1. FFC Turbine Potsdam : FCR 2001 Duisburg
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1. Bundesliga - 18. Spieltag

Glück gehabt und Farbe bekannt

1. FFC Turbine Potsdam : FCR Duisburg 2:1 (1:0)

Von Marko Schiller

25.04.2006

Das zweite Spiel gegen einen direkten Verfolger innerhalb von acht Tagen sollte spannend, hochdramatisch und letztendlich mit dem glücklicheren Ende für Potsdam verlaufen. Gleichzeitig setzte man ein Zeichen gegen Rassismus und Fremdfeindlichkeit. So stand das Spiel unter dem Motto “Wir bekennen Farbe!“ und zollte dem Opfer eines Angriffs mit fremdenfeindlichen Hintergrund Tribut. Daher kam auch ein Teil der Zuschauereinnahmen der Familie des Opfers zugute. Das waren am Ende immerhin 1979 Euro, die vom Fanclub „Turbine-Adler“ auf 2000 Euro aufgerundet wurden. Dazu kamen weitere 400 Euro aus der Mannschaftskasse des FCR Duisburg, und der DFB verdoppelte die so zusammengekommen Summe zusätzlich.

Im Spiel musste Trainer Schröder wegen einer Mittelohrentzündung erneut auf seine Toptorjägerin Conny Pohlers verzichten, konnte aber wieder auf Britta Carlson bauen und Inken Becher nahm auf der Bank Platz. Auf der Gegenseite nahm auch Inka Grings vorerst auf der Ersatzbank Platz, war als Joker allerdings jederzeit bereit.
Von Beginn an entwickelte sich ein sehr munteres Spiel, das schnell Tempo aufnahm. Allerdings sah man schon in dieser Phase, bedingt durch das gute Pressing der Duisburgerinnen, erhebliche Abspielfehler und diverse Ballverluste der Turbinen. So verwunderte es nicht, dass die ersten Versuche in Sachen Torschuss auf den Kasten der Potsdamerin Nadine Angerer kamen. Erstmals tauchte in der fünften Minute eine Gästespielerin allein vor Angerer auf, die den Ball abwehrte, bevor Ariane Hingst endgültig klärte. Nur kurze Zeit später köpfte Shelley Thompson einem Missverständnis in der heimischen Hintermannschaft den Ball knapp über das Tor.

Karolin Thomas (l.), die hier noch gegen Simone Laudehr das Nachsehen hat, sorgte für die erste Potsdamer Aktion.

Foto: www.bawue-loewen.de


Ein erstes Lebenszeichen der Potsdamerinnen kam erst per Freistoß von Karolin Thomas in der 14. Minute auf das Duisburger Tor von Silke Rottenberg, war allerdings viel zu harmlos. Fast in direktem Gegenzug setzte sich Jennifer Oster über die rechte Seite bis in den Strafraum durch, wo erneut Angerer klären musste.
In der 21. Minute sah es dann nach der mittlerweile verdienten Gästeführung aus, aber Thompson scheiterte erneut an Angerer. Dieser war das bisherige Ergebnis von 0:0 zu verdanken.

Potsdam spielte zu überhastet und musste unnötige Ballverluste hinnehmen. Die Gäste waren speziell im schnellen Spiel nach vorne, wo sie nur mit einer echten Spitze agierten, besser, allerdings auch häufig im Abseits. In der 27. Minute herrschte dann totales Chaos im Potsdamer Strafraum und jede Duisburgerin durfte ihr Glück versuchen. Kurios war, was dann geschah. Aus diesem Chaos heraus entwickelte sich der erste
Und da fällt sie, die Duisburger Hintermannschaft - 1:0 durch Anja Mittag.

Foto: www.bawue-loewen.de
schön vorgetragene Torchance für Potsdam und diese nutzte Anja Mittag eiskalt. 1:0 in der 28. Minute, nachdem Mittag den Ball von links ins lange Eck gesetzt hatte, Rottenberg den Ball noch minimal berührte aber nicht ablenken konnte. Der Spielverlauf war komplett auf den Kopf gestellt, unverdienter konnte eine Führung nicht sein. Die Hoffnung auf mehr Sicherheit und ein besseres Spiel der Turbinen durch diese Führung wurde leider recht schnell enttäuscht. Vielmehr war es Duisburg, die jetzt dem Spiel noch mehr ihren Stempel aufdrückten.

In der 31. Minute verletzte sich Verena Hagedorn, ohne gegnerischen Einfluss, sodass sie das Spielfeld verlassen musste. Das es sich um eine erhebliche Verletzung (Kreuzbandriss, Anm. d. Red). handeln musste, wurde bereits beim Aufschrei der Spielerin klar, da dieser bis zur Gegentribüne zu hören war. Man kann ihr von dieser Stelle aus nur Gute Besserung wünschen. In der 36. Minute gab es eine der wenigen unschönen Szenen des Spiels. Simone Laudehr Bodycheck an der Seitenauslinie gegen Navina Omilade war nicht nur unnötig sondern auch gefährlich, weil sie unkontrolliert in Richtung gegnerische Ersatzbank fiel. Laudehr sah dafür die gelbe Karte und Omilade konnte unverletzt weiterspielen. In der Nachspielzeit der ersten Halbzeit war es dann erneut Thompson, die gefährlich vor dem Potsdamer Tor auftauchte und den Ball über das Tor lupfte. Dabei profitierte sie wiederum von erhebliche Abstimmungsproblemen in der heimischen Hintermannschaft.
So blieb es beim Stand von 1:0 zur Halbzeit, der den Verlauf des Spiels nicht wirklich wiederspiegelte. Vielmehr hatte Potsdam das Glück des Tüchtigen (immerhin ja das vierte Spiel in acht Tagen) bisher ausgiebig genutzt.

Die zweite Hälfte begann etwas ausgeglichener, aber Duisburg hielt das Tempo hoch. Mittag hätte in der 53. Minute die Vorentscheidung bringen können, als sie sich gegen die Duisburger Abwehr durchsetzte und fast aus identischer Position wie beim 1:0 den Ball rechts knapp vorbeisetzte.

Am Ende hatte Potsdam um Anja Mittag (r.) das knappe Rennen um drei Punkte im Kampf um die Meisterschaft gegen Anne van Bonns Duisburgerinnen gewonnen.

Foto: www.bawue-loewen.de


Duisburg begann jetzt mehr und mehr, auf gefährliche und schnelle Konter umzustellen, um so das verdiente 1:1 zu erzielen. Jennifer Zietz hielt auf Potsdamer Seite mit einem gefährlichen Fernschuss dagegen. Mittag versuchte sich häufiger durch die gut stehende Abwehr vom FCR durchzubeißen.
In der 63. Minute brachte Trainer Schröder dann die kampfstarke und pfeilschnelle Isabel Kerschowski. Sie sollte für Entlastung der eigenen Abwehr durch gefährliche Flankenläufe ihrerseits sorgen.

Die Jugend unter sich. Annike Krahn (r.) hatte in der letzten halben Stunde mit Isabel Kerschowski gut zu tun.

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Dann kam die Erlösung für den Duisburger Anhang. Im Anschluss an einen Freistoß zögerte Angerer beim Herauslaufen und Omilade verlor den Zweikampf mit Laudehr. Diese köpfte zum hochverdienten Ausgleich ein. Allerdings war klar, dass dies den Duisburgerinnen noch nicht reichte, um ihre Meisterschaftschance zu wahren. Es entwickelte sich ein offener Schlagabtausch mit Chancen hüben wie drüben, bevor Duisburgs Trainer Dietmar Herhaus in der 76. Minute sein letztes As im Ärmel brachte, Inka Grings. Die Einwechselung quittierte Kerschowski direkt mit einem Schuss aus 25 Metern, den Rottenberg nur knapp über die Latte lenken konnte.
Nur kurze Zeit später schirmte Mittag einen langen Pass clever ab und steckte ihn auf die heraneilende Wimbersky weiter. Diese traf aus halblinker Position ins lange Eck, keine Abwehrchance für Rottenberg. Der Jubel bei der heimischen Kulisse und den Spielerinnen von Turbine auf dem Platz war groß.
Jetzt fightete Duisburg um den Ausgleich und Potsdam suchte mit Kerschowski und Aferdita Podvorica die endgültige Entscheidung. So blieb es bis zur Schlussminute unglaublich spannend. Der Abpfiff erlöste Fans, Trainer und Mannschaft gleichermaßen. Ein großer Schritt in Richtung zweite Meisterschaft war getan, aber so recht dran glauben tun noch nicht alle. Es sind kommen immerhin noch fünf Spiele und der Vorsprung beträgt nur vier Punkte. Ein Ausrutscher und alles wäre wieder offen.

Aufstellungen

Potsdam
Angerer, Peter, Hingst, Kuznik, Zietz, Carlson, Thomas, Omilade, Wimbersky, Mittag (84. Podvorica), Cristiane (63. I.Kerschowski)

Duisburg
Rottenberg, Schröder (58. Wilder), Krahn, v. Bonn, Hagedorn (35. Hauser). Hanebeck, Griffioen, Oster, Laudehr, Thomson (76. Grings). Bajramaj

Tore
1:0 Mittag (28.)
1:1 Laudehr (64.)
2:1 Wimbersky (82.)

Schiedsrichterin: Christine Beck (Magstadt)

Gelb: Wimbersky, Laudehr

Zuschauer: 2207

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