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1. Bundesliga - 16. Spieltag

Glanzloses 3:0 gegen Notelf

Hamburger SV - 1. FFC Frankfurt 0:3 (0:0)

Von Fuxi (Text und Fotos)

11.04.2006
Vom Papier her war es eine deutliche Angelegenheit: Das Hinspiel hatte der amtierende Deutsche Meister mit 9:0 gewonnen, und jetzt fehlten dem HSV nicht weniger als sieben Spielerinnen: Katharina Freitag, Katharina Grießemer, Janka Rohrberg (alle Kreuzbandriss), Stephanie Ende (Achillessehne), Tanja Wörle (Spielpause), Kathrin Patzke (außer Form, Regionalliga-Mannschaft) und neuerdings auch Julia Weigel (doppelter Bänderriss). Hinzu kam, dass mit Anna Steckel, Imke Wübbenhorst und Christina Arp drei Youngster zum U18-Länderpokal waren und erst am Sonntagmorgen in Hamburg eintrafen. 15 Spielerinnen im Kader, davon fünf Drittligaspielerinnen, dazu ein Ultimatum an Kämpferin Aferdita Kameraj (entschied sich für den Wechsel nach Potsdam) - gute Vorbereitungen auf ein Topspiel sehen anders aus. Es roch nach Schützenfest.

Christine Frai, Silva Lone Saländer, Louise Hansen, Renate Lingor

Saländer, Lingor und Hansen als Gärtnerinnen - angeleitet von Schiri Frai.

Der HSV setzte auf ein sehr defensives 4-5-1. Vor Bianca Weech spielte die Viererkette mit der gelernten Stürmerin Maja Schubert, Janina Haye, Alexandra Gärtner und Friederike Engel. Davor sollte Imke Wübbenhorst - eigentlich Offensivkraft - abräumen. Das Mittelfeld besetzten Ex-Frankfurterin Marion Wilmes, Silva Lone Saländer, Aferdita Kameraj und Vanessa Schröer. Einzige Spitze: Tanja Vreden. Dr. Hans-Jürgen Tritschoks setzte ein 3-4-1-2 dagegen. Vor Marleen Wissink verteidigten Judith Affeld, Steffi Jones und Tina Wunderlich. Defensiv davor Meike Weber und Louise Hansen. Auf den Flügeln spielten Pia Wunderlich links und Christina Zerbe rechts. Renate Lingor verstärkte als etwas hängende Spitze die außen im Sturm spielenden Birgit Prinz und Kerstin Garefrekes.

Aferdita Kametaj, Renate Lingor, Friederike Engel, Pia Wunderlich

Pia Wunderlich, Engel und der Arbeiter-Samariter-Bund bestaunen den Luftkampf von Lingor und Kameraj.

Die Partie begann nicht gerade flüssig. Im Gegenteil: Schiedsrichterin Christine Frai aus Bremen unterbrach schon nach vier Minuten wegen eines knöcheltiefen Loches im überlasteten Rasen im Wolfgang-Meyer-Stadion. Das wurde mit Erde aus den Büschen hinter dem HSV-Tor geflickt. Als es weiter ging, sah erstmal Weber auf Frankfurter Seite gelb, nachdem sie Vreden umgesägt hatte. Die erste Torszene resultierte aus dem Fehler einer ansonsten als konstant geltenden Nachwuchs-Nationalspielerin: Auf einen Fehlpass von Zerbe reagierte Haye nicht, so dass Lingor dazwischen gehen und einen Schuss aus spitzem Winkel abgeben konnte. Weech im HSV-Kasten wehrte ab. Aber diese Chance sollte bittere Folgen haben. Engel bekam das Leder nicht raus, Pia Wunderlich wollte an Schröer vorbei und abziehen, wurde geblockt, und bei diesem Pressschlag verletzte sich die aus der HSV-Zweiten zurückgekehrte Ostholsteinerin so schwer, dass sie ausgewechselt werden musste - Verdacht auf Bänderriss. Ausfall Nummer acht! Für sie kam die andere aus der Zweiten geholte Bundesliga-Rückkehrerin: Miriam Scheib (früher Saarbrücken).

Birgit Prinz, Aferdita Kameraj

Kameraj holt Prinz von den Beinen - dafür gab's Gelb.

Die tief stehende Formation des HSV machte es den Gästen nicht leicht. Garefrekes' Schuss aus 16 Metern auf Weech war harmlos und noch das Erwähnenswerteste in dieser Phase um die 20. Minute. Die Gäste wurden etwas besser, aber insgesamt war das Spiel zerfahren, mit vielen Ballverlusten und Fehlpässen auf beiden Seiten. Eine dennoch einseitig geführte Partie, denn da Tanja Vreden häufig gedoppelt wurde, kam sie nicht zum Zug und der HSV nicht zu Entlastung. Etwas Schwung brachte eine Ecke zehn Minuten vor dem regulären Pausenpfiff: Lingor brachte sie herein,


Hagel im Stadion

Die Hamburgerinnen harrten unter dem Dach aus, bis es weiter ging. Später hagelte es noch drei Gegentore.

Garefrekes köpfte, aber Wilmes klärte am Pfosten.

Eine Minute später gelang den verhinderten Hausherrinnen der erste Konter. Kameraj trug den Ball aus der eigenen Hälfte vor den Frankfurter Strafraum, doch ob der folgende Ball ein zehn Meter neben dem Tor landender Schuss oder ein zehn Meter zu weit und zu stramm gespielter Pass zur mitgelaufenen Vreden werden sollte, weiß nur die scheidende Kosovarin.

Kurz darauf war Pause - wieder unfreiwillig. Ein Hagelschauer prasselte auf Stellingen hernieder, der den Spielerinnen die Sicht nahm und für Nicht-Masochisten auf der Haut auch nicht sonderlich angenehm war. Schiri Frai hatte erneut ein Einsehen, unterbrach für wenige Minuten und stellte sich mit den Hamburgerinnen unter das Tribünendach. Die letzte Aktion der ersten Hälfte war eine gelbe Karte für Kameraj nach Foul an der weitgehend abgemeldeten Prinz. Frankfurt hatte bei böigem Wind große Schwierigkeiten, das richtige Mittel gegen den kompakten Abwehrriegel des ängstlich wirkenden HSV zu finden. Den Hanseatinnen fehlte es an Anspielstationen in der Offensive, und die seltenen Versuche blockte die gut positionierte FFC-Abwehr locker ab. So waren sie zwangsläufig unter Druck.

Es ging personell unverändert in den zweiten Durchgang, aber Vreden hatte sich wohl etwas vorgenommen. Haye spielte von hinten schnell auf Saländer in der Hälfte der Gäste. Im richtigen Augenblick schickte die "Zehnerin" der Rothosen dann Vreden auf die Reise hinter die Abwehr. Vor der herausstürzenden Wissink probierte es die Topstürmerin mit einem Heber, der das Tor aber verfehlte (48.). Der Meister erwachte. Pia Wunderlichs Anspiel in den Strafraum legte Prinz quer ab, doch Hansen traf nur das Außennetz. Der HSV schien der verpassten Führungschance nachzutrauern und wurde dafür bestraft. Weber spielte steil auf Hansen hinter die Abwehr, die legte von rechts quer, und Lingor war mal schneller als Haye, drückte das Leder aus sechs Metern ins leere Tor (54.). Die Gäste setzten nun nach, nutzten die Räume, die ihnen ein erschrockener HSV ließ. Und Frankfurt nutzte das aus. Nach Anspiel von Zerbe zog Garefrekes halbrechts an Wilmes, Schubert und Haye vorbei und schob Weech den Ball ins kurze Eck - 0:2 (64.). Spätestens jetzt war das Spiel entschieden.

Tanja Vreden, Judith Affeld

Hatte nur eine Chance: Tanja Vreden (li.), hier bewacht von Judith Affeld.

Der FFC hatte seinen Rhythmus gefunden, Hamburg seine Linie verloren. Auch wenn Kameraj nach Haye-Zuspiel nochmal Wissinks Wachheit prüfte. Beide Teams wechselten 20 Minuten vor dem Ende. Bei Frankfurt kam Sandra Albertz für Lingor, beim HSV Gina Heinßen für die eingewechselte Scheib. Heinßen war als zweite Spitze die schwache Hoffnung auf eine Minichance für den Ausgleich - sie hat noch bei keinem ihrer Kurzeinsätze getroffen. Man hatte nicht den Eindruck, dass der FFC auf ein Schützenfest aus war. Sie ließen etwas die Zügel schleifen, ohne an Souveränität und Überlegenheit zu verlieren. Hansens Durchstecker legte Pia Wunderlich auf Albertz zurück, aber den Schuss aus zehn Metern parierte weech großartig und ihre Kolleginnen konnten mit vereinten Kräften klären. Weech war noch die Beste bei den überforderten Rothosen. Sie waren zu oft zweiter Sieger, kamen meist einen bis zwei Schritte zu spät, während die Gäste ihre Klasse ausspielten.

In den verbleibenden zehn Minuten kam zunächst Katrin Kliehm für Judith Affeld. Dann hatte Birgit Prinz ihre einzige Torchance. Weber rechts raus, Garefrekes in den Strafraum auf Prinz, die war frei vor Weech und musste sich doch geschlagen geben. Die Nachfolgerin von Claudia von Lanken hielt die Niederlage in Grenzen. Sechzig Sekunden später war sie allerdings auch machtlos, als Meike Weber ihre gute Leistung mit einem Traumtor krönte: Sie zog aus 25 Metern ab, traf die Unterkante der Latte und


überwand so die zu weit vor dem Tor stehende Keeperin zum 0:3-Endstand. Direkt im Anschluss holte sie sich dann noch ihren verdienten Applaus ab, und Nia Künzer kam nochmal herein.

Beim Abpfiff jubelten die Gästespielerinnen nicht. Über lange Zeit hatten sie zu große Probleme mit dem kompakten HSV gehabt und konnten erst das Spiel entscheiden, als den Gastgebern durch die vergebene Chance und das Gegentor der Schreck in die Glieder fuhr. Das brachte die Heimmannschaft aus dem Konzept, bedeutete einen Bruch im Spiel. Von da an hatte Frankfurt leichtes Spiel, zumal Vreden allein vorn überfordert war und Saländer das Duell mit Weber klar verlor. Es bewies sich, dass der HSV-Kader schlicht zu dünn für acht Ausfälle ist - eine Verletzungsserie, die ihresgleichen sucht. Eine gute Chance hatten sie - die einzige Möglichkeit für eine Überraschung.

Bianca Weech, Kerstin Garefrekes, Gina Heinßen, Janina Haye

HSV-Keeperin Weech im Dauerstress - hier gegen Frankfurts Garefrekes (verdeckt), Haye und Heinßen (beide HSV).

Unter dem Strich erinnerte der Spielverlauf doch an die Jahre, als der HSV sich als Fahrstuhlmannschaft durch die Liga mauerte, wenngleich der Einsatz und der Kampf stimmten. Frankfurts Trainer war dennoch zufrieden mit dem verdienten Sieg, sah die Probleme der ersten Hälfte weniger in der kompakten Defensive der Rothosen, sondern bei den widrigen Witterungsbedingungen. Er hob heraus, dass seine Mannschaft in der zweiten Halbzeit besser kombiniert, das Spiel über die Flügel besser gemacht und ihre Chancen genutzt hatte. Beste bei Frankfurt war eindeutig Meike Weber, dazu Hansen, Zerbe und Garefrekes. Beim HSV überzeugten noch am ehesten Weech, Saländer und Wübbenhorst.

Imke Wübbenhorst, Maja Schubert

Nicht nur das 0:3 schmerzte - Imke Wübbenhorst hilft bei Maja Schuberts Krampf.

Bericht von Jens Wolter

Aufstellungen

Hamburger SV
Weech - Engel, Gärtner, Haye, Wilmes - Kameraj, Saländer, Wübbenhorst, Schröer (16. Scheib/ 71. Heinßen), Schubert - Vreden

Bianca Weech

Hamburgs Beste, Bianca Weech, wird vom Hagel und Sturm gepeitscht.

1. FFC Frankfurt:
Wissink - T.Wunderlich, Jones, Zerbe - Garefrekes, Lingor (70. Albertz), Weber (86. Künzer), Hansen, P. Wunderlich - Affeld (81. Kliehm), Prinz

Tore:
Tore:
0:1 Lingor (54.)
0:2 Garefrekes (64.)
0:3 Weber (85.)

Gelbe Karte: Kameraj (43.) - Weber (10.)

Besondere Vorkommnisse:
- Spielunterbrechung (4. Minute) wegen Rasenreparatur (2 Minuten)
- Spielunterbrechung (39. Minute) wegen Hagelsturm (2 Minuten)

Schiedsrichterin: Christine Frai (Bremen)

Zuschauer: 670

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