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1. Bundesliga, 6.Spieltag

Spannendes Spitzenspiel

1. FFC Frankfurt - SG Essen Schönebeck 2:1 (0:0)

Text von Tom Schlimme

6.11.2006   Der Unterschied zwischen einem Fußballplatz und einem holprigen Acker war nicht mehr sehr groß im Stadion am Brentanobad. Ein Umstand, den sicher vor allem die technisch starken Frankfurterinnen bedauerten, deren Kombinationsspiel doch im Gegensatz zum 9:1 Erfolg auf bestem Rasen in Freiburg vor einer Woche sehr behindert wurde. Trotzdem gelang beiden Mannschaften ein Spiel, dass dem Anspruch eines Spitzenspiels zwischen zwei punktgleichen Tabellenführern vollauf gerecht wurde.

Dass es bis zum Schluss spannend, ja sogar hochdramatisch blieb, war allerdings vor allem dem Team aus Essen zuzuschreiben, das im Gegensatz zu vielen anderen Gästen am Brentanobad keineswegs nur verteidigte, sondern in allen Belangen gut dagegenhielt, oft gleich mit vier oder fünf Spielerinnen in die Konter ging. So hatte Essen auch gleich die erste ganz dicke Chance des Spiels, als Frankfurts Nationaltorhüterin Silke Rottenberg in einer riskanten Aktion gegen die allein vor ihr auftauchende Melanie Hoffmann klären mußte.

Meike Weber und Carina Chojnacki

Carina Chojnacki, hier vor Meike Weber am Ball, erzielte per Kopf das Essener Tor

Bild: Nora Kruse

Ein Kopfball von Kerstin Garefrekes über das Tor in der 14. Minute war die beste Chance für Frankfurt bis dahin, ging jedoch über das Tor. Nur wenig später machte es ihr Mandy Islacker auf der anderen Seite nach, allerdings mit einem Schuss aus 20 Metern. Schiedsrichterin Anja Kunick mußte früh Gelb für Charline Hartmann nach Foul an Birgit Prinz zeigen und einige Essener Spielerinnen ermahnen, es ging schon hart zur Sache. Einmal zerstörte die nicht immer richtig liegende Kunick einen sehr vielversprechenden Frankfurter Vorteil, um Marlene Kowalik Gelb zu zeigen, ein anderes Mal übersah sie ein Foul von Steffi Jones an Mirja Kothe außerhalb des Strafraums, aber letztlich blieben diese Entscheidungen ohne Einfluss auf den Spielverlauf, und die Härte des Spiels pendelte sich dann auch im üblichen Rahmen ein.

Birgit Prinz, Stephanie Schubert und Carina Chojnacki

Birgit Prinz mußte sich meist mit mehreren Essener Abwehrspielerinnen auseinandersetzen, hier sind es Stephanie Schubert und Carina Chojnacki

Bild: Volker Lieberum

Wie erwartet erspielte sich Frankfurt insgesamt ein Übergewicht und erspielte sich noch einige Chancen, die jedoch knapp durch Petra Wimbersky, Birgit Prinz, Sandra Smisek, Steffi Jones und Kerstin Garefrekes vergeben wurden. Zur Halbzeitpause konnte Stadionsprecher Rolf Töpperwien jedoch mit Recht sagen, dass man ein ausgeglichenes Spitzenspiel gesehen habe.

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Frankfurts Spielmacherin Renate Lingor schirmt hier den Ball vor Karina Hellmann ab

Bild: Nora Kruse

Nach dem Seitenwechsel hatte wie zu Beginn wieder Essen die erste große Chance, Tumult im Frankfurter Strafraum, doch Islacker köpft den Ball ins Niemandsland. Eine der schönsten Szenen des Spiels hatte wenig später Wimbersky, die nach Vorbereitung von Smisek einen herrlichen Flugkopfball nur ganz knapp über das Tor setzte. Auf


Marlene Kowalik und Petra Wimbersky

So eng wie dieser Zweikampf zwischen Marlene Kowalik (links) und Petra Wimbersky war das ganze Spiel zwischen den vorher punktgleichen Tabellenführern aus Frankfurt und Essen

Bild: Nora Kruse

der anderen Seite war ein zu schwacher Flachschuss von Stefanie Mpalaskas kein Problem für Keeperin Rottenberg, ebenso wie ein Fernschuss von Mpalaskas wenig später, der zwar mehr Wucht hatte, aber dafür über die Latte ging.

Für Frankfurt setzte sich Prinz mehrmals gut durch, wurde aber immer im letzten Moment von der vielbeinigen Essener Abwehr abgeblockt, häufig war das Frankfurter Spiel im Strafraum auch zu kompliziert, man hatte manchmal den Eindruck, der Ball solle ins Tor getragen werden. So blieb das Spiel offen bis zur 71. Minute, als Renate Lingor einen Freistoß an der Mauer vorbei ins Eck spitzeln konnte.

Freistoßtor durch Renate Lingor Freistoßtor durch Renate Lingor Freistoßtor durch Renate Lingor

Das Freistoßtor durch Renate Lingor (mit der 10 ganz links im zweiten und dritten Bild)

Bilder: Tom Schlimme

Doch Essen hielt weiter dagegen, zwang Frankfurts Torhüterin Rottenberg zu einer Faustabwehr nach einer Ecke. Aber auch Frankfurt hatte weitere Chancen, so nach einem Alleingang von Garefrekes, die knapp über das Tor schoss. Doch der nächste Teffer fiel auf der anderen Seite: Nach einem Freistoß kam Carina Chojnacki zum Kopfstoß und verwandelte zum von den Essener Spielerinnen stürmisch bejubelten Ausgleich in der 87. Spielminute. Normalerweise geht so ein Spiel dann unentschieden aus, nicht so in Frankfurt. Wie schon beim 2:1 gegen Bayern München gelang nach einer Ecke noch der Siegtreffer, diesmal durch Garefrekes, die den Ball in die Maschen stochern konnte.

Siegtor durch Kerstin Garefrekes Siegtor durch Kerstin Garefrekes Siegtor durch Kerstin Garefrekes

Das Siegtor durch Kerstin Garefrekes in der 89. Minute

Bilder: Volker Lieberum

So bleibt es nach der Aussage nach dem Bayern-Spiel, wer so viel Glück hat, muss einfach Meister werden. Andererseits muss aber auch gesagt werden, dass der Frankfurter Sieg an den Spielanteilen und Chancen gemessen schon in Ordnung geht. So sah es auch Essens Trainer Ralf Agolli, der sich natürlich über das späte Gegentor ärgerte, insgesamt aber sein Ziel erfüllt sah, sich hier achtbar aus der Affäre zu ziehen. Deutlicher haderte Agolli mit Schiedsrichterin Kunick, die einen Rückpass von Jones, den Rottenberg mit der Hand aufgenommen hätte, nicht als solchen erkannt hätte, im Gegenzug sei es dann zum Freistoß


und zur Frankfurter Führung gekommen. Mit der Mannschaftsleistung und Kompaktheit, mit der sein Team hier aufgetreten sei, könne er aber gut leben.

Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks freute sich für die Zuschauer über das spannende Spiel, das ihn als Trainer aber sehr viele Nerven gekostet habe. In der ersten Halbzeit sei es noch nicht so gut gelaufen, seine Spielerinnen seien nach Standards nicht schnell genug zurückgekommen, durch die Steigerung in der zweiten Halbzeit sei der Sieg dann schon verdient gewesen. Angesprochen auf die Aussagen von Potsdams Trainer Bernd Schröder, der in verschiedenen Medien sowohl den 1. FFC Frankfurt als auch die Nationalmannschaft heftig kritisiert hatte, sagte Tritschoks: "Die Antwort darauf geben wir nächste Woche auf dem Platz." Wer dies miterleben will und aus Richtung Frankfurt mit nach Potsdam fahren möchte, hat dazu noch die Möglichkeit: Erstmals wurde für dieses Spiel für die Fans ein Bus organisiert, für 35 Euro besteht noch Mitfahrgelegenheit!

Steffi Jones und Mandy Islacker

Spannende Kampfszenen, wie hier Steffi Jones im Kopfballduell mit Mandy Islacker, dürfte es auch nächste Woche beim Klassiker in Potsdam zu sehen geben

Bild: Volker Lieberum



1. FFC Frankfurt:

Rottenberg - Wunderlich, Jones (75. Marciak), Zerbe, Bartusiak, Weber, Lingor, Garefrekes, Wimbersky (85. Hartel), Prinz, Smisek

SG Essen Schönebeck:

Löhr - Chojnacki, Schubert, Duhme, Kowalik, Mpalaskas, Bresonik, Hoffmann, Kothe (79. Hellmann), Hartmann, Islacker (61. Lange)

Tore:
1:0 Lingor (71.)
1:1 Chojnacki (87.)
2:1 Garefrekes (89.)

Gelbe Karten: Hartmann, Kowalik

Schiedsrichterin: Anja Kunick (Leipzig)

Zuschauer: 1060


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