Bilder und Text von Tom Schlimme 30.5.2006
Das vorletzte Spiel des FSV Frankfurt in der Bundesliga endete zwar "nur" 0:7, aber man hatte auch nicht den Eindruck, als hätten die Spielerinnen aus Essen für diesen Erfolg ihren vollen Einsatz gebraucht. Es war schon traurig, in dem selben Stadion, in dem einen Tag zuvor mit dem hochklassigen Uefa-Cup Finale vor Rekordkulisse ganz andere Maßstäbe gesetzt worden waren, nun wieder dem bemitleidenswerten FSV-Team vor höchstens 100 Zuschauern ein weiteres Mal beim Untergang zusehen zu müssen.
Ich muss einschränken, dass ich aufgrund einer S-Bahn-Verspätung (Danke, RMV!) eine Viertelstunde zu spät kam, da stand es bereits 0:2 für Essen, und aufgrund eines privaten Termins kurz nach Beginn der zweiten Halbzeit gehen mußte, da stand es dann 0:6 für Essen. Einen "normalen" Spielbericht kann ich also nicht schreiben, aber angesichts der Situation wäre dies wohl auch realitätsfremd, denn am Bornheimer Hang wird kein "normaler" Frauenfußball mehr gespielt, da werden nur noch die Lichter ausgeknipst.
 Der nicht zu überhörende Fanblock aus Essen konnte sich über sieben Tore der eigenen Mannschaft freuen
So möchte ich einfach nur mit ein paar Bildern meine Eindrücke vom vorletzten Spiel des FSV Frankfurt in der Geschichte wiedergeben: Fangen wir mit dem Positiven an, der kleine Fanblock aus Essen war begeistert vom Spiel der eigenen Mannschaft und trug mit seinen Anfeuerungsgesängen dazu bei, dass es wenigstens nicht totenstill war im Stadion.
 Ivonne Bärthel (am Boden) ärgerte sich mächtig, dass sie den Schuss von Sabrina Duhme unhaltbar zum 0:4 abfälschte, aber in der Szene hatte sie einfach nur Pech. Links vorne Safi Nyembo, hinten Torhüterin Verena Volz, die Bärthel gleich trösten wird
Auch der FSV hatte noch einen kleinen lautstarken Fanblock, wohl hauptsächlich Mädchen aus den Mädchenmannschaften des FSV Frankfurt, die ja auch weiter im Verein bleiben dürfen. Tapfer hielten sie mit dem Essener Fanblock mit, ungeachtet der Tore, die unten auf dem Rasen fielen. An den Spielerinnen und an den Fans hat der Niedergang des FSV jedenfalls nie gelegen, die waren bis zuletzt mit bewundernswerter Leidens- , aber auch Begeisterungsfähigkeit dabei. So wurde jeder Ansatz eines der wenigen Angriffe des FSV bejubelt, als bestünde die Chance, durch ein Tor noch die große Wende herbeizuführen.
Negativ ist zu vermerken, das Gestochere auf dem Rasen war nicht sehr ansehnlich. Die Tore, die ich gesehen habe, waren gößtenteils Zufallsprodukte nach katastrophalen Abwehrfehlern und damit kein Maßstab, um beurteilen zu können, wie stark der Essener Sturm wirklich ist. Dass der FSV es
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Michael Görner ist seit vier Jahren Präsident des FSV Frankfurt, und in dieser Zeit ging es steil bergab mit der Frauenabteilung. Das Hauptaugenmerk des Vereins galt den viertklassigen Männern, die vor wenigen Tagen erneut den Aufstieg in die Regionalliga verspielt haben, obwohl sie in der Saison zeitweise 12 Punkte Vorsprung auf den KSV Hessen Kassel hatten, die jetzt anstelle des FSV Meister der Oberliga wurden. Wie man an dem Plakat sieht, gibt es Menschen, die hier so etwas wie eine ausgleichende Gerechtigkeit sehen. Wenigstens wird in Zukunft keiner mehr behaupten können, dass systematisch Gelder von der Frauenabteilung zu den Männern verschoben werden, um denen den Weg aus der Oberliga zu ebnen, denn eine Frauenabteilung und deren Fernsehgelder wird es im nächsten Jahr beim FSV Frankfurt nicht mehr geben!
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wirklich schaffte, gefährlich vor das Essener Tor zu kommen, spricht auch nicht gerade für die Stärke der Essener Abwehr, aber wie gesagt, es ist fraglich, ob hier mit 100% Einsatz agiert wurde, man kann einfach nicht von einem normalen Spiel sprechen. In der 36. Minute konnte sich FSV-Kaptiänin Annika Stunz im Strafraum durchsetzen, Essens Keeperin Steffi Löhr wehrte ab, der Nachschuss von Jaqueline Günther ging aber vorbei. Eine Szene, wie sie viele anderen Mannschaften hier am Hang in 90 Minuten nicht zugelassen haben. Im direkten Gegenzug machte Charline Hartmann auf der anderen Seite dann das 0:5 für Essen.

 Die Angriffsversuche des FSV Frankfurt wurden mit dem einen oder anderen Freistoß belohnt. Doch mehr als in dieser Bildfolge kam nie dabei heraus. Hier hält Essens Keeperin Steffi Löhr ohne Probleme den Schuss von Sarah Schatton
Positiv kann man wiederum vermerken, dass sich der FSV nicht einfach hinten reinstellte, sondern versuchte, weiter mitzuspielen. Das Spiel wäre nicht so hoch ausgegangen, wenn die Spielerinnen des FSV sich massiv im und um den eigenen Strafraum gruppiert hätten, wie sie es zum Beispiel im Heimspiel gegen den 1. FFC Frankfurt getan hatten, die dann über ein 0:7 auch nicht hinauskamen.
 Sabrina Duhme im Torrausch. Die ganze Saison über hatte sie noch nicht getroffen, gegen den FSV gelang ihr gleich ein Doppelpack
So bekamen die Zuschauer wenigstens sieben Tore zu sehen und man konnte bei einigen Angriffen des FSV mitfiebern, ob nicht vielleicht sogar doch noch ein Ehrentreffer gelingen würde. Ansonsten war den Spielerinnen aber anzumerken, dass die Luft raus ist und das Saisonende jetzt doch herbeigesehnt wird.
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 Hier können Deniz Özer (ganz links) und Esma Gado noch vor Essens Stürmerin Silke Tancyus klären. Torhüterin Verena Volz braucht nicht einzugreifen
Am Pfingstmontag wird dann der Abschied endgültig. Der FSV hat noch einmal ein Heimspiel und empfängt die Spielerinnen des Hamburger SV. Eigentlich sollte man im schwarzen Anzug oder zumindest mit Trauerflor zu diesem Spiel gehen.
 Typische Szene in dieser Saison: einsame Torfrau der Gastmannschaft weit vor ihrem Kasten. In diesem Fall betraf es Essens Keeperin Steffi Löhr
FSV Frankfurt
Volz - Jung (78. Naji), Özer (46. Maksuti), Gado, Baertel, Stunz, Nyembo, Schatton,
Günther, Kanczyk, Reichow
SG Essen-Schönebeck
Löhr - Arndt, St. Schubert, Chojnacki (46. Yilmaz), Duhme, Gäggeler, Weichelt, Hoffmann,
Hartmann (70. Bolle), Kothe, Tancyus (55. Winter)
Tore:
0:1 Hoffmann (11.)
0:2 Hartmann (15.)
0:3 Duhme (20.)
0:4 Duhme (30.)
0:5 Hartmann (37.)
0:6 Hartmann (46.)
0:7 Kothe (86.)
Gelbe Karte: Kanczyk
Schiesrichterin: Christiane Schönfeld (Schleiz-Gräfenwarth)
Zuschauer: 100
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