Bundesliga, 7. Spieltag

Ein echtes Spitzenspiel

FCR 2001 Duisburg - 1. FFC Turbine Potsdam 0:0

Text von Marko Schiller, Fotos von Jan Kuppert

24.10.2005    So manches Spitzenspiel hält nicht, was es verspricht und wird eher zum verkrampften Kick zweier Mannschaften, die nichts riskieren wollen. In dieser Partie forderte der Vizemeister der letzten Saison den Dritten der vorangegangen Spielzeit und es wurde zum Leckerbissen für jeden Fußballfan.

Um 11:00 Uhr früh fanden sich 1520 Zuschauer im PCC-Stadion ein, darunter auch eine Gruppe von etwa 40-50 Fans der Gäste aus Potsdam, die jeweils ihre Mannschaft siegen sehen wollten. Ein wenig überraschend war die Schiedsrichteransetzung für besagtes Spiel, da man ein erfahrenes und souveränes Gespann erwartet hatte und vom DFB enttäuscht wurde. Dies soll nicht unerwähnt bleiben, da das Gespann erheblichen Einfluss auf den Verlauf der Partie nahm.

Zwei Nationalspielerinnen im Kopfballduell: Conny Pohlers (r.) und Inka Grings

Die Gastgeberinnen aus Duisburg konnten in Bestbesetzung antreten und sich sogar den Luxus leisten, Neu-Nationalspielerin Fatmire Bajramaj auf der Bank zu lassen. Potsdam hingegen musste personell und taktisch umstellen, da Britta Carlson nicht auflaufen konnte. So fand sich Jennifer Zietz auf der linken Verteidigerposition wieder, Anja Mittag rückte ins Mittelfeld zurück und Isabel Kerschowski nahm ihre Stelle im Angriff ein.

Von Beginn an entwickelte sich ein offener Schlagabtausch beider Mannschaften, der sich über 90 Minuten erstrecken sollte. Nicht allzu überraschend, wenn man bedenkt das auf beiden Seiten die Torhüterinnen und Stürmerinnen der Nationalmannschaft aktiv sind. So entwickelte sich auch schnell ein Privatduell zwischen Inka Grings und Nadine Angerer.

Angesprochene Grings kam in der 6. Spielminute zur ersten Großchance für Duisburg. Auf der Gegenseite hatten Ariane Hingst und Conny Pohlers erste Chancen. Die Standfestigkeit bei schmierigem Geläuf war bei einigen Spielerinnen in diesen Situationen, zum Beispiel bei Silke Rottenberg, nicht gegeben. Es entwickelte sich ein munteres Auf und Ab, wobei zunächst von beiden Seiten oft das Mittelfeld überbrückt wurde

Kampf um jeden Ball: Petra Wimbersky (vorne) gegen Petra Hauser. Das Eingreifen von Conny Pohlers (im Hintergrund) wurde wegen gefährlichen Spiels abgepfiffen

und somit Abwehr- und Sturmreihen das Spielgeschehen bestimmten. Während die ehemalige Potsdamerin Madleen Wilder eine Freistoßsituation nicht nutzen konnte, scheiterte


Auf Potsdamer Seite die Spielerin des Spiels - Torfrau Nadine Angerer, hier nach dem gehaltenen Elfmeter. Ariane Hingst jubelt mit und gratuliert

Cristiane auf der Gegenseite. Nadine Angerer musste dann in weiteren Situationen ihre Klasse beweisen und tat dies auch.

Schon in der ersten Halbzeit wirkte die Schiedsrichterin inkonsequent, unsicher und kleinlich. Dazu kamen fragwürdige Abseitsentscheidungen ihrer Assistentinnen auf beiden Seiten. So ging es mit 0:0 in die Kabinen zum Pausentee. Zur zweiten Halbzeit kam dann anfangs angesprochene Bajramaj und die enttäuschende Shelley Thompson blieb in der Kabine. Potsdam wechselte nicht zur Pause.

Und wie die erste Halbzeit geendet hatte, begann die zweite: mit offensivem Fußball von beiden Mannschaften und viel Engagement. Dabei spielten sich Grings und Angerer immer weiter in den Vordergrund und es wurde deutlich, dass dieses Duell spielentscheidend werden würde. Nach zahlreichen Chancen auf beiden Seiten wurde klar, dass wohl nur ein Tor das Spiel entscheiden würde. So fuhr dem Anhang der Potsdamerinnen in der 60. Minute der Schreck in die Glieder, als die Schiedsrichterin nach einem Zweikampf an der Strafraumgrenze erst weiterspielen ließ und dann auf ein Zeichen der Assistentin Miriam Dräger hin pfiff und auf den Elfmeterpunkt zeigte. Unverständnis machte sich breit, da die Assistentin nicht nur schlechter postiert war, sondern auch während des gesamten Spiels mit Fehlentscheidungen glänzte.

Petra Wimbersky (l.) im Zweikampf mit U19-Weltmeisterin Elena Hauer

Das Duell des Spiels erhielt ein weiteres Kapitel: Grings trat an und Angerer hielt. Grenzenloser Jubel auf der Potsdamer Bank, unter den Turbine-Fans und bei Angerer selbst. Angespornt von der Leistung ihrer Keeperin, wollten die restlichen Turbinen jetzt ihrerseits alles für den dreifachen Punktgewinn tun. Schon im Mittelfeld wurde um jeden Ball gekämpft und gegrätscht. So kam Potsdam zu weiteren Chancen durch Conny Pohlers, Petra Wimbersky und Aferdita Podvorica, die für Cristiane eingewechselt wurde. Duisburg schien konditionell nachzulassen und beschränkte sich aufs Kontern, was jederzeit für Gefahr sorgte, aber eben nicht zum Torerfolg führte. Beide


Mannschaften gaben bis zur letzten Minute alles und so hatte auch Grings in der 89. Minute die Chance zum entscheidenden Treffer, scheiterte allerdings erneut an der überragenden Angerer.

So wussten beide Mannschaften nach dem Abpfiff nicht so recht, ob sie sich freuen oder ärgern sollten. Beide hatten eine tolle und hochklassige Partie geboten, was die Zuschauer beider Seiten mit andauerndem Applaus honorierten. Nur eine Randnotiz soll die Verbannung von Bernd Schröder, Trainer der Gäste aus Potsdam, auf die Tribüne sein, da diese nicht nur lächerlich, sondern auch symptomatisch für die Leistung des Schiedsrichtergespanns war.

Kann selber nicht mehr hinsehen - Inka Grings fand gestern in Nadine Angerer (vorne) ihre Meisterin

Hoffentlich wird der DFB zukünftig seiner Verantwortung bewusst und setzt zu solch wichtigen und meisterschaftsentscheidenden Spielen erfahrene und souveräne Gespanne an.

FCR 2001 Duisburg:

Rottenberg, Krahn, Wilder, van Bonn, Hauser, Griffoen (46. Bajramaj), Hanebeck, Oster (71. Kowalik), Laudehr, Grings, Thompson (46. Hauer)

1. FFC Turbine Potsdam:

Angerer - Kuznik, Becher, Zietz - Omilade, Hingst, Wimbersky, Mittag - I. Kerschowski (67. Thomas), Cristiane (56. Podvoric), Pohlers

Tore: -

Schiedsrichterin: Christine Beck (Magstadt)

Gelb: Hanebeck - Wimbersky

Zuschauer: 1520 (Vereinsrekord)


  Spielbericht aus Duisburger Sicht


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