Fansoccer-Logo

1. Bundesliga, Nachholspiel vom 9.Spieltag

Potsdamer Dominanz am Frankfurter Brentanobad

1. FFC Frankfurt - 1. FFC Turbine Potsdam 2:6 (1:3)

Text von Marko Schiller, Fotos von Jan Kuppert

18.4.2006   Trotz - oder vielleicht auch wegen - der Osterferien waren nur knapp über 1600 Zuschauer zum Nachholspiel der Spitzenmannschaften ins Frankfurter Stadion am Brentanobad gekommen. Darunter auch eine kleine Schar von Turbine-Anhängern die sichtlich Spaß hatten.

Der Tag hatte für einige von ihnen recht früh begonnen, da sich der Fanbus aus Berlin/Potsdam bereits um 6:30 Uhr auf den Weg machte. Aber auch Fans aus den anderen Teilen Deutschlands hatten keine kurzen Wege. Belohnt wurden sie alle gleich - nämlich mit Fußball, der Spaß machte, durch ihr Team.

Pünktlich um 14:30 Uhr pfiff die Schiedsrichterin Nicole Schumacher das Spitzenspiel an. Potsdam ging sofort direkt in die Zweikämpfe und erzeugte Druck auf das gegnerische Mittelfeld und die Abwehr. Dies sollte sich in der

Jennifer Zietz, Katrin Kliehm, Kerstin Garefrekes

Katrin Kliehm (l.) klärt hier vor Jennifer Zietz. Meist jedoch waren die Potsdamerinnen den Frankfurterinnen mehrere Schritte voraus. Im Hintergrund Kerstin Garefrekes und Babett Peter.

2. Minute auszahlen, als Navina Omilade am rechten Strafraumeck ihre Gegenspielerin gekonnt verlud, in die Mitte zu Anja Mittag passte, die kurz auf Conny Pohlers abtropfen ließ, welche den Ball unhaltbar aus 7 Meter ins rechte obere Eck knallte. Was für ein Auftakt für die Gäste.

Aber statt jetzt endlich aufzuwachen, schien Frankfurt eher gelähmt vom frühen Gegentreffer. Sie kamen selten in Strafraumnähe und hatten speziell im Mittelfeld kaum Raum. So war es vielmehr Potsdam die das Spiel bestimmten und ihrerseits schönen Offensivfußball boten. Ab der 10. Minute brannte es erneut lichterloh im Strafraum von Marleen Wissink. Zunächst lief Petra Wimbersky allein aufs Tor zu und scheiterte. Dann in der 12. Minute eine Ecke, die Steffi Jones gerade noch klären konnte, und nur eine Minute später war es erneut Petra Wimbersky, die vorm Frankfurter Tor auftauchte. Diesem Druck konnte die Abwehr in der 15. Minute nicht mehr standhalten und erneut traf Conny Pohlers zum umjubelten 0:2 aus Frankfurter Sicht. Zu diesem Zeitpunkt fragte man sich schon ein wenig, wer die Heimmannschaft war.

Nun war Frankfurt gefordert und antwortete mit verstärkten Offensivbemühungen, die meist schon im Mittelfeld durch die toll aufgelegten Britta Carlson und Navina Omilade gestoppt wurden.

Marleen Wissink, Petra Wimbersky, Conny Pohlers

Das 1:5 - Pohlers nahm den Ball gekonnt an, hätte vollenden könnte, nutzte aber noch die Zeit, um auf Vollstreckerin Wimbersky zu passen. Marleen Wissink hatte keine Chance.

Kam doch ein Ball durch, standen die Abwehrspielerinnen Babett Peter und Peggy Kuznik, gelenkt durch die Abwehrchefin Ariane Hingst, goldrichtig. In der 22. Minute gelang den Frankfurterinnen dann eine schöne


Conny Pohlers, Karolin Thomas

Conny Pohlers und Karolin Thomas bejubeln eines der drei Pohlers-Tore.

Kombination, die erst im Strafraum unfair gestoppt werden konnte. Navina Omilade hatte Kerstin Garefrekes nicht anders bekommen können. Dafür sah sie Gelb und Renate Lingor verwandelte den fälligen Strafstoss sicher zum 1:2. Allerdings vermisste man den Ruck, der jetzt durch die Heimmannschaft hätte gehen müssen, und sah vielmehr das Engagement bei den Gästen den alten Abstand wiederherzustellen.

Dies gelang dann in der 29. Minute durch Anja Mittag, die einen blitzsauberen Konter der Gäste über nur drei Stationen überlegt zum 1:3 abschloss. Wie es schien, hatten die Gäste aus Potsdam noch nicht genug, konnten aber ebenso wie die Frankfurterinnen kein Tor mehr erzielen. Chancen dazu gab es auf beiden Seiten, wobei die der Frankfurterinnen weitaus weniger gefährlich waren.

Karolin Thomas, Renate Lingor, Anja Mittag

Kam im Sturm nicht zur Entfaltung und fehlte im Mittelfeld: Renate Lingor (Bildmitte), hier von Anja Mittag (l.) und Karolin Thomas in die Zange genommen.

So ging es mit dem 1:3 in die Halbzeitpause - einem Ergebnis, das dem Spielverlauf absolut Rechnung trug. Potsdam war deutlich überlegen, hatte das Spiel jederzeit im Griff, und Frankfurt musste sich erheblich steigern, um noch eine Wende herbeizuführen.

Ariane Hingst, Bernd Schröder, Petra Wimbersky

Ariane Hingst (l.) und Petra Wimbersky bejubeln mit ihren Fans den Auswärtserfolg. Im Hintergrund ein gerührter Trainer Bernd Schröder.

Man wartete jedoch vergeblich auf das klare Zeichen der Heimmannschaft. Vielmehr waren es wieder die Turbinen, die das Spiel bestimmten und sofort zu gefährlichen Aktionen kamen. Aufbäumen und ein Spiel umdrehen, sieht anders aus, und so kam es, wie es kommen musste. In der 57. Minute nahm Conny Pohlers einen Steilpass auf, umkurvte die Abwehrspielerin und Torfrau Marleen Wissink, und schob zur Freude des Anhangs zum 1:4 ein. Nun schien sich Frankfurt in sein Schicksal zu ergeben, denn nur fünf Minuten später war es Petra Wimbersky vorbehalten, die endgültige Vorentscheidung und das 1:5 zu erzielen. Dabei nahmen Anja Mittag, Britta Carlson und Conny Pohlers die Hintermannschaft von Frankfurt vollkommen auseinander. Der Arbeitstag von Conny Pohlers endete nach diesem Tor und Isabel Kerschowski kam zum Zug. Sie war es auch, die in der Folgezeit die


Frankfurterinnen arg durcheinander wirbelte mit ihren schnellen Dribblings.

Doch zuvor hatte Anja Mittag mit dem 1:6 nur eine Minute nach dem 1:5 für absoluten Freudentaumel innerhalb des Gästeblocks gesorgt. Die Freude dort war grenzenlos und man erinnerte sich an das legendäre 2:7 in Frankfurt vor zwei Jahren. Eine reine Ergebniskosmetik war das 2:6 durch Birgit Prinz, die sich bis in den Strafraum durchtankte und dann überlegt einschoss. Es folgten daraufhin noch diverse Torchancen auf beiden Seiten, die zu keinem zählbaren Erfolg führten. So stand es am Ende 2:6 aus Sicht der Frankfurterinnen und das erste von fünf Finalspielen um drei Titel hatte Potsdam für sich entschieden. Meiner Meinung nach auch in der Höhe verdient hatte Potsdam gewonnen, weil sie bis auf die letzten 15 Minuten die druckvollere und spielerisch bessere Mannschaft war und keinen Zweifel aufkommen ließen, wer Herr im Stadion war. Frankfurt hatte sowohl kämpferisch als auch spielerisch enttäuscht und die Variante mit Renate Lingor im Sturm ging nach hinten los, da kaum Impulse aus dem Mittelfeld kamen und das Potsdamer Mittelfeld um Britta Carlson schalten und walten konnte.

Aber man sieht sich ja noch ein paar mal diese Saison und somit können beide Mannschaften zeigen, ob dies ein einmaliges Ergebnis und Ereignis war.

Conny Pohlers

Die dreifache Torschützin Conny Pohlers klatscht bei den Fans ab.

Bericht aus Frankfurter Sicht

1. FFC Frankfurt:

Wissink - Kliehm (74. Wunderlich), Affeld, Künzer, Jones, Weber, Hansen, Garefrekes, Wunderlich, Lingor (66. Albertz), Prinz

1. FFC Turbine Potsdam

Angerer - Peter, Kuznik, Hingst, Carlson, Omilade, Thomas, Zietz, Mittag (76. Cristiane), Wimbersky, Pohlers (63. I. Kerschowski)

Tore:
0:1 Pohlers 3.
0:2 Pohlers 13.
1:2 Lingor 23. (FE)
1:3 Mittag 28.
1:4 Pohlers 57.
1:5 Wimbersky 62.
1:6 Mittag 64.
2:6 Prinz 77.

Gelbe Karten: Omilade, Thomas - Weber

Schiedsrichterin: Nicole Schumacher, Oberhausen

Zuschauer: 1.600


Zur FanSoccer-Startseite