Text von Marko Schiller Bilder von Jan Kuppert 23.4.2006
Nach den Spielen in Frankfurt und gegen Brauweiler über Ostern stand am Donnerstag das Nachholspiel gegen den unliebsamen Gegner Essen-Schönebeck an. Unliebsam deshalb, weil sich Potsdam immer sehr schwer gegen die kampfstarke Mannschaft aus dem Pott tut.
Potsdam musste verletzungs- bedingt auf Conny Pohlers, Britta Carlson und weiterhin auf Inken Becher verzichten und so kamen Cristiane und Aferdita Podvorica von Beginn an zum Zuge. Das Fehlen von Pohlers, der Führenden in der Torschützenliste, machte sich zunächst im Potsdamer Sturm bemerkbar, aber im Laufe des Spiels kamen die aufgebotenen Stürmerinnen Podvorica, Mittag und Cristiane besser miteinander klar.
 Ariane Hingst (rechts) organisierte die Abwehr der Turbinen hervorragend. Hier im Zweikampf mit Mirja Kothe
Auch diesmal war es zunächst ein offener Schlagabtausch zwischen den Mannschaften, wobei keine zwingende Torchancen erzielen konnte. Die Spielerinnen aus Essen verstanden es sehr gut, die Angriffsbemühungen der Heim- mannschaft früh zu unterbinden und ihrerseits gefährlich in die Potsdamer Hälfte vorzudringen. Dort war allerdings auch für sie Schluss, da die Abwehr um Ariane Hingst erneut sehr gut stand.
Erste nenneswerte Aktion war die gelbe Karte gegen Silke Tancyus in der 13. Minute, da bisher sonst keine entscheidenden Aktionen von den Mannschaften gesetzt werden konnten.
 Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus brauchte nur zweimal in dieser Partie zur Gelben Karte zu greifen
Aus einem Freistoss heraus entwickelte sich dann die erste Torchance der Gastgeberinnen per Kopf durch Cristiane. Anscheinend ein „Hallo-wach“, denn von nun an tat sich mehr in den Strafräumen. In der 16. Minute setzt sich Anja Mittag über rechts durch, täuscht die Abwehrspielerin mit einer Finte, flankt mit links auf Aferdita Podvorica, die den Ball per Kopf Richtung Tor bringt, aber keinen rechten Druck dahinter bringen kann. So bleibt es vorerst beim 0:0. Der direkte Gegenzug der Gäste in der 17. Minute über Mirja Kothe hätte diesen Stand beinahe verändert, aber der Ball ging knapp über das von Nadine Angerer gehütete Tor. Zu diesem Zeitpunkt kann man das Spiel nur als ausgeglichen und äußerst spannend beschreiben. Bedingt durch eigene Fehler baute Potsdam die Essenerinnen auf und diese nutzten die gebotenen Freiheiten.
Dann der Paukenschlag in der 20. Minute: Anja Mittag setzt sich über links hervorragend durch, passt von der Grundlinie direkt an den Fünf-Meter-Raum auf Karolin Thomas, die den Ball mit dem Vollspann in Richtung der Essener Torfrau Steffi Löhr schlägt. Diese hält sich schützend die Hände vors Gesicht und der Ball schlägt zum 1:0 im Tor ein.
Die Freude über das Tor war noch nicht alt, als erneut Karolin Thomas für den nächsten Treffer sorgte. In der
|
Zumindest in der Anfangsphase war Essen der erwartet kampfstarke Gegner für den Meisterschaftsanwärter aus Potsdam. Hier grätscht Carina Chojnacki gegen Anja Mittag
|
23. Minute zog sie aus 25 Meter in halblinker Position ab, der Ball noch leicht abgefälscht, wird länger und länger und fällt hinter der unglücklichen Löhr ins Netz. Dies war zugleich der 100. Saisontreffer von Turbine Potsdam und bescherte der Mannschaft ein Abendessen auf Kosten des Hauptsponsors.
Nur genau eine Minute später erhöht Anja Mittag auf 3:0. Ihr eigentlich schwacher Schuss aus 12 Metern trudelt an Löhr vorbei ins rechte Toreck. Die Essener Keeperin sah dabei schlecht aus, weil sie eigentlich den Ball sicher hätte halten können, aber auf dem Boden liegend unter dem aufspringenden Ball durchgriff. 50% Torwartfehler und 50% Platzfehler, nichtsdestotrotz hatte Potsdam in nur 4 Minuten das Spiel vorentscheidend verändert.
 Cristiane (rechts), hier gegen Stephanie Schubert, hatte mit einem schönen Kopfball die erste gute Chance in diesem Spiel
Essen war geschockt und ihr druckvolles Spiel fand nicht mehr statt, allerdings begann Potsdam jetzt das Ergebnis zu verwalten und kam nicht mehr zwingend vor das Tor. Erst in der 38. Minute sorgte Petra Wimbersky für Torgefahr.
Kurz vor dem Halbzeitpfiff gelang den immer noch paralysiert wirkenden Essenerinnen der Anschlusstreffer zum 3:1 durch Karina Hellmann. Dabei profitierte sie von einem Missverständnis zwischen Babett Peter und Nadine Angerer. Diese prallten am Strafraumrand zusammen als beide einen langen Ball klären wollten, eine Gegnerin schaltete sofort, spielte den Ball auf Hellmann, die aus spitzen Winkel durch die Beine der zurückeilenden Potsdamer Torfrau traf.
Letzte Aktion der ersten Halbzeit war ein toller Freistoss von Thomas, den die Torfrau nur knapp über die Latte lenken konnte. So ging es also mit 3:1 zum Pausentee.
 Essens Julia Bolle (links), hier im Kopfballduell mit Jennifer Zietz
In der Pause hatte die Potsdamer Offensivabteilung wohl neue Kraft getankt, und so hatte Mittag in der 51. Minute die erste Chance, den Abstand wieder auf drei Tore zu vergrößern, scheiterte allerdings an Löhr.
In der 54. Minute wurde dieser Abstand dann wiederhergestellt. Aferdita Podvorica traf zum 4:1. Zuvor war Jennifer Zietz über links in den Starfraum eingedrungen, hatte auf Cristiane gepasst die sofort abzog,
|
der Ball sprang gegen die Latte und von dort zurück in den Fünf-Meter-Raum, wo Podvorica abstaubte.
Das Spiel verflachte nun, was nach den vielen Spielen der letzten Tage auch verständlich war. Vereinzelte Chancen wie die der eingewechselten Isabel Kerschowski in der 64. Minute oder in der 68. Minute durch Wimbersky sorgten für Abwechslung. Von Essen kam in dieser zweiten Halbzeit fast nichts und so war der Schuss von Sandra Deilmann aus 12 Metern freistehend vor dem Tor eher als Lebenszeichen den als Torchance zu sehen.
Im direkten Gegenzug hätte die lauffreudige Kerschowski aus kurzer Distanz ihren Treffer erzielen können, aber Löhr hielt glänzend.
So dauerte es bis zur 85. Minute ehe Cristiane das 5:1 schoss nach schöner Vorarbeit von Navina Omilade über die rechte Seite. Den Schluss- punkt setzte die zweifache Torschützin Thomas, als sie in der 90. Minute aus mehr als 20 Metern einen Schuss direkt an die Querlatte setzte.
So blieb es beim 5:1, dass den Turbinen die Tabellenspitze bescherte und somit in die Rolle des Gejagten. Und der erste Jäger kommt bereits drei Tage später ins Karl-Liebknecht-Stadium, um seine Meisterschaftschance zu wahren. Das Spiel gegen Duisburg am Sonntag wird der Abschluss der „Woche der Wahrheit“ sein.
 Essens Torfrau Steffi Löhr dirigiert ihre Abwehr
Turbine Potsdam:
Angerer – Peter, Hingst (59. I.Kerschowski), Kuznik – Zietz, Wimbersky, Thomas, Omilade – Podvorica (70. Schiewe), Cristiane, Mittag
SG Essen-Schönebeck:
Löhr – Schubert, Chojnacki, v.Kampen, Balkenhol (62. Bolle) – Deilmann, Duhme, Hellmann – Kothe, Hartmann (87. Langpohl), Tancyus (89. Böhme)
Tore: 1:0 Thomas(20.) 2:0 Thomas (23.) 3:0 Mittag (24.) 3:1 Hellmann (45.) 4:1 Podvorica (54.) 5:1 Cristiane (85.)
Gelbe Karten: -/Chojnacki, Tancyus
Schiedsrichterin: Bibiana Steinhaus
Zuschauer: 931
Zur FanSoccer-Startseite
|