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1. Bundesliga, 8. Spieltag

Duisburg gewinnt packendes Derby

FCR Duisburg - SG Essen Schönebeck 4:2 (1:1)

Text und Bilder von Heinz Günter Sporkel

27.11.2006   Turbulente Wochen liegen hinter dem FCR Duisburg. Thomas Obliers führte sein Team zum erstenmal als Chefcoach in einem Bundesligaspiel an. Als ersten Gegner wartete gleich kein geringerer als die SG Essen Schönebeck, der Revierrivale. Eine heikle Aufgabe für beide Klubs. Es entwickelte sich ein spannendes Derby mit dem üblichen, aber auch verdienten Sieger.

Obwohl Sonne angesagt war, regnete es bis vor Spielbeginn im Revier, der Platz war tief und rutschig. Beide Mannschaften waren trotzdem heiß auf das Derby. Der FCR Duisburg brauchte die Punkte, um den Anschluss an den 1. FFC Frankfurt zu halten, für die SG Schönebeck galt es, nach vier Derby-Niederlagen endlich einmal zu punkten.

Jennifer Oster

Eine der besten heute: Duisburgs Jennifer Oster

Von Beginn an versuchten die Spielerinnen beider Seiten Druck zu entwickeln. In der ersten Minute hatte Lira Bajmaraj die erste Tormöglichkeit. Nach einem Fehler von Steffi Schubert spielte Lira den Ball aber auf Essens Keeperin Stefanie Löhr. Sofort war Stimmung in der Bude. Einige Minuten später (5.) scheiterte Mandy Islacker an Duisburgs Torfrau Kathrin Längert. Im direkten Gegenzug spielte Simone Laudehr Löhr aus, schoss das Leder aber am Tor vorbei. Ein sehr aktiver Spielbeginn vor den Augen von Jugendbundestrainerin Maren Meinert.

Simone Laudehr

Super Leistung und wichtiges Ausgleichstor für Duisburg: Simone Laudehr

Nach einer Viertelstunde scheiterte abermals Islacker an Längert. Hierbei wurde die Abseitsfalle des FCR von Melanie Hoffmann ausgehebelt. In der 22. Spielminute der erste Hammerschuss von Lira Bajmaraj. Ihr Distanzschuss wurde von Steffi Löhr noch zur Ecke abgewehrt und der Giebeleinschlag verhindert. Ein Warnschuss, den man sich in Essen zu Herzen hätte nehmen sollen !!! In der 27. Spielminute dann ein Pass von Linda Bresonik auf Mandy Islacker und diesmal schob die SGS Stürmerin an Kathrin Längert vorbei zum 1:0.

Die Antwort kam einige Minuten später. Eine schöne Flanke auf Simone Laudehr und 1:1 (33.) Ein toller Spielzug mit Fußball wie aus dem Lehrbuch. Simone Laudehr hatte auch die Riesenmöglichkeit zur Führung, doch frei vor Steffi Löhr spielte sie am Tor vorbei. Auch in der letzten Minute vor der Pause eine Möglichkeit für den FCR. Ein Freistoss von Mel Hoffmann bleibt in der Mauer hängen. Jennifer Oster mit einem schnellen Konter, doch Lira Bajramaj bleibt ebenfalls an der SGS Abwehr hängen. Zur Pause stand es leistungsgerecht 1:1. Beide Mannschaften zeigten wirklich tollen Fußball. Für die leider nur 1107 Zuschauer an diesem ungewöhnlichen Spieltermin eine Riesenwerbung. Zu den Zuschauern zählte auch FFC Frankfurt Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks. Hier wurde ein wenig Spionage betrieben.

Der FCR ging mit Viola Odebrecht und Corinna Schröder in die zweite Halbzeit. Besonders die Einwechslung von Viola Odebrecht


Kreis Essen

Kreis der Essener Spielerinnen vor dem Spiel. Wie man sieht, war es unter den Lichtbedingungen unmöglich, gute Bilder zu machen, deswegen ist dieser Bericht mit Archivbildern illustriert.

gab dem FCR weiteren Schwung. Allerdings ließ man es die ersten Minuten ein wenig gemütlicher angehen. Das hohe Tempo der ersten Halbzeit kann man auch nicht über die volle Distanz gehen. Die FCR kam dann jedoch schneller in das Spiel und war überlegen. Einen Torschuss von „Oli“ konnte Sabrina Duhme gerade noch verhindern (55.) Simone Laudehr und Lira Bajramaj bekam die Essener Deckung nach der Pause gar nicht mehr in den Griff. Duisburg setzte immer mehr Akzente. Die erste schöne Offensivaktion für die SGS erst in der 64. Spielminute. Charline Hartmann scheiterte aber mit einem Weitschuss.

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Fatmire Lira Bajmaraj schoss nicht nur zwei Tore, sondern auch noch das schönste des Tages

In der 72. Spielminute nach einem Foul an Linda Bresonik Elfmeter für die SGS. Essen’s Elfmeterschützin Hartmann hämmert den Ball zur Führung in den Kasten. Kathrin Längert war noch mit den Fingern dran, doch der Ball war zu hart platziert. Zu diesem Zeitpunkt eine schmeichelhafte Führung für den Gast. Doch das Ergebnis wurde schon im Gegenzug korrigiert. Lira Bajramaj mit einem Weitschuss und einem Treffer "Marke Tor des Monats" zum Ausgleich.

In der 77. Spielminute kämpfte sich der FCR auf die Siegerstrasse. Jennifer Oster mit einer tollen Einzelaktion und einer Flanke, die sicher nicht für die Essener Abwehrspielerin Carina Chojnacki gedacht war, aber dann doch von dieser im Tor von Stefanie Löhr untergebracht wurde - Eigentor! Ein Tor für die SGS wurde wegen Abseits nicht gegeben. Es hagelte Riesenproteste unter den Fans und Spielerinnen. Simone Laudehr hätte in der 84. Spielminute alles klar machen können. Odebrecht spielte Simon hervorragend in Position, doch die Stürmerin scheiterte. Erst in der Nachspielzeit schraubte Lira Bajramaj das Ergebnis dann auf 4:2 hoch mit einem abermals sehr schönen Treffer.

Das Derby fand im FCR Duisburg einen verdienten Sieger. Duisburg spielte besonders in der zweiten Halbzeit eindeutig besser. Drei Spielerinnen zeigten dabei einen enormen Aufwand. Simone Laudehr war nicht zu stoppen. Lira Bajramaj konnte schalten und walten nach Belieben. Auch besonders stark Jennifer Oster. Eine hervorragende Laufleistung. Oster nahm die Zweikämpfe an und ging meist als Siegerin hervor. Doch auch die SG Schönebeck spielte in der zweiten Halbzeit sehr guten Fußball. Nach vorne klappte das Spiel sehr gut. Schwach an diesem Tag die Defensive. Schubert, Chojnacki und Duhme nahmen die Warnschüsse der FCR Stürmerinnen im ersten Spieldurchgang nicht ernst genug. Hier fehlte es eindeutig am Willen, den Sturm in den Griff zu bekommen. Trotzdem, sollte es bei beiden Klubs so weitergehen, wird man noch öfters so spannende Spiele wie an diesem Samstagabend im Ruhrgebiet sehen. Neben dem Sieger ist dann auch der Zuschauer ein Gewinner. Dieses Spiel hat Spaß gemacht, weiter so !!!


Bei der Presskonferenz haderte Essens Trainer Ralf Agolli mit seiner Defensivabteilung:
"Es war ein hektisches Spiel. Wir haben nicht gut kombinieren können, was mit dem Boden zusammenhängt. Wir sind in der Abwehr den Tick langsamer gewesen. Wenn ich im Vorfeld weiß, dass ich nicht so sprintstark bin wie die Stürmerin, dann muss ich mich taktisch anders einstellen, das hat die Abwehr nicht gemacht. Wenn außerdem Hoffmann und Bresonik nicht ihre Leistung abrufen können, dann tut dies in so einem Spiel schon weh, aber gut, damit muss man leben. Ich gratuliere Thomas zu seinem ersten Sieg, der verdient ist".

Pressekonferenz

Bei der Pressekonferenz: links Essens Trainer Ralf Agolli, in der Mitte Duisburgs sportlicher Leiter Dieter Oster, rechts Duisburgs Trainer Thomas Obliers

Thomas Obliers, der seine Feuertaufe souverän bestanden hat, war natürlich Überglücklich:
"Wir haben ein packendes Fußballspiel gesehen. Zweimal in Rückstand geraten und 4:2 zu gewinnen, da muss ich meiner Mannschaft ein großes Kompliment machen. Besonders möchte ich erwähnen, dass bei beiden Mannschaften die großen Nickligkeiten früherer Zeiten nicht mehr da waren. Es war hart, aber alles im Bereich des Erlaubten".

Thomas Obliers wird den FCR 2001 Duisburg bis zum Saisonende als Cheftrainer führen. Eventuell braucht der FCR 2001 auch danach keinen neuen Trainer suchen, wenn Obliers Erfolg hat. Der Anfang wurde mit dem 4:2 Sieg über die SGS gemacht. Fachwissen ist genügend bei dem Trainer vorhanden. Ich wünsche Thomas Obliers viel Erfolg!

Thomas Obliers

Vom Co- zum Cheftrainer aufgestiegen: Archivbild von Thomas Obliers, der zum ersten Mal für Duisburg in seiner neuen Position auf der Bank saß

FCR Duisburg

Längert - van Bonn (46. Schröder), Krahn, S. Fuss, Martini, Oster (81. Weber), Hauer (46. Odebrecht), Bender, Hanebeck, Bajramaj, Laudehr

SG Essen Schönebeck

Löhr - Chojnacki, Schubert (84. Van Kampen), Mpalaskas, Kowalik, Bresonik, Duhme, Hellmann (64. Balkenhol), Islacker, Hoffmann, Hartmann

Tore:
0:1 Islacker (26.)
1:1 Laudehr (33.)
1:2 Hartmann (72. Foulelfmeter)
2:2 Bajramaj (73.)
3:2 Chojnacki (77. Eigentor)
4:2 Bajramaj (90.)

Gelbe Karten: Martini, Bender, Bajramaj / Hartmann, Islacker

Schiedsrichterin: Miriam Dräger (Mainz)

Zuschauer: 1107


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