1. Bundesliga 4. Spieltag

Der FSV wird überrannt

FSV Frankfurt : FFC Turbine Potsdam 0:13 (0:3)

Von Nora Kruse (Text)
und Volker Lieberum (Fotos)

12.09.2005

Wir hatten vorher getippt: Wie hoch würde der FSV wohl untergehen? 8:0 war zu hören und ich gestehe, dass ich dachte, der FSV würde mit viel Kampfgeist, der zweifellos vorhanden ist, das nicht ganz so hoch ausfallen lassen. Nun ja, ich hatte Unrecht, aber auch das 8:0 für Potsdam war nicht ganz korrekt – die Torfabrik aus Brandenburg erhöhte um fünf.

Potsdams Trainer Bernd Schröder hatte einen klaren und deutlichen Sieg gefordert. In der ersten Halbzeit schien es nicht so, als wollten seine Schützlinge ihm diesen Wunsch erfüllen. Nicht, dass die Potsdamerinnen das Publikum auch nur eine Sekunde an ihrer Favoritenrollen zweifeln ließen – ganz und gar nicht: Sie schnappten sich den Ball direkt nach dem Anpfiff und gaben ihn die nächsten 90 Minuten eigentlich überhaupt nicht mehr her. Und selbst wenn er mal leichtfertig zum Gegner sprang, konnte dieser damit wenig anfangen. Im Spiel des FSV fehlte die Präzision, die Fitness, die Laufbereitschaft und vor allem eine Spielerin im Mittelfeld, die in der Lage ist, das Geschehen zu lenken, für einen Spielaufbau zu sorgen – so eine Bettina Wiegmann.

Achtung, Nationalspielerin im Anmarsch: Marion Müller (l.) hatte am Sonntag sicherlich wenig Spaß beim Anblick ihrer namhaften Gegenspielerinnen (hier Petra Wimbersky).

Eine höhere Pausenführung des Uefa-Pokalsiegers als 3:0 verhinderte jedoch die schlechte Chancenauswertung der Turbinen, die teilweise unkonzentriert agierten und/oder ihre Bälle zum Opfer von FSV-Torhüterin Verena Volz machten. Bereits in der fünften Spielminute gingen sie durch die unglaublich lauffreudige und wirklich überall präsente Jennifer Zietz in Führung, die von Ariane Hingst – nach Vorarbeit von Zietz – und Petra Wimbersky durch einen Handelfmeter ausgebaut wurde.

Der FSV war allein damit beschäftigt, die Bälle hinten rauszuhauen, doch auch das gelang häufig nicht, die unkontrollierten Befreiungsschläge landeten wieder beim Gegner, die Bälle wurden gefährlich im Strafraum verstolpert oder die Frankfurterinnen „schenkten“ den Turbinen aufgrund fehlender Routine quasi grundlos Eckbälle.
Einziger Aktivposten beim FSV war Safi Nyembo, doch auch sie konnte das Geschehen nicht steuern, da ihr entweder die Anspielstationen fehlten, sie überhastet den Ball verlor oder sich einfach festrannte.

Auch in der zweiten Hälfte gab es keine neuen Impulse für das Spiel der Frankfurterinnen, stattdessen verbesserten die


Gefährliche Schieflage der Abwehr des FSV - insbesondere in Halbzeit zwei lief gar nichts mehr.

Brandenburgerinnen nun ihre Chancenauswertung: jeder Schuss ein Treffer könnte man auch dazu sagen. Begonnen wurde damit schon in der 50. Minute durch Wimbersky, ein Doppelschlag der brasilianischen Nationalspielerin Cristiane und ein Kopfballtor von Anja Mittag folgten, bevor das Spiel der Frankfurterinnen vollends in sich zusammenbrach. Die Potsdamer Torfabrik hatte teilweise Raum nach Belieben und beim Kombinationsspiel des Uefa-Pokalsiegers konnte der FSV nur staunend zuschauen. Die Bälle liefen quasi ohne Hindernis durch die Reihen, der FSV kam nicht mehr aus der eigenen Hälfte hinaus. Die Tore fielen im Minutentakt – allein fünf in der letzten Viertelstunde.

„Wir dürfen das Ergebnis nicht überbewerten“ – selten waren sich Trainer so einig. Sowohl Schröder, der Welten zwischen sich und dem FSV sieht – womit er nicht alleine ist – und Frankfurts Trainer Frank Schwalenberg wollten dem Ergebnis keine allzu hohe Bedeutung beimessen. Und beide auch noch aus dem gleichen Grund: es kommen noch andere Gegner. Die Turbinen sind sich sicher, bei keinem anderen in dieser Höhe gewinnen zu können, und die Frankfurterinnen wussten von Beginn an um ihr Schicksal. „Chancen, das Spiel mitzugestalten, haben wir uns nie gemacht“, erklärte Schwalenberg, der sich lediglich in individuellen Aktionen ein besseres Auftreten seiner Mannschaft gewünscht habe.

Conny Pohlers und Anja Mittag zeigen, wie man richtig jubelt...

Man blieb, was die Niederlage anging, also gelassen am Bornheimer Hang. Sie war ja erwartet worden – nicht erwartet worden war jedoch die Höhe und die löste neue Spekulationen über eine frühzeitige Abmeldung der Frauenabteilung vom Spielbetrieb aus. Spekulationen, die der Aufsichtsratsvorsitzende Mario Blechschmidt jedoch zurückwies: „Wir sind lebensfähig“, so Blechschmidt. Jetzt gehe es darum, motivierte und qualifizierte Menschen zu finden, die am Neuaufbau der Frauenabteilung mithelfen wollen. Die Funktionalität solle verbessert werden, finanziell stehe man derzeit auf beiden Beinen.

Nicht so gelassen sah Ex-Trainerin


Monika Koch-Emsermann die Situation. Unter ihr feierte der FSV seine größten Erfolge – jetzt sei er drauf und dran, diese Tradition völlig zu verspielen. Ein bunt zusammengewürfeltes Team stehe dort auf dem Platz, in dem die Hälfte der Spielerinnen nie ein Bundesligaspiel gesehen habe. Äußerungen Schwalenbergs, der erklärte, sich nach neuen Spielerinnen umzuschauen, wurden abgewunken: „Wer will denn hier hin?“

Die Potsdamer Torfabrik bestehend aus Petra Wimbersky und Anja Mittag - ab der 66. Minute war sie mit Conny Pohlers dann vollständig.

Aufstellungen:

Frankfurt:
Volz, Bärthel, Engel, Holzhaus, M. Müller, Stunz (84. Bayourd), Maksuit, Gado, Özer, Schatton (56. Günther), Nyembo (72. Riedl)

Potsdam:
Angerer, Becher, Carlson, Kuznik, Hingst (66. Pohlers), Cristiane (66. Omilade), Zietz, Thomas, Wimbersky, Mittag, I. Kerschowski (66. Podvorica)

Tore:
0:1 Zietz (5.)
0:2 Hingst (12.)
0:3 Wimbersky (29./HE)
0:4 Wimbersky (50.)
0:5 Cristiane (52.)
0:6 Cristiane (53.)
0:7 Zietz (55.)
0:8 Mittag (74.)
0:9 Thomas (77.)
0:10 Pohlers (79.)
0:11 Podvorica (81.)
0:12 Kuznik (83.)
0:13 Wimbersky (84.)

gelbe Karte: Holzhaus

Schiedsrichterin: Marina Wozniak (Herne)

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