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1. Bundesliga
Pflichtsieg
Hamburger SV - FSV Frankfurt 3:1 (2:0) | ||
Text und Bilder von Fuxi14.12.2005 Die Rothosen setzten auf das gewohnte 4-3-3. Vor Bianca Weech verteidigte die Stammabwehr mit Marion Wilmes, Alexandra Gärtner, Janina Haye und Friederike Engel. Davor spielten mit Tanja Wörle und Imke Wübbenhorst zwei Defensive. Das Mittelfelddreieck komplettierte Spielmacherin Silva Lone Saländer. Die Außenpositionen besetzten Maja Schubert und Aferdita Kameraj, in der Zentrale sollte Torjägerin Tanja Vreden knipsen. Die Gäste setzten auf ein 4-5-1 mit Verena Volz im Tor, der Viererkette mit Deniz Özer, Anissa Holzhaus, Anne Engel und Yvonne Bärthel. Das Mittelfeld bestand aus Sarah Schatton links, Safi Nyembo rechts, Esma Gado zentral defensiv, sowie Vjolca Maksuti und Katrin Schneider offensiv. Die einzige Spitze war Tanja Dürr. Geleitet wurde die Partie von Monique Klauß mit ihren erfahrenen Assistentinnen Katrin Gathmann und Monika Fornacon.
![]() Kameraj gegen Schatton (Nr. 10) Die Partie leitete ein Freistoß von Marion Wilmes ein. Die HSV-Verteidigerin zog den Ball aus 30 Metern zwei Meter rechts neben den Pfosten. Ein erster Warnschuss nach fünf Minuten. Der HSV legte munter los. Wübbenhorsts Steilpass hinter die Abwehr nahm Kameraj mit, traf aber freistehend vor Volz nur das Außennetz. Auf der Gegenseite probierte es Nyembo aus 20 Metern mit einem Schuss auf Torhüterin Weech, die damit keine Probleme hatte. Der HSV hatte Vorteile gegen tief stehende Bornheimerinnen. Die setzten auf Konter und versteckten sich nicht. Begünstigt wurde das durch nicht ausreichend schnelles Umschalten der Hanseatinnen, die für ihre Angriffe meist zu lange brauchten. Eine Ausnahme war eine Möglichkeit in der 12. Minute, als Saländers langer Freistoß auf rechts bei Vreden landete. Deren Übersteiger ließ Holzhaus ins Leere laufen, und mit ihrer kurzen Flanke fand sie Kameraj am kurzen Pfosten. Deren Kopfball verfehlte den Kasten aber.
![]() Klare Lufthoheit für Talent Imke Wübbenhorst Das Spiel bekam nun Längen. Das Gros spielte sich zwischen den Strafräumen ab, ohne dass eine der beiden Mannschaften in der Lage gewesen wäre, einen Torschuss abzugeben. Der HSV rannte dabei oft ins Abseits. Bei Kameraj sorgte der Frust darüber für Undiszipliniertheit: Trotz des Pfiffes kickte sie unmotiviert den Ball in Richtung Tor und kassierte dafür die gelbe Karte (27.). Fußball wurde erst wieder in der 39. Minute gespielt. Wilmes brachte die Kugel von links vor den Strafraum. Dort trat Schneider daran vorbei, und so gelangte sie zu Saländer. Die legte sie sich an Anne Engel vorbei, tankte sich durch und brachte den Ball im kurzen Eck unter - 1:0. Etwas überraschend, aber nicht unverdient. Es hatte nur nichts auf einen Treffer hingedeutet. Und nur rund 60 Sekunden später legte der Tabellendritte nach: Diesesmal kam das Zuspiel von Saländer, die Vreden hinter die Abwehr auf die Reise schickte. Und das ließ sich die Torjägerin nicht nehmen: Sie spielte Holzhaus aus und wählte für den Einschlag ins Netz das kurze Eck - 2:0. Damit ging es in die Pause. Mit den zwei Toren so kurz vor der Pause war angesichts des über weite Strecken blinden Gebolzes nicht zu rechnen gewesen. Der HSV hatte sich im großen und ganzen dem Spielniveau des FSV angepasst, ließ nur selten die Klasse eines Spitzenteams aufblitzen. Der FSV spielte daher auch gefällig mit, wurde aber zweimal wegen der größeren Spielanteile der Norddeutschen insgesamt verdient düpiert. |
![]() Knipserinnen beim Jubel: Doppeltorschützin Saländer (li.) gratuliert Vreden zum 2:0 | |
Zum zweiten Durchgang kam Jackline Günther für Katrin Schneider beim FSV Frankfurt. Der HSV schien mit mehr Schwung aus der Kabine gekommen zu sein. Einen Abstoß von Anne Engel fing Kameraj ab, hob den Ball auf den Elfmeterpunkt, aber den technisch perfekten Kopfball von Saländer schaufelte Volz noch neben den Pfosten. Und nach einem Fehler von Holzhaus stand Kameraj selbst frei vor der FSV-Torhüterin, schoss sie aber nur an. Sie vergab diese Chance und durchbrach damit auch eine kleine Gewohnheit: Ihre vier Saisontore erzielte sie alle in Spielen, in denen Vreden auch getroffen hatte. Auch der HSV wechselte. Kathrin Patzke kam für Maja Schubert, die sich im Duell mit Yvonne Bärthel nicht hatte behaupten können. Der FSV kam nun jedoch etwas besser ins Spiel. Über Günther trugen sie den Konter zu Dürr. Deren Diagonalpass landete im Rücken der HSV-Abwehr bei Nyembo, aber der Schuss strich rechts drüber (55.). Nach 64 Minuten kamen die Frankfurterinnen dem Hamburger Tor wieder gefährlich nah. Erneut lief der Ball über Günther zu Dürr und weiter zu Schatton. Den Flachschuss hielt Weech aber fest. Ihre Vorderleute hatten Probleme, Angriffe zum Ende zu bringen. Der Ball ging vorzeitig verloren. Sie spielten zu kompliziert und nicht energisch genug. Zudem machte der FSV die Räume rechtzeitig eng. Nach vorn wurden die Gäste dank kompakter Defensive etwas drängender. Grund genug für Achim Feifel, ein zweites Mal zu wechseln: Bei den Rothosen kam nun Julia Weigel für die kurz zuvor wegen angeblichen Meckerns verwarnte Tanja Wörle.
In der 72. Minute wurde Verena Volz im FSV-Gehäuse wieder gefordert. Wübbenhorst war mit nach vorn gekommen, schnappte sich einen Klärungsversuch der Gäste und zog einfach mal ab. Der Aufsetzer sprang unkontrolliert vor Volz auf, und die Torhüterin konnte ihn nur mit Mühe zur Ecke ableiten. Den Eckball brachte Wilmes herein, aber Maksuti schlug Vredens Kopfball von der Linie. Nun wechselte auch Frankfurt zum zweiten Mal. Marion Müller kam für Tanja Dürr ins Spiel. Eine Viertelstunde vor Schluss schien sich der HSV wieder zu fangen. Weigel eroberte den Ball an der rechten Eckfahne zurück, drehte sich um Schatton und ging an der Torauslinie entlang. Den kurzen Pass in den Fünfmeterraum grätschte Saländer an Volz vorbei ins Tor - 3:0 (76.). Die Entscheidung in diesem Spiel. Scheinbar. Frankfurt antwortete. Schatton bediente Nyembo diagonal. Im Strafraum ließ sie Wilmes ins Leere laufen, ging auch an Haye vorbei und zog ab. Weech konnte zwar noch mit dem Fuß abwehren, gegen den Abstauber von Günther war sie aber machtlos - 3:1 (77.). Der Ehrentreffer war auch nicht unverdient, sie wurden dafür belohnt, nicht aufzustecken. Der HSV hatte einen Gang zurückgeschaltet und wurde nun dafür bestraft. ![]() Tanja Vreden vernascht Anne Engel Der Reaktion der Hamburgerinnen bestand aus einem Steilpass von Saländer auf Vreden. Volz lief aus dem Strafraum, Vreden war vorher am Ball, wollte ihn vorbeilegen, traf aber nur Volz. Das Leder fiel Patzke vor die Füße. Die Stürmerin probierte es sofort mit links, aber kurz vor der Linie konnte Özer retten. Viel Pech für die Kielerin, die ein Erfolgserlebnis dringend hätte gebrauchen können. Nachdem beim HSV Steffi Ende für Kameraj eingewechselt worden war, hatte ihr Team die letzte Möglichkeit, das Ergebnis doch noch etwas standesgemäßer zu gestalten. Nach Freistoß von Wilmes stieg Saländer am höchsten, köpfte aber knapp links vorbei. Auf der anderen Seite hätte Frankfurt fast noch das 3:2 geschafft. Nyembos Freistoß aus 25 Metern konnte Weech nur abklatschen, Günther kam gegen Wübbenhorst in Ballbesitz, konnte ihn aber nicht kontrollieren, und Wilmes klärte zum Eckball. Es war die letzte Torchance der Partie. |
Der Sieg des HSV war verdient und nie gefährdet. Aber die Rothosen spielten für ihre Fans nicht Weihnachtsmann, beschenkten sie nicht reichlich mit Toren. Dafür hatte die Partie zu viele Längen, wenngleich die zweite Halbzeit ausgeglichener war und Frankfurt nach dem Zurückschalten des Tabellendritten besser ins Spiel fand. ![]() HSV-Spielmacherin Saländer umringt von Schatton, Holzhaus und Özer Die Rautenträgerinnen waren nicht konsequent genug in den zweikämpfen und nicht nah genug an der Gegenspielerin. Sie ließen den FSV kommen. Der konnte das allerdings nur einmal nutzen. Die Gäste wehrten sich nach Möglichkeiten und sorgten immerhin für große Probleme im Angriffsvortrag der Hamburgerinnen, die beste Chancen ausließen. Beste waren die Torschützinnen Saländer und Vreden beim HSV, bei Frankfurt Schatton und Nyembo. ![]() Silva Lone Saländer musste dem NDR-Radio Rede und Antwort stehen
Für HSV-Stürmerin Patzke ging mit diesem Spiel auch ein Seuchenjahr zuende: Für sie ist die Winterpause eine gute Gelegenheit, Frust, Verzweiflung und selbst auferlegten Druck von 877 Minuten ohne Bundesligatreffer hinter sich zu lassen - eine bittere Bilanz für eine Spielerin, die in ihrer ersten Bundesligasaison 2003/2004 mit 10 Toren auf sich aufmerksam gemacht hatte. | |