnenen Männer- freundes aus Potsdam, der durch den Sieg seiner Elf beim Konkurrenten Duisburg den Frankfurter Vorsprung auf in diesen zwei Spieltagen praktisch uneinholbare fünf Zähler ausbauen half.

Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks hält sich in öffentlicher Einzelkritik seiner Spielerinnen immer sehr zurück. Diesmal jedoch machte er eine Ausnahme und hob die Leistung von Birgit Prinz besonders hervor. „Ich ziehe den Hut vor ihrer Leistung, wie sie die anderen mitzieht, schon die ganze Saison hindurch. Auch heute hatte Birgit einen großen Anteil am Sieg”, begann Tritschoks sein Statement bei der Pressekonferenz. Dem kann ich mich nur anschließen, Prinz hat auch in meinen Augen eine unglaubliche Saison gespielt, etliche Spiele allein entschieden, und ihre positive Wirkung auf ihre Mitspielerinnen ist unübersehbar.

Bianca Weech hält gegen Birgit Prinz

Zwei Schlüsselfiguren des heutigen Spiels: HSV-Keeperin Bianca Weech hält hier einen Ball von Birgit Prinz

Bild: Volker Lieberum

Dies soll nicht die Leistung der anderen Spielerinnen schmälern, ohne die Prinz, wie sie auch selber immer wieder hervorhebt, alleine auch nichts gewinnen könnte, aber es darf nach diesem entscheidenden Spieltag und nach einer erneut herausragenden Leistung von Prinz einmal gesagt werden, es war die Saison der Birgit Prinz. Wenn alle deutschen Nationalspielerinnen in dieser Form wären, müßte man sich um die WM weniger Sorgen machen. Auch Hamburgs Trainer Achim Feivel stimmte zu, Prinz habe in den entscheidenden Momenten einfach den Unterschied gemacht.

Friederike Engel, Imke Wübbenhorst und Judith Affeld

Selten hatte es eine Frankfurter Angreiferin mit nur einer Gegnerin zu tun. Hier plagt sich Judith Affeld (rechts) gegen Imke Wübbenhorst (Mitte) und Friederike Engel

Bild: Peter Henkel

Feivel war zufrieden mit dem Spiel seiner Mannschaft und konnte dies auch sein. Vor allem in der ersten Halbzeit war für Frankfurt kaum ein Durchkommen durch die gut verschiebene lauffreudige HSV Abwehr, die erwartungsgemäß praktisch aus der ganzen Mannschaft bestand, denn selbst die Stürmerinnen Tanja Vreden und Shelley Thompson leisteten gute Defensivarbeit. Dabei wirkte Hamburg jedoch immer gefährlich, das Stürmerduo, aus dem Mittelfeld gut unterstützt von Silva Lone Saländer, zeigte durchaus auch Offensivqualitäten.

In einer Szene nach einer halben Stunde ließ Vreden sogar ab der Mittelinie in Prinz-Manier mit dem Ball laufend drei Gegenspielerinnen stehen, kam bedrängt zu einem schönen Schuss, den Frankfurts Keeperin Uschi Holl aber glänzend parierte. Dies war die zweite Hamburger Chance im Spiel. Frankfurt hatte bis dahin schon etliche gute Möglichkeiten gehabt, die meisten nach Freistößen. Zwei Schüsse von Prinz gingen nur knapp am Tor vorbei, der erste nach vier Minuten. Pia Wunderlich schoss genau in die Arme von Hamburgs Torfrau Bianca Weech, die wenig später auch im Herauslaufen gegen Prinz ihre Klasse zeigte und einen aussichtsreichen Ball unter sich begraben konnte. Meist schossen die Frankfurterinnen jedoch einfach daneben, so in der 24.


Freude nach dem 1:0

HSV-Keeperin Bianca Weech am Boden - eben hat Kerstin Garefrekes (Nr. 18) das 1:0 für Frankfurt erzielt und damit die Tür zur Meisterfeier ganz weit aufgemacht. Verdientermaßen wird sie von der Vorbereiterin Birgit Prinz umarmt, und auch Sandra Smisek kommt zum Gratulieren

Bild: Volker Lieberum

Minute, als nach einem schönen Spielzug von Prinz steil auf rechts Kerstin Garefrekes zum Flanken kam und Sandra Smisek den Ball über das Gehäuse jagte. Meike Weber kam in der 25. Minute am rechten Strafraumeck völlig frei zum Schuss, doch der Ball rutschte ihr über den Schlappen, eine Szene, die sich später im Spiel noch einmal wiederholen sollte.

Ein gefährlicher Kopfstoß von Steffi Jones nach Eckball ist auch noch zu erwähnen und ein Schuss von Karolin Thomas, den Weech mit glänzender Reaktion parierte. Überhaupt Weech, super, was die hielt! Nur ihrer Keeperin verdankten die Hamburger, dass es torlos in die Pause ging, denn als Garefrekes kurz vor dem Halbzeitpfiff von Prinz genial steil geschickt allein vor Weech auftauchte, blieb erneut die Hamburgerin Siegerin.

Friederike Engel und Sandra Smisek

Friederike Engel (links) und Sandra Smisek im Zweikampf

Bild: Volker Lieberum

Tritschoks, der auf die verletzten Petra Wimbersky und Renate Lingor verzichten mußte, stellte zur Pause um. Karolin Thomas blieb in der Kabine, Katrin Kliehm rückte auf die rechte Abwehrposition, die bis dahin Saskia Bartusiak eingenommen hatte, und Bartusiak rückte auf die linke Spitze, so dass der linke Flügel in Folge deutlich gefährlicher wurde. Überhaupt gingen die Frankfurterinnen mit mehr Dampf in die zweite Halbzeit, und kamen dann auch endlich zum verdienten Führungstreffer. Prinz spielte sich links durch bis zur Torauslinie, gab den Ball in die Mitte, Schuss Garefrekes, Weech blockt ab, Nachschuss Garefrekes sitzt dann endlich.

Christine Schoknecht und Saskia Bartusiak

Vielseitig einstzbar: Saskia Bartusiak (rechts), erst rechte Verteidigerin, dann Linksaußen. Hier gegen Christine Schoknecht

Bild: Peter Henkel

Wenn Hamburgs Abwehrspielerin Vanessa Schröer nicht in letzter Sekunde von Smisek geklärt hätte, wäre in der 56. Minute der zweite Frankfurter Treffer gefallen. Besonders hervorheben in der Hamburger Abwehr möchte ich übrigens noch Tina Plessen, die eine starke Leistung bot. In der 58. Minute schoss dann Prinz an den Pfosten nach Vorarbeit von Garefrekes, aber auf der anderen Seite kam auch Wübbenhorst zu einem Schuss, der allerdings auch nicht traf. Stephanie Ende schaffte es wenig später, die durchgebrochene Prinz noch abzufangen, und dann war es wieder Keeperin Weech, die einen sehr schönen Angriff über Bartusiak von links auf Prinz noch abfangen konnte. Klar aber auch, dass irgendwann der zweite Frankfurter Treffer fallen mußte. In


der 76. Minute spielte Smisek steil auf Prinz, die von rechts in den Strafraum, Flanke in die Mitte, Pia Wunderlich allein vor dem Tor, Bums, 2:0.

Der Hamburger Anschlusstreffer in der ersten Minute der Nachspielzeit war ein Frankfurter Gastgeschenk. Katrin Kliehm patzte auf der rechten Seite, ausgerechnet die eingewechselte Ex-Frankfurterin Marion Wilmes zog mit dem Ball aufs Tor und ließ Uschi Holl mit einem Flachschuss ins lange Eck keine Chance.

Auf meine Frage, wieso Hamburg bei dieser Leistungsstärke in der Tabelle so weit unten steht, erklärte Achim Feivel, gegen gute Mannschaften habe man in der Saison immer wieder gute Leistungen abrufen können, diese dann aber im darauffolgenden Spiel gegen schwächere Gegner nicht bestätigt. Bei mehr Konstanz wäre diesem Team allerdings einiges zuzutrauen!

Shelley Thompson beim Kopfball

HSV-Stürmerin Shelley Thompson, hier beim Kopfball gegen Tina Wunderlich, konnte ihr Potential heute nur andeuten. Weder Karolin Thomas noch Keeperin Uschi Holl mußten hier eingreifen

Bild: Volker Lieberum

In Frankfurt sind nun alle Augen auf das Pokalfinale in Berlin am Samstag gerichtet. Tritschoks erklärte, er wolle „das Ding in Berlin jetzt endlich mal gewinnen” und den Fans den Pokal nach Hause holen. Ob bis Samstag Wimbersky und Lingor wieder fit sind, ist aber noch unklar. Auf jeden Fall darf man auf das Pokalfinale gespannt sein!

Pia Wunderlich macht das 2:0

Das 2:0 durch Pia Wunderlich,Keeperin Bianca Weech ist ausgespielt

Bild: Volker Lieberum

1. FFC Frankfurt

Holl - Affeld, Jones, T. Wunderlich, Bartusiak (68. Hansen) - Garefrekes, Thomas (46. Kliehm), Weber, P. Wunderlich, Prinz, Smisek (84. Künzer)

Hamburger SV

Weech - Engel, Ende (68. Wilmes), Plessen, Schröer - Wübbenhorst (85. Gärtner), Saländer, Schoknecht - Thompson, Blässe (80. Borkowski), Vreden

Tore:
1:0 Garefrekes (49.)
2:0 P. Wunderlich (79.)
2:1 Wilmes (90.)

Gelbe Karten: Plessen, Schoknecht, Wübbenhorst

Schiedsrichterin: Marina Wozniak (Herne)

Zuschauer: 1.055


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