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1. Bundesliga, 22. Spieltag

Inka Grings demontiert lustlosen Uefa-Cup-Gewinner und sichert Duisburg die verdiente Vizemeisterschaft

FCR 2001 Duisburg - 1. FFC Frankfurt 4:0 (2:0)

Von Daniela Schumann und Volker Lieberum, Fotos von Volker Lieberum

06.06.2006   Das Spiel am Pfingstmontag hätte unter Umständen das Spannendste der Saison werden können. Voraussetzung wäre der Gewinn des UEFA-Cups von Turbine Potsdam gewesen. Dieses geschah nicht, der 1. FFC Frankfurt sicherte sich den Pokal und somit die Teilnahme am internationalen Geschäft für die nächste Saison. Somit hieß es heute „nur“ "wer sichert sich die Vizemeisterschaft: Duisburg oder Frankfurt?"

Der Ansturm auf das PCC-Stadion war trotzdem groß, eine so lange Schlange an der Kasse wurde bisher selten gesehen, die Zuschauer standen über dreißig Meter an. Zu Spielbeginn war die Tribüne ausverkauft und 2212 Zuschauer hatten sich bei gutem Wetter eingefunden um zwei spielstarke Mannschaften zu sehen – und um Spielerinnen, die seit Jahren im Verein waren, zu verabschieden.

Den Anfang machte die langjährige Abwehrchefin Petra „Pepe“ Hauser. Mit 35 Jahren beendet sie ihre Karriere, wird aber aller Wahrscheinlichkeit nach dem FCR als Jugendtrainerin zur Verfügung stehen. Ebenfalls aus der Abwehr wurde Madleen „Ernie“ Wilder verabschiedet. Die 26jährige Linksverteidigerin wird in ihre alte

Shelley Thompson

Vor dem Spiel verabschiedet: Shelley Thompson, die zum Hamburger SV wechselt.

Heimat zurückgehen und ab der nächsten Saison TeBe Berlin unterstützen. Nicole Südholt, die lange Zeit als zweite Torhüterin dem Verein zur Verfügung stand, und nach dieser Saison aus gesundheitlichen Gründen ihre Karriere beenden muss, war die dritte Spielerin. Ihr folgte die zweite Torhüterin, die den Verein verlassen wird: Silke Rottenberg. Die Nationaltorhüterin wechselt zum Ligakonkurrenten und heutigen Spielgegner FFC Frankfurt. Ebenfalls zur Konkurrenz geht Shelley Thompson. Die Torjägerin der letzten Saison wird ab dem Sommer für den Hamburger SV auf Torejagd gehen. Direkt in die Nachbarschaft wechseln Stephanie Mpalaskas und Marlen Kowalik, die beide bei der SG Essen–Schönebeck spielen werden.

Silke Rottenberg

Silke Rottenberg hütet ab der neuen Saison das Tor des 1. FFC Frankfurt

Nachdem diese Spielerinnen verabschiedet wurden, konnte das Fußballspiel beginnen. Beim FCR konnten bis auf die Langzeitverletzten Petra Hauser, Iris Flacke, Nicole Südholt und Verena Hagedorn alle Spielerinnen antreten. Der Gast aus Hessen musste auf die Langzeitverletzten Pia Wunderlich und Sarah Günther sowie auf Jasmin Jannermann, Katrin Kliehm und Susanne Hartel verzichten.

Tribüne PCC-Stadion

2.012 Zuschauer kamen zum Saisonabschluss ins PCC-Stadion, um einige ihrer Spielerinnen zu verabschieden und zu sehen, wer den Vizemeistertitel ergattert. Mit einem solch deutlich Ausgang hätten sie vermutlich nicht gerechnet.

Der FCR Duisburg begann schwungvoll und spielte nach vorne auf das Tor, in dem erneut Ursula Holl den Vorzug vor Marleen Wissink erhalten hatte. Auf der rechten Seite machte immer wieder Jennifer Oster Druck nach vorne und brachte die Abwehr des FFC Frankfurt ein um das andere Mal in Verlegenheit. Der FFC war


Tina Wunderlich, Inka Grings

Inka Grings (r.) war die überragende Spielerin auf dem Platz. Tina Wunderlich konnte sie nicht nur in dieser Szene nicht aufhalten.

weit von seiner Form in den UEFA-Cup-Spielen entfernt und zeigt sich kaum torgefährlich.

Uschi Holl

Frankfurts Torfrau Uschi Holl musste zwar - von ihrer Abwehr im Stich gelassen - vier Bälle aus dem Netz holen, war aber dennoch beste Frankfurterin und verhinderte eine höhere Niederlage.

So kam es dann, dass der FCR Duisburg nach einer knappen halben Stunde völlig verdient in Führung ging. Inka Grings wurde von Patricia Hanebeck auf der linken Seite sehr gut bedient, die ging Richtung Tor und überwand Uschi Holl, die zuvor einige Bälle kurz vor der Torlinie gerettet hatte, zum 1:0. Der Jubel im Stadion war groß und der FFC konnte sich über den Rückstand nicht beschweren. Doch anstatt aus der Apathie zu erwachen, ging

Petra Hauser

Petra "Pepe" Hauser beendet ihre Karriere. Dem Verein wird sie wahrscheinlich als Trainerin erhalten bleiben.

das Spiel im gleichen Rhythmus weiter: Duisburg stürmte, Frankfurt verteidigte mehr oder weniger erfolgreich. Die aktivste Spielerin der Hessen, Meike Weber, musste mit einer Oberschenkelzerrung nach 34 Minuten verletzt den Platz verlassen. Für sie kam Christina Zerbe aufs Feld. Kerstin Garefrekes, die bisher zur Bewachung von Shelley Thompson abgestellt war, rückte nach vorne, was ihr sichtlich besser lag, und Chrissi Zerbe nahm Garefrekes' Position ein.

Die Strafe für das schwunglose Spiel des FFC kam kurz vor der Pause. Es war erneut Grings, die den Ball nach einem weiten Abschlag von Silke Rottenberg über die Frankfurter Torhüterin ins Gehäuse der Gäste lupfte und somit die 2:0 Führung zur Pause herstellte. Mit diesem Ergebnis ging es in die Kabine.

Unverändert kamen beide Mannschaften aus der Kabine und unverändert ging das Spiel weiter. Duisburg spielte offensiv nach vorne, Frankfurt zeigte sich kaum torgefährlich. So kam es, dass Silke Rottenberg kaum ernsthaft ins Spielgeschehen eingreifen musste. Es war erneut Grings, die dem Spiel ein Tor bescherte. Nach Vorarbeit von Shelley Thompson machte sie das 3:0 und zeigte erneut, wie schwach die Abwehr des FFC stand. Diese schien, nachdem Steffi Jones zu einer Art Mittelfeldspielerin mutiert war, kaum noch dicht zu halten. Wieso sich die Abwehrchefin so weit nach vorne einschaltete, war rätselhaft. Sicherlich galt es einen Rückstand aufzuholen, aber die Abwehr wurde dadurch noch unsicherer.

Ein weiteres negatives Erlebnis für den FFC war die Verletzung von Sandra Albertz. Die Stürmerin, die in der kommenden Saison für den Ligakonkurrenten SC Bad Neuenahr spielt, musste verletzt vom Platz gebracht werden und konnte ebenfalls aufgrund einer Oberschenkelzerrung nicht mehr spielen. Somit waren alle Feldspielerinnen, die der FFC zur


Auswahl hatte, auf dem Platz, als Nia Künzer für sie kam.

Den Schlusspunkt setzte – wie konnte es anders sein – Inka Grings. Nach einer Flanke von Anne van Bonn überwand sie Holl zum vierten Mal und feierte somit einen gelungenen Nachmittag und ihre Saisontreffer 24 – 27. Es war heute ihr Spiel und ihre ganz persönliche Galavorstellung. Der FFC war zwar nach den UEFA-Cup-Spielen physisch fertig und hatte die Woche über kaum trainiert, doch sollte man den zahlreichen mitgefahrenen Fans nicht so ein lustloses "Geplätscher" servieren. Nach dem Motto: "die Luft ist raus, wir haben ja schon unsere Uefa-Cup-Teilnahme und bekommen die 90 Minuten auch

Madleen Wilder, Annike Krahn, Meike Weber

Annike Krahn (r.) zeigte eine starke Leistung. Hier hängt sie, beobachtet von Madleen Wilder, Meike Weber (Mitte) ab.

irgendwie rum", was die Duisburgerinnen ihrerseits voll ausnutzten. Diese verabschiedeten in der 88. Minute erneut Petra Hauser, die ihre Kapitänsbinde an Annike Krahn weiter gab. In der 90. Minute konnte sich Silke Rottenberg ihren Sonderapplaus abholen und den Weg für Kathrin Längert frei machen.

Simone Laudehr, Silke Rottenberg

Simone Laudehr (vorne) knuddelt noch mal ihre scheidende Teamkollegin Silke Rottenberg.

Beste auf Seiten Duisburgs waren Inka Grings und Annike Krahn, während sich bei den Gästen unter allen "Lustlosen" Torhüterin Uschi Holl abhob, die eine noch größere Katastrophe verhinderte.

FCR 2001 Duisburg

Rottenberg (90. Längert) – Hauser (88. Weber), van Bonn, Wilder, Krahn – Oster (68. Bajramaj), Griffioen, Laudehr, Hanebeck – Grings, Thompson

Madleen Wilder

Madleen Wilder kehrt zurück in die Heimat und spielt künftig für TeBe Berlin.

1. FFC Frankfurt

Holl – Tina Wunderlich, Jones, Affeld – Garefrekes, Hansen, Lingor, Smisek, Weber (34. Zerbe) – Albertz (83. Künzer), Prinz

Tore:
1:0 Grings (28.)
2:0 Grings (41.)
3:0 Grings (77.)
4:0 Grings (88.)

Karten: -

Schiedsrichter: Christine Beck (Magstadt)

Zuschauer: 2.012


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