1. Bundesliga 5. Spieltag

Mit neun Toren in die Winterpause

1. FFC Frankfurt : Hamburger SV 9:0 (3:0)

Von Nora Kruse (Text)
und Tom Schlimme (Fotos)

18.12.2005

Es war wieder einmal bitterkalt, das Grün am Brentanobad war leicht eingeschneit – aber der FFC musste dennoch zum letzten Heimspiel in diesem Jahr laden. Zu Gast war der Hamburger SV, der überraschend gut in die Saison gestartet war, in letzter Zeit jedoch nur noch mittelprächtige Ergebnisse mit an die Elbe brachte. Unterschätzt wurde der Gegner dennoch nicht, immerhin hatte er den Potsdamerinnen in diesem Jahr bereits einen Punkt stehlen können.

Bereits die Anfangsphase ließ einen deutlichen Unterschied zum letzten Wochenende erkennen, als der FCR Duisburg in Frankfurt gastierte und die Gastgeberinnen von Anfang an unter Druck setzte. Davon war hier keine Spur, Frankfurt hatte für alle Aktionen wesentlich mehr Zeit, genutzt hat es aber zunächst nicht viel. Der FFC produzierte Fehlpässe am laufenden Band, nur sah er sich einem Gegner gegenüber, der daraus nichts machen konnte, weil er selber noch mehr davon zustande brachte.

Dennoch gelang Frankfurt der psychologisch wichtige erste Treffer – und das auch gleich mit der ersten wirklich gelungenen Aktion. Kerstin Garefrekes kam in der siebten Minute an der rechten Strafraumhälfte zum Schuss und produzierte etwas, das wie ein Mix aus Flanke und Torschuss aussah, sich aber im richtigen Augenblick senkte und ins Tor fiel.

Dieser Treffer – und die sehr lauten „Außen!!!“-Rufe von Trainer Hans-Jürgen Tritschoks – hätten dem FFC signalisieren müssen, dass man es gegen den Hamburger SV besser über die Außenbahnen versuchen sollte als stereotyp durch die Mitte. Der FFC befolgte diese Ratschläge jedoch nicht, sondern versuchte es immer wieder und blieb hängen, wofür insbesondere Abwehrspielerin Alexandra Gärtner verantwortlich war.

In der ersten Halbzeit hielt Alexandra Gärtner die HSV-Abwehr noch recht gut zusammen, in der zweiten gab es keine Chance mehr.

Ein stärkerer Gegner hätte die Abspielfehler des FFC sicherlich besser nutzen können, aber auch der HSV kam in der 16. Minute zur besten Chance, als sich Tanja Vreden gegen die rechte Abwehrseite durchsetzen konnte und frei zum Schuss kam – der Ball verfehlte den Kasten nur knapp.

Ehre, wem Ehre gebührt: Sandra Smisek war mit ihrem Hattrick die treffsicherste Schützin des Tages.

Noch vor der Pause erhöhte Frankfurt auf 3:0. In der 26. Minute ergriff Birgit Prinz die Initiative und Offensive und kämpfte sich durch die Mitte bis zum erfolgreichen Abschluss. Am 3:0 hatte sie als Vorbereiterin auch ihren Anteil, sie schoss die Ecke, die Garefrekes mit dem Kopf ins Tor lenkte. Eine Minute vor dem Halbzeitpiff hätte die Weltfußballerin, die an diesem Tag im Mittelfeld „hervorragend“, wie Trainer Tritschoks es bezeichnete, agierte, noch einen draufsetzen können, scheiterte mit Schuss und Nachschuss an HSV-Torhüterin Bianca Weech.

Gut sieht es nicht aus, die Diagnose von Saskia Bartusiaks Verletzung steht jedoch noch nicht fest.

Von der Anzahl der Tore stimmte es beim FFC Frankfurt, ein Wehrmutstropfen musste jedoch auch verkraftet werden. Nach etwa einer halben Stunde musste Saskia Bartusiak nach einem Foul von Imke Wübbenhorst mit einer Beinverletzung vom Platz getragen werden. Nach Spielende konnte noch keine Diagnose bekannt gegeben werden, eine genauere Untersuchung im Krankenhaus soll Aufschluss geben. Wübbenhorst sah für dieses Foul die Gelbe Karte und in der 38. Minute auch schon Gelb-Rot, als sie knapp vor der Strafraumgrenze Sandra Smisek von den Beinen holte. Weinend verließ sie den Platz, beide Entscheidungen von der souverän leitenden Elke Günthner gingen jedoch voll in Ordnung.

HSV-Trainer Achim Feifel war mit der ersten Halbzeit seiner Elf relativ zufrieden, von der zweiten war er jedoch weniger angetan. Mehr Gegenwehr habe er sich erhofft und die fehlte tatsächlich. Frankfurt kam motivierter aus der Kabine und agierte wesentlich besser als in den ersten 45 Minuten.
Schon vier Minuten nach Wiederanpfiff schoss Judith Affeld aus einem Getümmel im Strafraum ihren ersten Saisontreffer und zeigte sich auch in der Folgezeit sehr offensiv.

Mit einem lupenreinen Hattrick binnen vierzehn Minuten erhöhte Sandra Smisek auf 7:0. Bei zwei Treffern konnte sie sich mit dem Kopf gegen die HSV-Abwehr durchsetzen – als Spielerin mit einer Körpergröße von 1,63 Metern.


Sturmpartnerin Prinz, die das 6:0 per Freistoß vorbereitete, hätte in der 82. Minute mit einem weiteren wunderschönen Freistoß noch einen draufsetzen können, Weech lenkte den Ball mit den Fingerspitzen jedoch noch an den Pfosten.

Vom HSV kam zu diesem Zeitpunkt nicht mehr viel und zu allem Überfluss lenkte Julia Weigel den Ball zum 8:0 selber ins Tor, bevor Prinz in der 89. Minute per Kopf – ein seltenes Bild – zum in dieser Höhe völlig verdienten Endstand, darin waren sich beide Trainer einig, einlochte.

Auch wenn der HSV mit 0:9 am Brentanobad in die Weihnachtsferien geschickt wurde, zeigte sich die Elf von Achim Feifel in einem wesentlich besseren Zustand als noch in der vergangenen Saison, wo sie die Niederlage niedriger ausfallen lassen konnten. Tanja Vreden machte der FFC-Abwehr ein ums andere Mal klar, dass sie nicht so gut besetzt ist, wie der Sturm mit den toll harmonierenden Prinz und Smisek. Gefährliche Pässe der Hintermannschaft – auch von Routiniers wie Steffi Jones -, die heute nicht immer ihren Adressaten fanden, luden den HSV teilweise förmlich ein. Bei den Hanseatinnen fehlten lediglich die Fähigkeiten, daraus auch den entscheidenden Gewinn zu schlagen – wofür sich auch Hollands Nationaltorhüterin Marleen Wissink in Diensten des FFC verantwortlich zeigte.

Beim Stande von 0:7 können auch Tanja Vreden (l.) und Bianca Weech (im Tor) über das Eigentor von Julia Weigel (2. v. l.) schmunzeln...

Aufstellungen

Frankfurt:
Wissink, Kliehm, T. Wunderlich, Jones, Günther, Bartusiak (33. Weber), P. Wunderlich, Lingor (36. Affeld), Smisek, Garefrekes (73. Barucha), Prinz

Hamburg:
Weech, Ende (75. Weigel), Haye, Gärtner, Kameraj (88. Arp), Saländer, Wörle (53. Patzke), Engel, Wilmes, Vreden, Wübbenhorst

Tore:
1:0 Garefrekes (7.)
2:0 Prinz (26.)
3:0 Garefrekes (28.)
4:0 Affeld (49.)
5:0 Smisek (52.)
6:0 Smisek (64.)
7:0 Smisek (66.)
8:0 Weigel (85./ET)
9:0 Prinz (89.)

Schiedsrichterin: Elke Günthner (Bamberg)

Gelbe Karte: -

Gelb/Rote Karte: Wübbenhorst (38.)

Zuschauer: 680

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