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1. Bundesliga, 17.Spieltag

Trauriger Rekord

1. FFC Frankfurt - FSV Frankfurt 17:0 (9:0)

Text von Tom Schlimme

17.4.2006   Das letzte Lokalderby aller Zeiten zwischen dem 1. FFC Frankfurt und dem FSV Frankfurt endete mit dem höchsten Sieg, den es seit Einführung der Frauen- fußball Bundesliga jemals gegeben hat. 17:0, das ist noch ein Treffer mehr, als die Turbinen aus Potsdam vor wenigen Wochen gegen den FSV herausgeholt hatten. Der Zusammenhang ist dabei offensichtlich: Der Abstiegs- kandidat FSV kam nach der Niederlage des 1. FFC Frankfurt gegen Potsdam am Oster- samstag gerade recht, um Dampf abzulassen und neuen Mut zu schöpfen.

Wie schreibt man jetzt einen Spielbericht über ein Spiel, in dem man über 17 Tore und viele weitere Chancen berichten könnte? Bis ich alle Tore geschildert habe, habe ich mir die Finger wund getippt, und viel mehr als Langeweile käme nicht dabei heraus. Dabei war es kein langweiliges Spiel für die Fans des 1. FFC Frankfurt, denn viele von uns fragten sich schon, ob denn wenigstens gegen diesen Gegner der Knoten endlich platzen würde und es gelänge, sich mit einem kleinen Paukenschlag als weiter mitspielend zurückzumelden.

Pia Wunderlich

Mit Volldampf dem Ball hinterher: Pia Wunderlich im weiß-roten FFC Trikot, dahinter Ivonne Bärthel. Im Hintergrund die gute Schiedsrichterin Christine Beck und Nia Künzer

Bild: Nora Kruse

Mit jedem Tor fiel dann etwas Last von der Seele, die doch am Samstag arg gelitten hatte. Heute war alles da, was wir am Samstag vermißt hatten, FFC-Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks feuerte die Spielerinnen an, diese feuerten sich gegenseitig an, man konnte fast die Entschlossenheit in ihren Augen blitzen sehen, zumindest aber in ihren Aktionen spüren. Endlich gelang es auch, den Ball laufen zu lassen und sich gegenseitig in einen Kombinations- rausch zu spielen.

Kerstin Garefrekes

Das 1:0, ein Kopfball von Kerstin Garefrekes, die nach einer Bogenlampe von Pia Wunderlich (nicht im Bild) eher als FSV-Torhüterin Verena Volz am Ball ist. Deniz Özer kann nicht mehr eingreifen

Bild: Volker Lieberum

Auf der anderen Seite das bekannte Häufchen Elend, der FSV auf seiner Abschiedstournee durch die Bundesliga mit einer völlig überforderten Mannschaft, die einem auch heute einfach nur leid tun konnte. Was hat es für große Duelle zwischen diesen beiden Vereinen gegeben, vorbei, vertan von einer Vereinsführung des FSV, die nur noch auf die Männer setzt.

Kerstin Garefrekes

Kerstin Garefrekes (links) im Laufduell mit Anna Jung, die später wegen einer Blinddarmreizung ins Krankenhaus mußte

Bild: Nora Kruse

Das Häuflein mühte sich redlich, FSV-Spielerin Anna Jung spielte mit einer Blinddarmreizung, mußte nach einer Stunde ausgewechselt werden und wurde dann sogar vorsorglich ins Krankenhaus eingeliefert. Ein Beispiel, das einerseits die Not beim FSV zeigt, wo man außer der 17-jährigen Widad Naji keine Feldspielerin auf der Ersatzbank hatte, andererseits aber auch die Einsatzbereitschaft dieser jungen Spielerinnen, die sich in dieser Saison gegen jedes einzelne Gegentor gestemmt haben und doch nach dem heutigen Spieltag 106 Gegentore kassieren mußten bei mageren vier eigenen Treffern.


Tor

Eines von 17: FSV Torhüterin Verena Volz streckt sich vergeblich beim vierten Tor, einem Schuss von Sandra Albertz. (im Hintergrund, halb verdeckt von Anna Jung)

Bild: Volker Lieberum

FSV-Trainer Frank Schwalenberg entschuldigte sich dann auch in der Pressekonferenz für die Situation beim FSV und das Bild, das der Verein zum Schaden der ganzen Liga derzeit biete, verwies aber gleichzeitig mit Recht darauf, dass niemand der jetzt direkt am FSV-Frauenfußball beteiligten etwas für diese Situation kann, weil praktisch alle derzeit Aktiven erst seit dieser Saison überhaupt beim FSV sind.

Tor

Das 5:0: Sandra Albertz (im Hintergrund) hatte eine Flanke hoch hereingegeben, Pia Wunderlich (nicht im Bild) kam zum Schuss auf das Tor, Keeperin Verena Volz erwischte den Ball gerade so, doch er prallte hoch und senkte sich dann doch noch ins Netz. Deniz Özer rechts kann wieder nicht eingreifen

Bild: Volker Lieberum

Dr. Tritschoks war natürlich mit der Leistung seiner Mannschaft zufrieden und will jetzt in Einzelgesprächen mit den Spielerinnen moralische Aufbauarbeit leisten, um das Team auf die kommenden vier Spiele gegen Potsdam einzustellen. Da war der hohe Sieg heute sicherlich hilfreich. Die Mannschaft sei besser, als sie sich am Samstag präsentiert habe, müsse sich aber auch gegen Spitzenmannschaften so geschlossen als Einheit präsentieren wie heute.

Sandra Albertz

Deniz Özer (links) und Sandra Albertz im Zweikampf

Bild: Volker Lieberum

Tor

Beim 7:0 hatte Louise Hansen von links geflankt, Kerstin Garefrekes ließ weder Esma Gado noch Verena Volz eine Abwehrchance

Bild: Volker Lieberum

Statt einer Aufzählung der Tore nun noch etwas Einzelkritik: Birgit Prinz ragte beim FFC ein Stück weit heraus, schoss nicht nur mit vier Treffern die meisten Tore, sondern bereitete auch noch etliche Treffer ihrer Mitspielerinnen vor.

Birgit Prinz

Birgit Prinz, hier vorbei an Anna Jung, war heute beste Spielerin

Bild: Volker Lieberum

Kerstin Garefrekes machte ebenfalls ein sehr gutes Spiel, trug sich dreimal in die Torschützenliste ein, bestach aber vor allem durch ihre präzisen Hereingaben in den Strafraum, die für immense Gefahr


vor dem FSV-Tor sorgten. Sandra Albertz, ebenfalls drei Treffer, konnte sich nach ihrer langen Pause wieder an alte Form heranschießen, so dass man von ihr für den Rest der Saison noch einiges erwarten kann.

Tor

Das 8:0, ein Alleingang von Birgit Prinz (rechts), den sie mit einem wuchtigen Schuss abschloss. Verena Volz hatte auch hier nichts zu halten

Bild: Volker Lieberum

Nia Künzer gefiel heute ebenfalls, brachte es als Abwehrspielerin sogar auf zwei Treffer, mußte dann aber mit einer Muskelverletzung ausgewechselt werden. Hoffentlich nur eine Zerrung. Die junge Susi Hartel wurde in der 80. Minute eingewechselt und erzielte fünf Minuten später mit dem Kopf das 17. und letzte Tor des Spiels. FFC Torfrau Uschi Holl konnte ihr Können leider nicht demonstrieren, da der FSV zu keinem Torschuss kam. Insgesamt spielten aber alle FFC-Spielerinnen heute gut, ergänzten sich gegenseitig, kämpften füreinander und boten so eine Mannschaftsleistung, auf der man aufbauen kann.

Steffi Jones

Steffi Jones (22) tröstet Sarah Schatton (10). Den FFC-Spielerinnen war so manches Mal das Mitleid mit dem FSV-Team anzumerken. Rechts Deniz Özer und Schiedsrichterin Christine Beck

Bild: Volker Lieberum

1. FFC Frankfurt:

Holl - Kliehm, T. Wunderlich, Jones, Künzer (66. Weber), Hansen, P. Wunderlich, Lingor (68. Affeld), Garefrekes (80. Hartel), Albertz, Prinz

FSV Frankfurt:

Volz - Bärthel, Özer, Jung (60. Naji), Gado, Reichow, Maksuti, Nyembo, Schatton, J. Günther, Kanscyk

Tore:
1:0 Garefrekes 8.
2:0 Albertz 16.
3:0 Lingor 22. (FE)
4:0 Albertz 25.
5:0 P. Wunderlich 26.
6:0 Künzer 28.
7:0 Garefrekes 30.
8:0 Prinz 38.
9:0 Prinz 39.
10:0 Garefrekes 49.
11:0 Künzer 52.
12:0 Albertz 56.
13:0 Hansen 65.
14:0 Prinz 68.
15:0 Hansen 73.
16:0 Prinz 76.
17:0 Hartel 85.

Gelbe Karte: J. Günther

Schiedsrichterin: Christine Beck (Magstadt)

Zuschauer: 850


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