Bilder von Jan Kuppert Text von Christian Heidler 16.5.2006
In einem zwar nicht immer hochklassigem doch stets spannenden, kampf- betonten Spitzenspiel erarbeitet sich Turbine Potsdam insbesondere aufgrund einer besseren Chancenverwertung einen 2:0 Sieg. Vor gut 2.200 Zuschauern entthront Turbine damit den noch amtierenden Meister aus Frankfurt, sichert sich selbst die Deutsche Meisterschaft (praktisch jedenfalls) und beendet nebenbei auch noch den Heimkomplex gegen die Hessinnen.
Eigentlich konnte man dem Team aus der Brandenburgischen Landeshauptstadt bereits nach dem Sieg gegen Meisterschafts- konkurrent Duisburg zum Titelgewinn gratulieren, doch das hätte vielleicht danach ausgesehen, man wolle Potsdam in falscher Sicherheit wiegen. Nun aber ist es quasi perfekt, denn bei allem Respekt vor den kommenden Gegnern von Turbine, die Mannschaft müsste sich schon selbst mehr als ein Bein stellen, um den Titel noch aus den Händen zu geben. Mit vier Punkten Vorsprung auf den FCR Duisburg und die gerade geschlagenen Hessinnen, dem besten Torverhältnis aller Vereine sowie einem Nachholspiel gegen den HSV in der Hinterhand könnte sich Potsdam sogar noch einen richtigen Ausrutscher erlauben. Doch Trainerfuchs Bernd Schröder wird gewiß schon dafür sorgen, daß seine Frauen die künftigen Aufgaben nicht allzu lax angehen.
 Birgit Prinz (links, hier gegen Britta Carlson) erspielte sich einige Chancen, hatte jedoch Pech im Abschluss
Das Spiel selbst gestaltet sich in der Anfangsphase ziemlich ausgeglichen. Potsdam läuft in Bestbesetzung auf, auf Frankfurter Seite sind auch die zuletzt verletzungsbedingt fehlenden Spielerinnen Steffi Jones und Birgit Prinz dabei. Etwa in der 10. Minute dann der erste Warnschuß auf das von Ursula Holl gehütete Tor der Gäste. Den noch abgefälschten Schuß von Ariane Hingst kann die Frankfurter Keeperin jedoch zur Ecke klären. In der 19. Spielminute die bis dahin größte Möglichkeit für Prinz, als die Stürmerin in ihrer unnachahmlichen Art die Pots- damer Abwehrreihe durchbricht, dann aber rechts am Tor von Nadine Angerer vorbeischießt.
 Conny Pohlers (links) nach ihrem 34. Saisontreffer, vielleicht dem wichtigsten überhaupt. Rechts gratuliert Navina Omilade
Auf der anderen Seite macht es Conny Pohlers wenig später dann um so besser und schießt nach schönem Anspiel von halbrechts flach ins linke Toreck. Das 1:0 wird vom Publikum lautstark gefeiert und leitet eine etwa zwanzigminütige Drangphase der Gastgeberinnen ein. Nach einem Foul von Kerstin Garefrekes an „Ari“ Hingst muß die Potsdamer Spielführerin für einige Zeit an der Seitenlinie behandelt werden. Renate Lingor, die während der gesamten Partie nur wenig Akzente zu setzen vermag, sieht die gelbe Karte (vermutlich wegen Reklamierens). Der anschließende Freistoß bringt nichts ein.
Gegen Ende der 1. Halbzeit kann sich Frankfurt wieder besser in Szene setzen. So bei einer Doppelchance ungefähr in der 38. Minute. Später dann noch Aufregung im „Karli“ als sich Inken Becher und Angerer nicht so richtig einig sind, Lingor dazwischensprintet und „Nadse“ Angerer gerade noch zur Ecke retten kann.
Für den 2. Durchgang setzt Dr. Jürgen Tritschoks dann verstärkt auf die Offensive und bringt Sandra Albertz für Judith Affeld ins Spiel. Frankfurt übt nun auch tatsächlich mehr Druck auf den
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Das 2:0 von Petra Wimbersky in der Nachspielzeit entschied die Partie endgültig. Frankfurts Keeperin Uschi Holl hatte keine Chance, Meike Weber mit der 12 kommt zu spät
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Gegner aus. Zwei Möglichkeiten der lauffreudigen Sandra Smisek steht zunächst eine Chance von Navina Omilade gegenüber. In der 53. Minute kommt Prinz, die sich an der Potsdamer Verteidigung aufreibt, im 16er frei vor dem Tor zum Schuss, doch Peggy Kuznik rennt noch in die Schussbahn und erwischt den Ball kurz vor der Torlinie.
 Frankfurts Stürmerin Sandra Smisek ackerte viel, doch die Torausbeute des FFC Frankfurt war alles andere als optimal
Bei einem Potsdamer Gegenzug taucht Petra Wimbersky frei vor Holl auf, kann diese Chance aber nicht verwerten. Auf der anderen Seite hält Angerer einen Schuß von Prinz. In der 78. Spielminute folgt ein Gewaltschuß von Kerstin Garefrekes, der knapp über das Potsdamer Gehäuse zischt. Bei ihrer Parade prallt Angerer mit dem Pfosten zusammen und bleibt benommen liegen. Während sie mit der Trage weggetragen wird und Stephanie Ullrich zwischen die Pfosten tritt, gleich der nächste Schreck auf Potsdamer Seite. Die für Hingst eingewechselte Karolin Thomas hat sich anscheinend infolge eines Preßschlages derart heftig verletzt, daß auch sie vom Platz getragen werden muß. Da Schröder zu diesem Zeitpunkt bereits drei Wechsel vorgenommen hat (Isabel Kerschowski ist in der 71. Minute für die müde wirkende Anja Mittag gekommen), muß Turbine die Partie in Unterzahl beenden.
 Es sah gar nicht gut aus, als Karolin Thomas verletzt vom Platz getragen werden mußte. Wir wünschen schnelle und gute Genesung!
Frankfurt bemüht sich weiter um den Ausgleich, scheitert aber letztlich immer an der Potsdamer Defensive und eigenen Ungenauigkeiten. Auch ein schöner Distanzschuß von Tina Wunderlich ist nicht von Erfolg gekrönt. Im Gegenzug bietet sich den Turbinen immer wieder Raum zum Kontern. Potsdam geht aber zu fahrlässig mit diesen Chancen um. Das Publikum sehnt das Ende herbei, doch gibt es aufgrund der diversen Verletzungsunterbrechungen noch einen Nachschlag von vier Minuten. In der Nachspielzeit fällt schließlich der alles entscheidende Treffer, als Potsdam einen Tempogegenstoß über die rechte Seite vornimmt und „Piwi“ Wimbersky die Hereingabe zum 2:0 verwerten kann. Nach dem Schlußpfiff herrscht große Begeisterung im Babelsberger Stadion, durch das ein „So sehn
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Sieger aus! Shalalalala“ ertönt. Die Potsdamer Spielerinnen machen die Welle mit den Zuschauern und auch Nadine Angerer ist beim Auslaufen wieder dabei.
Glückwunsch also an Turbine Potsdam zur Deutschen Meisterschaft! Vor der Begegnung war den Zuschauern der erst vor zwei Wochen verteidigte DFB-Pokal präsentiert worden, jetzt hätte es gut gepaßt, wäre noch eine Ehrenrunde mit der Meistertrophäe möglich gewesen. Und Ende Mai kann die Sammlung vielleicht noch um den verteidigten UEFA Cup ergänzt werden. Ohne dem Ausgang dieses ebenfalls gegen den 1. FFC Frankfurt zu entscheidenden Wettbewerbs vorzugreifen, kann bereits jetzt festgestellt werden, daß der 1. FFC Turbine Potsdam derzeit klar die Nr. 1 in Deutschland ist. Anders als in den beiden vorangegangenen Spielzeiten herrschen 2005/2006 nämlich gleiche Wettbewerbsbedingungen für die beiden Rivalen, da Frankfurt und Potsdam in Meisterschaft, Pokal und UEFA Cup gleichermaßen gefordert sind.
Abschließend ist leider noch ein den sonst so positiven Gesamteindruck trübender Umstand zu erwähnen. Frankfurts Nationalspielerinnen Steffi Jones und vor allem Birgit Prinz wurden von einem erheblichen Teil des Publikums in der ersten Halbzeit bei jedem Ballkontakt ausgepfiffen. Einem Artikel der Potsdamer Neuesten Nachrichten vom 10.05. zufolge hatte Potsdams Trainer Bernd Schröder geäußert, es würde eine große Unsportlichkeit darstellen wenn Jones und Prinz fit gegen Turbine auflaufen, obwohl sie verletzungsbedingt ihre Teilnahme am Länderspiel gegen Irland abgesagt hatten. Potsdams Kapitän in Ariane Hingst wandte sich wegen der Pfiffe in der Halbzeitpause über Mikrofon mit einem Aufruf zu mehr Fairneß an die Fans, was dann auch überwiegend Gehör fand.
 Schade! Von Presseberichten aufgehetzte Fans pfiffen die Nationalspielerinnen Steffi Jones und Birgit Prinz aus, bis es Potsdams Kapitänin Ariane Hingst in der Halbzeitpause per Mikro gelang, für mehr Fairness zu werben
Bericht aus Potsdamer Sicht
1. FFC Turbine Potsdam
Angerer (79. Ulrich), Becher, Peter, Kuznik, Omilade, Carlson, Zietz, Hingst (56. Thomas), Wimbersky, Mittag (71. I. Kerschowski), Pohlers
1. FFC Frankfurt
Holl, Kliehm (89. Barucha), Künzer, T. Wunderlich, Jones, Affeld (46. Albertz), Lingor, Garefrekes, Hansen (79. Weber), Prinz, Smisek
Tore:
1:0 Pohlers (21.)
2:0 Wimbersky (90.)
Gelb: Lingor, Albertz, Prinz
Schiedsrichter: Bibiana Steinhaus (Hannover)
Zuschauer: 2.205
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