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1. Bundesliga, 18.Spieltag

FSV Frankfurt gibt sich auf

FSV Frankfurt - SC 07 Bad Neuenahr 0:8 (0:2)

Text von Tom Schlimme

23.4.2006   Es war klar, dass es nur um die Höhe der Niederlage gehen würde. Doch während die allseits nur noch wegen ihres Mutes, sich jeden Spieltag neu auf den Platz zu stellen, gewürdigte FSV Truppe beim Pokalspiel gegen Bad Neuenahr noch ein richtig unbequemer Gegner war - in der ersten Halbzeit jedenfalls - war die überforderte Mannschaft heute leicht verfrühstückt. In der Pressekonferenz nach dem Spiel wurde dann bekannt gegeben, dass diese Mannschaft weder nach Hanau wechselt, noch in der zweiten Liga weitermacht. Der Verein gibt die Lizenz am Ende der Saison an den DFB zurück und beendet damit das Kapitel Frauenfußball am Bornheimer Hang, die Spielerinnen werden sich neue Vereine suchen müssen.

Dabei war eine FSV-Spielerin heute sogar richtig gut: Keeperin Verena Volz meisterte mindestens 10 eins-zu-eins Situationen glänzend und brachte die Stürmerinnen von Bad Neuenahr, allen voran Isabell Bachor, aber auch Nadine Fols und Celia Okoyino da Mbabi, mit ihren Reflexen fast zur Verzweiflung. Überhaupt gingen die hoch feldüberlegenen Spielerinnen von Bad Neuenahr geradezu sträflich mit ihren Chancen um. Das führte dann auch zu einem Donnerwetter in der Halbzeitpause durch Trainer Didi Schacht, dem dann im zweiten Durchgang noch sechs Treffer folgten.

Tor zum 0:1

Das 0:1 durch einen Kopfball von Nadine Fols (Bildmitte, weißes Trikot, dunkle Haare) aus kurzer Distanz eröffnete den Torreigen. FSV-Keeperin Verena Volz hatte keine Chance, auch die von ihr verdeckte Annika Stunz und Deniz Özer auf der Torlinie können nichts mehr retten. Ganz links Lydia Neumann

Bild: Peter Henkel

Dies wurde aber auch dadurch erleichtert, dass den schon in Runde eins hoffnungslos unterlegenen Frankfurterinnen in der zweiten Halbzeit zunehmend die Kräfte ausgingen. Immerhin waren die Spielerinnen des FSV in Halbzeit eins dreimal in den Strafraum von Bad Neuenahr eingdrungen, in Halbzeit zwei war damit Schluss, dafür häuften sich Fehlpässe und Stockfehler, die zu Großchancen für Bad Neuenahr führten. Beste Stürmerin war dabei sicherlich Bachor, die nicht nur selber immer wieder torgefährlich vor Volz auftauchte, sondern auch viele Chancen ihrer Mitspielerinnen vorbereitete. Leider muss ich heute auch den Preis für die schlechteste Stürmerin vergeben, denn es war schon grauslich mitanzusehen, wie oft Lydia Neumann aus besten Positionen über das Tor schoss. Aber ich weiß, dass das junge Talent es auch besser kann.

Isabell Bachor

Isabell Bachor, von der die meiste Gefahr bei Bad Neuenahr ausging, im Zweikampf mit Esma Gado (links)

Bild: Nora Kruse

Bei Okoyino da Mbabi wechselten sich sehr gute Phasen mit blitzgescheiten Pässen und gefährlichen Dribblings ab mit Phasen, in denen von der Nationalspielerin kaum etwas zu sehen war. Beim FSV war Christine Kanscyk die Stürmerin, die ihre Gegenspielerin Katrin Zimmermann wenigstens hin und wieder etwas beschäftigen konnte, ohne sie allerdings groß in Verlegenheit zu bringen.

Schacht stellte seine Kapitänin, Nationalverteidigerin Sandra Minnert hinten auf eine Liberoposition und ließ seine Außenverteidigerinnen ordentlich mitstürmen. Gegen den FSV klappte das prima, Minnert bekam hinten nur wenig zu tun, und dieses Wenige leistete sie gewohnt souverän. Trotzdem war das Adrenalin von Schacht auch in diesem Spiel in einem Bereich, wo man anfängt, sich Sorgen um sein Herz zu machen. Das Publikum hatte seinen Spaß an dieser


Verena Volz

Es war unglaublich, was FSV-Torhüterin Verena Volz in Situationen eins-gegen-eins für Bälle halten konnte, hier gegen Celia Okoyino da Mbabi. Doch am Ende half das alles nichts, achtmal mußte Volz insgesamt hinter sich greifen

Bild: Peter Henkel

one-man-show, weniger wohl die Schiedsrichterinnen. Das Problem war nämlich die Abseitsfalle des FSV, die ca. 15 bis 20 mal in diesem Spiel zuschnappte. Entweder Schacht schimpfte laut auf seine Spielerinnen, die wirklich meist im Abseits standen, wenn gepfiffen wurde, oder er schimpfte auf die Linienrichterinnen, die bei einem gewissen Prozentsatz ihrer Entscheidungen auch daneben lagen, jedenfalls Eva Kirschbaum, hinter deren Seite ich saß.

Nadine Fols

Nadine Fols erzielte zwei Treffer. Hier im Zweikampf mit Widad Naji. In Hintergrund Christine Kanscyk und Katrin Zimmermann

Bild: Nora Kruse

Hatte Kirschbaum in der 74. Minute noch die Fahne gehoben, obwohl nur eine Spielerin von Bad Neuenahr ganz an der rechten Außenlinie im Abseits stand, der Ball aber an der linken Außenlinie gespielt wurde und dort alle Spielerinnen von Bad Neuenahr ganz klar nicht in Abseits waren - richtige Entscheidung wäre also passives Abseits gewesen - ließ sie dann wenige Minuten später die Fahne unten, und ermöglichte so Isabell Bachor das 0:7. Da waren sich auch die Fans von Bad Neuenahr neben mir einig, dass dieser Spielzug aus einer klaren Abseitsposition resultierte. Aber spielentscheidend war das nicht mehr, und insgesamt war die Leistung aller drei Schiedsrichterinnen heute absolut in Ordnung.

Absolut in Ordnung geht auch das Spielergebnis von 0:8. Im ersten Teil der Pressekonferenz gab es dann die inzwischen schon gewohnten warmen Worte des Trainers der siegreichen Mannschaft an FSV-Trainer Frank Schwalenberg. Didi Schacht erklärte Schwalenberg zum Trainer des Jahres, weil es enorm sei, was er hier an Aufbauarbeit leiste. Da wußte Schacht allerdings noch nicht, konnte es höchstens ahnen, das im zweiten Teil der Pressekonferenz das Ende eben dieser Aufbauarbeit verkündet werden würde.

Nicole Bender

FSV-Kapitänin Annika Stunz (links) ist hier eher am Ball als die zur zweiten Halbzeit eingewechselte Nicole Bender

Bild: Nora Kruse

Bereits Anfang der Woche war aus Hanau durchgesickert, dass die Verhandlungen mit dem RW Großauheim über eine Übernahme der Lizenz und Mannschaft des FSV Frankfurt gescheitert waren. Nun erklärte FSV-Präsident Görner, dass es auch keine weiteren Verhandlungen mit anderen Vereinen mehr geben würde, die Lizenz wird weder verkauft noch selber in der zweiten Liga, die ja dem Tabellenletzten unweigerlich droht, genutzt, sondern statt dessen an den DFB zurückgegeben. Man habe weder genug Geld für die zweite Liga, noch genügend Personen, die


bereit seien, Verantwortung zu übernehmen und die Frauen- abteilung zu tragen, noch genügend Spielerinnen, die in der zweiten Liga ein ansehnlicheres Bild abgeben würden, als jetzt in der ersten.

In Großauheim hätte man laut Görner aufgrund der Tatsache, dass ein Verein nicht mal eben den Namen ändern, sich also wie vom FSV gewünscht in 1. FFC Hanau umzubenennen, keine Chancen gehabt, ausreichend Sponsoren- gelder zu sammeln, um dort einen vernünftigen Zweitligabetrieb zu etablieren. Die für eine Namensänderung erforderliche Zeit - die Regularien der Amtsgerichte sehen für solche Fälle Mitgliederversammlungen, zu denen mit ordentlicher Frist und unter Angabe der Tagesordnung eingeladen werden muss und eine Zweidrittelmehrheit für eine Namensänderung erforderlich ist, vor - war der FSV nicht bereit, dem RW Großauheim zuzu- gestehen, da man dann eine halbe Saison ohne ausreichende Sponsorengelder riskiert hätte. Es hätten zwar zwei komplett neue Vereine aus anderen Bundes- ländern Interesse an der Lizenz gehabt, diese seien jedoch auch noch nicht fertig in ihren Strukturen und außerdem hätte der DFB laut Görner mit einem Lizenzverkauf in die Fremde an völlig neue Vereine Probleme gehabt.

Michael Görner

FSV Präsident Michael Görner bei der Pressekonferenz, bei der er das Aus für die Frauen des FSV Frankfurt verkündete. Links Trainer Frank Schwalenberg

Bild: Peter Henkel

Michael Görner ist seit vier Jahren Präsident des FSV Frankfurt. In der Saison 2002/2003 wurde die Mannschaft Siebter, ein Jahr später Neunter, letztes Jahr Sechster, dieses Jahr wird sie mit Sicherheit Tabellenletzter, nächstes Jahr ist sie nicht mehr existent. Die Mädchenabteilung bleibt erhalten, doch die traditionsreiche Frauenmann- schaft, die mit drei Meisterschaften und fünf DFB Pokaltiteln den Namen des FSV Frankfurt bundesweit bekannt gemacht hat, wurde heute beerdigt. Die Männer des FSV Frankfurt haben immer noch - trotz einer unerwarteten Heimniederlage - gute Chancen, von der Oberliga in die Regionalliga aufzusteigen. Die Welt am Bornheimer Hang ist also nach wie vor in Ordnung.

FSV Frankfurt:

Volz - Bärthel, Özer, Gado (75. Naji), Stunz, Maksuti (70. Wernecke), Reichow (46. Jung), Schatton, Nyembo, Günther, Kanscyk

SC 07 Bad Neuenahr:

Paganetti - Himminghofen (46. Bender), Minnert, Zimmermann, Sabel, Hagmann, Okoyino da Mbabi, Schmitz, Neumann (65. Stümper), Fols, Bachor

Tore:
0:1 Fols (8.)
0:2 Okoyino da Mbabi (17.)
0:3 Fols (51.)
0:4 Neuman (57.)
0:5 Bachor (68.)
0:6 Okoyino da Mbabi (73.)
0:7 Bachor (78.)
0:8 Okoyino da Mbabi (90.)

Gelbe Karten: Minnert, Neumann

Schiedsrichterin: Nicole Schumacher (Oberhausen)

Zuschauer: Laut DFB 130, ich habe ca. 80 gezählt, zahlende sollen es laut FSV noch etwas weniger gewesen sein.


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