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1. Bundesliga, 20. Spieltag

Potsdam macht vorletzten Schritt zur Meisterschaft

1. FFC Turbine Potsdam – 1. FFC Frankfurt 2:0 (1:0)

Bilder von Peter Clesle
Text von Marko Schiller

16.5.2006   Mit Spannung wurde dieses Spiel erwartet, weil es eine Vorentscheidung in der Meisterschaft bedeutete. Die letzten Wochen waren hart für beide Teams und das Match sollte es ebenso werden.

Beide Mannschaften konnten in Bestbesetzung antreten. Dies sorgte bei einem Teil der Potsdamer Fans für Unmut. Über Fairness möchte ich jetzt nicht diskutieren, aber eine ganze Halbzeit zwei Spielerinnen (Steffi Jones und Birgit Prinz, weil sie am Mittwoch beim Länderspiel in Cottbus verletzungsbedingt fehlten, Anm. d. Red.) auszupfeifen, ist nicht sportlich. Aber wer hat diese Reaktion zu verantworten? Vorab wurde einiges in der Presse lanciert und das wirkte sich aus. Das ständige Publikum im „Karli“ wusste die Situation recht gut einzuordnen, aber trotzdem war das Geschehen nicht zu verhindern.

Tina Wunderlich, Ariane Hingst

Ariane Hingst (r.), die in der Pause an die Fairness der Zuschauer appelierte, sprintet an Tina Wunderlich vorbei.

Zum Spiel gibt es viel mehr zu berichten, und das sollte im Mittelpunkt der Berichte stehen. Denn beide Mannschaften hatten sich einiges vorgenommen und zeigten dies auch. Bereits in der 6. Minute fand eine Flanke oder Torschuss den Weg an den Pfosten des von Ursula Holl gehüteten Tors. Ausgangspunkt dieser Chance war Petra Wimbersky, die noch eine entscheidende Rolle spielen sollte. Die nächste Chance hatte die lauf- und kampffreudige Ariane Hingst. Ihr Fernschuss wurde von Anja Mittag unfreiwillig abgefälscht, und so musste Ursula Holl in höchster Not klären.

Conny Pohlers, Katrin Kliehm

Jubel

Jubel

Katrin Kliehm kommt gegen Conny Pohlers zu spät (oben) - diese dreht nach dem 1:0 zum Jubeln mit ihren Mitspielerinnen ab.

Die Antwort der Hessinnen ließ nicht lange auf sich warten. Zunächst hatte Kerstin Garefrekes eine Kopfballchance, ehe Birgit Prinz die bis dato größte Möglichkeit rechts am Tor vorbeisetzte. Sie hatte mit Sandra Smisek die Potsdamer Abwehr ausgehebelt und war über links frei auf Nadine Angerer zugelaufen. Im Gegenzug machte ihr Conny Pohlers vor, wie es geht. Sie setzte sich im Frankfurter Strafraum schön durch und nutzte die kleine sich bietende Lücke. Aus kurzer Distanz traf sie ins lange Eck - ohne jegliche Abwehrchance für Ursula Holl. Das Ganze geschah in der 21. Spielminute.

Frankfurt musste nun kommen und tat dies auch. Zunächst mit wenig Erfolg. Allerdings gehörten die letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit den Gästen.

Babett Peter, Sandra Albertz

Sandra Albertz (l.) lässt hier Babett Peter mit einer Körpertäuschung aussteigen.

Unverständlicherweise überließen die Potsdamerinnen ihnen Initiative und Feld. So kam es zu einigen Chancen, die die Potsdamer Abwehr allesamt klären musste und auch konnte.


Conny Pohlers, Katrin Kliehm, Steffi Jones

Wie schon in Frankfurt brachte Conny Pohlers (l.) ihre Mannschaft auf die Siegerstraße. Katrin Kliehm (am Boden) und Steffi Jones können es nicht fassen.

Den Schlusspunkt setzte jedoch die Heimmannschaft durch Anja Mittag, die kurz vor dem Halbzeitpfiff die gute Ursula Holl prüfte. So blieb es beim 1:0 zur Halbzeit. Auf dem Weg in die Kabine bat dann Kapitän Ariane Hingst um Fairness und Unterstützung des Publikums.

Allerdings musste man dies auch von einigen Spielerinnen auf dem Feld einfordern. Warum Kerstin Garefrekes für ihr unnötiges und absolut gesundheitsgefährdendes Foul gegen Ariane Hingst keine Karte sah, bleibt das Geheimnis von Bibiana Steinhaus. Dass das Wort der Kapitänin Gewicht bei den Anwesenden hat, bewies die zweite Halbzeit. Es wurde nicht mehr gepfiffen, sondern unterstützt.

Frankfurt machte da weiter, wo sie vor der Halbzeit aufgehört hatten. Sie agierten druckvoll und bestimmend. Dies gipfelte in der größten Chance des ganzen Spiels. Birgit Prinz war alleine vorm leeren

Katrin Kliehm

Frankfurts Spielführerin Katrin Kliehm.

Tor und hatte es in der Hand. Die überragende Peggy Kuznik konnte in letzter Sekunde und höchster Not den Schuss von Prinz klären. Diese Szene war eine Zusammenfassung des gesamten Spiels, Frankfurt erarbeitete sich diverse Chancen, ist aber vor dem Tor momentan absolut ungefährlich.

Nur kurze Zeit später zeigte Bibiana Steinhaus auf den Punkt, Elfmeter für Potsdam. Oder doch nicht? Die Beste des Schiedsrichtergespanns, nämlich Eva Kirschbaum, hatte die vorangegangene Abseitsposition korrekt angezeigt, und somit blieb das Foul von Ursula Holl an Petra Wimbersky im Strafraum ungeahndet.

Jennifer Zietz, Kerstin Garefrekes, Babett Peter

Kerstin Garefrekes steigt hier höher als Jennifer Zietz. Vorne Babett Peter, die die Szene beobachtet.

Die letzten fünfzehn Minuten wird wohl so schnell keiner im Stadion vergessen. Zunächst kam Isabel Kerschowski für die erfolglose Anja Mittag. Dann blieb Nadine Angerer reglos liegen, nachdem sie unglücklich gegen den Pfosten geprallt war. Sie wurde durch Stephanie Ullrich ersetzt. Noch während die angeschlagene Spielerin vom Platz getragen wurde, mussten die Betreuer erneut aufs Spielfeld. Diesmal hatte es Karolin Thomas getroffen, die nach 56. Minuten für die angeschlagene Ariane Hingst gekommen war. Auch sie konnte nicht weiterspielen und mittlerweile hat sich der schlimmste Verdacht erhärtet. Sie erlitt einen Innenband- und Kreuzbandriss. Da Potsdam bereits dreimal gewechselt hatte, mussten sie die letzten Minuten in Unterzahl überstehen.

In dieser Situation zeigte die Mannschaft eine riesige Moral und unbändigen Willen. Mit der lautstarken Unterstützung der eigenen Fans bäumten sie sich gegen den Angriffsdruck der Gäste und setzten eigene Konter. Eben ein solcher brachte die endgültige Entscheidung, nachdem Isabel Kerschowski über die rechte Seite ihre Schnelligkeit ausspielte, in die Mitte auf Petra Wimbersky passte und diese gekonnt zum 2:0 verwandelte. Die Frau für die wichtigen Tore hatte wieder zugeschlagen.


Der Freudentaumel und die Feierstimmung nach dem Schlusspfiff waren unglaublich. Der Meister war gestürzt, und man hatte endlich eine alte Serie gebrochen. Endlich einen Heimsieg gegen die Frankfurterinnen und dies auch noch vor den zwei wichtigsten Spielen für beide Mannschaften in den kommenden Wochen.

Renate Lingor, Conny Pohlers, Britta Carlson, Meike Weber, Isabel Kerschowski

Frankfurts Spielmacherin Renate Lingor wurde eng gedeckt - hier bedrängen Conny Pohlers (l.) und Britta Carlson ihre Natio-Kollegin. Rechts Meike Weber und Isabel Kerschowski.

Der Titeldreikampf geht in die heiße Phase und hoffentlich nutzt die Presse nicht die momentan aufgeheizte Stimmung in beiden Fanlagern für ihre Zwecke aus. Wenn von Eklat und Unsportlichkeit gesprochen wird, darf man nicht alle Zuschauer über einen Kamm scheren, und schließlich wollen wir alle doch nur großen und fairen Sport auf dem Feld und den Rängen sehen.

Uschi Holl, Isabel Kerschowski

Petra Wimbersky, Meike Weber, Sandra Smisek

Petra Wimbersky, Meike Weber

Petra Wimbersky, Isabel Kerschowski

Das entscheidende 2:0: Isabel Kerschowski flankt, Petra Wimbersky nimmt an, setzt sich gegen Meike Weber durch und bejubelt ihren Treffer mit der Flankengeberin.

Bericht aus Frankfurter Sicht

1. FFC Turbine Potsdam

Angerer (79. Ulrich), Becher, Peter, Kuznik, Omilade, Carlson, Zietz, Hingst (56. Thomas), Wimbersky, Mittag (71. I. Kerschowski), Pohlers

1. FFC Frankfurt

Holl, Kliehm (89. Barucha), Künzer, T. Wunderlich, Jones, Affeld (46. Albertz), Lingor, Garefrekes, Hansen (79. Weber), Prinz, Smisek

Tore:
1:0 Pohlers (21.)
2:0 Wimbersky (90.)

Gelb: Lingor, Albertz, Prinz

Schiedsrichter: Bibiana Steinhaus (Hannover)

Zuschauer: 2.205


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