1. Bundesliga 7. Spieltag

Frankfurt nur einzulullen reicht nicht

1. FFC Frankfurt : FFC Heike Rheine 4:1 (3:1)

Von Nora Kruse (Text)
und Volker Lieberum (Fotos)

23.10.2005

Die UEFA-Cup-Euphorie ist zunächst vorbei, am Frankfurter Brentanobad ist der Alltag wieder eingekehrt und der heißt: FFC Heike Rheine. Die Westfälinnen sind, so der Frankfurter Trainer Hans-Jürgen Tritschoks, ein eher unangenehmer Gegner und das bewiesen sie auch heute wieder. Nicht etwa, weil sie dem deutschen Meister spielerisch auch nur annähernd Paroli bieten konnten, sondern weil sie die „Schotten dicht“ gemacht und die Spielwege zugestellt haben.

Dabei sah es in der Anfangsphase nach einem mühelosen Durchmarschieren des FFC Frankfurt aus, denn die erste Chance wurde genutzt – eher selten für den FFC. Judith Affeld spielte Renate Lingor auf der rechten Seite an. Auch wenn der Pass in der Entstehung eher unglücklich, ja fast missglückt aussah, die Spielmacherin wusste ihn zu verwerten. 1:0 in der zweiten Spielminute.

Co-Trainer Oliver Lörsch vertrat heute seine Chefin Nicole Werner auf der Heike-Trainerbank.

In der Folgezeit überzeugten die Frankfurterinnen mit einem schönen Kombinationsfußball, spielten sich quasi mühelos durch das schlafende Rheinenser Mittelfeld und wechselten gekonnt die Seiten. Einzig im Tor wollte der Ball nicht landen. Dafür zeigte sich zum einen die Abwehr Rheines verantwortlich, die die Bälle einfach konsequent hinten rausschoss. Ein durchdachter Spielaufbau kam dabei allerdings nie zustande, der Ball landete immer wieder bei den Frankfurterinnen, die ihren nächsten Versuch starteten. Doch so schön die Kombinationen zunächst auch aussahen, die bekannte Abschlussschwäche des deutschen Meisters war nicht zu übersehen – die Hereingaben blieben ungenutzt. Ob per Kopf oder per Fuß, es fehlte das Zielwasser und die Bälle flogen rechts vorbei, links vorbei oder zur Abwechslung auch einmal über das Tor.

Profit konnte Rheine daraus keinen schlagen, dafür war das Team der im Urlaub weilenden Nicole Werner zu zögerlich, zu unpräzise und aufgrund des Alters der Spielerinnen auch zu unerfahren. Selbst die unglücklichsten Frankfurter Pässe konnten nicht gestoppt werden. Dabei passten sich die Frankfurterinnen langsam aber sicher ein wenig dem Niveau der Westfälinnen an, agierten unkonzentrierter, liefen sich fest, passten zu spät und das Kombinationsspiel war dadurch auch dahin. Mit „Lasst euch doch nicht so einlullen!“ wurde dies von einem aufgebrachten Trainer

Birgit Prinz, hier mit Christina Graf (r.), erzielte das 2:0 für ihre Mannschaft und bereitete das 3:0 vor.


Meike Weber, hier im zweikampf mit Stefanie Pohl (r.), kam in der 77. Minute für die leicht angeschlagene Sarah Günther - zu wenig Zeit, um sich entscheidend in Szene zu setzen.

Tritschoks an der Seitenlinie kommentiert – und einen Extra-Applaus bekam er dafür auch noch.

Tritschoks Truppe schien zu hören und so nutzte Birgit Prinz – die zuvor im Abschluss eher unglücklich wirkte – in der 34. Minute eine Hereingabe von rechts und köpfte unhaltbar ins obere rechte Eck.
Auch am 3:0 neun Minuten später war die Weltfußballerin beteiligt. Sie konnte in der linken Strafraumhälfte von Nationalmannschafts-Kollegin Kerstin Stegemann – die heute aufopferungsvoll kämpfte, aber dennoch eher wirkungslos war - nicht gestoppt werden. Prinz passte den Ball durch den Fünfmeterraum auf die Ex-Rheinenserin Kerstin Garefrekes, die das Runde ohne Mühe ins Eckige brachte.

Nur eine Minute später sah die FFC-Abwehr allerdings übelst aus: Teenie gegen gestandene Abwehrspezialisten könnte man es auch nennen – mit Punktsieg für den Teenie. Die erst 16jährige Melissa Thiem stürmte aufs Tor zu und sowohl Tina Wunderlich als auch Steffi Jones rutschten am Ball vorbei – Marleen Wissink im Tor der Frankfurterinnen war chancenlos.

Steffi Jones zeigte heute ungewohnte Unsicherheiten - die erste führte zum Anschlusstreffer durch Melissa Thiem.

Nach der Pause ergriff sofort wieder der FFC Frankfurt die Initiative. Pia Wunderlich scheiterte in der 47. Minute an der Latte, Theresa Hunecke konnte nur eine Minute später einen Freistoß von Lingor auf der Linie stoppen.
Der FFC Heike Rheine war allein mit der Defensive beschäftigt, an ein kontrolliertes Offensiv-Spiel war nicht zu denken. Hinten standen sie allerdings so kompakt, dass die Frankfurterinnen auch nicht mehr durchkamen – ein Grund für Louise Hansen, ihr Glück vermehrt mit Schüssen aus der zweiten Reihe zu versuchen, das Ziel fanden sie jedoch alle nicht. Erst in der 65. Minute konnten die Frankfurterinnen auf 4:1erhöhen. Ein langer Ball von Lingor aus halblinker Position fand Pia Wunderlich, die zum Endstand einköpfte.

Die erste Chance der Rheinenserinnen in der zweiten Hälfte ergab sich in der 71. Minute. Dyanne Bito konnte auf der linken Seite weder von Jones noch von Sarah Günther gestoppt werden, zum Schuss kam sie allerdings erst, als der Winkel zum Tor zu spitz wurde – der Ball ging vorbei.
Kurz vor Schluss setzte sich die


Mannschaftsführerin Pia Wunderlich sorgte in der 65. Minute für den 4:1-Endstand.

niederländische Nationalspielerin ein zweites Mal in Szene, als sie das Publikum mit ihrer Schnelligkeit beeindruckte. Auf der linken Seite überholte sie Affeld fast mühelos und die Frankfurterin wusste sich nur noch mit einem Ziehen am Trikot zu helfen – das hatte die einzige Gelbe Karte des Spiels zur Folge.

Alles in allem war es ein hochverdienter Sieg für die Frankfurterinnen. Der FFC Heike Rheine hatte spielerisch nichts dagegen zu setzen – „Schotten dicht machen“ war die einzige Waffe des Meisterschaftsdritten von 2004. Eine Taktik, die aufging, wie Co-Trainer Oliver Lörsch erklärte. Er sei stolz auf seine Mannschaft, die eine geschlossene Leistung gezeigt und seine Vorgaben umgesetzt habe.
Und am Ende war es wie bei jeder guten Parlaments-Wahl – jeder fühlte sich als Sieger. Der 1. FFC Frankfurt, weil er die Partie überlegen für sich entscheiden konnte die Verfolger gepatzt hatten: Duisburg und Potsdam trennten sich unentschieden, Hamburg verlor gegen Bayern. Doch laut Rheine-Manager Alfred Werner war auch seine Truppe der Sieger: die Mannschaft sei jung, unerfahren und in Frankfurt nicht untergegangen – Grund genug, der moralische Sieger zu sein.

Aufstellungen:

Frankfurt
Wissink, P. Wunderlich, T. Wunderlich, Prinz (60. Bartusiak), Lingor, Kliehm (46. Hansen), Günther (77. Weber), Affeld, Garefrekes, Jones, Smisek

Rheine
Müller, Pohl, Thiem (63. Hüwe), Heuvels, Torny (88. Scholz), Voss, Bito, Stegemann, Hunecke, Bock, Graf

Tore:
1:0 Lingor (2.)
2:0 Prinz (34.)
3:0 Garefrekes (43.)
3:1 Thiem (44.)
4:1 P. Wunderlich (65.)

Schiedsrichterin: Tanja Schneider (Amberg)

Gelbe Karte: Affeld

Zuschauer: 750

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