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1. Bundesliga, Nachholspiel vom 14. Spieltag

Meisterfeier in Hamburg

Hamburger SV - 1. FFC Turbine Potsdam 1:3 (0:2)

Bilder von Jan Kuppert
Text von Marko Schiller

19.5.2006   Das Ziel der Mannschaft und die Wünsche der Fans sind erfüllt. Im Nachholspiel der Bundesliga in Hamburg sicherte sich Turbine Potsdam zwei Spieltage vor Schluss zum zweiten Mal in der Vereinsgeschichte die Meisterschaft.

Trotz des Zwangsumzuges des HSV in die Sportstätte des Meiendorfer SV fanden sich überraschend viele Zuschauer ein. Die Schätzungen der korrekten Zuschaueranzahl schwankten erheblich, leider wurde keine offizielle Zahl genannt. Es waren aber mindestens 250 Zuschauer, manche wollen 500 gesehen haben. Definitiv hatten sich mehr als 40 Turbinefans auf den Weg in die Hansestadt gemacht und wurden nicht enttäuscht.

Babett Peter, Tanja Vreden

Zwei Frauenfußball-Generationen im Duell: Tanja Vreden (l.) gegen Babett Peter.

Hamburg plagen schon seit Wochen erhebliche Verletzungssorgen, und auch Potsdam musste Veränderungen in Vergleich zum Wochenende vornehmen. Die noch leicht angeschlagene Nadine Angerer wurde von Stephanie Ullrich vertreten und Ariane Hingst rückte für die verletzte Inken Becher in die Abwehrreihe. Isabel Kerschowski durfte von Beginn an stürmen, da Petra Wimbersky für Ariane Hingst ins Mittelfeld zurück rückte. Dennoch waren keine Abstimmungsprobleme ersichtlich.

Potsdam begann druckvoll, zumal die Hamburgerinnen ihnen auch weite Teile des Spielfeldes überließen und sich auf eine massive Deckung verlegten. Diese Abwehr hielt nur bis zur 6. Minute auch stand, dann war es wieder einmal Petra Wimbersky die den Torreigen begann. Seit Wochen in bestechender Form, verwandelte sie eine Hereingabe von der linken Seite volley zum 0:1.

Da Hamburg nur auf Konter über Tanja Vreden und Silva Lone Saländer aus war, blieb Potsdam weiter am Drücker und die bestimmende Mannschaft. Dies führte zu kleineren Chancen für die Gäste, aber das zweite Tor wollte vorerst nicht fallen. Dies war dann der künftigen Torschützenkönigin Conny Pohlers vorbehalten, die mit ihrem 35. Saisontreffer den 0:2-Zwischenstand erzielte. Dabei köpfte sie eine Hereingabe von Navina Omilade von der rechten Seite ins Tor. Mit diesem Zwischenstand ging es in die Halbzeit, ohne das ein Torschuss auf das Potsdamer Tor abgegeben worden war. Stephanie Ullrich hatte bis dato einen entspannten Tag.

Josephine Schlanke

Zur Feier des Tages und aufgrund der angespannten Verletzungssituation kam Nachwuchstalent Josephine Schlanke zu ihrem ersten Erstligaeinsatz.

Zur zweiten Halbzeit kamen beide Mannschaften unverändert aufs Spielfeld und es ging auch weiter wie in Halbzeit eins. Hamburg mauerte und Potsdam spielte ruhig


Spielerinnen und Fans von Turbine Potsdam

Spielerinnen und Fans bejubeln gemeinsam den zweiten Meistertitel von Turbine Potsdam.

auf. So schien es, als warteten alle nur noch auf den Schlusspfiff und die Party danach. Um jeglichen Zweifel zu verstreuen, sorgte Jennifer Zietz in der 56. Spielminute für die Vorentscheidung. Ein Freistoß wurde kurz auf sie gespielt, sie nahm ihn auf, lief noch drei Meter und setzte dann einen trockenen Schuss ins rechte Toreck aus etwa 20 Metern. Allen Anwesenden war nunmehr klar, dass es das war. So wechselte Bernd Schröder dann auch in der 58. Minute die immer noch angeschlagene Ariane Hingst und Isabel Kerschowski aus und brachte Debütantin Josephine Schlanke und Cristiane ins Spiel.

Das Spiel verflachte nun zusehends, da Potsdam einen Gang zurückschaltete und Hamburg eigentlich nie ein Mittel fand um Torgefahr zu erzeugen. Lediglich ein Schuss von Tanja Vreden weit über das Tor stand bis dato zu Buche. Zudem musste Stephanie Ullrich einmal aus ihrem Tor eilen, um außerhalb des Strafraums gegen Tanja Vreden zu klären. So kam das 1:3 sehr überraschend und auch nicht aus

Navina Omilade, Anja Mittag

Navina Omilade nimmt den Siegersekt in Empfang. Rechts Anja Mittag.

dem Spiel heraus, sondern aus einer Standardsituation. Britta Carlson hatte Miriam Scheib etwa 25 Meter vorm eigenen Tor gestoppt. Dafür sah sie die gelbe Karte, was der einzig schwache Moment der ansonsten perfekt pfeifenden Schiedsrichterin Nicole Schumacher war. Beide Mannschaften machten es ihr aber auch sehr einfach.

Isabel Kerschowski, Silva Lone Saländer

Silva Lone Saländer (l.), hier gegen Isabel Kerschowski, erzielte den Hamburger Ehrentreffer.

Die gefoulte Spielerin selbst führte den Freistoß aus und setzte ihn rechts an die Latte, den Abpraller nahm Silva Lone Saländer nur drei Meter vor dem Tor dankbar an und versenkte den Ball im Tor. Die unterbeschäftigte Stephanie Ullrich ärgerte sich, aber sie hatte keine Abwehrchance. Damit sind jetzt die Aktivposten des Hamburger SV auch aufgezählt. Besonders Miriam Scheib machte durch Einsatzwillen und Laufbereitschaft auf sich aufmerksam.

Doch trotz des Tores wurde deutlich, dass Hamburg an diesem


Tag in keiner Phase des Spiels die Chance hatte es zu seinen Gunsten zu entscheiden. Daher machte sich gegen den einstigen Angstgegner weder auf dem Spielfeld noch drumherum Angst oder Panik breit. Vielmehr unterstützte man die Mannschaft über die letzten Minuten lautstark und feierte den neuen Deutschen Meister. Um 19:46 Uhr war es dann soweit - der Schlusspfiff ertönte und die Sektkorken knallten. Es war vollbracht, der an Frankfurt ausgeliehene Meisterschaftspokal ist wieder da, wo er hingehört, nämlich in Potsdam. Dort wird man ihn am 05. Juni beim Spiel gegen die Bayern aus München in Empfang nehmen.

Fans Turbine Potsdam

Meisterlicher Jubel bei den Turbine-Fans.

Mannschaft und Fans sind jetzt heiß auf den dritten Titel. Die Stimmung im Team ist super, was sowohl die Sektdusche als auch die Feierbilder mit den Fans nach dem Schlusspfiff beweisen. Man geht mit Selbstvertrauen aber auch Respekt in die zwei Endspiele um den UEFA-Cup, aber in Hamburg krönte man sich selbst zum verdienten ( 18 Siege, 2 Unentschieden, keine Niederlage) Deutschen Meister 2006.

Turbine Potsdam

Die Mannschaft von Turbine Potsdam hat das Double wiederholt und noch alle Chancen auf das Triple. Grund genug zum Feiern also.

Hamburger SV

Weech – Haye, Gärtner, Engel, Schubert – Wilmes, Saländer, Wübbenhorst, Scheib – Vreden, Weigelt (71. Heinßen)

Turbine Potsdam

Ullrich – Peter, Hingst (58. Schlanke), Kuznik – Omilade, Carlson, Wimbersky (65. Podvorica), Zietz – Mittag, Pohlers, I.Kerschowski (58. Cristiane)

Tore:
0:1 Wimbersky (6.)
0:2 Pohlers (39.)
0:3 Zietz (56.)
1:3 Saländer (71.)

Gelb: Carlson

Schiedsrichter: Nicole Schumacher
(Oberhausen)

Zuschauer: mindestens 250 - man munkelt, es waren 500


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