Von Bernd Seume (Text und Fotos)
21.08.2005
„Die Großen ein bisschen ärgern“ wollte Bad Neuenahrs Trainer Didi Schacht. Nach dem eindrucksvollen Einstand beim 3:5 letzte Woche beim 1. FFC Frankfurt, dem man den Sieg wirklich nicht einfach gemacht hatte, wurde das Duell mit dem nächsten Großen, dem FCR 2001 Duisburg, von 600 Zuschauern - unter ihnen DFB-Präsident Dr. Theo Zwanziger in Familienbegleitung - mit Spannung erwartet. Auch Duisburgs Trainer Dietmar Herhaus gab an, eine nervenaufreibende Woche hinter sich zu haben. Nach diesem Spiel würde man wissen, „wo der Hammer hängt“. Der 6:0-Erfolg gegen den FSV Frankfurt in der Vorwoche war da sicher kein Maßstab.
Die Spannung war allerdings schnell verflogen. Duisburg machte von Anfang an Druck und bereits nach 5 Minuten verwandelte Annike Krahn eine von Marleen Wilder geschlagene Ecke zum 0:1, eine Minute später erhöhte Patricia Hanebeck gleich auf 0:2.
 DFB-Präsident Theo Zwanziger, hier umgeben vom Vorstand des SC 07 Bad Neuenahr, signierte vor der Begegnung einen alten VW 1600 L für wohltätige Zwecke
Die heute besten Spielerinnen von Neuenahr versuchten dagegenzuhalten: die schnelle Isabell Bachor überlief Duisburgs Abwehr auf der linken Seite, flankte in den Strafraum auf Celia Okoyino da Mbabi, deren Ball Silke Rottenberg nur mit Mühe über das Tor lenken konnte. Bachor lief viel und kämpfte beherzt, war allerdings schon in dieser Phase des Spiels häufig in der Spitze auf sich allein gestellt. Viel zu stark spielte Duisburg auf, gewann praktisch alle Zweikämpfe und band Bad Neuenahrs Kräfte in der Defensive. Diesen blieben nur gelegentliche Konterversuche oder Fernschüsse.
Auf der Gegenseite war Inka Grings in der 12. Minute erfolgreicher als da Mbabi, als sie von der Strafraumgrenze den Ball über die einige Meter vor dem Tor stehende Kerstin Wasems hob, die ihn zwar noch erreichte, aber das Tor mehr nicht verhindern konnte. Grings hatte offenbar Gefallen daran gefunden und schob in der 20. Minute aus kurzer Entfernung nach Zuspiel von Patricia Hanebeck zum 0:4 ein.
 Einlauf vor dem Spiel - wer hätte da gedacht, dass Duisburg einen solchen Kantersieg landet?
Nach hartem Foul an Anne van Bonn sah Bachor in der 21. Minute die gelbe Karte. Das sollte später noch Folgen haben, ebenso wie die gelbe Karte für Marina Himmighofen kurz darauf.
In der 36. Minute wieder einer der vielen wundervollen Angriffe der Duisburgerinnen. In einer diagonalen Ballstafette von Hanebeck über Bajmaraj und Grings erreichte der Ball Thompson im Strafraum. Deren Schuss konnte Wasems noch parieren, nicht aber den Nachschuss von Simone Laudehr zum 0:5.
 Anne van Bonn am Boden nach dem Foul von Isabell Bachor, das ihr die erste gelbe Karte einbrachte. Rechts Annike Krahn
Auch Duisburgs Kapitänin Iris Flacke versuchte sich freistehend von der linken Strafraumecke, zog aber rechts am Tor vorbei. Im Gegenzug nutzte Lydia Neumann einen Abwehrfehler aus, spielte Bachor an, die den Ball zum Ehrentreffer versenkte.
Das reichte Schiedsrichterin Günthner erst mal und sie schickte die Mannschaften ohne erneut anzupfeifen in die Kabinen.
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Die erste Halbzeit hatte ihnen viel Spaß gemacht. Und so warteten Inka Grings, Patrizia Hanebeck und Simone Laudehr bereits fünf Minuten vor Pausenende ungeduldig auf ihre Gegner
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Dort hielt es die Duisburgerinnen nicht lange. Fünf Minuten vor der Zeit standen sie tatendurstig wieder auf dem Platz. Bad Neuenahr kam mit hängenden Köpfen pünktlich zum Anpfiff zurück. Vermutlich ahnten sie schon, was noch folgen würde, denn die zweite Halbzeit begann wie die erste endete. In der 47. Minute wird Grings im Strafraum gefoult und Bajmaraj verwandelt den anschließenden Elfmeter zum 1:6.
Bachor gibt nicht auf, setzt sich in der 50. Minute erneut durch ihre Schnelligkeit außen durch und sucht mit ihrer Flanke da Mbabi am 2. Pfosten. Der Ball wird jedoch zu kurz und leichte Beute für Silke Rottenberg. Gefährlicher wird es zwei Minuten später als Neumann nach Fehler von Wilder den Ball entlang der Seitenlinie fast über das gesamte Feld trägt, schließlich auf Bachor abspielt. Deren Ball erreicht die frei im Fünfmeterraum stehende da Mbabi, die abzieht und Rottenberg zu einer glänzenden Parade zwingt. Ein erneuter Fehler von Wilder erlaubt es da Mbabi Nadine Hagmann anzuspielen, die aus 20 m Entfernung in zentraler Position den Ball nur knapp über das Tor schlägt.
 Gut gelaunt: FCR-Spielführerin Iris Flacke
Nach diesem Intermezzo ist wieder Duisburg am Zug. In der 55. Minute wird erneut Grings von hinten im Strafraum gefoult. Himmighofen, die schon vorher gelb gesehen hatte, wird jetzt mit gelb-rot vom Platz geschickt, während Grings den fälligen Elfmeter selbst zum 1:7 im Netz versenkt. Kurze Zeit später setzt Bajmaraj völlig unbedrängt den Ball aus 13 m Entfernung zum 1:8 oben ins linke Eck.
Bad Neuenahr ist hoch anzurechnen, dass man immer noch kämpfte. In der 74. Minute wurde wieder Bachor mit einem langen Ball geschickt. Diesmal war sie zu schnell gestartet und stand im Abseits, eine Entscheidung mit der sie gar nicht einverstanden war. Wegen Ballwegschlagens erhielt sie nun auch noch gelb-rot.
 Ratlos dagegen Neuenahrs Spielführerin Sandra Minnert
Duisburg fühlte sich gar nicht wohl mit zwei Frauen mehr auf dem Feld. Es schien wirklich zu unfair jetzt noch mehr Tore nachzulegen und man schaltete mehrere Gänge zurück. Wenn da nicht noch Shelley Thompson gewesen wäre, die sich nach glanzlosem Spiel noch immer nicht in die Torschützenliste eingetragen hatte. In der 79. Minute holte sie
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das nach und wurde anschließend direkt gegen Andrea Lehnert ausgewechselt. Danach plätscherte das Spiel bis zum Abpfiff vor sich hin.
 Nachdenklicher Didi Schacht in der Pressekonferenz
In der Kabine fand Bad Neuenahrs Trainer Didi Schacht ruhige, versöhnliche und aufmunternde Worte an seine Mannschaft. Auch das ist Didi Schacht, was mich nach den Überreaktionen an der Seitenlinie beim Spiel gegen Frankfurt doch überraschte. In der anschließenden Pressekonferenz entschuldigte er sich beim Publikum, sagte aber gleichzeitig, dass seine Mannschaft ihr Potential heute nicht abgerufen habe und versprach bessere Spiele in den nächsten Wochen. Das wird insbesondere beim nächsten Spiel schwierig, da er bei ohnehin kleinem Kader auch noch auf Himmighofen und Bachor verzichten muss. Dieser Verlust schmerzt Schacht nach eigenen Angaben mehr als die heutige eklatante Niederlage.
Duisburgs Trainer Dietmar Herhaus war offensichtlich erleichtert, dass diese Nagelprobe überstanden war und positiv überrascht von seiner Mannschaft, die in dieser Form sicher zu den Titelanwärten zu zählen ist.
 Hätte das Spiel wohl keine Sekunde länger ausgehalten: Bad Neuenahrs Torfrau Kerstin Wasems
Aufstellungen:
SC 07 Bad Neuenahr
Wasems, Himmighofen, da Mbabi, Fols (65. Stümper), Bender, Minnert, Neumann, Sabel (27. Zimmermann), Schmitz (52. Demirtas), Bachor, Hagmann
FCR Duisburg
Rottenberg, van Bonn, Krahn, Wilder, Hauser, Thompson (79. Lehnert), Grings, Hanebeck (70. Schröder), Laudehr, Flacke, Bajmaraj (62. Oster)
Tore:
0:1 Krahn (5.)
0:2 Hanebeck (6.)
0:3 Grings (12.)
0:4 Grings (20.)
0:5 Laudehr (36.)
1:5 Bachor (45.)
1:6 Bajmaraj (47.)
1:7 Grings (56.)
1:8 Bajmaraj (58.)
1:9 Thompson (79.)
Gelbe Karten:
Bender, Bachor, Himmighofen, Schmitz - Grings, Laudehr
Gelb-rote Karten: Himmighofen, Bachor
Schiedsrichterin: Günthner (Bamberg)
Zuschauer 600
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