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1. Bundesliga, Nachholspiel vom 9.Spieltag

Conny Pohlers entzaubert Frankfurt

1. FFC Frankfurt - 1. FFC Turbine Potsdam 2:6 (1:3)

Text von Tom Schlimme

16.4.2006   Eine in allen Belangen überlegene Potsdamer Mannschaft bezwang den amtierenden Deutschen Meister in dessen Stadion locker mit 2:6 und konnte gegen Ende der Partie sogar einen Gang zurück schalten. Potsdam stellte mit Conny Pohlers die beste Spielerin des Tages, präsentierte sich laufstärker, mit dem präziseren Passspiel, der größeren Torgefährlichkeit, mannschaftlich geschlossener, mit der stabileren Abwehr, zweikampfstärker, es gibt wirklich keinen Bereich, in dem Pluspunkte auf Frankfurter Seite zu erkennen waren.

Während die Potsdamer Spielerinnen immer wieder mal auf Verdacht einfach losliefen, und dann auch prompt den entscheidenden Tick schneller am Ball waren, blieben Frankfurter Spielerinnen auf Verdacht einfach mal stehen, wie beispielsweise beim sechsten Potsdamer Tor, bei dem ich auch nach der x-ten Wiederholung meiner Fernseh- aufzeichnung nicht verstehe, wieso da gleich mehrere Potsdamer Stürmerinnen vor dem Tor auftauchen, bis die zweite Frankfurter Abwehrspielerin ins Bild kommt. Britta Carlson hatte Pia Wunderlich den Ball vor dem Frankfurter Strafraum abge- nommen, spielte zu Navina Omilade, die mutterseelenallein - einfach weil sie am schnellsten gestartet war - auf das Tor zugehen konnte, dann immerhin von Judith Affeld bedrängt, so dass Omilade das Tor nicht selber machen konnte, sondern zu der mitgelaufenen Anja Mittag passen mußte, die dann unbedrängt verwandeln konnte. Ansonsten wäre da auch noch die Potsdamerin Isabel Kerschowski frei gewesen, Frankfurter Abwehrspielerinnen außer Affeld wie gesagt Fehlanzeige.

Anja Mittag

Anja Mittag war nie zu halten, hier setzt sie sich gegen Katrin Kliehm durch

Bild: Volker Lieberum

Man kann zur Erklärung der Frankfurter Leistung sicher vorbringen, dass mit Sandra Smisek, Saskia Bartusiak und Sarah Günther drei Spielerinnen fehlen, aber Potsdam hatte mit Inken Becher schließlich auch den Ausfall einer Leistungsträgerin zu verkraften. Insgesamt war das Frankfurter Spiel eine Fortsetzung der schlechten Leistungen seit der Winterpause, und für Beobachter auch nicht wirklich überraschend.

Renate Lingor und Jennifer Zietz

Renate Lingor, sonst Spielmacherin, füllte diesmal aufgrund des Ausfalls von Sandra Smisek die Lücke im Sturm. Hier gegen Jennifer Zietz

Bild: Nora Kruse

Das muntere Toreschießen begann bereits in der dritten Minute, als Omilade bei einem Tempo- gegenstoß rechts im Strafraum Affeld aussteigen ließ, nach innen zu Mittag geben konnte, die weiter zu Pohlers, und drin war die Kugel. Frankfurt wirkte geschockt, Potsdam setzte nach. Frankfurts Keeperin Marleen Wissink mußte wenig später einen Schuss von Pohlers halten, in der 11. Minute dann im Stile eines Handball- torwarts gegen Petra Wimbersky aus kürzester Distanz klären. Nach 13 Minuten aber war Wissink machtlos, als Pohlers nach einem schönen Lauf von Jennifer Zietz gegen Katrin Kliem am linken Flügel sich am Frankfurter Strafraum gegen Steffi Jones und Nia Künzer durchsetzen und mit einem flachen Schuss ins lange Eck das 0:2 markieren konnte.

Frankfurter Angriffe gab es durchaus, aber sie waren bei weitem nicht so gefährlich vorgetragen wie die vom Potsdamer Sturm. Hohe Flanke von Pia Wunderlich in den Strafraum, Kerstin Garefrekes kommt nicht dran, Birgit Prinz im Strafraum noch abgedrängt von Peggy


Conny Pohlers

Conny Pohlers, beste Spielerin auf dem Platz, schoss drei Tore und bereitete zwei weitere vor. Hier beim Schuss gegen Katrin Kliehm, hinten kann Judith Affeld nicht mehr eingreifen

Bild: Volker Lieberum

Kuznik, so sah das ungefähr aus. Immerhin kam Frankfurt dann zu einer Elfmeterchance, - klares Foul von Omilade an Garefrekes im Strafraum - die Renate Lingor mit einem harten und präzisen Schuss zum 1:2 nutzen konnte. Frankfurt kam nun kurz auf und zu weiteren Chancen. Schöner Pass von Garefrekes auf Lingor, Angerer hält. Wenig später Angerer vor Prinz gerade noch zur Ecke, Chance dahin. In der 28. Minute aber setzte sich diesmal Pohlers links gegen Kliehm durch, Affeld hatte Mittag drei Schritte Vorsprung gelassen, die prompt den Ball bekam, uneinholbar auf das Tor stürmte und den alten Abstand wieder herstellen konnte.

Foul an Kerstin Garefrekes

Für dieses Foul von Navina Omilade an Kerstin Garefrekes gab es Elfmeter. Es gab keine Diskussionen darüber, Schiedsrichterin Nicole Schumacher bot überhaupt eine sehr gute Leistung

Bild: Nora Kruse

Die Frankfurter Spielerinnen gaben sich nicht verloren, Lingor steil auf Garefrekes, doch Ariane Hingst konnte zur Ecke klären (35. Minute), dann in der 36. Minute eine Riesenchance für Prinz, die aus sieben Metern und etwas zu spitzem Winkel knapp über das Tor schießt. Zwei weitere Groß- chancen von Pohlers und Mittag vor dem Pausenpfiff lasse ich jetzt mal weg. Kampf- und Lauf- bereitschaft auf Frankfurter Seite waren vorhanden, doch im Vergleich wirkte Potsdam immer bissiger, schneller, entschlossener und erspielte sich die bei weitem besseren Chancen.

Kopfball Nia Künzer

An guten Tagen geht so ein Kopfball rein: Nia Künzer köpft über den Kasten, Potsdams Torhüterin Nadine Angerer wäre chancenlos gewesen

Bild: Volker Lieberum

Schon in der ersten Minute nach der Halbzeitpause kam Potsdam zur nächsten Großchance. Freistoß Wimbersky in den Strafraum, die Abwehr bekommt den Ball nicht weg, Britta Carlson schießt, der Ball prallt vom Pfosten zurück, Nachschuss Omilade, Wissink wehrt mit dem Fuß ab. Auf der anderen Seite ging ein Kopfball von Künzer knapp über das Tor. So dauerte es auch nicht lange bis zum nächsten Potsdamer Tor. 57 Spielminuten waren vergangen, als Pohlers einen Steilpass von Mittag im vollen Lauf annehmen, Kliehm enteilen, Keeperin Wissink ausspielen und mit dem 1:4 ihr drittes Tor in diesem Spiel erzielen konnte. Wissink holte wenig später einen Schuss von Karolin Thomas aus dem Winkel, an ihr lag es nicht, dass Frankfurt so hoch verlor.


In der 62. Minute setzte sich Mittag links aus unmöglicher Position gegen drei Frank- furterinnen durch, Carlson gab nach innen zu Pohlers, die hätte wohl leicht ihr viertes Tor machen können, sah jedoch neben ihr die noch besser postierte Wimbersky und überließ dieser das 1:5. Potsdams Trainer Bernd Schröder wechselte nun die mit leichtem Fieber in die Partie gegangene Pohlers aus, die mit großem Beifall auch vom Frankfurter Publikum verabschiedet wurde. Für das Aufzählen der folgenden Chancen auf beiden Seiten reicht der Platz nicht, das sechste Potsdamer Tor hatte ich eingangs schon geschildert, bleibt noch das 2:6 durch Prinz, das aus einem harten Linksschuss ins linke Toreck resultierte.

Wenn auch etwas einseitig, war es ingesamt ein hochklassiges Spiel mit einer Fülle von Torchancen. Potsdam ist nunmehr eindeutiger Favorit für das Pokalfinale am 29.4., für die Meisterschaft und auch für die beiden Finalspiele des Uefa-Cups im Mai gegen Frankfurt. Auch wenn Potsdams Trainer Schröder meinte, seine Mannschaft hätte heute nur den besseren Tag gehabt, und Frankfurts Trainer Tritschoks die Niederlage unter anderem mit dem Spielverlauf und den frühen Gegentoren erklärte, kann ich mir nur schwer vorstellen, dass Potsdam sich diese Chance zum erstmaligen Gewinn des Triples noch entgehen läßt. Es sei denn, Frankfurt löst einen Gutteil der offensichtlich vorhandenen Probleme.

Birgit Prinz und Peggy Kuznik

Peggy Kuznik war meist einen Schritt schneller als Birgit Prinz

Bild: Nora Kruse

Bericht aus Potsdamer Sicht

1. FFC Frankfurt:

Wissink - Kliehm (74. Wunderlich), Affeld, Künzer, Jones, Weber, Hansen, Garefrekes, Wunderlich, Lingor (66. Albertz), Prinz

1. FFC Turbine Potsdam

Angerer - Peter, Kuznik, Hingst, Carlson, Omilade, Thomas, Zietz, Mittag (76. Cristiane), Wimbersky, Pohlers (63. I. Kerschowski)

Tore:
0:1 Pohlers 3.
0:2 Pohlers 13.
1:2 Lingor 23. (FE)
1:3 Mittag 28.
1:4 Pohlers 57.
1:5 Wimbersky 62.
1:6 Mittag 64.
2:6 Prinz 77.

Gelbe Karten: Omilade, Thomas - Weber

Schiedsrichterin: Nicole Schumacher, Oberhausen

Zuschauer: 1.600


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