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1. Bundesliga, 3. Spieltag

Klein aber obenauf

SG Essen Schönebeck- Hamburger SV 4:1 (2:1)

Text: Gerhard Hermann
Fotos: Volker Lieberum

10.10.2006    Die SG Essen Schönebeck wollte mit einem Sieg über den Hamburger SV auf einer kleinen Euphoriewelle weiter schwimmen und vielleicht zusätzlich mindestens eine Woche die Tabellenführung innehaben. Die Ausgangslage war 75 Minuten vor dem Spiel gegeben, da der FFC Frankfurt außergewöhnlich hoch mit 6:1 gegen den FCR Duisburg gewann. Die SG Schönebeck konnte somit bei einem Sieg die Tabellespitze übernehmen.

Die Zuschauerkulisse zeigte, dass der Essener Frauenfußball boomt. Mit dem Erfolg kommen also auch die Zuschauer. Sagenhafte 1800 Zuschauer wollten das Spiel gegen die Hanseaten sehen. Selbst die Gastmannschaft schwärmte von den vollen Rängen. Der goldene Herbst bescherte dem Ruhrgebietsklub Sonne satt als weiteren Lohn.

Die Heimmannschaft machte sofort Druck, doch der HSV stand in der Defensive sehr gut. Allerdings stand es schon nach sieben Minuten 1:0 für Essen. Stefanie Weichelt und Melanie Hoffmann trieben den Ball mit schnellen und sicheren Zusammenspiel nach vorne und schickten einen trockenen Flanke auf die Flügelläuferin Mirja Kothe. Die spielte die Abwehr aus und kickte den Ball ins Tor.

Hoffmann, Kothe, Heinßen, Weech

Mirja Kothe, neben Melanie Hoffmann, spielt Gina Heinßen und Bianca Weech aus und erzielt das 1:0

Stefanie Weichelts Einsatz stand bis zum Anstoß auf der Kippe, doch gab sie noch grünes Licht für ihren Einsatz. Leider musste Trainer Ralf Agolli seine Offensivkraft nach einer halben Stunde verletzungsbedingt wieder vom Platz nehmen, zusätzlich scheint ihr Einsatz für die nächste Woche gefährdet.

Essen spielte gut nach vorne, doch schlichen sich in der Defensive ein paar Konzentrationsfehler ein. Diese nutzte Tanja Vreden zum Ausgleich in der zehnten Minute. Einmal hatte man nicht auf HSV Top Torjägerin aufgepasst und schon zappelte das Leder, drei Minuten nach der Führung, im Netz. Stefanie Löhr hatte keine Chance an den Ball zu kommen. Essens Torfrau verletzte sich bei der Abwehraktion, doch spielte sie bis zum Ende durch und hielt gewohnt souverän.

In der 18.Spielminute gab Melanie Hoffmann eine scharfe Ecke herein, doch Steafanie Weichelt köpft knallhart am Tor vorbei. Eine Minute später erobert sich Charline Hartmann das runde Leder und passte sofort auf Katrin Lang. Ihr Schuss ging an Bianca Weech vorbei ins Gehäuse zum 2:1 für Essen.

Lange, Haye

Kathrin Lange im Duell mit Janina Haye gelang das 2:1

Obwohl die Heimmannschaft weiterhin Speed gab, zeigte sie weiterhin Löcher in der Defensive. Vielleicht lag es daran, dass Essens Abwehrdirigentin Steffi Schubert eine "unberechtigte" Gelb Rot Sperre aus dem Crailsheim Spiel absitzen musste und als Denkerin der Mannschaft fehlte.
Essen kontrollierte weiterhin das Spielgeschehen und für Mirja Kothe und Charline Hartmann gab es noch gute Torchancen.

Hartmann, Weech

Charline Hartmann scheitert an Bianca Weech (hinten: Katrin Lange und Alexandra Gärtner)


SG Essen Schönebeck

Die "Mannschaft der Stunde", die SG Essen Schönebeck, bedankt sich artig nach dem Sieg bei ihrem Publikum

Der Hamburger SV steckte aber nicht auf und wollte den Ausgleich. Dazu hatte Silva Saländer die Riesenmöglichkeit, aber sie scheiterte an ihre eigenen Nerven. Torhüterin Stefanie Löhr lag schon geschlagen am Boden, doch Saländer traf anstatt dem leeren Tor nur den Pfosten.

Kurz vor der Pause hatte Shelley Thompson den Ausgleich auf dem Fuß, doch verhinderte das Lattenkreuz den Gästejubel. Glück für die SGS. Ansonsten hat man von Shelley Thompson, die zweimal an der Seitenlinie behandelt wurde, nicht allzu viel gesehen.

Die 2:1 Pausenführung war mehr als schmeichelhaft für die SG Essen Schönebeck. Der HSV hätte ein Unentschieden verdient gehabt.

In der zweite Halbzeit spielte die SG weiter auf Angriff, aber der HSV konnte nicht mehr an seine Leistung vor der Pause anschließen. Trotzdem fiel das 3:1 etwas überraschend. Jennifer Balkenhol erhielt in der Mitte den Ball und rannte, gefolgt von Christina Plessen, auf das Tor zu, aus dem Bianca Weech herauseilte. Kurz vor der Strafraumgrenze lupfte sie das Leder an der Torhüterin vorbei und erzielte in der 54. min. einen weiteren Essener Treffer.

Weech, Plessen, Balkenhol

Jennifer Balkenhol lupft den den an Bianca Weech und Christina Plessen vorbei zum 3:1

Danach plätscherte das Spiel vor sich hin. Die SG Essen Schönebeck hatte den Sieg sicher und der Hamburger SV war nicht mehr in der Lage nachzusetzen. Linda Bresonik hatte mit einem Freistoß die Möglichkeit zu einem weiteren SGS Treffer, aber der Ball strich am Tor vorbei.

Nach achtzig Spielminuten gab es die einzige erwähnenswerte Chance für den HSV in der zweiten Halbzeit. Shelley Thompson gab den Ball an Tanja Vreden weiter. Doch ihr Geschoss wehrte Stefanie Löhr mit einer Glanzparade ab.

Bresonik, Schubert
Bresonik, Schubert
Bresonik, Schubert

Diese Szene sorgte für Aufregung: Linda Bresonik, mit Maja Schubert, fällt Elfmeter reif. Doch Miriam Dräger ließ weiterspielen.


Zwei Minuten vor dem Ende erzielte Melanie Hoffmann mit einem wuchtigen Schuss von der rechten Seite das 4:1 für Schönebeck und krönte damit ihre sehr gute Leistung. Bei ihr stimmt im Moment alles: Einsatzbereitschaft, Technik, Laufleistung und Ballgefühl.

Die SG Schönebeck gewann auf Grund der zweiten Hälftet verdient das Spiel. Der Siegeswille war immer da, dem der HSV etwas fehlte. Die Heimmannschaft kann sich diese Woche die Tabelle aus dem Fansoccer drucken und an die Wand hängen. Ein verdienter Lohn, wenn auch der FFC Frankfurt, dessen Manager S. Dietrich und Trainer Der. H.-J. Tritschoks nach dem Spiel in Duisburg im Stadion "Am Hallo" vorbeischauten, noch ein Nachholspiel hat.

In der Pressekonferenz sah man Achim Feifel wortkarg und die Enttäuschung ins Gesicht geschrieben. Er sprach vor allem die Fehler in der Abwehr an.
Ralf Agolli hatte weit mehr zu Erzählen. Allerdings ist dem Trainer aus Schönebeck der momentane Tabellenplatz egal, da der erst am Saisonende zählt. Er meint, dass das nächste Spiel in Bad Neuenahr sehr schwer werden wird. Ein großes Trainerlob bekam Melanie Hoffmann.

Melanie Hoffmann

Melanie Hoffmann zeigt im Moment eine überzeugende Leistung

In der Nationalelf heißt es momentan nur "jung und gut" und nicht "alt und gut". Hoffmann sei mit ihren Leistungen zur Zeit die beste deutsche Spielerin im Mittelfeld.

SG Essen Schönebeck:
St. Löhr - Chojnacki, Balkenhol (73. Hellmann), Lange - Kowalik, Bresonik, Duhme, Hoffmann - Weichelt (29. Mpalaskas), Kothe, Hartmann (85. Ganser)

Hamburger SV:
Weech - Engel, Gärtner (71. Schoknecht), Plessen, Haye - Saländer, Wübbenhorst (83. Ewers), Wilmes - Vreden, Thompson, Heinßen (54. Schubert)

Zuschauer: 1800

Tore: 1:0 Kothe (7.)
1:1 Vreden (10.)
2:1 Lange (19.)
3:1 Balkenhol (54.)
4:1 Hoffmann (87.)

Schiedsrichterin: M. Dräger (Mainz)

Gelb:
Kowalik, Balkenhol, Bresonik (Essen)
Wübbenhorst (HSV)


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