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1. Bundesliga, 12.Spieltag

Grottenkick bei Eiseskälte

FSV Frankfurt - FCR 2001 Duisburg 0:4 (0:1)

Text von Tom Schlimme

26.2.2006   Aua, war das kalt und schlecht. Dabei hatte ich mich auf das Spiel gefreut, denn der FCR hat bei beiden Frankfurter Vereinen in den letzten Jahren - zuletzt im Dezember 2:2 beim FFC - immer sehr gute Spiele abgeliefert, und der nach wie vor hoch motivierten, allgemein abgeschriebenen und gerade deswegen befreit und mutig aufspielenden jungen Truppe des FSV war durchaus eine Trotzreaktion gegen den haushohen Favoriten zuzu- trauen.

Beide Erwartungen wurden nicht erfüllt. Bei Temperaturen um den Gefrierpunkt schien die Kälte die Spielerinnen beider Vereine zu lähmen. Gut, beide Teams waren erheblich ersatzgeschwächt. Beim FSV war es nach Bericht von Trainer Frank Schwalenberg in der Pressekonferenz morgens noch unklar, ob man überhaupt vollzählig würde antreten können. Erst als der DFB alle Hebel in Bewegung setzte, um noch die Spielgenehmigung für zwei Landesligaspielerinnen aus der zweiten Mannschaft zu erteilen, war klar, dass der FSV mit elf Spielerinnen auflaufen konnte. Nach zwei Auswechselungen war dann allerdings die Ersatzbank leer, so dass, als Deniz Özer Mitte der zweiten Halbzeit angeschlagen wurde, keine Feldspielerin mehr zur Verfügung stand. Özer spielte weiter und mußte dann nach der Partie von zwei Mitspielerinnen humpelnd vom Platz geführt werden.

Flanke Simone Laudehr

10. Minute: Simone Laudehr setzt sich gegen Anna Jung (am Boden) durch, ihre Flanke führt zum 1:0 durch Jennifer Oster (nicht im Bild). Torfrau Yvonne Scheil war machtlos.

Bild: Peter Henkel

Beim FCR Duisburg fehlten die beiden Starstürmerinnen Inka Grings und Shelley Thompson sowie U19 Weltmeisterin Elena Hauer, außerdem Lira Bajmaraj. Annike Krahn und Annemieke Griffioen saßen angeschlagen auf der Bank und wurden erst später eingewechselt. Dafür war mit Verena Hagedorn eine erfahrene Kraft nach langer, durch einen Kreuzbandriss bedingten Pause dabei. Von ihr kamen einige gute Aktionen, aber natürlich braucht sie noch Zeit, um zu alter Spielstärke zurückzufinden. Die 17-jährige Andrea Lennart spielte zentrale Spitze, Jennifer Oster mutierte zum Rechtsaußen, mit Corinna Schröder war eine Spielerin aus der zweiten Reihe von Anfang an dabei. Insgesamt auf dem Papier immer noch eine gute Mannschaft.

Spielszene

Hier köpft Sarah Schatton den Ball aus der Gefahrenzone. Von links: Yvonne Bärthel, Corinna Schröder, Anne Engel, Iris Flacke, Sarah Schatton, Annike Krahn, Safi Nyembo, Anna Jung.

Bild: Peter Henkel

Die Gäste aus Duisburg legten dann auch gleich gut los und erspielten sich in der ersten Viertelstunde mehrere gute Chancen. Gleich in der ersten Minute wurde Simone Laudehr kurz vor dem Tor abgeblockt, dann verfing sich ein Schuss von Lenart in der vielbeinigen Frankfurter Abwehr, ein Schuss von Patricia Hanebeck aus 15m ging genau auf Torfrau Yvonne Scheil, die Stammtorhüterin Verena Volz sehr gut vertrat und wenig später eine weitere Chance vereitelte, indem sie Madleen Wilder den Ball noch vom Fuß holte. In der zehnten Minute fiel dann das völlig verdiente 0:1, nachdem Laudehr von links geflankt hatte und Oster in der Mitte aus kurzer Distanz nur noch einzudrücken brauchte.

Damit war es aber erst mal vorbei mit dem Schussglück beim FCR Duisburg. Man konnte sich die


Yvonne Scheil

FSV Torfrau Yvonne Scheil vereitelte durch mutiges Herauslaufen viele gute Gelegenheiten der Duisburgerinnen. Hier klärt sie knapp vor Andrea Lenart. Im Hintergrund v.l. Schiedsrichterin Bibiana Steinhaus, Madleen Wilder und Yvonne Bärthel

Bild: Nora Kruse

Haare raufen ob der vergebenen Chancen. Frankfurts Abwehrchefin Anne Engel, in den meisten Situationen die große Stütze der Abwehr, lenkte den Ball an den eigenen Pfosten, doch der Ball ging nicht rein, ein Nachschuss rauschte über das Tor. Überhaupt zielten die Duisburger Stürmerinnen konsequent entweder genau auf Torfrau Scheil, oder gleich weit über oder neben den Kasten. Dann wurde auch noch so mancher Ball von der gut herauslaufenden Scheil abgefangen, die anfängliche fast hundertprozentige Feldüber- legenheit des FCR ließ nach, und so kam Frankfurt dann in der 25. Minute sogar zu einer Großchance.

Ein krasser Fehlpass von Hagedorn landete bei der Frankfurterin Sarah Schatton, die lief mit dem Ball einfach los, tunnelte Hagedorn und holte so die erste (und meiner Erinnerung nach auch einzige) Ecke des Spiels für den FSV heraus. Aus dieser Ecke resultierten zwei hammerharte Schüsse auf das Tor von Silke Rottenberg, die aber beide Bälle wegfausten konnte, und der dritte Versuch landete dann in den Wolken. Das waren dann allerdings auch die einzigen Torchancen des FSV in diesem Spiel.

Schuss Deniz Özer

Den ersten Knaller hat Silke Rottenberg eben weggefaustet, diesen Nachschuss von Deniz Özer konnte die Nationaltorhüterin im Duisburger Tor ebenfalls entschärfen. Die einzigen Chancen des FSV Frankfurt in diesem Spiel! Im Vordergrund Patricia Hanebeck, links Corinna Schröder, dann Verena Hagedorn, Annika Stunz, Deniz Özer und Safi Nyembo.

Bild: Peter Henkel

Der FCR Duisburg war wieder drückend feldüberlegen, meist befanden sich 21 Spielerinnen in der Hälfte des FSV. Doch alleine Andrea Lenart vergab drei gute Gelegenheiten, die beste, als sie in der 35. Minute alleine durch war, nur noch die Torfrau vor sich hatte, aber ängstlich und ungenau abgab, so dass im Ergebnis die zurückgeeilte Özer den Ball noch von der Linie kratzen konnte. Einer so jungen Spielerin wie Lenart ist dabei kein Vorwurf zu machen, es war einfach nicht ihr Glückstag, und das Spiel endete für sie dann auch noch mit großem Pech und einem Schuss aus kurzer Distanz an den Kopf, so dass sie mit einer Gehirnerschütterung Ende der ersten Halbzeit ausgewechselt werden mußte. Es tat schon beim Zuschauen weh, und ich wünsche von Herzen baldige Genesung!

Nach der Halbzeitpause ging es weiter wie gehabt. Wenn der FSV endlich einmal in Ballbesitz kam, wurde das Leder planlos in Richtung Mittellinie gedroschen und landete regelmäßig bei einer Duisburger Spielerin, die sich dann meist vergeblich mühte, einen Weg durch die 22-beinige Abwehr des FSV zu finden. Kam man dann doch mal zu einer Chance, wurde die dann kläglich vergeben. Ein Beispiel: in der 62. Minute schoss Engel im eigenen Strafraum ihrer Mitspielerin Özer den Ball unbedrängt in den Rücken, der Ball prallte zu Laudehr, doch die nahm das Geschenk nicht an, sondern bugsierte das Leder von der Torraumgrenze aus direkt in die Arme von Torfrau Scheil. Nachdem Laudehr diese und einige andere Chancen geradezu kläglich vergeben hatte, war sie es dann


aber doch, die das Spiel entschied und sogar noch zu einem einigermaßen standesgemäßen Ergebnis führen konnte. Erst gelang ihr ein schöner flacher Fernschuss in den rechten unteren Winkel, dann konnte sie aus kurzer Distanz an Scheil endlich einmal vorbei schießen, und in der letzten Spielminute aus sechs Metern nach Zuspiel von Schröder dann sogar noch den lupenreinen Hattrick perfekt machen.

Simone Laudehr, Sarah Schatton

Simone Laudehr (links) bereitete das erste Tor vor und schoss in den letzten 19 Minuten noch drei Tore selber. Hier setzt sie sich gegen Sarah Schatton durch.

Bild: Nora Kruse

FCR-Trainer Dietmar Herhaus lobte in der Pressekonferenz die Moral des FSV, dessen Mannschaft trotz einer eigentlich demotivierenden Tabellensituation nie aufgegeben hatte. Vom eigenen Team zeigte sich Herhaus tief enttäuscht. Über die Leistung einiger Spielerinnen werde noch zu reden sein. Spielerinnen, die sich immer wieder über ihr Bankdasein beschweren würden, hätten heute ihre Chance gehabt und nicht genutzt. Bei einigen Torchancen könne man nicht mehr von fahrlässigem Auslassen reden, das sei schon eine Frechheit gewesen.

Da konnte sich Frank Schwalenberg als Trainer des FSV Frankfurt nur für die Komplimente bezüglich der Moral seiner Truppe bedanken und erklären, dass genau diese kleinen Erfolge die Motivation seien, die seine Mannschaft aufrecht erhalte.

Insgesamt sieht es mit der Zukunft des Frauenfußballs beim FSV Frankfurt immer trüber aus. Auf der Pressekonferenz wurden die Pläne des Vorstandes zur Abgabe der Lizenz, der Mannschaft und des Trainers an einen Hanauer Verein diskutiert. Ich werde darüber in den nächsten Tagen genauer berichten.

FSV Frankfurt:

Scheil, Bärthel, Engel, Özer, Stunz, Gado, Nyembo, Jung, Schatton, Günther, Kanczyk (53. Reichow)

FCR Duisburg:

Rottenberg, van Bonn, Wilder, Hauser (42. Krahn), Schröder, Oster, Hanebeck, Hagedorn (72. Mpalaskas), Flacke, Lenart (46.Griffioen), Laudehr

Tore:
0:1 Oster 10.
0:2 Laudehr 71.
0:3 Laudehr 84.
0:4 Laudehr 90.

Gelbe Karten: Schatton, Bärthel

Schiedsrichterin: Bibiana Steinhaus (Hannover)

Zuschauer: 140


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