Bundesliga, 1. Spieltag

Freiburger Niederlage zum Saisonauftakt

SC Freiburg - FC Bayern München 2:3

Text von Johannes Huber
Archivfotos von Tom Schlimme

18.8.2005    Vor einer erstaunlich großen Kulisse von rund 900 ZuschauerInnen bestritten die Damen des SC Freiburg das erste Saisonspiel der 1. Bundesliga. Es war gleichzeitig auch das erste Pflichtspiel des neuen Trainers Dietmar Sehrig. Der setzte jedoch zunächst auf Bewährtes: In der Startelf stand kein einziger Neuzugang.

Die SC-Spielerinnen schienen willig, die Scharte der letzten Saison, die das 1:5 im Mai wohl darstellte, auszuwetzen und den Bayern heute Paroli zu bieten. Vom Anstoßkreis weg ging es im Vorwärtsgang auf das Bayern-Tor zu. Dieser Offensivdrang wurde jedoch alsbald durch die erste Bayern-Chance in der dritten Minute unterbrochen. Von da an gab es Mittelfeldgeplänkel und ein Fehlpassfestival auf beiden Seiten - beim SC jedoch ausgeprägter als bei Bayern.

In der elften Spielminute kam der SC erstmals gefährlich vor das Tor von Ulrike Schmetz, Alena Thom brachte den Ball von links scharf in den Strafraum, die Bayern-Torhüterin Schmetz konnte jedoch knapp vor der einköpfbereiten Freiburgerin klären. Der Konter der Bayern war auch nicht so schlecht, jedoch konnte auf der Gegenseite Alexandra Schwald ebenfalls ihre Klasse unter Beweis stellen.

Die Freiburger Abwehrspielerin Kerstin Boschert beim Einwurf

Fünf Minuten später bekam der FC Bayern einen Freistoß aus 23 m halblinks, der jedoch von Janine Partzsch weit über's Tor befördert wurde. Nur zwei Minuten später kam die beste Spielerin auf dem Platz, Julia Simic, nach einem Patzer in der Freiburger Abwehr frei zum Schuß und verwandelte zum 1:0. Nach dem Wiederanpfiff kommt es zu einem überflüssigen Ballverlust im Freiburger Mittelfeld, Bayern geht in Überzahl auf das Freiburger Tor zu und Christina Eckmann verwandelt sogleich zum 2:0. Ein bittere Doppelschlag für den SC, die jetzt noch verunsicherter wurden, als sie das sowieso schon waren. Zu Ihrer Pflichtspielpremiere beim SC Freiburg kam Sandra Schmidt ab der 23. Minute, als sie für die verletzte Havva Kutal eingewechselt wurde, und hatte gleich mit ihrer ersten Ballberührung auch ihre erste Torchance, konnte die Vorlage von Karine Levy jedoch nur knapp am Tor vorbeiköpfen.

Erst in den letzten zehn Minuten der ersten Halbzeit blitze so etwas wie die gewohnte Klasse der U-19-Weltmeisterin Melanie Behringer auf, als sie eine Freistoß aus 25 m halbrechter Position scharf auf den Kopf von Karine Levy brachte, diese köpfte aber den Ball knapp über das Tor, und, nur drei Minuten später bereitete sich Behringer selbst eine Riesenchance vor, die Bayern-Abwehr indes konnte den Ball gerade noch so am Tor vorbeistochern.


Freiburgs U19 Weltmeisterin Melanie Behringer (links) und Torfrau Alexandra Schwald

Kurz vor der Halbzeit bekamen die Bayern von der in einigen Entscheidungen falsch liegenden Schiedsrichterin einen Freistoß aus 20 m zentral vor dem Tor zugesprochen, der jedoch von Melanie Fischer direkt in die Arme von Schwald geschossen wurde. Ähnlich wie in der ersten Halbzeit, zeigte sich auch, dass die SC-Spielerinnen anfangs der zweiten Halbzeit willens waren, das Spiel noch zu drehen. In der 51. Spielminute brachte Behringer den Ball flach von rechts in den Strafraum, Schmidt rutschte knapp vorbei; fünf Minuten später war es Christine Kaltenbach, die erneut Schmidt bediente, diese dribbelte im Strafraum noch zwei Gegenspielerinnen aus und kam zum Abschluss, den Schmetz aber über das Tor lenken konnte. Die nachfolgenden beiden Eckbälle führten zu turbulenten Szenen im Bayern-Strafraum, die jedoch nichts Zählbares einbrachten. In der 65. Spielminute sah Katja Bornschein nach einem Pressschlag unverständlicherweise Gelb, in der 67. versemmelte Kaltenbach eine Großchance über's Tor, bis endlich in der 71. Minute sich Schmidt mit einem Kraftakt gegen zwei Gegenspielerinnen durchsetzen konnte, für Kaltenbach auflegte die den Anschlusstreffer zum 1:2 markierte. Fünf Minuten später wurde der Neuzugang Jeanne Haag für Levy eingewechselt, in der 82. legte Thom für Aigner auf (unabsichtlich natürlich), die souverän zum 1:3 verwandelte.

Die Schlussphase wurde trotz des vermeintlich hohen Rückstandes noch einmal turbulent: Vom Anstoßpunkt weg wurde der Ball nach vorne getragen, es kam zu einem Foul und Behringer verzog den fälligen Freistoß aus zentraler Position nur knapp links am Tor vorbei, dann fing es an zu regnen und auf der Tribüne wurden hektisch Schirme aufgespannt, was dazu führte, dass der Autor dieses Textes das 2:3 durch die SC-Damen nicht sehen konnte. Es war einmal mehr Schmidt, die sich durchsetzen konnte und den Treffer erzielte. In den letzten Minuten kamen die Bayern noch dreimal mehr oder weniger gefährlich vor das Freiburger Tor und suchten auch den Abschluss, aber alle Chancen waren für Schwald kein Problem. Es blieb letztlich beim für die Bayern mehr als verdienten, für den SC etwas schmeichelhaften 2:3.


Keine der SC-Spielerinnen erreichte an diesem Tag annähernd Normalform, die Bayern-Spielerinnen waren in allen Belangen überlegen. Besonders auffällig waren Sonja Spieler und die beste Spielerin auf dem Platz: die erst 16-jährige Julia Simic. Für Alexandra Stegmann war es leider das vorerst letzte Heimspiel in dieser Saison; sie geht für ein Studienjahr nach Kanada.

SC Freiburg:

Schwald, Boschert, Söder, Stegmann, Behringer, Kury, Kutal (26. Schmidt) Kaltenbach, Bornschein, Levy (77. Haag), Thom

FC Bayern München:

Schmetz, Eder, Krüger, Roth, Partzsch, Spieler, Hoffmann (61. Aigner), Fischer, Simic, de Pol Eckmann (80. Hoare)

Tore:
0:1 Simic (22.)
0:2 Eckmann (24.)
1:2 Kaltenbach (71.)
1:3 Aigner (82.)
2:3 Schmidt (86.)

Schiedsrichter Beck (Magstadt)

Gelb: Behringer, Bornschein / Hoffmann

Zuschauer: 900

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