Text und Fotos von Uwe und Mareike Carlitscheck 15.04.2007
Nur wer an Wunder glaubt oder ein Träumer ist, rechnet jetzt die Saison bis zum letzten Spiel weiter: Dann wäre sogar für den noch immer punktlosen Tabellenletzten aus Brauweiler noch ein Nichtabstiegsplatz zu erreichen? Aber diese Rechnerei bringt angesichts des real existierenden Abstands von sechzehn Punkten bis dorthin und nur noch sieben ausstehenden Spielen lediglich ein mitleidiges Lächeln oder ein Schulterzucken beim Zuhörer zustande. Nein, da geht nichts mehr, der zweite Abstieg aus der ersten Liga ist leider bereits programmiert. Auch als Zuschauer akzeptiere ich das und wünsche dieser sympathischen jungen Mannschaft einen erfolgreichen Neuanfang und baldige Rückkehr zu alter Stärke!
Ganz anders sieht es für den heutigen Gegner im Nachholspiel des fünfzehnten Spieltags aus: Heike Rheine
steht nach dem erwarteten Sieg in Pulheim nur noch drei Punkte hinter den davor liegenden Rivalen
Freiburg und Hamburg, und auch Wolfsburg ist noch längst nicht in Sicherheit. Da verspricht es noch heiß
herzugehen, denn wie groß der Abstand zum Letzten auch immer ist, es steigen zwei Mannschaften ab!
 Verfrühter Jubel bei Rheine, Schneider (nicht im Bild) rettet auf der Linie
So deutlich, wie es der Punkteabstand besagt, war der Unterschied der beiden Teams jedoch nicht. Fast die
ganze erste Hälfte verteidigte Brauweiler geschickt und mit viel Einsatz und kam auch selbst zu einigen
gefährlichen Angriffen. Ein Lattentreffer, eine aussichtsreiche Freistoßsituation und mehrere
Flankenläufe zeigten, dass zumindest das Bemühen da war, sich so teuer wie möglich zu verkaufen.
Besonders die kämpferisch starke Susanne Kasperczyk rackerte in Abwehr und Mittelfeld wie keine andere
und schaltete sich auch mit einem beherzten Weitschuss in den Angriff ein, wobei sie über die Torhüterin
Loes Geurts, aber auch über das Tor traf. Rheine bemühte sich um ein breiter angelegtes Angriffsspiel,
wusste seine wenigen wirklichen Chancen aber nicht zu nutzen oder wurde von der Brauweiler Abwehr
gestoppt. So kam es zwar zu einer leichten Feldüberlegenheit und weitaus höherem Ballbesitz, aber nicht
zu wirklich zwingenden Aktionen. Bei Brauweiler traten immer wieder die alten Schwächen auf: Die
Verbindung von Mittelfeld zu den Stürmerinnen war zu langsam, so dass vor allem Jeanette Blömen zu oft
auf sich allein gestellt war. So ging der Ball mangels sich anbietender Mitspielerinnen sehr schnell
verloren.
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Paula Balzer (2.vr) beim Tanz um den Ball
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Überraschend fiel dann aus einem Angriff von der rechten Seite her doch noch kurz vor der Pause das
Führungstor für die Gäste. Melissa Thiem kam halbrechts vor dem Tor in gute Schussposition, fackelte
nicht lange und ließ der Torhüterin Elena Mladin keine Chance. So gingen die Gäste zwar etwas glücklich,
aber letztlich nicht unverdient mit dieser 1:0 Führung in die Pause.
Die zweite Hälfte begann Brauweiler mit zwei neuen Spielerinnen. Lena Fehrenbach und die lange vermisste
Mariana Ciorba kamen zum Einsatz. Ob es an ihnen lag, dass das Spiel jetzt ausgeglichener wurde und die
Gäste stärker in der Abwehr zu tun hatten, soll offen bleiben. Ciorba ist noch nicht so schnell und
torgefährlich, wie wir sie kannten. Nur einmal kam sie zum Kopfball, der aber knapp über die Latte
strich. Immerhin war die Verbindung vom Mittelfeld zum Angriff in dieser zweiten Halbzeit besser.
Einen nicht erfreulichen Höhepunkt gab es in der 54. Minute, als Kasperczyk im Mittelkreis nach einem
harten Zweikampf verletzt liegen blieb, die Brauweiler Spielerinnen zur Schiedsrichterin schauten und
wohl einen Pfiff erwarteten. Doch Rheine setzte seinen Angriff fort, und plötzlich standen zwei
Spielerinnen allein im Brauweiler Strafraum. Für Jana Leugers war es nicht schwierig, den Ball zum 0:2
ins Netz zu schießen, wobei auch noch der starke Verdacht auf Abseits entstand aber vielleicht hat die
Assistentin an der Seitenlinie ja auch zu der am Boden liegenden Kasperczyk geschaut?
 Zuviel Gegner für Jeanette Blömen (2.vl)
Eine Minute später hätte Anja Siegers den Sack zumachen können, doch aus einer sehr guten Position
heraus ging ihr Kopfball knapp am Tor vorbei. Beide Teams bemühten sich nun weiterhin, wobei Rheine sich
etwas mehr in die eigene Hälfte zurückfallen ließ und auf die sich bietenden Kontermöglichkeiten lauerte.
So kamen die Brauweiler zu einer leichten optischen Überlegenheit und einigen guten Schussmöglichkeiten.
In der 63. Minute war es dann Anne Kathrin Lenz, die einen Freistoß aus gut zwanzig Metern über die Mauer
in die Maschen hämmerte. Das Tor zum 1:2 Anschluss war zu diesem Zeitpunkt hoch verdient.
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Doch schon knapp zwei Minuten später stellte Anja Siegers mit einem haltbar erscheinenden Roller den
alten Abstand wieder her. Das Tor war aus der Sicht der Zuschauer sicher vermeidbar, doch trifft nicht
die Torhüterin allein die Schuld. Die Verteidigerinnen hätten viel konsequenter eingreifen müssen, dann
wäre der Ball gar nicht bis zu Siegers gelangt.
 Brauweiler im Angriff
Jetzt folgten noch einige weitere große Torchancen für Rheine, die diese jedoch nicht nutzten. Einmal war
sogar schon die Torhüterin Mladin ausgespielt, doch den ins leere Tor rollenden Ball erlief Melanie
Schneider noch und kratzte ihn von der Linie. Kurz vor Schluss schoss Bianca Sauer aus knapp fünf Metern
über das leere Tor. Zählt man diese vergebenen Großchancen zusammen, muss man den Sieg von Heike Rheine
als verdient bezeichnen und kann dieser sympathischen Mannschaft mit ihrer Kapitänin Kerstin Stegemann
nur viel Glück für den Abstiegskampf wünschen!
FFC Brauweiler-Pulheim:
Mladin; Blömen (65. Peters), Bock, Kreuzer (46.Fehrenbach), Sedgwick, Kasperczyk, Koch (46.Ciorba), Niculescu, Schneider, Lenz, Balzer.
FFC Heike Rheine:
Geurts; Kattenbeck, Thiem (89.Graf), Heuvels, Dekker, Sauer, Voss, Bito, Leugers (70.Hüwe), Stegemann, Siegers (81.Zollfrank).
Tore:
0:1 Thiem (43.)
0:2 Leugers (50.)
1:2 Lenz (62.)
1:3 Siegers (67.)
Schiedsrichterin: Monique Klauß (Mülheim/Ruhr)
Gelbe Karte: Dekker
Zuschauer: 110
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