Text von Jens Wolter, Bilder von Beate Wolter 24.4.2006
Eine schnelle Führung nach der Halbzeitpause wirkte wie ein Weckruf auf den HSV, der den Gästen vor der Pause weitgehend die Initiative überlassen hatte.
Der HSV wirkte zu Beginn des Spiels so, als wäre man mit einem Punkt bereits zufrieden. Die Gastgeberinnen beschränkten sich über weite Strecken der ersten Spielhälfte auf die Defensive und hofften auf Konterchancen , eine Spielweise also, die in vergangenen Spielzeiten schon nicht zur Belebung der Liga beigetragen hatte und in der laufenden Saison endlich
 Tanja Vreden dreht nach ihrem Treffer ab, Maja Schubert erwartet sie schon. Ulrike Schmetz im Bayern-Tor hechtete vergeblich.
überwunden schien. Fast zwangsläufig ergaben sich für die Münchnerinnen, die in vielen Szenen schneller und energischer agierten, Chancen für einen Führungstreffer. Die größte bereits in der 7. Minute, als der Ball über die herausstürzende Bianca Weech hinweggehoben wurde und Friederike Engel das sicher scheinende Gegentor mit einer Volleyannahme gerade noch verhindern konnte. In der 11. Minute konnte die Hamburger Torfrau nach einer Hereingabe von links das Leder gerade noch vor der einschußbereiten Nina Aigner abfangen. Wiederum Aigner war es in der 16. Minute, die nach einer schönen, energisch vorgetragenen Kombination der Gäste nur durch den Abseitspfiff am Führungstreffer gehindert wurde.
 Bianca Weech klärt vor Münchens Pavlina Scasna. Janina Haye (l.) muss nicht eingreifen.
Erst in der 17. Minute kam der HSV zur ersten, allerdings auch gleich höchst gefährlichen Möglichkeit, als Aferdita Kameraj den Ball nach einer Flanke von Tanja Vreden an das Lattenkreuz des Bayerntores setzte. Erneut Kameraj war es dann in der 23. Minute, die gegen Torfrau Ulrike Schmetz knapp zu spät kam. Obwohl die Hamburgerinnen ihre Konter nun konzentrierter vortrugen, änderte sich nichts an der Feldüberlegenheit des FC Bayern, dessen Angriffe sich jedoch immer wieder in der HSV-Abwehr verfingen. Zwei gute Gelegenheiten ergaben sich in der 36. und 40. Minute noch für Hamburgs Torjägerin Tanja Vreden, in beiden Fällen jedoch rutschte ihr der Ball über den Spann, so dass Ulrike Schmetz nicht einzugreifen brauchte.
Die erste Halbzeit endete letzlich torlos und hinterließ beim Publikum das Gefühl, dass eine Führung und ein Erfolg des FC Bayern nur eine Frage der Zeit sein würde, wenn die Gastgeberinnen sich weiterhin nur auf die Abwehr beschränken und mit ihren wenigen Torchancen so verschwenderisch umgehen würden.
 Bianca Eder (2.v.l.) klärt in höchster Not vor Tanja Vreden (2.v.r.). Torfrau Schmetz bewegt sich zurück zur Torlinie, links Maja Schubert.
Trainer Achim Feifel muss seinen Spielerinnen in der Kabine etwas ähnliches gesagt und mehr Initiative verlangt haben, denn der
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Alle springen nach einem Ball: Bianca Rech und Silva Lone Saländer im linken Kopfballpaar, rechts Imke Wübbenhorst und Carmen Roth.
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HSV kam wie verwandelt auf den
Platz zurück. Das Spiel war gerade wieder angepfiffen, als Tanja Vreden einen Steilpass aus dem Mittelfeld aufnahm und zur 1:0 Führung vollendete. Dieses Tor war offenbar der entscheidende Impuls für eine Umkehr der Spielanteile. Die Hamburgerinnen gingen nun mit Selbstvertrauen und energisch - teilweise schon fast rustikal - in die Zweikämpfe und erarbeiteten sich innerhalb einer Viertelstunde zahlreiche Chancen für eine deutliche Führung.



Das 2:0 durch Marion Wilmes, Ulrike Schmetz hat keine Chance. Maja Schubert und Tanja Vreden freuen sich mit ihr. Unten der Jubel über das 3:1 durch Tanja Vreden.
Bereits in der 49. Minute hätte es das zweite Hamburger Tor geben können, doch Aferdtita Kameraj war offenbar zu überrascht, als Torfrau Schmetz ihr den Ball nach einer Abwehr gleich wieder vor die Füße spielte. Eine Minute später ging ein Schuss von Maja Schubert nur relativ knapp rechts neben das Tor und wiederum eine Minute darauf verfehlte ein Kopfball von Silva Lone Saländer nach einer Ecke das Bayern-Gehäuse nur knapp.
 Friederike Engel, die ab morgen mit der U19 bei der 2. EM-Quali-Runde aktiv ist, klärt hier vor Pavlina Scasna.
In der 53. Minute bekam der HSV auf der Rechtsaußenposition einen direkten Freistoß zugesprochen. Der von Marion Wilmes aus rd. 25 m Entfernung getretene Ball wurde immer länger und landete im langen Eck des Münchner Tores zu einer inzwischen hoch verdienten 2:0 Führung. In der 58. Minute hatte dann Neu-Potsdamerin Aferdita Kameraj, der an diesem Tag irgendwie das Schussglück fehlte, nach einem Alleingang mit einem dritten Treffer die Entscheidung herbeizuführen, aber Ulrike Schmetz konnte den Ball gerade noch mit Fußabwehr klären.
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In der 63. Minute gelang der eingewechselten Felicia Notbom ein Heber zum 2:1-Anschlusstreffer. Fast postwendend erzielte Hamburg jedoch das 3:1: Nach einem Freistoß von Kameraj auf der linken Seite stellte Tanja Vreden per Kopf den 2-Tore-Abstand wieder her.
 Bianca Rech bekam einen Schlag ins Gesicht. Gute Besserung!
Der FC Bayern war hiervon jedoch keineswegs geschockt, sondern versuchte bis zum Abpfiff, dem Spiel noch eine Wende zu geben und hielt so die HSV-Abwehr in steter Bewegung. Namentlich Felicia Notbom bereitete dem HSV immer wieder Probleme und hätte gleich in der 66. Minute beinahe erneut für den Anschlusstreffer gesorgt.
Die Zweikämpfe wurden von beiden Seiten deutlich rauher geführt als vorher, was sich auch in den berechtigten gelben Karten gegen Imke Wübbenhorst (Foulspiel) sowie gegen Kameraj und Sonja Spieler, die sich ein Gerangel um den Ball geliefert hatten, ausdrückte. Die vierte, völlig überflüssige gelbe Karte holte sich dann noch Tanja Vreden ab, weil sie nach Behandlung eines Wadenkrampfes das Spielfeld ohne vorherige Anmeldung bei der Schiedsrichterin wieder betreten hatte.
 Krampf bei Tanja Vreden - Bianca Eder leistet Soforthilfe. Links HSV-Abteilungsleiter Hartmut Engel und Gerd Hein.
Dem HSV gelang letztlich ein verdienter Erfolg, nach dem es noch zur Halbzeit keineswegs ausgesehen hatte und der - über die gesamten 90 Minuten betrachtet - vielleicht ein Tor zu hoch ausgefallen ist.
Hamburger SV:
Weech - Engel, Gärtner, Haye, Wilmes - Kameraj, Scheib (82. Heinßen), Wübbenhorst, Saländer - Schubert, Vreden (89. Steckel)
FC Bayern München
Schmetz - Rech, Eder, Krüger (56. Notbom), Paukner - Urbancova (56. Spieler), Simic, Roth, Partzsch - Scasna, Aigner
Tore:
1:0 Vreden (47.)
2:0 Wilmes (51.)
2:1 Notbom 61.)
3:1 Vreden (65.)
Gelbe Karten: Kameraj, Vreden, Wübbenhorst - Spieler
Schiedsrichterin: A. Kunick (Lissa)
Zuschauer: 480
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