Von Johannes Huber (Text) und Peter Clesle (Fotos) 30.03.2006
Im Nachholspiel des 10. Spieltages der 1. Bundesliga besiegten die Frauen des SC Freiburg den amtierenden Deutschen Meister 1. FFC Frankfurt vor 560 ZuschauerInnen verdient mit 2:1.
Die Partie begann verhalten, in der ersten Viertelstunde konnte man lediglich konstatieren, dass die Abseitsfalle der Freiburgerinnen sicher stand und die Frankfurterinnen in Person der Weltfußballerin Birgit Prinz mit der relativ steifen Brise im Bergmattenhofstadion zu Sexau zu kämpfen hatten: mehrere von ihr getretene Eckbälle landeten direkt im Toraus. Dennoch war der Klassenunterschied zu spüren, Frankfurt, deren Mannschaft zu zwei Dritteln aus Nationalspielerinnen besteht, kontrollierte die Partie weitgehend, den Freiburgerinnen gelang es selten, nach zumeist gutem Abwehrverhalten, den Ball konstruktiv nach vorne zu tragen.
Die erste nennenswerte Chance hatte Frankfurt in der 18. Spielminute, als Prinz aus 14 Metern freistehend abziehen konnte, denn Ball jedoch so knapp über die Latte setzte, dass er das Außennetz noch streifte. Chancenlos war Freiburg allerdings nicht, nur zwei Minuten später setzte Melanie Behringer zu einem Solo an, das allerdings zur Ecke geklärt werden konnte. Lachhaft war die Chancenauswertung in der 23. Spielminute als drei (in Worten: drei) Frankfurterinnen auf die Freiburger Torhüterin Alexandra Schwald zugingen und den Ball nur am Tor vorbei schießen konnten. Eine Chance, der man in Frankfurt noch nachtrauern dürfte.
 Steffi Jones (l.) im Zweikampf mit Torschützin Katja Bornschein. Im Hintergrund beobachtet die nicht eingesetzte Louise Hansen die Szene
Zehn Minuten später kamen die Freiburgerinnen erstmals wirklich gefährlich vors Tor, als Christine Kaltenbach von der rechten Grundlinie die drei Meter vor dem Tor stehende Katja Bornschein mustergültig bediente, Bornschein traf den Ball jedoch nicht richtig und verzog ihn knapp.
Damit sollte der SC allerdings besser ins Spiel kommen, und sie wurden in der letzten Viertelstunde der ersten Hälfte merklich stärker, selbstbewusster, bisweilen auch frecher. Die besseren Chancen hatten allerdings die Frankfurterinnen. In der 37. Minute scheiterte Kerstin Garefrekes an Schwald, die den Ball abprallen lassen konnte, Prinz im Nachschuss verfehlte das Tor. Prinz war es auch, die in der letzten Spielminute der ersten Halbzeit Sandra Smisek bediente, die abzog, der Ball konnte jedoch von einer Freiburgerin zur Ecke geklärt werden.
 Sandra Smisek (r.) bejubelt mit der Torschützin Kerstin Garefrekes das 1:0
Diese Ecke verwertet Garefrekes mit dem Kopf zum 0:1. Ein für Freiburg denkbar ungünstiger Zeitpunkt für ein Gegentor. Mit diesem Zwischenstand ging es in die Kabine.
Der Freiburger Trainer Dietmar Sehrig hatte wohl beim Pausentee die richtigen Worte gefunden, Freiburg knüpfte an der guten Leistung zum Ende der ersten Halbzeit an, vom Klassenunterschied war man nun weit entfernt. So ging auch die erste Chance bereits in der 48. Minute an Freiburg: Behringer, die sich erneut in Topform präsentierte, hämmerte einen
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Nach dem Abpfiff brachen alle Dämme - unbändiger Jubel beim SC Freiburg
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Freistoß aus halbrechter Position 28 Meter vom Tor entfernt nur knapp am selbigen vorbei.
 Bei Alexandra Schwald entlud sich die ganze Freude
Es sollte zwölf Minuten dauern, bis Frankfurt in der zweiten Halbzeit die erste Chance durch Judith Affeld hatte, die vom linken Strafraumeck ab- und den Ball rechts am Tor vorbeizog.
Im direkten Gegenzug konnte Behringer von der Strafraumgrenze aus, Bornschein bedienen, die damit alleine vor der Frankfurter Torhüterin Ursula Holl stand, und alle Zeit der Welt nutzte, die sie hatte, um diese auszuspielen und den Ball zum Ausgleich im Tor unterzubringen.
Das Frankfurter Spiel sollte danach noch fahriger werden, und in diese Phase hinein nutzte der SC seine Überlegenheit und ging fünf Minuten nach dem Ausgleich mit 2:1 in Führung: Behringer brachte einen Freistoß aus 45 m direkt auf den Kopf der im Strafraum postierten Havva Kutal, die unbehelligt zum 2:1 verwandelte. Eine Minute später (64.) probierte es Prinz mit einem Seitfallzieher, der ihr von Garefrekes aufgelegt wurde, scheiterte damit jedoch an der glänzend aufgelegten Schwald.
 Die Freiburgerinnen brachten Frankfurt immer wieder Bedrängnis. Hier sind Kerstin Boschert und Katja Bornschein in den Strafraum eingedrungen. Katrin Kliehm und Uschi Holl (l.) stehen auf der Linie zur Abwehr bereit. Hinten Judith Affeld, rechts Tina Wunderlich und Steffi Jones
n der 70. Spielminute hatte Bornschein die Möglichkeit mit einem Konter alles klar zu machen, wurde aber entscheidend von einer Frankfurter Abwehrspielerin behindert und zog knapp am Tor vorbei. Aber auch die eingewechselte Österle hatte die Chance zu einem kuriosen Tor, als sie fünf Minuten später von der Grundlinie den Ball so scharf vors Tor brachte, dass dieser fast im Tor gelandet wäre, Holl konnte jedoch retten.
 Alena Thom klärt vor Sandra Smisek
Fünf Minuten vor Schluss hatten die Deutschen Meisterinnen aus Frankfurt ihre letzte nennenswerte Chance: ein Freistoß von Birgit Prinz konnte noch abgewehrt werden, der Ball landete aber
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wieder in den Frankfurter Reihen, Steffi Jones köpft scharf aufs Tor und Schwald kann mit ihrer besten Aktion des Abends souverän halten.
Insgesamt ein schwacher Auftritt der Frankfurterinnen, die es in ihrer starken ersten halben Stunde nicht vermochten, ihre Chancen zu nutzen, der SC Freiburg wurde zunehmend stärker und behielt die drei Punkte am Ende verdient zu Hause.
 War nach dem Abpfiff restlos bedient: Steffi Jones
Über die Klasse von Alexandra Schwald wurde an anderer Stelle schon ausreichend geschwärmt, und sie war heute auch nicht über Gebühr beschäftigt, die Abwehrregisseurin Kerstin Boschert zeigte sich einmal mehr in einer sehr guten Form, die schnelle Thom kaufte Prinz oder wahlweise Garefrekes auf der linken Defensivposition ein ums andere mal den Schneid ab, Alexandra Kury strahlte mit all ihrer Erfahrung zusätzlich Ruhe auf die Defensive aus; im Mittelfeld überzeugte Behringer und die lauffreudige Kuttal, die ihre Leistung mit dem Siegtreffer krönte, im Sturm wusste Bornschein mit ihrem bemerkenswerten Tor zum Ausgleich besonders zu überzeugen. Aber auch Nicole Söder, Christine Kaltenbach, Jeanne Haag, Sandra Schmidt und die eingewechselte Ines Österle zeigten eine sehenswerte Leistung.
 Melanie Behringer im Vorwärtsdran. Steffi Jones versucht sie aufzuhalten, links Tina Wunderlich, rechts Nia Künzer.
Aufstellungen
SC Freiburg
Schwald - Behringer, Boschert, Söder, Kaltenbach, Kury, Kutal (90. Bolz), Bornschein, Thom, Haag (86. Maillard), Schmidt (78. Österle)
1. FFC Frankfurt:
Holl, T. Wunderlich, Jones, Künzer (67. Albertz) - Weber, Lingor (46. P. Wunderlich), Kliehm, Smisek, Garefrekes, Prinz, Affeld
Tore:
Tore:
0:1 Garefrekes (45.)
1:1 Bornschein (58.)
2:1 Kutal (63.)
Gelbe Karte: Weber
Schiedsrichterin: Moiken Jung (Worms-Hermsheim)
Zuschauer: 560
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