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1. Bundesliga, 15.Spieltag

Essen bringt den 1. FFC Frankfurt ins Wanken

1. FFC Frankfurt - SG Essen Schönebeck 1:0 (0:0)

Text von Tom Schlimme

2.4.2006   Spannung pur am Brentano Bad! Nach der Niederlage in Freiburg am Mittwoch konnte sich das Team des 1. FFC Frankfurt keinen Punktverlust mehr leisten, wollte man den Meisterschaftszug nicht ohne Frankfurt an Bord abfahren lassen. Doch die Spielerinnen der SG Essen Schönebeck machten dem amtierenden Deutschen Meister das Leben schwer und hielten bis zur 83. Minute ein 0:0. Doch dann kam der große Auftritt von Weltfußballerin Birgit Prinz, die mit Ball bedrängt von mehreren Gegenspielerinnen in den Strafraum stürmte und mit einem knallharten Schuss Essens Torfrau Steffi Löhr keine Chance ließ.

Manchmal fühlte man sich an die Pokalbegegnung der beiden Mannschaften im vergangenen Jahr erinnert, als die Essenerinnen sogar 100 Minuten lang ein 0:0 hielten und erst in der Verlängerung dann doch noch geschlagen wurden. Die SG Essen Schönebeck ist also ein unangenehmer Gegner für den 1. FFC Frankfurt, obwohl die Mannschaft als Tabellensiebter sicher nicht zu den ganz großen gehört. Die Essener Taktik ist relativ einfach: mit fast allen Spielerinnen in der eigenen Hälfte stehen, dabei auf seltene eigene Konter lauern und ansonsten rennen, was das Zeug hält.

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Leider lag Schiedsrichterin Christiane Schönfeld nicht immer richtig mit ihren Entscheidungen, verpfiff einige Vorteile und übersah im Gegenzug so manches Foul, hier ein Trikotzupfen von Kathrin van Kampen an Sandra Smisek an der Strafraumgrenze.

Bild: Nora Kruse

Doch ganz so einfach war es für Essen nicht, den Achtungserfolg einzufahren, als den man am Ende das knappe Ergebnis werten kann. Die Frankfurterinnen erspielten sich von Anfang an eine Fülle von Chancen, trafen aber meist das Tor nicht oder scheiterten an Keeperin Löhr. Dritte Spielminute Louise Hansen über das Tor, wenig später schöner Lupfer von Prinz über Löhr, die den Ball gerade noch zur Ecke lenken kann. Diese Ecke brachte Prinz hoch in den Strafraum, Löhr ließ den Ball fallen, doch Kerstin Garefrekes traf den Ball nicht richtig und schoss aus ca. vier Metern neben das Tor. Zehnte Minute, Flankenlauf von Prinz rechts, schöne Flanke, Sandra Smisek mit dem Kopf über das Tor.

Birgit Prinz

Hier hat Birgit Prinz Essens Torfrau Steffi Löhr schon ausgespielt, doch Stephanie Schubert, die später auch einmal mit dem Kopf den Ball aus dem leeren Tor schlagen konnte, kann noch klären

Bild: Volker Lieberum

In der 12. Minute dann die erste Chance für Essen, Mirja Kothe schön freigespielt von Melanie Hofmann geht alleine auf Frankfurts Keeperin Marleen Wissink zu, doch ihr Schuss ist viel zu schwach, um Wissink Probleme zu bereiten. 16. Minute Garefrekes gerade noch abgeblockt, 18. Minute schöner Fernschuss der mit einer Bandage um den Oberschenkel spielenden Renate Lingor knapp über das Tor. 20. Minute Schuss von Pia Wunderlich knapp vorbei.Sehr schöne Kombination in der 29. Minute: Garefrekes auf Smisek, diese mit dem Kopf zu Lingor, die nimmt volley aus der Luft an, doch auch dieser Schuss geht knapp vorbei.

So ging es fast im Minutentakt weiter, am dramatischsten wohl in der 40. Minute, als Löhr aus dem Kasten gekommen schon an der Strafraumgrenze ausgespielt war, der Ball nach innen zu Lingor kam, doch deren Schuss wurde von Stephanie Schubert noch auf der Torlinie sauber herausgeköpft. So ging es dann torlos in die Halbzeitpause. Eine Führung für den FFC wäre angesichts der Überlegenheit und der vielen


Sandra Smisek

Typische Szene: Hier wird Sandra Smisek gerade noch von der Essener Nummer 16, Kathrin van Kampen, abgeblockt. Im Hintergrund macht Jennifer Balkenhol den Raum eng

Bild: Volker Lieberum

Chancen sicherlich verdient gewesen, doch dazu muss man den Ball halt auch wirklich hinter die Linie bringen.

In der zweiten Halbzeit ging es dann weiter wie gehabt. 46. Minute, Prinz spielt Löhr aus, doch der Winkel wird zu spitz, vorbei. Langsam ging das Spiel an die Nerven der Frankfurter Fans. Löhr hielt, was auf ihren Kasten kam, viele Schüsse gingen weiter neben das Tor. Dann mußten auch noch Sandra Smisek gegen Sandra Albertz und Steffi Jones gegen Nia Künzer angeschlagen ausgewechselt werden, und die Zeit lief den Frankfurterinnen immer mehr davon.

Sabrina Duhme

Kerstin Garefrekes (links), hier im Zweikampf mit Sabrina Duhme, kam nur selten zu gefährlichen Flankenläufen wie hier

Bild: Nora Kruse

Etwa ab der 70. Minute blies Frankfurt dann zur Schlussoffensive. Der Druck auf das Essener Tor wurde noch größer, die Chancen immer knapper. Schöne Flanke von Albertz von links, Flugkopfball Garefrekes in der Mitte, doch Löhr hält. Sololauf Garefrekes, Pia Wunderlich frei angespielt, doch wieder mal über das Tor. Bei den Frankfurterinnen war immer ein Haken zu viel im Spiel, oder die Essenerinnen bekamen immer noch ein Bein dazwischen. In der 80. Minute mußte Wissink dann sogar auf der anderen Seite wieder gegen Kothe halten, diese Szene hätte das Spiel komplett auf den Kopf stellen können.

So ging es, bis in der 83. Minute Prinz die Faxen endgültig dicke hatte und ihr eingangs beschriebenes Tor erzielte. Ein typisches Prinz-Tor, wie es im Frauenfußball nur ganz wenige zu schießen in der Lage sind. Birgit Prinz krönte mit diesem Tor ihre insgesamt sehr gute Leistung an diesem Tag. Von Essen kam nun keine Gegenwehr mehr, Frankfurt kam zu weiteren Chancen, die aber wie vorher vergeben wurden. Aber man wird von diesen Essener Spielerinnen in Zukunft noch einiges hören. Melanie Hofmann gefiel im Mittelfeld durch hohen Einsatz und gute Pässe in die Spitzen, rechts ackerte die ehemalige Frankfurterin Stefanie Weichelt unermüdlich und stets gefährlich, ganz vorne sorgte Mirja Kothe für Gefahr, hinten stand vor allem die Innenverteidigung mit Carina Chojnacki und Stephanie Schubert fest in der Brandung.

Steffi Löhr

Steffi Löhr im Essener Tor ließ zwar mal einen Ball fallen, war aber insgesamt ein sicherer Rückhalt ihrer Mannschaft

Bild: Volker Lieberum

Auf Frankfurter Seite war heute Birgit Prinz sicherlich die stärkste Spielerin, auch Louise Hansen und Steffi Jones ragten heraus. Renate Lingor hatte ebenfalls gute Szenen, vor allem bei Standards machte sich aber ihre Verletzungspause noch bemerkbar, da fehlte oft die Genauigkeit.


Sandra Albertz

Sandra Albertz, nach langer Verletzungspause im ersten Heimspiel im Stadion am Brentanobad

Bild: Nora Kruse

Stimmen zum Spiel:

Essens Trainer Ralf Agolli lobte sein Team, das hoch erhobenen Hauptes den Platz habe verlassen können. Die Mannschaft habe gut gestanden, mit höchstem Einsatz gekämpft. Man sehe, was Deutschland an Birgit Prinz hat. Nachdem die beiden Spiele gegen Frankfurt nun doch verloren wurden, hofft Agolli, einen der beiden anderen "Großen" - Potsdam oder Duisburg - ärgern zu können um damit nach dem wohl sicheren Klassenerhalt ein weiteres vorher ausgegebenes Saisonziel zu erreichen.

Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks zeigte sich ebenfalls zufrieden mit seiner Mannschaft. Man habe hart gekämpft und viele Chancen herausgespielt, aber es gäbe immer einmal Phasen, wo es dann nicht so klappen würde. Die Mannschaft hätte sich aber aufgerappelt und den nötigen Druck gemacht, der dann schließlich doch noch zum Torerfolg führte.

Birgit Prinz

Birgit Prinz nimmt Maß zum Tor des Tages. Sabrina Duhme im Hintergrund kann nicht mehr eingreifen

Bild: Volker Lieberum

1. FFC Frankfurt:

Wissink - Tina Wunderlich, Jones (59. Künzer), Kliehm, Affeld, Hansen, Lingor, Garefrekes, Pia Wunderlich, Prinz, Smisek (58. Albertz)

SG Essen-Schönebeck:

Löhr - Chojnacki, Schubert, Duhme, van Kampen, Gäggeler (84. Winter), Balkenhol (65. Hartmann), Hoffmann, Deilmann (59. Hellmann), Weichelt, Kothe Tore:
1:0 Prinz 83.

Gelbe Karte: Carina Chojnacki (72.)

Schiedsrichterin: Christiane Schönfeld, Schleiz-Gräfenwarth
Assistentinnen: Nadine Scheller, Adrienne Roos

Zuschauer: 820


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