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1. Bundesliga, 10. Spieltag

Erwärmendes Spiel vor der Winterpause

FC Bayern München – 1.FFC Turbine Potsdam 1:1 (1:0)

Text und Bilder von Marko Schiller

30.12.2006   Zum letzten Punktspiel des Jahres ging es für Turbine in den Süden nach München. Im Gepäck ein verkorkster Saisonstart, schwankende Leistungen im Anschluss und den Verlust aller Titelträume. Was macht man dann aus dem Rest der Saison? Genau, man nutzt sie als Vorbereitungsphase zur neuen Saison und baut neue junge Spielerinnen ein und übt neue Systeme.

Genau das tat dann auch Trainer Bernd Schröder gegen Bayern München. Er änderte erneut das System und stellte auf ein 4-4-2 um. Erstmalig wurde die Viererkette bei Turbine erprobt und hat diesen Test mit Abstrichen bestanden. Bei Bayern fehlte weiterhin die Stürmerin Nina Aigner, allerdings konnte Spielmacherin Julia Simic von Beginn an mitwirken.

Ariane Hingst

Beste Potsdamerin auf dem Platz, Ariane Hingst (links), sie dirigierte und gab lautstark Kommandos, ein echter Kapitän eben. Hier wird sie bewacht von Bianca Eder (rechts) und Sandra de Pol.

Vom Anpfiff an entwickelte sich ein abwechslungs- und chancenreiches Spiel. So kam Navina Omilade in der 2. Minute zur ersten Torchance des Spiels. Auf der Gegenseite hatte Julia Simic die erste Chance für die Gastgeberinnen. Daran anschließend bekam Bayern das Spiel deutlich besser in den Griff und konnte durch Bianca Rech Akzente setzen. So kam Rech zunächst freistehend vorm Tor zum Abschluss, verzog aber. Anschließend köpfte sie dann knapp über den Kasten. Diese Druckphase hatte Turbine überstanden und ab dann neutralisierten sich die Mannschaften weitestgehends.

Inken Becher

Erfahrung gegen jugendlichen Übermut: Inken Becher (rechts) gegen Vanessa Bürki (im Hintergrund Peggy Kuznik gegen Nicole Banecki)

Als sich Turbine wiederum anschickte, die eigenen Offensivbemühungen zu verstärken, wurden sie bestraft. Die Schweizerin Vanessa Bürki hebelte die Vierkette mit einem Lauf über die rechte Seite aus und drang in den Strafraum ein. Dort wurde sie dann von zwei Turbinen und der Torhüterin Nadine Angerer gestellt, die aus dem Tor geeilt war. Dennoch behielt Bürki die Übersicht und passte zu Nicole Banecki, die zum Führungstreffer verwandelte. Das ganze passierte in der 32. Spielminute und die Führung war bis dato aufgrund der besseren Torchancen verdient.

Die Gäste aus Potsdam wirkten kurzzeitig geschockt, aber dennoch hielten sie diesen Rückstand bis zur Pause und ermöglichten den Bayern keine Vorentscheidung in der ersten Halbzeit.

Unverändert gingen beide Mannschaften in die zweite Hälfte, die ebenso abwechslungsreich werden sollte wie die Erste. Zunächst begann die zweite Hälfte etwas schleppend, aber ab der 60. Minute war dann wieder Bewegung im Spiel. Bernd Schröder wechselte auf Potsdamer Seite


Conny Pohlers

Torschützin Conny Pohlers in Aktion, am Boden Vanessa Bürki, im Hintergrund Jennifer Zietz und links Julia Kremser

Essi Sainio für Navina Omilade ein. Auf der Gegenseite reagierte Sissy Raith und brachte Sylvie Banecki für Simic. Direkt nach dem Wechsel der Bayern gab es dann den Paukenschlag. Die agile Conny Pohlers nutzte einen Fehler der Bayernabwehr und lief allein aufs Tor zu und schob durch die Beine von Ulrike Schmetz ein. So stand es nach 64. Minuten leicht überraschend 1:1.

Britta Carlson

Britta Carlson das letzte Mal im Turbinedress, leider nur als Wechselspielerin (Im Hintergrund Aferdita Podvorica)

Dieser Ausgleichstreffer motivierte die Gäste noch mal, die ihrerseits jetzt auch Akzente nach vorne setzten. So kam es zu einem offenen Schlagabtausch, in dem beide Abwehr- und Angriffsreihen im Brennpunkt standen. In dieser Phase waren sowohl Bürki als auch Rech mit der Schiedsrichterleistung, speziell bezüglich Abseitsstellungen, nicht zufrieden und holten sich verdient jeweils eine gelbe Karte wegen Meckerns ab. Dies war nicht das erste Mal in der Saison, das speziell diese beiden Spielerinnen in dieser Form auffällig wurden. Dass Bayern das Spiel zu elft beendete, war mehr der Geduld der Schiedsrichterin geschuldet als der Einsicht von Bürki und Rech. Zudem zeigte Nicole Banecki ihr schauspielerisches Talent und ließ sich mehrfach ohne Grund theatralisch fallen ohne bestraft zu werden.

Conny Pohlers

Strafraumszene mit Kopfballversuch von Conny Pohlers

So wurde das Spiel zum Schluss hin sehr zerfahren und keine der beiden Mannschaften konnte trotz sich bietender Chancen den Siegtreffer erzielen. Es blieb beim insgesamt gerechten 1:1 im letzten Saisonspiel beider Mannschaften im Jahr 2006.

Die unfairste Szene dieses Spiels ereignete sich jedoch schon vor dem Anpfiff. Der Potsdamer Anhang ist es seit Neuestem gewöhnt, im eigenen Stadion in


der Unterstützung ihrer Mannschaft beschnitten zu werden durch die neue Stadionordnung. Daher freuten sich viele auf eine lautstarke Unterstützung des Teams in Aschheim. Nachdem man sich auf den Sitzplätzen niedergelassen hatte, wurde man durch den Betreiber des Imbisses mit Hinweis auf das Hausrecht der Bayern darauf hingewiesen, dass dort Rasseln und Trommeln nicht erwünscht sind. So musste der gesamte Anhang auf die gegenüberliegenden, nur leicht befestigte, Seite wechseln. Auf den Sitzplätzen ließen sich dann die einheimischen Fans nieder und verhielten sich sehr ruhig. Nur bei kniffligen Schiedsrichterent- scheidungen keimte Leben dort auf in Form von Beschimpfungen.

Die Schiedsrichterleistung war dann auch Trainerin Raith ein Dorn im Auge, und so erklärte sie nach dem Spiel, dass die Schiedsrichterin spielentscheidend eingegriffen hätte und Bayern ansonsten gewonnen hätte. Diese Aussage zeugt von einer sehr verschobenen Sichtweise aufs Spiel und vielleicht sollte Trainerin Raith ihrer Mannschaft zunächst Disziplin und Fairness beibringen und erst dann eine bessere Ausbildung der Schiedsrichterinnen fordern.

(Sehr schade, dass uns kein Spielbericht aus Sicht eines Bayern-Fans vorliegt, deren Sichtweise würde mich jetzt sehr interessieren, der Setzer)

Navina Omilade

Navina Omilade im Zweikampf mit Bianca Rech, im Hintergrund Corinna Paukner



FC Bayern München:

Schmetz – Rech, Eder, Paukner, Kremser – Mirlach, de Pol, Baunach – Simic (63. S.Banecki) – Bürki, N.Banecki

1. FFC Turbine Potsdam:

Angerer – Kuznik, Schlanke, Peter, Becher – Zietz, Kameraj, Omilade (60. Sainio), Hingst – Schmidt, Pohlers

Tore:
1:0 N.Banecki (32.)
1:1 Pohlers (64.)

Gelbe Karten: Rech, Bürki, Baunach / Sainio

Schiedsrichterin: Anja Kunick (Leipzig)

Zuschauer: 350


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