Bundesliga 1.Spieltag

Bad Neuenahr bringt FFC Frankfurt in Bedrängnis

1.FFC Frankfurt SC 07 Bad Neuenahr 5:3 (2:0)

Text von Tom Schlimme

14.8.2005.2005    Auf dem Papier hätte das Team aus Bad Neuenahr beim FFC Frankfurt keinen Stich machen dürfen, angesichts der massiven Verstärkungen in Frankfurt und der vielen Nationalspielerinnen im Kader. So waren von den sieben Nationalspielerinnen, die vor dem Spiel für den Gewinn der Europameisterschaft geehrt wurden, sechs aus Frankfurt, allein Sandra Minnert bekam als einzige Spielerin aus Bad Neuenahr ebenfalls einen Blumenstrauß überreicht. Aber wie so oft, kam es anders als erwartet.

Dabei sah es zur Halbzeit wirklich noch so aus, als sei allein die Höhe des Frankfurter Sieges die Frage des Tages. Pia Wunderlich, beste Frankfurterin heute, hob den Ball nach feinem Zuspiel von Steffi Jones aus kurzer Distanz über Torfrau Kerstin Wasems, und es stand 1:0. In der elften Spielminute prallte ein Kopfball von Renate Lingor von der Latte zurück ins Feld, Kerstin Garefrekes stand am nächsten und es hieß 2:0.

Vor dem Spiel wurden die Europameisterinnen Sandra Minnert, Renate Lingor, Birgit Prinz, Kerstin Garefrekes, Sandra Smisek, Sarah Günther und Uschi Holl von DFB Präsident Dr. Theo Zwanziger geehrt.

Bild: Jochen Ditschler

Dabei blieb es auch bis zur Halbzeitpause. Eine hochverdiente Pausenführung für Frankfurt, denn Jones hatte in der 16. Minute noch an den Pfosten geköpft, Garefrekes kurz vor dem Pausenpfiff nach guter Vorarbeit von Birgit Prinz aus bester Position über das Tor geschossen, vorher hatte Sandra Smisek nach einem Eckball ebenfalls aus guter Position das Leder mit dem Kopf über das Tor befördert. Auf der Gegenseite gab es zwei Chancen für Isabell Bachor, aber diese wurde in letzter Sekunde von Jones abgeblockt, bzw. Uschi Holl, für die bei ihrer Nationalelf befindliche holländische Nationaltorhüterin Marleen Wissink zwischen den Pfosten, hielt.

Das Spiel war in der zeiten Halbzeit sehr knapp. Spannende Zweikämpfe, wie hier zwischen Birgit Prinz und Marina Himminghofen, prägten die Partie

Bild: Jochen Ditschler

Schon in der Minute nach Wiederanpfiff gab es den ersten Warnschuss für Frankfurt, als Nadine Hagmann über das Frankfurter Tor schoss, nachdem sich drei aus Bad Neuenahr gut gegen drei aus Frankfurt durchgesetzt hatten. In der 54. Minute war es dann soweit: Bachor, beste Stürmerin von Bad Neuenahr und immer gefährlich - im Gegensatz zu der unauffälligen Lydia Neumann - narrte Katrin Kliehm und konnte den Ball von der Torauslinie zurück in die Mitte geben, wo Celia Okoyino da Mbabi keine Mühe hatte, aus 15m den Anschlusstreffer für Bad Neuenahr zu erzielen.

Nadine Hagmann, vom FSV Frankfurt gekommen, erwies sich als Verstärkung für Bad Neuenahr. Hier in Erwartung eines Meteors, Kerstin Garefrekes im Hintergrund schaut zu.

Bild: Tom Schlimme

Die Freude bei Bad Neuenahr währte jedoch nur kurz, denn nur eine Minute später erzielte Sandra Smisek bereits das 3:1, nachdem Wasems einen harten Schuss von Prinz nur abklatschen konnte. Wenig später mußte Katrin Kliehm, die rechts in der Viererkette eine gute Leistung geboten hatte, angeschlagen ausgewechselt


Heiß umkämpfte Partie: Kopfballduell zwischen Kerstin Garefrekes, FFC Frankfurt (links) und Sandra Minnert vom SC 07 Bad Neuenahr

Bild: Jochen Ditschler

werden, ihr Oberschenkel wurde gleich bandagiert. Für sie kam Saskia Bartusiak, und Garefrekes rückte in die Viererkette, was sie bei der EM ja auch schon für die verletzte Kerstin Stegemann getan hatte. Dies ist jedoch keine Erklärung für die immer schwächer werdende Abwehrleistung der Frankfurterinnen.

Nicht nur Birgit Prinz wurde oft gefoult. Es gab drei gelbe Karten für Spielerinnen aus Bad Neuenahr, die unter dem neuen Trainer Didi Schacht offenbar eine recht harte Gangart gehen

Bild: Tom Schlimme

Es kam zu einer Serie von vier Ecken in Folge für Bad Neuenahr, meist bekam Jones den Kopf noch an den Ball, doch dann erreichte ein halbhoch getretener Eckball von Hagmann die in der Nähe des kurzen Pfostens platzierte Bachor, und es stand nur noch 3:2. Nur zwei Minuten später ließ Bachor Tina Wunderlich austeigen, ging allein aufs Tor, doch Wunderlich konnte ihren Patzer wieder gut machen und den Ball noch wegspitzeln. Frankfurt wirkte jetzt nervös, die Partie stand auf der Kippe.

In der 75.Minute kam dann die umstrittenste Szene des Spiels: Renate Lingor knallte den Ball aus gut 20 Metern an die Unterkante der Latte, er sprang zum Boden, Linienrichterin Riem Hussein sah ihn hinter der Linie und entschied auf Tor. Beim Männerfußball hätte eine solche Entscheidung minutenlange Proteste ausgelöst, es ist den Spielerinnen von Bad Neuenahr hoch anzurechnen, dass sie die Entscheidung achselzuckend akzeptierten, von einem kurzen Disput der Torfrau mit der Linienrichterin mal abgesehen.

Linienrichterin Riem Hussein, die selber für den MTV Wolfenbüttel in der zweiten Liga Nord spielt und letzte Saison mit 18 Treffern vierte in der Torschützenliste wurde, sah den Ball im Tor. Neben ihr Sandra Minnert

Bild: Tom Schlimme

Nur zwei Minuten später prallt ein wieder von Hagmann getretener Eckball unglücklich an Jones ab und Bachor donnert das Leder unhaltbar für Holl in die Maschen. Was wäre gewesen, wenn eben der Treffer nicht gegeben worden wäre, das war jetzt wohl der meistgedachte Gedanke im Stadion...

Bad Neuenahrs Trainer Didi Schacht zeigte sich bei der Pressekonferenz nicht ganz glücklich mit der Schiedsrichterleistung, auch wegen der gelben Karten gegen sein Team. Aber Schiedsrichter seien ja auch nur Menschen...

Bild: Tom Schlimme


Frankfurts Abwehr schwamm, vor allem, wenn Bachor am Ball war, der Riese wankte, fiel dann aber doch nicht. Dass das Ergebnis dann sogar noch ganz annehmbar wurde aus Frankfurter Sicht, war der vom FSV Frankfurt zum FFC heimgekehrten Patrizia Barucha zu verdanken, die für die angeschlagen ausgewechselte Pia Wunderlich eingewechselt worden war. In der 87. Minute lief sie rechtsaußen wunderbar durch, passte zurück in die Mitte, doch Judith Affeld schoss über das Tor. Doch drei Minuten später machte es Bartusiak, ebenfalls vom FSV gekommen, besser: wieder Barucha alleine durch, geht aufs Tor, gibt dann den Ball genau im richtigen Moment in die Mitte, und Batusiak verwandelt ohne Mühe.

Patrizia Barucha auf dem Weg zur Entscheidung

Bild: Jochen Ditschler

Fazit: Der Sieg für Frankfurt geht aufgrund der Spielanteile und der höheren Zahl an Chancen in Ordnung. Die neuen Spielerinnen Sarah Günther, die auf der linken Abwehrseite gut spielte und viel für die Offensive tat, Holl, Bartusiak und Barucha führten sich gut ins Team ein. Doch am Manko vieler Spiele in der letzten Saison, der schlechten Chancenauswertung hat sich nichts geändert, und dass die Abwehr des FFC nicht immer sattelfest ist, hat man erneut gesehen. Bad Neuenahr hat sich mit Hagmann gut verstärkt und könnte eine weitere starke Stürmerin neben Bachor gut gebrauchen, dann wären noch höhere Ziele erreichbar. Mit dem neuen Trainer Didi Schacht ist auf jeden Fall schon frischer Wind und viel Elan in diese Mannschaft gekommen, die in dieser Form noch manchen Großen empfindlich ärgern kann. Allerdings sollte Schacht nicht die manchmal überharte Spielweise der Männer in den Frauenfußball mitnehmen.

1. FFC Frankfurt:
Holl, Jones, Kliehm (58. Bartusiak), T.Wunderlich, Günther, Garefrekes, Hansen (79. Affeld), Lingor, P.Wunderlich (84. Barucha) Smisek, Prinz

SC 07 Bad Neuenahr:
Wasems, Himmighofen, Minnert, Zimmermann, Fols (79. Schmitz), Sabel, Okoyino da Mbabi, Hagmann, Bender, Neumann, Bachor

1:0 P. Wunderlich (3.)
2:0 Garefrekes (11.)
2:1 Okoyino da Mbabi (54.)
3:1 Smisek (55.)
3:2 Bachor (68.)
4:2 Lingor (75.)
4:3 Bachor (77.)
5:3 Bartusiak (80.)

Gelbe Karten: Himmighofen, Sabel, Schmitz

Schiedsrichterin: Bibiana Steinhaus, Hannover
Assistentinnen: Riem Hussein, Corinna Hedt

Zuschauer: 880

Nachtrag: Soeben habe ich den Bericht über das Spiel im Hessischen Rundfunk gesehen. Der Bericht dauerte genau 12 Sekunden, und das "Wembley Tor" wurde gar nicht gezeigt. Ich bin empört, dass über ein solch spannendes und hochklassiges Spiel so dünn berichtet wird. Dabei waren die Kameras ja da! Es sieht leider so als, als würde die öffentlich rechtlichen Fernsehsender den Frauenfußball inzwischen völlig in der Versenkung verschwinden lassen, zumindest was die Bundesliga angeht.


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