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1. Bundesliga, 1. Spieltag

Weichelt stellte die Weichen auf Sieg

SG Essen Schönebeck- Turbine Potsdam 3:2 (1:1)

Text und Bilder von Gerhard Herrmann

11.9.2006

Vor zwei Wochen saß Ralf Agolli im Essener VIP-Raum. Der Trainer versprach: „Diesmal wird ein Großer dran glauben.“ 14 Tage später kam der Deutsche Meister und DFB-Pokalsieger Turbine Potsdam nach Essen. Und sogleich setzte das Team die Vorgaben des Trainers um und schickte den Favoriten mit einer 2:3-Niederlage wieder zurück nach Hause.

Maren Meinert, Theo Zwanziger

Hoher Besuch "Am Hallo": Jugendnationaltrainerin Maren Meinert und DFB-Präsident Theo Zwanziger.

Schon einige Wochen vorher rührte Manager Willi Wissing die Werbetrommel für das Spiel „Am Hallo“. Einen besseren Auftaktgegner kann es doch gar nicht geben, und es war auch wieder „Potsdam-Wetter“. Herrliche Temperaturen und die Sonne strahlte. Das übliche Wetter, wenn Turbine sonntags „Am Hallo“ anklopft. 2133 Zuschauer wollten den Saisonstart sehen - darunter auch DFB-Präsident Theo Zwanziger, der schon vorher bei der Partie FCR 2001 Duisburg- SC Bad Neuenahr (1:0) weilte.

Schiedsrichterin Christiane Schönfeld pfiff pünktlich an. Die auch wieder zahlreich vertretenen Turbine-Fans feuerten ihr Team lautstark an, aber die erste Möglichkeit hatte Neuzugang Mandy Islacker. Doch ihr Torschuss an Nadine Angerer vorbei wurde noch von der Linie abgefangen. Für Mandy Islacker war es der erste Auftritt nach über einem Jahr. Selbst die Mannschaft schmiss noch Geld zusammen, um den Wechsel der quirligen Stürmerin vom FCR 2001 Duisburg möglich zu machen. Auch die Neuzugänge Marlene Kowalik und Linda Bresonik starteten in der Anfangsformation. Alle drei Akteurinnen hinterließen einen sehr guten Eindruck.

Christiane Schönfeld, Ariane Hingst, Stephanie Schubert

Platzwahl vor 2133 Zuschauern: Turbine-Kapitän Ariane Hingst, Schiedsrichterin Christiane Schönfeld und Stephanie Schubert.

Turbine Potsdam zeigte sich technisch versierter, doch zu Tormöglichkeiten reichte es in der Anfangsphase noch nicht. Auffällig agierte Navina Omilade und emsig Conny Pohlers. Neuzugang Aferdita Kameraj muss sich aber noch steigern. In der 13. Spielminute dann Eckball für die SGS. Standardgemäß von rechts getreten von Melanie Hoffmann, diesmal genau auf den Kopf von Stefanie Weichelt, die mit Wucht und Präzision einnetzte und Nadine Angerer keine Chance ließ. Riesenjubel und tolle Stimmung „Am Hallo“. Doch Schönebeck führte schon oft gegen Turbine und man verließ trotzdem als Verlierer den Platz.

Navina Omilade hat kurz darauf mit einem tollen Weitschuss den Ausgleich auf dem Fuß, doch der Ball knallt knapp über das Essener Tor. Auch Conny Pohlers fehlten nur Zentimeter zum Ausgleich, aber SGS-Torhüterin Stefanie Löhr war mit einem Hechtsprung etwas eher am Ball. In der 25. Spielminute konnte Angerer einen 22-Meter-Schuss von Linda Bresonik nach Freistoß von Melanie Hoffmann mit einer tollen Parade zur Ecke klären. Diese, erneut getreten von Hoffmann, brachte die Chance für das 2:0 ein, doch Mandy Islacker verpasste.

Ralf Agolli, Bernd Schröder, Dirk Heinrichs

Trainer unter sich: Turbine-Coach Bernd Schröder (links), Essens Trainer Ralf Agolli (Mitte) und Turbines Co-Trainer Dirk Heinrichs tauschen sich vor dem Spiel aus.

Auf der anderen Seite war wieder Potsdam an der Reihe. Conny Pohlers zogt in der 35. Spielminute den Ball freistehend vor Steffi Löhr am Tor vorbei, zwei Minuten später knallte Navina Omilade nach einem Eckball-Gewusel im SGS-Strafraum den Ball an die Latte. Zu einer Schrecksekunde kam es in der 40. Spielminute. Stefanie Weichelt wollte sich das runde Leder erkämpfen und knallte auf die Tartanbahn über einen Turbine Koffer. Es sah schlimm aus, aber zum Glück blieb Steffi Weichelt unverletzt. In der Nachspielzeit dann allerdings doch der verdiente Ausgleich für Turbine. Spielführerin Stefanie Schubert hatte im


Aferdita Kameraj, Peggy Kuznik, Mandy Islacker, Melanie Hoffmann, Ariane Hingst

Jeder Ball war hart umkämpft. Hier Aferdita Kameraj, Peggy Kuznik, Mandy Islacker, Melanie Hoffmann und rechts im Hintergrund Ariane Hingst.

Strafraum die Hand im Spiel, sodass Schiedsrichterin Christiane Schönfeld nur der Elfmeterpfiff blieb. Isabel Kerschowski verwandelte sicher zum 1:1-Ausgleich. Verärgert gingen die SGS-Spielerinnen in die Kabine.

Inken Becher

Pechvogel Inken Becher

Während der Pause wurden die Spielerinnen Nadia Gäggeler, Daniela Arndt und Stefanie Rohrbeck mit einem Blumenstrauß verabschiedet. Doch bleiben die Spielerinnen der SGS erhalten und verstärken die zweite Mannschaft in der Regionalliga.

Die ersten zehn Minuten nach der Pause gehörten Turbine Potsdam, der Meister machte Druck und kam etwas besser aus der Kabine. Doch die Essenerinnen blieben weiterhin gefährlich. Aferdita Kameraj und auch Conny Pohlers scheiterten zunächst an Stefanie Löhr. Als Conny Pohlers nach gut einer Stunde Spielzeit vollkommen ungedeckt stand, zog die Stürmerin eine schöne Bogenlampe über Essens Schlussfrau Löhr, und schon führte Bernd Schröders Truppe mit 2:1. Jetzt dachten alle an den gewohnten Lauf der Potsdam-Spiele. Und tatsächlich, Navina Omilade konterte, blieb im Abschluss aber erfolglos. Das wäre die Entscheidung gewesen.

Charline Hartmann

Charline Hartmann krönte ihre tolle Leistung mit dem Siegtreffer zum 3:2.

Im Gegenzug erkämpfte sich die eingewechselte Kathrin Lange den Ball. Ein Zuspiel auf Stefanie Weichelt, Weichelt schießt aufs Tor, der Ball fliegt auf das Tor - Inken Becher wollte retten und traf das runde Leder. Frage: Eigentor oder nicht? Laut Platzwart war der Ball schon vor der Berührung der Potsdamer Abwehrspielerin mit vollem Umfang hinter der Linie. Sagen wir mal: Tor von Stefanie Weichelt (63.Spielminute). Jetzt war das Spiel wieder offen. Potsdam befand sich meist im Vorwärtsdrang, die SGS konterte.

Charline Hartmann setzte dann ihrer Leistung die Krone auf. Plötzlich stand die Stürmerin vor Nadine Angerer frei. Zweimal konnte Angerer retten, beim dritten Mal ließ Hartmann Angerer dann liegen und schob den Ball zum 3:2 ein. Riesenjubel im weiten Rund, der sofort in das große Zittern überging. Doch Turbine Potsdam konnte den Druck nicht erhöhen. Steffi Schubert, Carina Chojnacki und Sabrina Duhme wehrten immer wieder die Angriffe von Conny Pohlers und Navina Omilade ab und Ariane Hingst fand heute auch nicht zu ihrem Spiel.

In der Schlussphase verletzte sich noch Nadine Angerer nach einem Zweikampf mit Linda Bresonik. Ersatztorhüterin Christina Bellinghoven musste ins Tor, wurde aber auch nicht mehr so richtig geprüft. Ob Nadine Angerer in der 2. Runde des UEFA-Pokals ausfällt, ist noch unklar. In der 94.Spielminute pfiff dann Christiane Schönfeld das Spiel ab. Riesenjubel in Essen, Frustration bei Potsdam. Der Favorit hatte sich den ersten Spieltag sicher anders vorgestellt. Doch Bernd Schröder sprach nach dem Schlusspfiff auch von einer verdienten Niederlage und erwies sich als fairer Verlierer. Die SG Schönebeck gelang im dritten Bundesligajahr der erste Sieg gegen einen Meisterschaftsfavoriten. Die Saison hat begonnen und bekommt gleich die erste Sensation.


Pressekonferenz:

Bernd Schröder (Turbine Potsdam):
Glückwunsch nach Essen-Schönebeck für die Leistung. Das gehört sich einfach, dass man dem Gegner Respekt zollt. Dass wir hier eine schlechte Leistung entsprechend unseren Ansprüchen abgegeben haben, brauche ich nicht zu betonen. Die Ursachen lagen auch beim Gegner. Ich kann nicht nur sagen, wir waren schlecht, der Gegner tut immer alles. Enttäuscht war ich, dass wir nach dem 2:1 nicht den Sack zumachen konnten. Zum Schluss muss man nicht hadern. Fakt ist, wir haben uns die Niederlage selber zuzuschreiben. Ich denke, dass Essen verdient gewonnen hat. Das erste Spiel ist immer schwer. Wir wissen nicht, wo wir stehen. Wir wissen, dass wir morgen zum UEFA-Cup fahren müssen und uneingespielt sind. Es war das erste offizielle Spiel, das wir durch die vielen U-Natiospiele machen konnten. Der Gegner war heute einfach besser.

Ersatzbank Essen

Warten auf den Abpfiff: die Essener Auswechselbank

Ralf Agolli (SG Essen Schönebeck):
Ich muss meiner Mannschaft ein Riesenkompliment machen. Wir haben den amtierenden Meister in den ersten 35 Minuten nicht zur Entfaltung kommen lassen. Nach dem unglücklichen 1:1 zur Pause habe ich schon gedacht: „Hoffentlich bricht das nicht die Moral.“ Wir haben uns in der Halbzeit vorgenommen, noch mal richtig Druck zu machen. Das ist mit dem 2:1 für Potsdam nach hinten losgegangen. Ein Riesenlob, dass wir wieder zurückgekommen sind. Wir haben auf die Fehler von Potsdam gewartet. Die wurden dann auch gemacht. Der Sieg ist hochverdient. Charline Hartmanns Leistung war schon enorm. Alleine die Meter, die Charline heute gelaufen ist. Die Abwehr war sehr gut. Zum Saisonstart 2133 Zuschauer, der Gegner Potsdam und dann noch gewinnen - was wollen wir mehr? Ich bin hochzufrieden, denke aber auch schon an Crailsheim.

Ralf Agolli, Bernd Schröder

Enttäuschung auf der Potsdamer Bank. Turbine-Trainer Bernd Schröder gratuliert fair seinem Kollegen Ralf Agolli.

Ralf Agolli, Bernd Schröder, Willi Wissing

Pressekonferenz mit Potsdams Coach Bernd Schröder, Essens Manager Willi Wissing und SGS-Trainer Ralf Agolli.

SG Essen-Schönebeck:

Löhr - Chojnacki, Schubert, Islacker (62. Lange) - Kowalik, Bresonik, Duhme, Hoffmann - Weichelt, Kothe (74. Ganser), Hartmann (81. Mpalaskas)

Turbine Potsdam:

Angerer (85. Bellinghoven) - Becher, Peter, Kuznik - Kameraj, Zietz, Hingst, Omilade - Podvorica (74. Schmidt), Pohlers, I. Kerschowski

Tore:
1:0 Weichelt (12.)
1:1 I. Kerschowski (45. FE)
1:2 Pohlers (59.)
2:2 Weichelt (63.)
3:2 Hartmann (73.)

Schiedsrichterin: Christiane Schönfeld (Schleiz-Gräfenwarth)

Gelb: Schubert, Duhme - Hingst, Kuznik

Zuschauer: 2133

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