Bilder von Beate Wolter Text von Fuxi 1.11.2005
Der 8. Spieltag in der 1. Bundesliga führte den Aufsteiger VfL Sindelfingen an die Hamburger Hagenbeckstraße. Die Situation der Gäste konnte man beim HSV gut nachvollziehen, hatten sie doch nach dem zweiten Aufstieg in der Saison 2001/2002 selbst bis zum 15. Spieltag auf den ersten Sieg warten müssen. Sindelfingen hatte gerade zwei Punkte Vorsprung auf den Letzten FSV Frankfurt und zwei Punkte Rückstand auf Mitaufsteiger FFC Brauweiler. Für die Gastgeber ging es hingegen trotz Platz drei hinter Duisburg und Frankfurt weiterhin um Distanz zur Abstiegszone und um Wiedergutmachung für die 0:1-Pleite beim FC Bayern.
Die hatte Spuren hinterlassen. Stammkeeperin Bianca Weech fehlte nach der Notbremse gegen Bayern für diese und die nächste Bundesliga-Partie. Marion Wilmes wärmte sich zwar auf, musste aber doch wegen Kapselrisses passen. So verteidigte vor Ersatzkeeperin Tessa Rinkes links in der Viererkette Stephanie Ende neben den etablierten Janina Haye, Alexandra Gärtner und Friederike Engel. Erstliga-Heimpremiere für den Neuzugang aus Delmenhorst, ebenso wie für Rinkes. Das Mittelfeld bestand aus dem Dreieck Tanja Wörle, Aferdita Kameraj und Silva Lone Saländer hinter den drei Stürmerinnen. Die hießen Kathrin Patzke links, Tanja Vreden zentral und Katharina Freitag für die verletzte Katharina Grießemer rechts. Der VfL Sindelfingen setzte mit einem 4-4-2 dagegen. Alisa Vetterlein stand im Kasten hinter Claudia Spörl, Maren Heller, Karin Burger und Sandra Ribeiras. Davor sollte Silke Ruhland die Kreise von Saländer einengen. Dann eine Dreierkette mit Nina Müller, Michaela Althaus und Melanie Müller hinter den beiden Stürmerinnen Bettina Gramm und Sandra Ruf.

Katharina Grießemer konnte nach ihrer OP (Kreuzbandriss) schon wieder als Zuschauerin dabei sein.
Das Spiel, obwohl pünktlich angepfiffen, begann mit 24 Minuten Verspätung. Wie das geht? Mit verkrampften Fehlern, Ungenauigkeiten und Konzentrationsmängeln auf beiden Seiten, die mehr als die Hälfte der ersten Halbzeit bestimmten. Es war zerfahren und wenig ansehnlich, was sich zwischen beiden Strafräumen abspielte. Von der Favoritenrolle des Heimteams war bis dahin wenig zu sehen, allenfalls an der Höhe des Ballbesitzes. Sindelfingen machte die Räume eng, stand tief. Dass die Rothosen sich keine Chancen herausspielten, lag am entscheidenden Pass, der immer wieder in Sindelfinger Füßen landete. Doch in besagter 24. Minute tat sich etwas. Der HSV erspielte seine erste Chance. Nach Ballgewinn im Mittelfeld schaltete Saländer schneller um als die im Vorwärtsgang befindliche VfL-Abwehr, legte Vreden das Leder mit einem Außenristpass in den Lauf, und die Torjägerin schob es frei an Vetterlein vorbei ins lange Eck. Das 1:0 war gleichzeitig das 8. Saisontor für das HSV-Urgestein.

Tanja Vreden auf ihrem Weg zum 1:0
Eine Minute nach dem Rückstand kam Sindelfingen durch eine Unaufmerksamkeit von Haye erstmals vor das Hamburger Tor. Die U19-Nationalspielerin trat an einem langen Ball von Vetterlein vorbei. Den erlief Melanie Müller, doch sie brachte unter Bedrängnis von Abwehrchefin Gärtner nur einen schwachen Schuss zustande, den Rinkes aufnehmen konnte. Anders der HSV, der jetzt aufdrehte. Nach Steilpass von Kameraj war Patzke ihrer Gegenspielerin entwischt, traf den
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Foul im Strafraum an Kathrin Patzke. Es gab gelb für Sandra Ribeiras (rechts), aber die Schiedsrichterin versagte den fälligen Strafstoß, indem sie das Foul außerhalb des Strafraums verlegte. Die Fehlentscheidung des Tages.
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Ball aber nicht richtig, und so konnte Vetterlein zur Ecke abwehren. Die, hereingebracht von Kameraj, verpassten dann Vreden und Saländer. Der schönste Spielzug sollte noch folgen: Gärtner schickte Vreden lang auf rechts. Die Stürmerin legte mit der Hacke ab, Freitag schlug die Flanke in den Strafraum, aber Vorstopperin Ruhland war mit dem Kopf dran. Den Ball verpasste Patzke, aus dem Hintergrund zog Ende ab und verfehlte das Tor aus 25 Metern deutlich. Aber: Der Wilmes-Ersatz steigerte sich, wurde nach nervösem Beginn sicherer und abgeklärter.
Nach einer weiteren Möglichkeit durch Saländer gab es die erste gelbe Karte. Melanie Müllers Ball in die Spitze erreichte Ruf, die von Engel nur durch einen Check mit der Hüfte gebremst werden konnte. Gelb für die HSV-Verteidigerin. Eine Karte, die später noch von Bedeutung sein sollte. Den nachfolgenden Freistoß setzte Burger über den Kasten (39.). Und eine Minute später ballerte Ruf nach Ablage von Gramm drüber. Der HSV leistete sich in dieser Phase eine kleine Auszeit, stand zu offen und rückte zu weit auf. Sindelfingen konnte das aber nicht nutzen. Kurz vor der Pause setzte HSV-Spielmacherin Saländer noch einen Freistoß knapp neben den Pfosten. Zur Pause führte der HSV nicht unverdient in einer insgesamt schwachen Partie. Vieles war Stückwerk. Die Sindelfinger Konter saßen nicht. Nach vorn ging viel durch die Mitte. Die Außenpositionen beim HSV waren schwach. Freitag agierte unglücklich, Patzke schien völlig neben der Spur.

Katharina Freitag setzt sich hier gegen ihre Gegnerin durch.
Zum zweiten Durchgang brachte VfL-Coach Witte Tanja Coblenzer für Bettina Gramm ins Spiel. Aber an der Spielrichtung änderte sich erstmal nichts. Dem VfL wurden Ballverluste in der Vorwärtsbewegung zum Verhängnis. So kam Kameraj in der 50. Minute in Ballbesitz, sah Vetterlein zu weit vor dem eigenen Tor postiert und hob den Ball aus gut 30 Metern über die sich vergeblich streckende Keeperin hinweg in die Maschen - 2:0. Schon Saisontor Nummer 4 für die U21-Nationalspielerin, die bis zu dieser Saison noch in der Abwehr gespielt hatte. Weiter der HSV. Nach Pass von Saländer war Patzke durch und wurde von Ribeiras unfair auf der Strafraumlinie gestoppt - Rot für Ribeiras und Elfmeter? Nein! Schiedsrichterin Daniela Schneider verlegte das Geschehen vor die Strafraumgrenze und zeigte zudem für die Notbremse nur Gelb! Den nachfolgenden Freistoß setzte Wörle knapp drüber.

Silva Lone Saländer kämpfte um jeden Ball, hier gegen Michaela Althaus
Der HSV setzte jetzt konsequenter nach und machte mehr Druck. Es schien, als wollte das Team von Achim Feifel sein Torkonto aufpolieren. Sindelfingen kam kaum aus der eigenen Hälfte. Einmal aber doch, als Gärtner den Vortrieb von Coblenzer stoppte. Den Abpraller passte Ruhland steil, doch frei vor Rinkes vergab Ruf, schoss überhastet drüber (56.). Der HSV wechselte erstmals. Für Katharina Freitag kam Neu-U19- Nationalspielerin Imke Wübbenhorst herein. Nach einer Stunde folgte die dritte Fehlleistung der schwachen Schiedsrichterin: Als Engel an der Mittellinie Althaus mit einem Allerweltsfoul stoppte, sah sie gelb. Die zweite in diesem Spiel - aber es folgte nicht die rote hinterher! Engel blieb trotz zweiter Verwarnung im Spiel, und nicht einmal Sindelfingen hatte es gemerkt. Nur HSV-Verteidigerin Haye, die sofort ihren Trainer informierte. Der nahm Engel drei
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Minuten später heraus und brachte Maja Schubert. Glück gehabt! Gleichzeitig wechselte Sindelfingen zweimal. Nicole Sprauer ersetzte Ribeiras, und für die verwarnte Ruhland kam Tanja Hees.
Kaum im Spiel, gab es das 3:0. Saländer spielte Patzke vor dem Strafraum an. Die legte an Burger vorbei, steckte durch das Loch zu Vreden, und deren Schuss konnte Vetterlein nicht entscheidend abwehren - 9. Saisontor. Die "Makrele" wurde zum Hai. Der HSV spielte besser und harmonischer zusammen als in der ersten Hälfte. Ihre Zweikampfstärke brachte sie defensiv nicht in Schwierigkeiten. Vor allem Wörle lief vor der Abwehr einige Bälle ab. Die Sindelfinger versuchten noch, ihr Spiel aufzuziehen, blieben aber immer wieder hängen. Vorne war der HSV dann gnädig. Nach langem Pass von Saländer hob Vreden am Tor vorbei (73.). Die gleiche Kombination brachte Vreden in der 81. Minute wieder in Position, dieses Mal schob sie flach links daneben. Sindelfingen mühte sich noch. Althaus nahm Saländer den Ball ab, aber ihr Schüsschen aus 24 Metern war eigentlich nicht mal erwähnenswert. In der 85. Minute wurde Patzke dann erlöst. Mit Ausnahme der Vorlage zum 3:0 gelang ihr nichts, und für die letzten fünf Minuten kam Gina Heinßen. Die letzte Chance hatte Joker Maja Schubert. Die rechte Verteidigerin zog nach Ablage von Wübbenhorst aus der Distanz ab, aber den durfte Vetterlein fangen.

Tanja Wörle ist wirklich eine Bereicherung für das Mittelfeld des HSV.
Die unglückliche Keeperin konnte am Ende für die noch knapp ausgefallene Niederlage nichts. Beim 2:0 stand sie zu weit vor dem Kasten, hielt aber ansonsten alles Haltbare. Der HSV gewann verdient. Als sie in Spiellaune kamen, verschoben sich die Linien in die Gäste-Hälfte. Nach dem 2:0 spielten die Hanseatinnen den Sieg locker und souverän nach Hause. Das lag auch am niedrigen Spielniveau. Sindelfingen stand tief, kam kaum hinten raus. Kurz hinter der Mittellinie war meistens Schluss. Dafür waren die Gäste einfach zu schwach. Auf die Gegentore kam keine echte Reaktion. Beste Sindelfingerin neben der enttäuschten Vetterlein war Melanie Müller. Beim HSV waren Knipserin Tanja Vreden, die noch ihre schlechte Chancenverwertung beklagte, sowie die spielfreudig und mit guten Pässen glänzende Silva Lone Saländer die Besten. Auch Tanja Wörle bewies ihren Wert für das Feifel-Team mit aufmerksamem Stellungsspiel und einer ordnenden Hand.
Hamburger SV:
Tessa Rinkes - Stephanie Ende, Janina Haye, Alexandra Gärtner, Friederike Engel (63. Maja Schubert) - Tanja Wörle, Aferdita Kameraj - Silva Lone Saländer - Kathrin Patzke (85. Gina Heinßen), Tanja Vreden, Katharina Freitag (58. Imke Wübbenhorst)
VfL Sindelfingen:
Alisa Vetterlein - Claudia Spörl, Maren Heller, Karin Burger, Sandra Ribeiras (63. Nicole Sprauer) - Silke Ruhland (63. Tanja Hees) - Nina Müller, Michaela Althaus, Melanie Müller - Sandra Ruf, Bettina Gramm (46. Tanja Coblenzer)
Tore: 1:0 Vreden (24.) 2:0 Kameraj (50.) 3:0 Vreden (64.)
Schiedsrichterin: Daniela Schneider (Limbach-Oberfrohn) mit Monika Fornacon (Stöckse) und Katrin Meingast (Gokels)
Zuschauer: 420
gelbe Karten: Friederike Engel (39., 60., jeweils Foulspiel) / Silke Ruhland (48., Foulspiel), Sandra Ribeiras (53., Foulspiel)
Besonderes Vorkommnis: Schiedsrichterin Schneider zeigte HSV-Spielerin Engel zweimal die gelbe Karte.
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