Bilder von Volker Lieberum Text von Tom Schlimme 1.5.2006
Nur zwei Tage nach der hart umkämpften Pokalfinalniederlage in Berlin präsentierte sich der 1. FFC Frankfurt im heimischen Stadion gegen Bayern München wiederum kampfstark, taktisch clever und diesmal auch mit dem nötigen Glück im Abschluss. Das Team aus München war dabei der erwartet unangenehme Gegner, setzte den Frankfurterinnen vor allem in der ersten Hälfte durch hohe Laufbereitschaft und Zweikampfhärte zu, konnte aber letztlich gegen die technisch überlegenen FFC- Spielerinnen nicht mithalten.
Der Frankfurter Sieg wurde allerdings durch zwei Tore zum denkbar günstigsten Zeitpunkt erleichtert. Erst war es nach nur 75 Sekunden Spielzeit Nia Künzer, die einen von Renate Lingor flach hereingegebenen Eckball unhaltbar links unten im Tor des FC Bayern versenkte, dann war es Kerstin Garefrekes, die in der zweiten Halbzeit 86 Sekunden nach Wiederanpfiff eine schöne Vorarbeit von Sandra Smisek zum 2:0 nutzen konnte.
 Vor allem in der Mitte der ersten Halbzeit erspielten sich die Münchnerinnen, hier die agile Pavlina Scasna am Ball gegen Tina Wunderlich, einige Chancen, die aber nicht genutzt werden konnten.
Wer erwartet hatte, dass die Frankfurterinnen vom Pokalfinale und dem ausgiebigen Feiern danach - auch Niederlagen sind in Berlin Grund für eine Feier - müde ins Spiel gehen würden, sah sich getäuscht. Im Gegenteil, die Frankfurterinnen legten los wie die Feuerwehr, dem frühen Tor ging sogar schon eine Chance durch Louise Hansen voraus, deren Schussversuch nach Vorlage von Judith Affeld zur Ecke gelenkt wurde. Jene Ecke, aus der dann der Führungstreffer resultierte. In der fünften Spielminute umspielte Sandra Albertz nach Vorarbeit von Birgit Prinz Bayerns Keeperin Ulrike Schmetz, schoss dann aber bedrängt von Abwehrspielerinnen knapp vorbei.
 Sandra Albertz springt fair über Bayerns Torfrau Ulrike Schmetz, die den Ball sicher hat. Links Bianca Rech, die in Frankfurt einige Zeit gespielt hat und mit viel Beifall empfangen wurde
So ging es etwa 10 Minuten mit schönem Frankfurter Kombi- nationsfußball weiter, die Spielerinnen wirkten hochkon- zentriert, die Laufbereitschaft beim Spiel ohne Ball, alles stimmte. Nach ca. einer Viertelstunde jedoch kamen die Bayern zusehends besser ins Spiel. Mit aggressivem Pressing und schnellem Verschieben schienen sie immer ein oder zwei Spielerinnen mehr in Ballnähe zu haben und erspielten sich nun selber eine Reihe von Torchancen.
So verpasste Bianca Rech nur knapp eine Flanke des Geburtstagskindes Annika Fröhlich (herzlichen Glückwunsch zum 20.!), dann kam Nina Aigner bei einem hart und flach geschlagenen Pass kurz vor dem Frankfurter Tor nicht an den Ball. In der 18. Spielminute schoss Aigner den Ball
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Mit diesem Tor zum 3:0 entschied Kerstin Garefrekes das Spiel. Corinna Paukner kann den Torschuss nicht mehr verhindern.
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aus aussichtsreicher Position in die Wolken, dann ging ein Kopfball von Corinna Paukner aus guter Position am Frankfurter Tor vorbei, und ein Fernschuss von Sonja Spieler fand ebenfalls nicht den Weg in den Kasten. Die dickste Chance in dieser Phase hatte allerdings Frankfurt durch einen Freistoß, den Lingor genau auf den Kopf von
Albertz setzte, deren Kopfball Torfrau Schmetz mit einer Hand noch erwischte, jedoch beinahe ins eigene Tor zu befördern schien. Der Ball prallte jedoch von der Latte ins Spielfeld zurück. Schmetz blieb fehlerlos und brachte eine Glanzleistung an diesem Tag, das darf schon vorweggenommen werden.
Leider mußte Frankfurts Abwehrstabilisator Steffi Jones aufgrund der Auswirkungen der im Pokalfinale in einem Zweikampf eingesteckten Verletzung bereits nach 34 Minuten ausgewechselt werden. Auch Nia Künzer mußte zur Halbzeit in der Kabine bleiben (nicht das Knie, "nur" der Fuß!), Birgit Prinz die viel gefoult wurde, zog sich eine Blessur am Knie zu, konnte aber mit zusammen gebissenen Zähnen durchsspielen. Die Zahl der völlig gesunden Spielerinnen bei Frankfurt ist nach wie vor bedenklich niedrig.
 Birgit Prinz mußte wieder einmal viele Fouls hinnehmen und trug eine Verletzung am Knie davon, die in diesem Bild schon bandagiert ist. Im Bild auch sonst oft in diesem Spiel war ihre Gegenspielerin Corinna Paukner (rechts)
Frankfurt hätte große Probleme bekommen können, wenn z.B. Nina Aigner eine ihrer Chancen aus der ersten Halbzeit genutzt hätte, aber noch zwei Kopfbälle von ihr gingen über das Tor. Nach der Pause und dem oben geschilderten schnellen zweiten Frankfurter Tor wurde das Spiel dann aber recht einseitig. Frankfurt drückte und Bayern kam kaum noch zu Chancen. Eine davon hatte Pavlina Scasna, die Tina Wunderlich aussteigen ließ, dann aber nur noch zu einem schwachen Schuss kam. Besser machte es Kerstin Garefrekes, die nach einem steilen Traumpass der für Künzer eingewechselten Jasmin Jannermann alleine auf Schmetz zustürmte und der Keeperin keine Chance ließ.
 Ulrike Schmetz, hier unterstützt von Geburtstagskind Annika Fröhlich, war der große Rückhalt der Münchnerinnen
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Da waren erst 54 Minuten gespielt, doch Schmetz war es dann zu verdanken, dass dieses 3:0 dann auch das Endergebnis darstellte. Ob sie Schüsse von Albertz und Smisek hielt, bei hohen Flanken in den Strafraum den Ball vom Kopf
der FFC-Stürmerinnen pflückte oder einfach klasse herauslaufend den Ball an der Strafraumgrenze noch Albertz vom Fuß holte, die Torfrau des FC Bayern vereitelte jede weitere Chance des FFC Frankfurt. Bei der letzten Chance des Spiels wäre aber auch Schmetz machtlos gewesen, doch Garefrekes donnerte ein Zuspiel von Hansen aus kurzer Entfernung in der 89. Minute über die Latte. Insgesamt geht die Chancen- auswertung der Frankfurterinnen am heutigen Tage aber in Ordnung, so könnte man auch gegen Potsdam bestehen.
Münchens Trainerin Sissy Raith war mit der Leistung ihrer Mannschaft in der ersten Halbzeit zufrieden, bedauerte nur, dass dabei kein Tor heraus gekommen war. In der zweiten Halbzeit habe dann die Kraft gefehlt, um gegen die durch das zweite Tor beflügelten Frankfurterinnen noch gegenhalten zu können. Torfau Schmetz bekam ein Sonderlob von der Trainerin, insgesamt sei der Sieg auch in der Höhe verdient. Frankfurts Trainer Dr. Hans-Jürgen Tritschoks bestätigte Raiths Eindruck, dass die beiden Halbzeiten sehr unterschiedlich verlaufen waren, und lobte den hohen Einsatz seines Teams so kurz nach dem harten Pokalfinale. In der zweiten Halbzeit habe man den Ball so schnell und geschickt laufen lassen, dass den Bayern ihr aggressives Pressing auch nichts mehr genützt hätte.
Die Trainer bei der Pressekonferenz: Links Münchens Sissy Raith, rechts Frankfurts Dr. Hans-Jürgen Tritschoks
1. FFC Frankfurt:
Wissink - T. Wunderlich, Jones (34. Smisek), Künzer (46. Jannermann), Kliehm, Affeld, Hansen, Garefrekes, Lingor (70. Weber), Prinz, Albertz
FC Bayern München
Schmetz - Roth, Paukner, Fröhlich, Rech, Eder (64. Hoare), Notbom (64. Kremser), Spieler, Simic, Scasna, Aigner
Tore:
1:0 Künzer 2.
2:0 Garefrekes 47.
3:0 Garefrekes 54.
Gelbe Karten: Garefrekes, Weber / Eder, Spieler, Paukner
Schiedsrichterin: Marina Wozniak (Herne)
Zuschauer: 920
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