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1. Bundesliga - 15. Spieltag

Potsdam demütigt den FSV

1. FFC Turbine Potsdam - FSV Frankfurt 16:0 (7:0)

Von Christian Heidler

04.04.2006

Achtung Nachtrag (rechts unten)

1006 Zuschauer erfreuten sich bei bestem Fußballwetter am Scheibenschießen ihrer „Torbinen“ im Karl-Liebknecht-Stadion. Nach dem 13:0 am Bornheimer Hang legte die Schröder-Truppe beim Rückspiel noch drei Treffer drauf gegen die in allen Belangen völlig überforderten Gäste vom Main.

Inken Becher mußte aufgrund ihrer schweren Verletzung aus dem Pokalspiel gegen Bayern pausieren, Britta Carlson wurde geschont. Ansonsten schickte Trainer Bernd Schröder seine mit Nationalspielerinnen gespickte Mannschaft auf das Feld. Vorsichtshalber wurde Ariane Hingst in die Abwehr beordert – man kennt ja schließlich den Wundersturm des FSV. Gegen die gefürchteten Hessinnen mußte wieder Nadine Angerer zwischen die Pfosten – wer weiß denn schon, ob Stephanie Ullrich die beiden Schüßchen der Frankfurterinnen auch so souverän pariert hätte wie die Auswahlkeeperin? Daß Monique Kerschowski nicht ausgerechnet gegen diesen Favoritenschreck zu ihrem ersten Saisonspiel in der ersten Mannschaft kommen würde, das war ja abzusehen. Immerhin eine schöne Geste von Schröder, daß sie sich warm laufen durfte. Bei Aferdita Podvorica muß das Aufwärmen an der Seitenlinie wohl eher eine Strafmaßnahme gewesen sein, denn auch die in schon acht Bundesligaspielen dieser Saison eingesetzte „Afro“ wurde nicht eingewechselt. Lediglich Cristiane durfte mit Beginn der 2. Halbzeit neu aufs Feld.

Auf Frankfurter Seite fehlten mit Anissa Holzhaus und Anne Engel zwei wichtige Spielerinnen. Angesichts des großen und hochkarätig bestückten Kaders des FSV jedoch weiter kein Problem. Immerhin konnten je eine Feldspielerin und eine Torhüterin auf der Auswechselbank Platz nehmen. Frank Schwalenberg brauchte sich also gar nicht erst groß den Kopf zerbrechen, wann er diesen oder jenen Wechsel ausführen sollte. Bereits in der 20. Spielminute hatte sich dieses Thema erledigt. Doch zuvor endlich auch ein paar Worte zum Spiel:

Turbine legte gleich von Anbeginn energisch los und setzte die Frankfurter Abwehr (also nahezu alle FSV-Spielerinnen) sofort unter Druck. Schon in der 2. Minute die erste Großchance der UEFA Cup-Champions, als Anika Stunz einen Torschuß im Anschluß an eine der unzähligen Potsdamer Ecken gerade noch auf der Linie abwehren konnte. Es folgten Torchancen im Minutentakt, ehe Isabel Kerschowski das 1:0 gelang, derweil die Frankfurter Mannschaftsführerin gerade verletzt am Spielfeldrand behandelt werden mußte. Weiter rollten die Angriffe der Turbinen auf das Gehäuse von Verena Volz, doch der guten Torfrau und der schlechten Chancenverwertung blieb es zu verdanken, daß Frankfurt bis dahin nicht schon


deutlicher in Rückstand geraten war.

Es dauerte bis zur 25. Minute, bis die ohnehin löchrige FSV-Abwehr sturmreif geschossen war und Navina Omilade mit dem 2:0 die Verteidigungsstellung der Gäste geschliffen hatte.
Bis zur Halbzeit schlug es noch fünfmal hinter Volz ein. Daß die Anzeigentafel wegen eines technischen Defekts lange nicht über ein 4:0 hinauskam, hinderte Mittag, Pohlers & Co. nicht daran, das Ergebnis bis auf 7:0 hoch zu schrauben.

Sarah Schatton war da schon lange nicht mehr auf dem Platz. Die wichtige Stammspielerin war mit einer Mittelohrentzündung aufgelaufen, hielt aber „nur“ bis zur 20. Minute aus und mußte dann durch das FSV-Nachwuchstalent Wadid Naji ersetzt werden. Von da an saß Ersatztorfrau Yvonne Scheil einsam auf der Auswechselbank...

Nach dem Seitenwechsel machte Potsdam da weiter, wo man aufgehört hatte, beim Toreschießen. Die eingewechselte Cristiane brachte neuen Schwung in die Potsdamer Angriffsaktionen und führte sich gleich mit zwei Toren ein. Es folgten sage und schreibe noch sieben weitere Treffer und dabei hatten die Schröder-Schützlinge noch reihenweise beste Gelegenheiten vergeben. Turbine kannte kein Erbarmen, lediglich einen fahrlässigen Umgang mit den sich bietenden Einschußmöglichkeiten. Eines der schönsten Tore war sicherlich der wuchtige Distanzschuß von Karolin Thomas, der mittels sehenswerter Volleyabnahme zum 11:0 in der 74. Minute führte.

Beim FSV war schon längst keine Linie mehr im Spiel. Im ersten Durchgang hatte der Sportverein noch gezielt auf Abseits gespielt und damit häufiger Erfolg gehabt. Wenn Turbine aber die Anspiele in die Spitze richtig getimt hatte, kamen die Frankfurter Verteidigerinnen den schnellen Potsdamer Stürmerinnen kaum hinterher. Im Spiel nach vorne hatte es zumindest den Versuch eines gezielten Aufbauspiels gegeben und so kamen die Bornheimerinnen doch auch gelegentlich in die gegnerische Hälfte, freilich ohne torgefährlich zu werden. In der zweiten Spielhälfte aber wurde der FSV im eigenen Strafraum eingeschnürt und der Ball planlos nach vorne gebolzt. Kam dann doch eher zufällig einmal der Ball zur vordersten Verteidigerin, so war Dauerläuferin Kanczyk mit der Situation völlig überfordert. Sicherlich wäre die flinke Safi Nyembo in der Spitze die bessere Option gewesen.

Insgesamt konnte den Frankfurterinnen mangelnder Einsatz nicht vorgeworfen werden. Eher schon, daß sie zuviel Respekt vor dem namhaften Gegner zeigten und nicht mit mehr Biß in die Zweikämpfe gingen. Lediglich Safi Nyembo erhielt für einen ungestümen Einsatz gegen Anja Mittag berechtigterweise die Gelbe Karte.


Ansonsten gingen die Gäste aber selten an die Grenzen des Erlaubten. Positiv jedoch die Nehmerqualitäten der Hessinnen, die sich auch im stetig größer werdenden Debakel nicht gehen ließen und sich mit ihren bescheidenen Mitteln tapfer wehrten. Mit Volz, Stunz und Ivonne Baerthel standen freilich nur drei Schwarzblaue auf dem Feld, die derzeit vom Leistungsvermögen her in Reichweite zur ersten Bundesliga stehen.

Für die Turbine-Spielerinnen war es letztlich ein nettes Trainingsspielchen und das Publikum hatte so seinen Spaß. Man belachte Frankfurter Stockfehler oder Querschläger und wünschte sich auch von Nadine Angerer einen Eintrag in die Torschützenliste. Auch Bernd Schröder dürfte stolz auf das Rekordergebnis sein, gleichwohl es keine 20 Treffer geworden sind. Eine weitere Gelegenheit wird Potsdam gegen den FSV nicht mehr bekommen. Der Frankfurter Traditionsverein ist letztmals im Karli aufgelaufen – und das wohl für immer.

Nachtrag des Autors:
Aus Potsdam wurde darauf hingewiesen, bei der einen Spielerin an der Seitenlinie habe es sich nicht um Monique Kerschowski sondern ihre Zwillingsschwester Isabel beim Auslaufen gehandelt. Zudem soll auch klargestellt werden, dass die Reaktionen des Publikums nicht einheitlich waren, sondern das Mitleid gegenüber der Gastmannschaft überwog (wie auch im Spielbericht von Marko Schiller zum Ausdruck gebracht wird).

Bericht aus Potsdamer Sicht

Aufstellungen

1. FFC Turbine Potsdam
Angerer - Kuznik, Hingst, Peter - Thomas, Wimbersky, Omilade, Zietz - Kerschowski (46. Cristiane), Mittag, Pohlers

FSV Frankfurt:
Volz - Bärthel, Strunz, Gado, Reichow - Maksuti, Günther, Kanscyk, Özer - Schatton (20. Naji), Nyembo

Tore:
Tore:
1:0 I. Kerschowski (9.)
2:0 Omilade (25.)
3:0 Mittag (28.)
4:0 Pohlers (30.)
5:0 Wimbersky (33.)
6:0 Mittag (43.)
7:0 I. Kerschowski (44.)
8:0 Cristiane (52.)
9:0 Cristiane (56.)
10:0 Mittag (63.)
11:0 Thomas (74.)
12:0 Pohlers (75.)
13:0 Wimbersky (77.)
14:0 Omilade (81.)
15:0 Wimbersky (85.)
16:0 Kuznik (89.)

Karten: -

Schiedsrichterin: Inka Müller (Stendal)

Zuschauer: 1007

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