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1. Bundesliga, 7.Spieltag

Schützenfest "Am Hallo"

SG Essen Schönebeck - FFC Heike Rheine 9:1 (1:1)

Von Meret Schockenbäumer

20.11.2006   Am 7.Spieltag der 1.Frauenfussballbundesliga traf die SG Essen-Schönebeck auf den FFC Heike Rheine. Beide Mannschaften gingen mit unterschiedlichen Vorraussetz- ungen in die Partie. Während die SGS einen stolzen 3. Tabellenplatz vorweisen kann und das heutige Spiel als Pflichtsieg abhaken wollte, muss Rheine möglicherweise um den Klassenerhalt bangen. Zudem gab es in der letzten Woche einige Tumulte in der Führungsetage als deren Ergebnis Marketing- und Medienchef Vincent ten Voorde nach einem Streit mit Präsident Alfred Werner wutentbrannt den Verein verließ.

Um diesen ganzen Ärger zu vergessen, wollte Heike Rheine wenigstens sportlich im Soll sein und in Essen einen Sieg einfahren. Und in der Tat begann es so, wie es sich Trainerin Nicole Werner vorgestellt hatte. Denn bereits kurz nach dem Anpfiff wurde es ganz still im Hallo-Stadion, da hatte nämlich Heike Rheines 149-fache Nationalspielerin Kerstin Stegemann per Freistoss ins obere Eck zum 0:1 getroffen.

Ein heftiger Schock zu Beginn für die Essenerinnen, die nun immer weniger ins Spiel fanden und ihren in den letzten Wochen so oft gezeigten guten Fußball scheinbar verlernt hatten. Das Heike-Team spielte indessen selbstbewusst auf, denn sie hatten ja auch nichts zu verlieren. Nach und nach kehrte die SGS aber wieder zu alter Stärke zurück und die Fans feuerten sie dabei auch wieder lautstark an.

In der 27. Minute dann gab es die einzige gute Essener Möglichkeit in der ersten Halbzeit und diese wurde prompt verwandelt. Charline Hartmann setzte sich gekonnt gegen Rheine-Schlussfrau Loes Geurts durch, so dass Sturmpartnerin Mandy Islacker nur noch einschieben musste. Nachdem Hartmann in der 42. Minute wieder auf Geurts zustürmte und diese den Ball


knapp ausserhalb des Strafraums mit den Händen aufnahm, wurde sie des Feldes verwiesen.

Aussenbahnstürmerin Ines Reinicke musste für die als Ersatztorwart fungierende Betreuerin Anja Müller Platz machen. Das Fehlen von Reinicke und Geurts tat den Rheinensern einen gehörigen Knacks im Spielaufbau und so schwand das Selbstbewusstsein so schnell, wie es gekommen war.

Das Eis auf Seiten der SGS war dagegen nach der Pause gebrochen. Man ließ die schwerfällige 1. Halbzeit vergessen und bot dem Publikum nun feinstes Kombinationsspiel, dem die Gäste aus Rheine nicht gewachsen waren. Schon in der 50. Spielminute gelang Hartmann die Führung durch Islackers Vorbereitung. Wenig später (54.) erhöhte diese sogar auf 3:1.

Die exzellent aufspielende Melanie Hoffmann, die trotz leichten Verletzungen die Zähne zusammenbiss und bis zum Ende durchhielt, bereitete im ganzen Spiel drei Treffer vor und erzielte dazu noch das schönste Tor des Tages mit einem Schuss aus 30m in den Winkel (4:1,64.) Die Spielerinnen des FFC Heike Rheine waren nur noch Statistinnen, es brillierten die Schönebeckerinnen.

Dann folgte die Charline Hartmann-Show. Der Stürmerin, die schon zuvor das 2:1 (50.) beigesteuert hatte, gelang das Kunststück in nur neun Minuten (66., 73., 75.) einen lupenreinen Hattrick zu vollenden. Letzterer Treffer fiel sogar per Foulelfmeter. Das Stadion tobte und Hartmann, die schon seit Wochen in bestechender Form ist, wurde gefeiert. Da die 20-jährige heute wieder mal zur Höchstform auflief, läuferisch wie spielerisch überzeugte, keinem Zweikampf aus dem Weg ging und zudem mit 9 Treffern nach 7 Spieltagen die Torschützenliste der 1. Frauenfussballbundesliga anführt, könnte dies eine ausgezeichnete Bewerbung für Bundestrainerin Silvia Neid sein.


Auch Linda Bresonik, die das gesamte Spiel über geackert hatte, dufte noch einmal treffen (77.) und Mel Hoffmann markierte ihren zweiten Treffer (79.) zum 9:1 Endstand mit dem Kopf. Das einzige was die Freude auf Seiten der SGS ein wenig trüben könnte, war das verletzungsbedingte Ausscheiden der beiden Stammkräfte des Offensivbereiches Mirja Kothe (Schienbeinprellung 39.) sowie Linda Bresonik (Schlag auf den Knöchel 85.). Das Team aus Rheine muss dieses Jahr definitiv gegen den Abstieg kämpfen, während die Schönebeckerinnen auf dem besten Wege sind, zu den "Drei Großen" der Liga aus Frankfurt, Potsdam und Duisburg aufzuschließen.

SG Essen Schönebeck

Löhr - Chojnacki, Schubert (69. van Kampen), Mpalaskas (65. Lange), Kowalik, Bresonik, Duhme, Hoffmann, Islacker, Kothe (39. Hellmann), Hartmann

FFC Heike Rheine

Geurts - Wermelt, Kattenbeck, Scholz, Hüwe, Stegemann, Sauer, Voss, Reinicke (43. A. Müller), Siegers (64. Leugers), Bito

Tore:
0:1 Stegemann (1.)
1:1 Islacker (27.)
2:1 Hartmann (51.)
3:1 Islacker (54.)
4:1 Hoffmann (64.)
5:1 Hartmann (66.)
6:1 Hartmann (72. )
7:1 Hartmann (74.Foulelfmeter)
8:1 Bresonik (77.)
9:1 Hoffmann (88.)

Gelbe Karte: Siegers
Rote Karte: Geurts (43. Handspiel außerhalb des Strafraums)

Schiedsricherin: Moiken Jung (Worms-Hernsheim)

Zuschauer: 746


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