1. Bundesliga 11. Spieltag

Top-Teams rutschen zum Unentschieden

1. FFC Frankfurt : FCR Duisburg 2:2 (0:1)

Von Nora Kruse

11.12.2005

Die Bundesliga ist eine Zweiklassengesellschaft, in der in dieser Saison der 1. FFC Frankfurt wieder ganz alleine den Ton angibt - soweit die Beurteilung vieler zu dieser Saison. Es wurde also höchste Zeit, dass ein Gegner ans Brentanobad kam, der sich ebenfalls noch realistische Chancen auf die deutsche Meisterschaft machen kann, um so dem FFC Frankfurt zu zeigen, wo der bis dato ungeschlagene deutsche Meister wirklich steht – gegen die Topteams wurde nämlich noch nicht gespielt.

Annemieke Griffioen war mit Frankfurts Marleen Wissink die zweite Spielerin der niederländischen Nationalelf auf dem Platz.

Foto: Tom Schlimme

Das Spiel auf dem gefrorenen Frankfurter Boden begann flott, Duisburgs „Teenie-Truppe“ zeigte, dass die Zielsetzung nicht nur in dem Gewinn eines einzigen Punktes lag. Die Gegensätze der beiden Mannschaften waren schon nach wenigen Minuten sichtbar: Während die Duisburgerinnen, bei denen das Durchschnittsalter der Startelf bei etwa 25 Jahren lag, spritzig und stürmisch wirkte, machte der FFC Frankfurt mit seiner im Schnitt 29 Jahre alten Mannschaft einen ruhigeren und abgeklärteren Eindruck.
Vorteile ergaben sich in der Anfangsphase dabei für keinen. Das Spiel war durch Fehlpässe, Abspiel- und Annahmefehler so wie Ausrutscher auf dem gefroren Grund geprägt.

Das Topspiel des Tages ließ sich auch Bundestrainerin Silvia Neid nicht entgehen und war nach Abpfiff gefragte Gesprächspartnerin.

Foto: Tom Schlimme

Dem FFC gelang der erste Besuch im gegnerischen Strafraum erst in der 17. Minute, in der ein Freistoß von Renate Lingor Steffi Jones erreichte, der der Ball jedoch versprang. Danach kam vom deutschen Meister nicht mehr viel. Doch auch die Duisburgerinnen taten sich schwer, bis zum Strafraum zu gelangen, meist war vorher Endstation. Das lag weniger an der Frankfurter Abwehr, die sicherlich schon einmal bessere Tage gesehen hatte, als an eigenen Fehlern im Spielaufbau und Passspiel.

Erst Mitte der ersten Halbzeit drehte sich das Spiel zugunsten des derzeitigen Tabellenführers aus Duisburg. In der 20. Minute ließ Simone Laudehr Kathrin Kliehm auf der linken Seite stehen, schoss frei vor Wissink jedoch am Kasten vorbei. Eine nahezu identische Szene in der 40. Minute – hier landete der Ball jedoch in den Armen der Holländerin.


Sandra Smisek (l.) sorgte mit ihrem Anschlusstreffer für Aufbruchstimmung im Frankfurter Team. Rechts: Petra Hauser.

Foto: Peter Henkel

Nur eine Minute später musste Wissink erneut das 0:0 verteidigen, als Abwehrspielerin Tina Wunderlich ausrutschte und sich so die Gelegenheit für Inka Grings ergab. Hier konnte sie die Duisburgerinnen noch nicht in Führung bringen, in der 43. Minute ließ sie schließlich den zahlreich mitgereisten Duisburger Anhang jubeln: Renate Lingor vergaß vor lauter nörgeln über Schiedsrichterin Miriam Dräger das Weiterspielen, die Frankfurter Abwehr wurde überrumpelt, rutschte aus und Grings ließ Wissink keine Chance.
Es hieß 0:1 und die Frankfurterinnen konnten sich über diesen Pausenstand nicht beschweren. Sie ließen die Duisburgerinnen das Spiel machen und kamen lediglich in der 28. Minute zu einer ernsten Chance: Birgit Prinz hatte einmal zu viel Raum, sah Sturmpartnerin Sandra Smisek, welche die Gegnerinnen schön umspielte und zu Pia Wunderlich auf zentraler Position passte. Die Spielführerin konnte den Ball dann jedoch lediglich in den Armen von Silke Rottenberg unterbringen.

Die zweite Hälfte begann zunächst im Sinne der Duisburgerinnen – schon in der 50. Minute konnten sie ihre Führung ausbauen. Erneut war es Grings, die frei vorm Frankfurter Kasten Wissink keine Chance ließ.
Anstatt jedoch von dieser Führung zu profitieren, ließen sie nur drei Minuten später den Anschlusstreffer zu. Ein genialer Pass in den Raum von Lingor, die sonst an diesem Tag eher blass wirkte, erreichte Smisek, die auf 1:2 verkürzte.

Dieser Treffer schien für Franfurt die Initialzündung gewesen zu sein, der deutsche Meister nahm das Zepter in die Hand. Mit gewohnter Routine wurde auf dem Rasen agiert, die Frankfurterinnen wurden aggressiver und nahmen die Zweikämpfe an. Duisburg wurde sichtbar unsicherer, machte mehr Fehler und ließ von der zunächst gezeigten Spielfreude nicht mehr viel aufblitzen. Frankfurts verändertes Auftreten nahm Duisburg auch die Souveränität, was sich in der Vergabe der Gelben Karten zeigte: alle Kartons wurden von Miriam Dräger ab der 66. Minute gezeigt und gipfelten in der völlig zurecht gegebenen Gelb/Roten Karte für ein taktisches Foul von Annike Krahn kurz vor Schluss.

Der Ausgleich für Frankfurt ließ dann auch nicht mehr lange auf sich warten, in der 70. Minute schoss Kerstin Garefrekes völlig verdient zum 2:2 ein.
Doch auch diese Aufbruchstimmung Frankfurts nahm ein Ende – der Bruch kam mit dem Doppelwechsel in der 74. Minute: Saskia Bartusiak, die auf der linken Seite viel gewirbelt hatte, und Tina Wunderlich verließen das Feld, für sie kamen Nia Künzer und Meike Weber.


Den Verlust der gezeigten Routine konnten die Duisburgerinnen jedoch nicht nutzen. Sie brauchten für die Klärung ihrer Torchancen erst gar nicht die Frankfurter Abwehr; mit Fehlpässen, Torschüssen ins Himmelreich und Fehlern im Spielaufbau vergaben sie ihre wenigen Möglichkeiten der zweiten Hälfte ganz alleine.

Fatmire Bajramaj machte insbesondere in der ersten Halbzeit die rechte Außenbahn unsicher.

Foto: Peter Henkel

Am Ende gab es die Punkteteilung – ein Ergebnis, mit dem beide Trainer gut leben konnten, da sie jeweils eine schlechte Halbzeit zu verbuchen hatten. Dietmar Herhaus lobte das „hervorragende Spiel“ in der ersten Halbzeit, sah nach dem Anschlusstreffer jedoch einen „völligen Blackout“ seiner Mannschaft, die keine Ordnung mehr herstellen konnte. Gastgeber Hans-Jürgen Tritschoks war mit dem Engagement des FFC in der zweiten Halbzeit zufrieden, der durch ihren dann wiedererlangten routinierten Fußball zu einem verdienten Ausgleich gekommen sei.

Aufstellungen:

Frankfurt
Wissink, P. Wunderlich, T. Wunderlich (74. Künzer), Prinz, Lingor, Kliehm, Affeld (46. Günther), Garefrekes, Jones, Bartusiak (74. Weber)

Duisburg
Rottenberg, van Bonn, Krahn, Wilder, Hauser, Grings, Hanebeck, Laudehr (59. Oster), Flacke (76. Hauer), Griffioen, Bajramaj

Tore:
0:1 Grings (43.)
0:2 Grings (51.)
1:2 Smisek (53.)
2:2 Garefrekes (70.)

Schiedsrichterin: Miriam Dräger (Mainz)

Gelbe Karte: Günther - Grings, Hauer

Gelb/Rote Karte: Krahn

Zuschauer: 1.204

Zur Fansoccer-Startseite