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1. Bundesliga, Nachholspiel vom 6. Spieltag

Katastrophale Chancenauswertung

FSV Frankfurt - 1. FFC Frankfurt 0:7 (0:2)

Text von Tom Schlimme

6.4.2006   Wenn die Überschrift lauten muss "katastrophale Chancenauswertung" und sich das nicht etwa auf die Mannschaft bezieht, die null Tore erzielt hat, sondern auf die, die immerhin siebenmal ins Eckige traf, kann man sich ausmalen, was los war am Bornheimer Hang. Das Team des 1. FFC Frankfurt hatte die Chance, sich den Frust über die Niederlage in Freiburg letzten Mittwoch und das mühselige 1:0 gegen Essen am vergangenen Sonntag von der Seele zu schießen und Balsam auf Torverhältnis und Nervenkostüm aufzutragen. Doch daraus wurde nichts.

Ich solle die Wahrheit schreiben, sagte mir eine Zuschauerin beim Gehen, und meinte damit auf mein Nachfragen hin, dass die erste Halbzeit richtig schlecht gewesen sei. Nun, das kann ich bestätigen. Es tat schon weh, mitansehen zu müssen, wie trotz drückender Überlegenheit des FFC 22 lange Minuten verstrichen, bis Pia Wunderlich endlich das 0:1 für den FFC markieren konnte. Christina Zerbe hatte mit einem Steilpass auf Kerstin Garefrekes die aus acht Feldspielerinnen bestehende Abwehr des FSV geknackt, Garefrekes spielte flach und genau von links vor´s Tor, wo Pia Wunderlich beinahe noch an FSV-Torhüterin Verena Volz gescheitert wäre, aber im Nachschuss war das Ding dann endlich drin.

Verena Volz

Verena Volz hielt, was zu halten war. Hier fängt sie den Ball noch rechtzeitig vor Birgit Prinz ab. Links Annika Stunz, hinten Widad Naji und Meike Weber

Bild: Volker Lieberum

Es hätte gepaßt, wenn auch diese Chance nicht genutzt worden wäre, denn vorher war der Ball schon x-mal hoch über den Kasten gesemmelt worden, oder eine FSV-Abwehrspielerin oder Volz hatte gerade noch zur Ecke geklärt, dazu waren die FFC-Stürmerinnen in diesen ersten 22 Minuten auch noch sieben mal ins Abseits gelaufen. Nach dem Tor wurde leider nichts besser, die FSV-Mannschaft, bei der vier Landesligaspielerinnen im Kader waren und die außer Ersatztorhüterin Yvonne Scheil überhaupt niemanden auf der Auswechselbank sitzen hatte, bekam den Ball nicht aus der eigenen Hälfte und die FFC- Spielerinnen bekamen den Ball einfach nicht ins Tor.

Verena Volz

Annika Stunz mit der 6 kann zufrieden sein, auch den hat Verena Volz sicher. Kerstin Garefrekes und Pia Wunderlich müssen sich die nächste Chance erarbeiten. Vjollca Maksuti im Hintergrund war bis vor kurzem mal Stürmerin, spielte heute aber genau wie Stürmerin Safi Nyembo in der Abwehr

Bild: Volker Lieberum

Es dauerte bis eine Minute vor dem Halbzeitpfiff, bis Birgit Prinz sich gegen vier Gegenspielerinnen durchtanken, auch noch Volz ausspielen und das 0:2 erzielen konnte. Im FFC Fanblock neben mir herrschte trotzdem zur Pause schlechte Stimmung, wobei ich im Gegensatz zu einigen Stimmen neben mir keinen mangelnden Willen oder mangelnde Einsatz- bereitschaft bei den FFC-Spieler- innen gesehen habe, sondern schlicht Nervosität und die berüchtigte Seuche am Fuß. Häufig wurde überhastet agiert, wo eigentlich genug Zeit war, dann wurde wieder zu umständlich gespielt, wo der schnelle direkte Ball angemessen gewesen wäre.

Pia Wunderlich

Hier läßt Pia Wunderlich (links) Deniz Özer stehen. Rechts im Hintergrund Nia Künzer, die heute oft im gegnerischen Strafraum zu finden war. Im eigenen war es auch für ein Sonnenbad zu kalt, und sonst gab es dort nichts zu tun

Bild: Peter Henkel


Pia Wunderlich

Auch der ging nicht rein: Kopfballchance für Pia Wunderlich (FFC Frankfurt, rechts), doch Denziz Özer (links) oder Vjollca Maksuti bringen ihren Kopf noch in die Flugbahn des Balles

Bild: Volker Lieberum

Renate Lingor ist noch angeschlagen und spielte mit Bandagen rechts und links, Garefrekes brachte etliche Bälle sehr gefährlich in den Strafraum, auch Pia Wunderlich und Prinz bereiteten einige Male gut vor, aber Prinz, Wunderlich, Louise Hansen, Katrin Kliehm, Nia Künzer oder auch Garefrekes bekamen dann den Abschluss nicht gebacken. Es war sicher auch schwer gegen eine Abwehr, bei der selten weniger als sechs Spielerinnen im eigenen Strafraum postiert waren, aber das kann keine Entschuldigung für die schlechte Torausbeute sein.

Birgit Prinz

Birgit Prinz auf dem Weg zum 0:2. Torhüterin Verena Volz ist ausgespielt, auch Esma Gado rechts kann nicht mehr eingreifen

Bild: Volker Lieberum

In der zweiten Halbzeit änderte sich zunächst gar nichts, außer, dass sich das Spiel, das vorher praktisch nur in der Hälfte des FSV stattgefunden hatte, nun praktisch nur noch in dem Bereich von Torauslinie bis etwa zehn Meter vor dem Strafraum abspielte, so wurde der FSV nun hintenreingedrängt. Oder soweit ließ man sich zurückfallen. 47. Minute Prinz durch, ihr Schuss wird von FSV-Abwehrspielerin Yvonne Bärthel an die eigene Latte gelenkt. 50. Minute, schöner Schuss Prinz, Volz wehrt ab, Nachschuss Lingor zur Ecke gelenkt.

Es war abzusehen, dass dieser Knoten einfach platzen mußte, und so kam es dann auch. In der 54. Minute setzte sich Hansen rechts durch, Flanke in den Strafraum, Garefrekes volley zum 0:3. 57. Lingor Doppelpass mit Wunderlich, Schuss, Volz hält. 59. Minute, Prinz mit einem platzierten Fernschuss, Volz blockt ab, Nachschuss Hansen, 0:4. Es ging weiter im Minutentakt, aber trotz der nun geschossenen vier Tore fehlte immer noch die letzte Sicherheit im Abschluss beim FFC. Man kann ja nun nicht sagen, dass eine Mannschaft schlecht spielt, wenn sie den Gegner am eigenen Strafraum einschnürt und fast minütlich zu Chancen kommt, aber typisch für die Chancenausbeute war ein Elfmeter in der 66. Minute, den Pia Wunderlich mit Karacho an den rechten Pfosten knallte. Dabei sprang Volz ins falsche Eck und wäre garantiert auch mit einem weniger harten und weniger platziert geschossenen Ball zu bezwingen gewesen.

Birgit Prinz

Noch ein Tor: das 0:7 in der 90. Minute durch Susanne Hartel

Bild: Volker Lieberum

Das 0:5 fiel dann trotzdem noch durch eine schöne Einzelleistung von Prinz, die sich diesmal links durchspielte, mit dem Außenrist nach innen gab, wo Hansen ihren zweiten Treffer heute markieren


konnte. Das 0:6 entsprang einem Eigentor von Deniz Özer nach einer Ecke von Pia Wunderlich, das 0:7 in der 90. Minute konnte dann die eingewechselte Susi Hartel nach Vorarbeit von Prinz erzielen. Am Ende dann also ein Sieg, der sich von der Zahl her noch ganz ordentlich liest, nach dem man sich als Fan des FFC Frankfurt aber fragt, wie dieses Team auch nur eines von fünf Spielen gegen Potsdam gewinnen will, wo man im ganzen Spiel nicht so viele Chancen bekommen wird wie hier in zehn Minuten.

Immerhin, Duisburg hat sich vor wenigen Wochen noch schwerer getan beim FSV und nur 0:4 gewonnen, und Potsdam war mit 0:13 zwar deutlich effektiver als der 1. FFC Frankfurt, aber die spielerische Unterlegenheit des FSV war noch bei keinem Heimspiel so ausgeprägt wie heute, bzw. man hat sich selbst gegen Potsdam nicht so konsequent hinten reingestellt wie gegen den Lokalrivalen.

Louise Hansen

Ausgerechnet die defensive Mittelfeld- spielerin Louise Hansen machte als einzige heute zwei Tore. Hier setzt sie sich gegen Safi Nyembo durch

Bild: Volker Lieberum

Dr. Hans-Jürgen Tritschoks, der Trainer des 1. FFC Frankfurt, versprach, dass man gegen Potsdam eine andere Mannschaft sehen werde, und natürlich würden dann auch die Räume offener sein. Mit der Leistung seiner Mannschaft in der ersten Halbzeit zeigte sich Tritschoks allerdings unzufrieden, die Raumaufteilung habe nicht gestimmt. FSV Trainer Frank Schwalenberg war angesichts des dünn besetzten Kaders mit dem Spiel seiner Mannschaft zufrieden. Zum Thema Lizenzabgabe nach Hanau soll es Ende der nächsten Woche weitere Informationen geben, die Verhandlungen laufen noch.

FSV Frankfurt:

Volz - Bärthel, Nyembo, Gado, Özer, Stunz, Maksuti, Naji, Reichow, Günther, Kanscyk

1. FFC Frankfurt:

Holl - Kliehm, Künzer, T. Wunderlich, Zerbe, Hansen, P. Wunderlich, Lingor (63. Albertz), Weber (75. Hartel), Garefrekes, Prinz

Tore:
0:1 P. Wunderlich (22.)
0:2 Prinz (43.)
0:3 Garefrekes (55.)
0:4 Hansen (59.)
0:5 Hansen (75.)
0:6 Özer (76. Eigentor)
0:7 Hartel (90.)

Schiedsrichterin: Bibiana Steinhaus (Hannover)

Gelbe Karte: Nyembo, Maksuti

Zuschauer: 367


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