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1. Bundesliga, 19. Spieltag

Hochklassige erste Halbzeit im Ruhrderby

SG Essen-Schönebeck - FCR Duisburg 2:4 (2:3)

Text von Andrea Vehlken
Bilder von Heinz Günter Sporkel

15.5.2007   Ein Ruhderby, das es wieder in sich hatte: ein speziell in Halbzeit eins mitreißendes Spiel mit vielen Torchance hüben wie drüben fand einen verdienten Sieger. Allerdings machte sich der FCR das Leben wieder selber schwer, weil man nach dem 2:0 den Sack schon hätte zumachen müssen.

Nachdem die ersten Angriffsbemühungen von den Platzherrinen aus Essen ausgingen, setzte der FCR durch einen schnellen Konter, den Inka Grings mit einem feinen, aber zu kurzen Heber abschloss, ein erstes Zeichen. Dann aber folgte der erste Auftritt von Duisburgs Bester an diesem Tag: Simone Laudehr machte in vergleichbarer Situation ihre Sache besser und schockte Essen nach 5 Minuten mit dem 0:1. Nachdem die großartig aufgelegte Jennifer Oster sich auf der rechten Seite durchgetankt hatte und eine präzise Flanke in den Strafraum spielte, netzte Laudehr aus 14 Metern ein.

Inka Grings

Inka Grings hatte einige Chancen, mußte aber aufgrund einer Oberschenkelblessur früh ausgewechselt werden

Danach drückte der FCR noch mehr und die bereits an Tor Nr.1 beteiligte Jennifer Oster wurde diesmal umgekehrt von Laudehr bedient und spielte sich wieder, gegen die streckenweise völlig überforderte Essener Abwehr, durch und machte ihr Tor zum 0:2. (irrtümlich wurde zunächst offiziell Inka Grings als Torschützin angegeben, dies ist inzwischen jedoch korrigiert). Aufgrund der Fülle der Chancen hätte der FCR das Spiel nunmehr für sich bereits entscheiden müssen - denn sowohl Grings als auch Sonja Fuss hatten weitere hochkarätige Chancen.

Dann folgte der erste Duisburger Rückschlag: Grings mußte wegen aufkommender Oberschenkel- schmerzen bereits in Minute 12 vom Platz und wurde sehr gut von der zuerst geschonten Lira Bajramaj ersetzt - die ja am Donnerstag noch mit der Nationalmannschaft unterwegs war. Für einen weiteren Dämpfer sorgte nunmehr Essens Beste Linda Bresonik, die mit einem plazierten Schuß die im allgemeinen Tiefschlaf befindliche Duisburger Abwehr überwand und zum 1:2 einnetzte.

Linda Bresonik

Linda Bresonik (halb verdeckt durch Elena Hauer) machte es mit dem Anschlusstreffer zum 1:2 noch einmal spannend

Essen wurde nunmehr gefährlicher und das Spiel offener - wenn auch die größerern Spielanteile bei den Duisburgerinnen lagen, deren Flügelspiel die Essener Abwehr vor enorme Probleme stellte. Dennoch blieb Essen weiter sehr gefährlich und auch die Duisburger Abwehr, meist in Person von Vanessa Martini, wirkte alles andere als sicher. Speziell mit Standards sorgten die Essener Mittelfeldstrategen Bresonik und Hoffmann für viel Gefahr. Nach einem Freistoß von Bresonik sorgte z.B. Charline Hartmann mit einem sehenswerten Hackentrick, der allerdings das Tor verfehlte, für weitere Torgefahr. Auch das 2:2


Simone Laudehr

Duisburgs Simone Laudehr (weißes Trikot), hier im Zweikampf mit Stephanie Schubert, war die Spielerin des Tages und von der Essener Abwehr einfach nicht zu stoppen

folgte einem dicken Duisburger Patzer - ein Querpass von Nicole Bender landete bei der dazwischen sprintenden Silke Tancyus (so heißt es offiziell, ich meine, es wäre Melanie Hoffmann gewesen) und die beförderte den Ball zum Ausgleich ins Tor von Katrin Längert.

Die sich ihres Fehlers offensichtlich sehr bewußte Nicole Bender nahm sich nur 4 Minuten später den Ball und zog mit Wut im Bauch aus großer Distanz ab. Der perfekte Ball war selbst für die großgewachsene Steffi Löhr im Essener Tor unereichbar und brachte das 2:3 für den Gast. Nun lief es wieder besser beim FCR - allerdings nur solange, bis die bis dahin mit Laudehr beste Duisburgerin Jennifer Oster in der 40. Min wegknickte und mit Verdacht auf Bänderiss vom Platz mußte. Verena Hagedorn ersetzte sie.

Nicole Bender

Nicole Bender erzielte mit einem Gewaltschuss das 2:3

Aber auch Essen hatte weiter Chancen - so hämmerte Linda Bresonik mit dem Kopf den Ball aus großer Distanz ans Lattenkreuz, nach dem sich Charline Hartmann stark gegen die Duisburger Abwehr durchgesetzt hatte. Nach der Halbzeit verflachte das Spiel allerdings etwas. Die heute schwache Vanessa Martini mußte Elena Hauer weichen. Insgesamt vernachlässigte der FCR das bis dahin brandgefährliche Flügelspiel und bei Essen waren nun nur noch die Standards halbwegs gefährlich.

Charline Hartmann und Elena Hauer

Essens Torjägerin Charline Hartmann war bei Elena Hauer meist in guten Händen

Für Aufruhr sorgten im Essener Strafraum nun die Zuspiele von Lira Bajramaj und Simone Laudehr, die es immer wieder schafften, die Essener Abwehr zu knacken und erst im Abschluss scheiterten und größte Chancen nicht verwerten konnten. Die bis dahin recht ordentlich leitende Schiedsrichterin Nicole Schumacher hatte ab diesem Zeitpunkt offensichtlich kein Erbarmen mehr mit Simone Laudehr, die doch einige Male sehr hart, auch im Strafraum attakiert wurde und trotz Blessuren sich immer wieder aufrappelte. Ihre verständliche Unzufriedenheit


darüber bestrafte Frau Schumacher mit einer gelben Karte - allerdings hätte Sie wohl besser daran getan, der einen oder anderen Gegenspielerin einmal den Karton zu zeigen. Duisburg wirkt optisch weiter überlegen, aber Essen kommt ebenfalls durch einen schönen Kopfball zu einer Chance - Katrin Längert muß sich ganz lang machen um den Ball aus dem Winkel zu fausten.

Alle Essener Hoffnungen machte dann aber Lira Bajramaj mit einem tollen Solo zum 2:4 zunichte. Essens Widerstand schien nun gebrochen, weil wieder einmal auffällt, dass die Kondition und Kraft nicht für mehr als 70 Min. langt. So scheiterte die für die Essener Abwehr viel zu schnelle Simone Laudehr nur am Pfosten und bewahrte die Schönebeckerinnen vor Schlimmeren. Wenige Minuten später rettete Torfrau Steffi Löhr vor genau dieser wieder enteilten Laudehr, nach einem tollen Zuspiel von Bajramaj.
Auch wenn nach Torchancen und optischer Überlegenheit der FCR Duisburg verdient gewonnen hat, seine Chancen aber manchmal fahrlässig vergebend, so wäre für die SG Essen-Schönebeck sicher mehr drin gewesen, wenn die Kraft einmal für mehr als nur 70 Minuten reichen würde.

Thomas Obliers

Duisburgs Trainer Thomas Obliers konnte mit Spiel und Ergebnis zufrieden sein



SG Essen-Schönebeck:

Essen: Löhr - Arndt, Schubert, van Kampen, Duhme - Hoffmann, Deilmann ( 57. Mpalaskas), Kowalik, Bresonik - Tancyus (70. Rohrbeck), Hartmann (84. Ganser)

FCR Duisburg:

Längert - van Bonn, Krahn, Martini (52. Hauer), Schröder - Oster (40. Hagedorn), Hanebeck, Bender - Laudehr, Grings (12. Bajramaj)

Tore:
0:1 Laudehr (8.Min)
0:2 Oster (11. Min)
1:2 Bresonik (14.Min)
2:2 Tancyus (31.Min) (Hoffmann?)
2:3 Bender (35. Min)
2:4 Bajramaj (79.Min)

Gelbe Karten: Duhme / Laudehr, Bender

Schiedsrichterin: Nicole Schumacher (Oberhausen)

Zuschauer: offiziell 1215 (eher zweifelhaft, waren höchstens 800)


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