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1. Bundesliga, 22. Spieltag

Neun Punkte Vorsprung

1. FFC Frankfurt - FFC Brauweiler Pulheim 7:0 (4:0)

Text von Tom Schlimme
Bilder von Volker Lieberum

11.6.2007   Das Team des 1. FFC Frankfurt konnte nach 21 Saisonspielen ohne Niederlage mehr als optimistisch in die Partie gegen den bis dahin punktlosen Absteiger aus Brauweiler gehen, und niemand im Stadion zeigte sich überrascht, als nach 90 Minuten ein glatter 7:0 Erfolg in die Bücher geschrieben werden konnte.

Überraschender war dann eher, wie groß der Abstand auf den schärfsten Verfolger Duisburg am Ende noch geworden war. Satte neun Punkte, das war, nachdem Duisburg am 10. Spieltag sogar einen Punkt in Front gelegen hatte und am 18. Spieltag immerhin noch mal auf zwei Punkte herangekommen war, nicht unbedingt zu erwarten gewesen. Dieser große Abstand gibt nicht wieder, wie spannend diese Saison doch eine ganze Zeit lang war. Doch dieser Abstand spiegelt durchaus die aktuelle Stärke der kompletten Kader der führenden Bundesligamannschaften, wo Frankfurt einfach die bessere Bank hat und den ausgeglichensten Kader vorweisen kann.

Sara Sedgwick, Nathalie Bock und Sandra Smisek

Auch im letzten Spiel der Saison ging es in ordentlichem Tempo zur Sache: hier liefert sich Sandra Smisek (rechts) ein Laufduell mit Nathalie Bock, Sara Sedgwick links ist schon abgehängt

Eine Verletztenmisere, wie sie Duisburg am Ende der Saison ereilt hat, konnte dort nicht aufgefangen werden. Frankfurt blieb auch nicht vor Verletzungen verschont, doch sowohl Renate Lingor, Silke Rottenberg, Pia Wunderlich oder Steffi Jones, um nur einige der in der Saison länger verletzten zu nennen, konnten einigermaßen gleichwertig ersetzt werden. So ist der Gewinn der Meisterschaft nicht nur eine Leistung der jeweils eingesetzten Spielerinnen, sondern auch ein Erfolg des gesamten Vereins, vom Vorstand über Trainer bis zum Manager, die es geschafft haben, diesen großen und gleichwertig besetzten Kader zusammenzustellen.

Renate Lingor, Petra Roth und Dr. Theo Zwanziger

Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth überreichte Renate Lingor den Pokal, DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger klatscht Beifall

Ein persönlicher Erfolg aber auch für jede einzelne Spielerin, deren „hohes Alter” ja schon des öfteren zum Thema gemacht wurde, denen mangelnde Schnelligkeit, das Überschreiten ihres Zenits unterstellt worden war. War wohl nichts, so langsam waren sie ja dann doch nicht, dass es nicht für neun Punkte Vorsprung gereicht hätte!

Das 22. Spiel der Saison war dann auch so einseitig, wie das Ergebnis schon vermuten läßt. Dabei zeigte sich Frankfurt zu Beginn mal wieder meisterlich im Auslassen bester Gelegenheiten. So schaffte es Petra Wimbersky in der fünften Minute, nach prima Vorarbeit von Kerstin Garefrekes, die sich auf links durchgesetzt hatte und den Ball flach von der Torauslinie hereingab, den Ball aus drei Meter Entfernung hoch über den Kasten zu jagen. Nicht besser machte es Sandra Smisek, wieder nach Vorarbeit von Garefrekes, die diesmal über rechts kam, aus kurzer Entfernung knapp vorbei, so ein Ball muss eigentlich drin sein. Das war in der 13. Minute gewesen, in der 15. kam Pia Wunderlich an der 5-Meterlinie zum Schuss, abgeblockt, Nachschuss, abgeblockt, Ball kommt zu Wimbersky, vorbei. Sollte das wieder einmal ein Anrennen gegen ein unsichtbar zugenageltes Tor werden?

Es sollte nicht: Birgit Prinz, auch heute nicht nur wegen ihrer vier Tore überragend, erzielte in der 15. Minute das 1:0. Doch bei dieser knappen Führung blieb es eine Weile, denn die Brauweiler Abwehr zeigte etliche gute Szenen. Sara Sedgwick klärte mehr als einmal in höchster Not noch zur Ecke, auch Nathalie Bock warf sich immer wieder dazwischen, so in der 25. Minute, als sie Smisek in letzter Sekunde abblocken konnte. Die erst 17-jährige Keeperin Klara Muhle hielt,


1. FFC Frankfurt

Renate Lingor stemmt den Meisterpokal in die Höhe - das Double 2006/2007 ist perfekt!

was zu halten war, so eine schöne Direktabnahme von Prinz in der 28. Minute mit tollem Reflex.

Tor durch Birgit Prinz Tor durch Birgit Prinz

Das 1:0 durch Birgit Prinz: Weder Sara Sedgwick noch Keeperin Klara Muhle konnten den Treffer verhindern

Einen ersten Konter setzte Brauweiler dann auch in der 30. Minute: nach Vorarbeit von Susanne Kasperczyk, Brauweilers bester heute, mußte Frankfurts Torhüterin Uschi Holl ihren Kasten verlassen und den Ball vor der heranstürmenden Mariana Ciorba klären. Doch nur eine Minute später klingelte es dann wieder im Brauweiler Kasten. Smisek, heute als Vorbereiterin wesentlich besser als im Verwerten von Chancen, auf Garefrekes, direkt genommen, 2:0.

Frankfurts Spielführerin Renate Lingor zeigte sich, nachdem ihre schwache Form der letzten Monate als Folge einer Erkrankung am Pfeifferschen Drüsenfieber endlich richtig diagnostiziert und auskuriert wurde, deutlich verbessert und schickte ihre Mitspielerinnen mit teilweise traumhaft guten Pässen auf die Reise. Nachdem Smisek nach einem solchen Zuspiel noch an der prima herauskommenden Muhle gescheitert war, führte ein Zuckerpass von „Idgie” auf den rechten Flügel dann zum 3:0. Garefrekes erlief sich den genau getimten Ball, sah Prinz frei vor dem Tor...
Garefrekes spazierte dann kurz vor Halbzeit in der Mitte durch die Abwehrreihen, bediente wieder Prinz, und es ging mit 4:0 in die Pause.

Susanne Kasperczyk und Petra Wimbersky

Brauweilers Susanne Kasperczyk (links), hier im Zweikampf mit Petra Wimbersky, kam zu einigen Fernschüssen, die aber das Ziel weit verfehlten

Das 5:0 erzielte dann Lingor mit dem Knie aus kurzer Entfernung, beim 6:0 bewies Garefrekes in einer 1:1-Situation gegen Muhle ihre Nervenstärke, und den Abschluss bildete dann ein schöner Distanzschuss von Prinz in den Winkel. Birgit Prinz holte sich damit auch die Torjägerkanone mit insgesamt 28 Treffern in dieser Saison.

Uschi Holl

Keeperin und Pokalheldin Uschi Holl, die Frankfurt nun Richtung Bad Neuenahr verlassen wird, wurde nach einer Stunde ausgewechselt und durfte den Sonderapplaus des Publikums genießen

Der Rest war feiern: 1780 Zuschauer waren gekommen und standen in den letzten Minuten auf, um mit Standing Ovations ihrem Team für eine tolle Saison zu danken. Hannelore Ratzeburg, die Vorsitzende des Ausschusses für


Frauenfußball des DFB, Frankfurts Oberbürgermeisterin Petra Roth, Bundestrainerin Silvia Neid und DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger überreichten Medaillen, Wimpel und Pokal.

Publikum des 1. FFC Frankfurt

Nur noch wenige Sekunden bis zum Abpfiff einer erfolgreichen Saison!

Ein Riesenbierglas wurde schon auf dem Platz geleert, dann ging es mit der FFC-Straßenbahn - wohl die einzige Straßenbahn der Welt, die von außen vollständig dem Frauenfußball gewidmet ist, zum Frankfurter Römer, wo die Mannschaft vom Balkon aus den Fans noch einmal die beiden in dieser Saison gewonnenen Pokale präsentierte. Spontan lud OB-Roth die Menge - immerhin gut 500 Personen, ein, im Kaisersaal des Römers die Festreden und das Eintragen der Spielerinnen ins Goldene Buch der Stadt Frankfurt mitzuerleben.

Frankfurter Römer Frankfurter Römer

Riesenempfang auf dem Frankfurter Rathaus, dem Römer: Susanne Hartel (links) stemmt den DFB-Pokal, Renate Lingor (Mitte) den Meisterpokal

Leid tut es mir um den Traditionsverein aus Brauweiler, der in der zweiten Liga neu aufbauen will. Trainer Manuel Ortiz Gonzalez erklärte in der Pressekonferenz, man müsse nicht unbedingt nächste Saison gleich wieder aufzusteigen, sondern werde mit den vielen jungen Spielerinnen im Verein eine stabiles Fundament schaffen, um dann später wieder fest Fuß in der 1. Liga fassen zu können. Die finanzielle Lage des Vereins ist angespannt, aber von Aufgeben kann keine Rede sein. „Junge Spielerinnen in der 2. Liga kosten ja praktisch kein Geld”, erkärte Ortiz. Sehr rosig scheint es also nicht um den Verein zu stehen, doch das Konzept zum Neuaufbau klingt vernünftig und ich drücke dem Verein alle Daumen, dass es zum Erfolg führt!

1. FFC Frankfurt

Holl (58. Janischewski) - Affeld, Künzer, T. Wunderlich, Bartusiak (46. Kliehm) - Lingor, P. Wunderlich, Garefrekes - Wimbersky (69. Hansen), Prinz, Smisek

FFC Brauweiler Pulheim

Muhle - Fehrenbach (58. Thal), Sedgwick, Niculescu, Bock - Balzer (33. Koch), Kasperczyk, Lenz, Seuren - Blömen, Ciorba

Tore:
1:0 Prinz (15.)
2:0 Garefrekes (31.)
3:0 Prinz (40.)
4:0 Prinz (44.)
5:0 Lingor (55.)
6:0 Garefrekes (72.)
7:0 Prinz (88.)

Gelbe Karten: Keine

Schiedsrichterin: Tanja Schneider (Amberg)

Zuschauer: 1780

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