Text von Tom Schlimme 7.5.2006
"Ich habe sie nicht ins kalte Wasser geworfen, das war gleich ein Gletschersee", kommentierte Brauweilers Trainer Willi Küpper die Einwechselung der 17-jährigen Ersatz-Ersatztorhüterin Anna Randerath. Doch Randerath machte ihre Sache gut und hatte großen Anteil daran, dass sich der FFC Brauweiler Pulheim beim haushohen Favoriten 1. FFC Frankfurt achtbar aus der Affäre ziehen konnte.
Brauweilers etatmäßige Torhüterin Britta Trescher hatte mit Kreislaufproblemen zu kämpfen und mußte in der 27. Minute ausgewechselt werden, weil sie kaum noch etwas sehen konnte. Ersatztorhütern Barbara Legrand ist verletzt und war gar nicht erst mitgefahren. So kam dann unverhofft die große Stunde der Jugendtorhüterin, deren Spielberechtigung für die erste Liga erst seit wenigen Tagen vorliegt. Nachdem Trescher drei Tore in vier Minuten zugelassen hatte, erwarteten sicher viele im Publikum eine Fortsetzung des "Tages der offenen Tür", doch Randerath hielt, was zu halten war, und brachte insbesondere Frankfurts Stürmerin Sandra Albertz einige Male mit guten Paraden fast zur Verzweiflung.
 Brauweilers Jungtorhüterin Anna Randerath nach dem Spiel
Bild: Tom Schlimme
Beide Mannschaften waren erheblich ersatzgeschwächt in die Partie gegangen, Frankfurt spielte ohne die verletzten Birgit Prinz, Steffi Jones, die schon länger verletzte Sarah Günther und ohne Louise Hansen, die für Dänemark um die WM-Qualifikation gegen Polen spielte. Brauweiler mußte wie schon in den letzten Monaten auf den kompletten Sturm verzichten, Küpper stellte mit Nationalverteidigerin Sonja Fuss und Louisa Bisby zwei Defensivkräfte in die Spitze. So wurde es dann auch kein hochklassiges Spiel, aber da Brauweiler sich nicht versteckte, sondern innerhalb der begrenzten Möglichkeiten einiges für die Offensive tat, wurde bei angenehmen Sommerwetter gut anzuschauender Fußball geboten.
 Nationalverteidigerin Sonja Fuss (vorne) muss in Brauweiler die Lücke im Sturm stopfen und macht das recht gut. Im Hintergrund Meike Weber
Bild: Nora Kruse
Britta Trescher konnte bereits in den ersten Minuten ihre Klasse beweisen, als sie zweimal gut gegen Sandra Smisek parierte. Fuss kam auf der Gegenseite gegen Frankfurts Abwehrspielerin Jasmin Jannermann - auch gerade erst 18 geworden - zum Schuss, der jedoch zur Ecke abgefälscht wurde. Dann kam jedoch die 19. Minute und brachte einen Freistoß für Frankfurt aus ausichtsreicher Position. Eine Sache wie gemacht für Renate Lingor, die sich die Chance tatsächlich nicht nehmen ließ und den Ball unhaltbar über die Mauer ins linke untere Eck zirkelte.
Von diesem Moment an war schon von der Tribüne aus zu erkennen, dass Trescher angeschlagen wirkte. Ausgerechnet jetzt wurde Brauweilers Keeperin aber auch noch von ihren Abwehrspielerinnen im Stich gelassen. Nur eine Minute nach dem Führungstor konnte sich Lingor links im Strafraum durchsetzen und in die Mitte zur völlig freien Kerstin Garefrekes passen, die aus kurzer Entfernung keine Mühe hatte zu verwandeln. Nur zwei Minuten später, Trescher war gerade vom Betreuer etwas abgelenkt, war es dann Garefrekes, die mit dem Ball am Fuß auf Trescher zukam. Diese hätte vielleicht früher heraus kommen müssen, so war sie völlig chancenlos und Garefrekes konnte den Ball der frei mitgelaufenen Judith Affeld zuspielen. Wie beim vorherigen Tor stellte sich hier die Frage, wo die Brauweiler Abwehrspielerinnen denn geblieben waren, bei ihren Gegenspielerinnen waren sie jedenfalls nicht.
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Gehalten! Kaum zu glauben, aber den kriegt sie noch, der Ball kam von links auf die Tormitte. Mit dieser und einigen anderen guten Paraden verhinderte Brauweilers 17-jährige Nachwuchstorhüterin Anna Randerath ein Debakel ihres Teams beim 1. FFC Frankfurt
Bild: Nora Kruse
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Dann kam also die Einwechselung von Anna Randerath, und diese konnte gleich zweimal kurz hintereinander erst einen Schuss von Garefrekes genau auf ihren Körper und dann einen besser gezielten Schuss von Lingor entschärfen. Aber auch Brauweiler kam vor dem Halbzeitpfiff noch zu einer Chance durch Susanne Kasperczyk, in deren Schuss sich Tina Wunderlich gerade noch werfen konnte. Kasperczyk war von Fuss, die drei Gegenspielerinnen auf sich zog, wunderbar freigespielt worden. Eine Kopie dieser Situation gab es nur wenig später, diesmal konnte Frankfurts Torhüterin Ursula Holl den Schuss von Kasperczyk unschädlich machen.




 Das Führungstor aus den Blickwinkeln unserer Fotografen: Britta Trescher dirigiert die Mauer, Renate Lingor hebt den Ball über die Mauer, im linken Eck schlägt er schließlich ein
Bilder: 1 und 2 Tom Schlimme, 3 Peter Henkel, 4 und 5 Volker Lieberum
Während Brauweiler in der ersten Halbzeit noch hin und wieder vor das Frankfurter Tor gekommen war, wurde die Partie in der zweiten Hälfte dann einseitiger. Gleich nach Wiederbeginn retteten Leah Sims und Randerath gemeinsam in höchster Not vor der einschussbereiten Albertz, die wenig später ein Zuspiel von Lingor mit dem Kopf gut drücken konnte, doch auch diesen Ball meisterte Randerath im Nachfassen. In der 54. Minute allerdings mußte dann auch Randerath das erste Mal hinter sich greifen, als die starke Garefrekes rechts durchgelaufen war und zur freien Sandra Smisek in die Mitte zurückspielen konnte.
 Die eingewechselte Patrizia Barucha (rechts beim Kopfball gegen Leah Sims) brachte frischen Wind in den Frankfurter Sturm, versiebte aber auch zwei gute Chancen
Bild: Volker Lieberum
Drei Minuten später aber konnte Randerath im Herauslaufen schon wieder famos gegen Albertz klären, und dann war es Brauweilers Abwehrspielerin Oana Niculescu, die mit dem Kopf noch vor Albertz
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am Ball war. Diese dürfte mit ihren 1,61 Metern selten so viele Kopfballchancen gehabt haben wie in diesem Spiel und kam dann auch trotz aller Gegenwehr doch noch zu ihrem Kopfballtor: Affeld hatte sich links durchgespielt, wurde dann abgedrängt, der Ball kam zu Lingor, die hob ihn präzise über Keeperin Randerath zu Albertz, die nun mit dem Kopf freie Bahn hatte.
Nach dem Wiederanstoß zeigte die Frankfurter Abwehr jedoch vergessen geglaubte Schwächen, so dass im direkten Zug vom Anstoßpunkt Fuss frei zum Schuss kam, jedoch über den Kasten schoss. Nur wenig später war es dann Kasperczyk, die sich links durchsetzen konnte, in der Mitte war Bisby sträflich frei, und es stand nur noch 5:1 für Frankfurt. Dabei blieb es dann, denn Randerath konnte durch Paraden gegen Schüsse von Meike Weber, die eingewechselte Patrizia Barucha und Lingor das Ergebnis festhalten.
 Louisa Bisby (mit der 22 im weißen Trikot) erzielte den Ehrentreffer für den FFC Brauweiler Pulheim. Frankfurts Keeperin Ursula Holl war völlig machtlos, zu spät kommen v.l. Nia Künzer, Jasmin Jannermann, Tina Wunderlich und Kerstin Garefrekes
Bild: Peter Henkel
 Brauweilers Torschützin Louisa Bisby
Bild: Nora Kruse
1. FFC Frankfurt:
Holl - Jannermann, Künzer (73. Bartusiak), T. Wunderlich, Kliehm, Affeld, Weber, Lingor, Garefrekes (74. Barucha), Albertz, Smisek
FFC Brauweiler Pulheim
Trescher (27. Randerath) - Renner (63. Balzer), Niculescu, Gorges, Sims, Ziegler, Kasperczyk, Lenz, Seuren (63. Fehrenbach), Fuss, Bisby
Tore:
1:0 Lingor 19.
2:0 Garefrekes 22.
3:0 Affeld 23.
4:0 Smisek 54.
5:0 Albertz 66.
5:1 Bisby 70.
Gelbe Karte: Ziegler
Schiedsrichterin: Elke Günthner, Bamberg
Zuschauer: 870
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