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1. Bundesliga, 8.SpieltagIn der Liga angekommen1. FFC Frankfurt - TSV Crailsheim 4:1 (1:0) | ||
Text von Tom Schlimme26.11.2006 Wer es bis jetzt noch nicht gemerkt hat, sollte es nach diesem Spiel wissen: Der Liganeuling TSV Crailsheim wird mit dem Abstiegskampf nichts zu tun bekommen. Das Team um Trainer Günther Wörle fällt in keiner Weise gegenüber den anderen Teams aus dem Mittelfeld der Liga ab und bewies dies mit einer starken Leistung beim Meisterschafts- favoriten 1. FFC Frankfurt. Auf dem schwer bespielbaren, weil extrem rutschigen und holprigen Boden - Rasen wäre schöngeredet - hatten die Spielerinnen aus Crailsheim das bessere Rezept. Mit hoher Laufbereitschaft, spritzig und schnell griffen sie die ballführenden FFC-Spielerinnen an, zwangen diese zu Fehlpässen oder erkämpften sich sogar den Ball. ![]() Petra Wimbersky hatte es nicht leicht gegen die aggresiv angreifenden Crailsheimerinnen, hier Karin Burger, erzielte aber dann doch ein sehr schönes Kopfballtor Dass es am Ende doch 4:1 für Frankfurt ausging, liegt einfach an der natürlich immer noch vorhandenen höheren individuellen Klasse der FFC-Spielerinnen - aber auch schlicht am Glück, denn die Höhe des Sieges entspricht nicht unbedingt dem Spielverlauf. Allerdings hätte Frankfurt früh in Führung gehen können, als Birgit Prinz von rechts auf den zweiten Pfosten flanken konnte, Saskia Bartusiak von dort den Ball volley in den Strafraum hob und Petra Wimbersky zum Kopfball kam. Doch die gute Crailsheimer Keeperin Stefanie Kübler parierte glänzend. ![]() Crailsheims Rückhalt im Tor: Stefanie Kübler Weitere echte Chancen gab es in der ersten Viertelstunde aber auf beiden Seiten nicht. Crailsheim führte einige schöne Angriffe über die schnelle Julia Manger, die meist von Tanja Wörle auf die Reise geschickt wurde, aber dann doch immer noch vor dem Strafraum von der aufmerksamen Frankfurter Verteidigung gestoppt werden konnte. Verteidiger werden selten gelobt, drum sei es hier mal erwähnt: Die Innenverteidigerinnen Tina Wunderlich und Christina Zerbe standen sehr sicher und ließen kaum eine Chance zu, die linke Außenverteidigerin Judith Affeld tat über ihre gute Abwehrarbeit hinaus noch viel für die Offensive. Auf rechts rückte Katrin Kliehm ab der 34. Minute für die mit muskulären Problemen ausgewechselte Kerstin Garefrekes nach vorne und Anna Marciak auf ihre Position in der Viererkette. Auf Crailsheimer Seite machten aber auch Martina Honecker, Daniela Held, Nadine Beck und Karin Burger ihren Job in der Abwehr gut, so dass die Frankfurter Stürmerinnen sich ihre Chancen äußerst mühsam erarbeiten mußten. Dies wurde ihnen durch den Umstand erschwert, dass auf Frankfurter Seite doch erhebliche Ausfälle zu beklagen waren: am leichtesten sicher zu verschmerzen der verletzungsbedingte Ausfall von Nationaltorhüterin Silke Rottenberg, die durch Uschi Holl gut vertreten wurde, kaum zu ersetzen aber Mittelfeld- regiesseurin Renate Lingor. Kerstin Garefrekes mußte ebenfalls wie erwähnt früh ersetzt werden. Dazu fehlten noch Sandra Smisek, die sich in Prüfungen befindet, und Steffi Jones, deren Bruder im Irak mit dem LKW über eine Mine gefahren ist und beide Beine verloren hat. Angesichts solch trauriger Nachrichten fällt es mir schwer, weiter von Fußball zu berichten, aber ich will es versuchen. Ich wünsche Steffi Jones und ihrer Familie alle Kraft die sie braucht, um diesen schrecklichen Schlag zu bewältigen! Der Frankfurter Führungstreffer fiel zu einem Zeitpunkt, als das Spiel ausgewogen hin und her ging. Ecke Frankfurt, Birgit Prinz zieht den Ball gefährlich auf den zweiten Pfosten, Gewühl im Strafraum, nach einem Moment der Unsicherheit und mit Blick auf die Linienrichterin, die den Ball hinter der Linie sah, entschied Schiedsrichterin Riem Hussein auf Tor. Der Treffer war umstritten, die Entscheidung aber richtig. Ich konnte in der Halbzeitpause ein Bild auf dem Laptop eines Fotoreporters sehen, auf dem deutlich zu erkennen war, dass Kübler den Ball erst hinter der Linie greifen konnte. |
Kampf war Trumpf, vor allem von Seiten Crailsheims, doch es blieb fair. Hier bremst Martina Honecker (Crailsheim, links) Saskia Bartusiak | |
Crailsheim hielt aber weiter dagegen, erneut Manger konnte gerade noch von Wunderlich gestoppt werden. Auf der anderen Seite hob Barusiak nach guter Vorarbeit von Wimbersky den Ball an die Latte, Prinz schoss nach Sololauf gegen drei nur knapp vorbei. Crailsheim nach einem Freistoß gefährlich, aber gut geklärt von Wunderlich. Es gab noch eine Chance für Prinz, aber ihre Volleyabnahme ging über das Tor, auf Crailsheimer Seite setzte sich Anna Bornhoff links durch, traf dann aber nur das Außennetz, und auch Frankfurts defensive Mittelfeldspielerin Louise Hansen kam im Strafraum zu einem Schuss, der flach und knapp vorbei ging.
Das umstrittene Frankfurter Führungstor: Der von Birgit Prinz getretene Eckball geht hoch über Kübler hinweg am zweiten Pfosten ins Netz. Dass er wirklich drin war, sieht man hier nicht, aber gut zu erkennen ist, dass keine Spielerin bei dieser Ecke am langen Pfosten steht. Vermeidbarer Fehler! So ging es dann nach der Pause gleich weiter, wieder Hansen im Strafraum nach schöner Kombination von Prinz zu Barusiak, doch Hansen traf den Ball nicht richtig. Man spürte jetzt schon, Prinz würde es wieder alleine versuchen, und so kam es auch nur wenig später. Eine Szene, die bei einer anderen Stürmerin aufgrund der Entfernung zum Tor kaum als gefährlich empfunden würde, bei Prinz ist der Ball halt drin, flach ins lange Eck von der Strafraumgrenze aus. Auf der Gegenseite holte Holl der Crailsheimer Stürmerin Claudia Nußelt den Ball rechtzeitig vom Kopf, insgesamt kam Frankfurt jetzt aber zu einem deutlicheren Übergewicht als in der ersten Hälfte. Daran änderte auch ein raffinierter Schuss von Wörle nichts, die Holl etwas zu weit vor dem Tor erwischte, denn der Ball ging knapp vorbei. Dann wieder Frankfurt, Superlauf von Kliehm auf rechts, hohe Flanke genau auf den Kopf von Bartusiak, aber schwacher Kopfball. Dann jedoch etwas überraschend der Anschlusstreffer: mit einem steilen hohen Ball in die Nähe des Frankfurter Strafraums überwand Wörle die Frankfurter Innenverteidigung, Holl ist weit draußen, kommt aber zu spät, um Bornhoff noch am Schuss zu hindern, und die momentan erfolgreichste Crailsheimer Stürmerin markierte ihr achtes Saisontor. Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks reagierte sofort und brachte Pia Wunderlich erstmals nach langer Verletzungspause für die heute etwas glücklose Meike Weber. ![]() Welcome back, Pia Wunderlich! Die Frankfurter Fans mußten dann auch nicht mehr sehr lange zittern, Kliehm konnte sich wieder einmal rechts durchsetzen, brachte eine präzise Flanke nach innen, wo Wimbersky den Ball mit dem Kopf mit viel Wucht in die Maschen befördern konnte. Das war praktisch die Entscheidung, auch wenn Crailsheim noch eine sehr gute Chance hatte. Freistoß für Crailsheim aus günstiger Position, Frankfurt stellt aus für mich unerfindlichen Gründen nur zwei |
Spielerinnen in die Mauer und die Latte muss für Keeperin Holl retten.
Nadine Vogt zieht einen Freistoß geschickt über die nur aus zwei Spielerinnen bestehende Mauer, der Ball geht aber nur an die Latte
Wenig später musste Holl dann bei einem Schuss von Bornhoff, die sich gegen die eingewechselte Anna Marciak durchgesetzt hatte, in die Ecke tauchen, um sich den Ball zu angeln. Aber auch Frankfurt hatte noch zwei Möglichkeiten: die erste vergab Bartusiak mit einem Schuss neben das Tor aus kürzester Entfernung, die zweite nutzte erneut Prinz mit einem raffinierten Heber aus gut 20 Metern. Damit hat Prinz in der Torschützenliste mit der führenden Charline Hartmann aus Essen gleichgezogen.
![]() Birgit Prinz entschied mit ihrem drei Toren wieder einmal das Spiel. Hier versucht sie, Daniela Held zu umspielen
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