Text und Bilder von Heinz Günter Sporkel 12.12.2005
Im letzten Spiel vor der Winterpause musste Heike Rheine zur SG Essen-Schönebeck reisen. Im letzten Jahr bezwang die SGS - damals als Außenseiter - Heike Rheine mit 3:1. Im Rückspiel gab es dann für die Truppe von Nicole Werner einen 2:0-Sieg und man sicherte sich damals die Spielklasse mit diesem Ergebnis. Doch die Zeichen der Zeit mahlen manchmal sehr schnell. Bei diesem Spiel nahm Rheine die Außenseiterrolle ein und die SGS war Favorit.
Beide Teams hatten zuletzt für positive Schlagzeilen gesorgt. Rheine hatte sich mit einem souveränen 5:0-Sieg den VFL Sindelfingen vom Hals gehalten. Diese Punkte geben etwas Luft für die Zukunft. Die SG Schönebeck bezwang in den letzten beiden Heimspielen den HSV mit 3:0 und den FSV Frankfurt mit 4:0. Die Mannschaften wollten ihren Trend beibehalten. Mit dieser Zielsetzung pfiff dann Schiedsrichterin Daniela Schneider aus Limbach-Oberfrohna pünktlich das Spiel im Sportpark „Am Hallo“ an.

Theresa Hunecke (l.) kann in dieser Situation von Charline Hartmann nicht gebremst werden. Rechts Nathalie Bock
Bis zur 6.Spielminute entwickelte sich ein ausgeglichenes Kräfteverhältnis. Doch bei einem Einwurf von Mirja Kothe befand sich die Abwehr von Heike Rheine im Tiefschlaf. Der Ball kam zu Charline Hartmann und ein blitzschneller Ball zu der völlig freistehenden Carola Winter. Winter nutzte ihre Chance eiskalt aus und hämmerte den Ball an Frederike Bittner vorbei zur 1:0-Führung für die SGS. Für die junge Stürmerin war dies der erste Saisontreffer.
Zwei Minuten später dann schon die große Möglichkeit zum Ausgleich für Rheine. Jessica Torny legte den Ball auf Dyanne Bito und Tor - aber die Abseitsfahne von Schiedsrichterassistentin Marina Wozniak war oben, der Treffer galt nicht.
Die SGS zeigte sich daraufhin als das klar bessere Team. Ihre Aktionen waren gefährlicher und zielstrebiger Richtung gegnerisches Gehäuse. In der 18. Spielminute fliegt ein herrlicher Kopfball von Sabrina Duhme am Tor vorbei. Das selbe Schicksal dann vier Minuten später nach einer Ecke. Ein herrlicher Duhme-Kopfball, wieder vorbei.
Bei Essen setzte besonders Stefanie Weichelt wieder die Akzente. Melanie Hoffmann saß erstmals wieder nach ihrer OP auf der Bank. Ein Einsatz über neunzig Spielminuten kommt noch zu früh. Jennifer Balkenhol und Nathalie Böhme fehlten noch verletzungsbedingt.
Weiter Fleißkärtchen sammelte Charline Hartmann. Hartmann war von der Rheine-Abwehr kaum einzufangen und spielte eine hervorragende Partie.
Bei Rheine musste man immer wieder auf Nationalspielerin Kerstin Stegemann aufpassen. Sie kurbelte das Spiel an und mit Bito und Torny fanden sich vorne immer wieder zwei hervorragende Stürmerinnen. Stegemann leitete auch in der 28. Spielminute wieder eine gefährliche Tormöglichkeit ein. Ein schneller Ball zu Dyanne Bito, die ließ Daniela Arndt stehen, doch ihre Flanke konnte Carina Chojnacki gerade noch im letzten Moment abfangen.
Nach einer Verletzung musste Jessica Torny dann ausgewechselt werden. Ines Reinicke kam auf das Feld (37.Spielminute). Zuvor kam Maxine Mittendorf für Jolijn Heuvels ins Spiel (29.Spielminute). Kurz vor der Pause hatten beide Teams noch einmal eine Tormöglichkeit. Doch Stefanie Pohl scheiterte an Stefanie Löhr. Mit dem Pausenpfiff umspielte dann Charline Hartmann mit einem tollen Trick Nathalie Bock, doch der Ball flog dann am Tor vorbei.
Zur Pause hieß es dann 1:0 für die SG Schönebeck. Ein verdientes Pausenergebnis. Essen tat mehr für das Spiel und hatte die besseren Möglichkeiten.

Carola Winter erzielte ihr erstes Saisontor
Beide Mannschaften gingen dann unverändert in die zweite Spielhälfte. Die 517 durchgefrorenen Zuschauer
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Theresa Hunecke, Mirja Kothe und Jolijn Heuvels liefern sich einen packenden Zweikampf. Rechts Charline Hartmann
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hofften wieder auf ein offensives Spiel. Schönebeck machte in der 53. Spielminute den Anfang. Ein Chojnacki-Freistoß ging knapp am Tor vorbei. In der 55.Spielminute nutzte Dyanne Bito einen Abwehrpatzer aus, doch der Ball flog über das Netz.
Zwei Minuten später dann die doppelte Sandra Deilmann. Eine schöne Flanke von Hartmann schoss Deilmann Millimeter am Tor vorbei. In der selben Minute landete noch eine Möglichkeit in den Armen von Frederike Bittner. Ein Stegemann-Schuss wurde im letzten Moment noch geblockt, Charline Hartmann scheiterte nach gut einer Stunde Spielzeit wieder an Bittner.
In der 68. Spielminute kam es dann zum Ausgleich. Eine Unkonzentriertheit im Essener Abwehrverhalten brachte dann Joker Ines Reinicke ins Spiel. Ein toller und harter Schuss - keine Möglichkeit für Steffi Löhr und es stand etwas überraschend 1:1. Agolli wechselte nun aus und brachte Julia Bolle für Charline Hartmann ins Spiel. Vorher kam schon Melanie Hoffmann für Sandra Deilmann aufs Feld.

Anouk Dekke (l.) neben Stefanie Schubert
Das Spiel plätscherte etwas dahin. Es sah so aus, als würden beide Mannschaften sich mit dem Unentschieden anfreunden können - bis zur 79. Spielminute. Eine Flanke von Nadia Gäggeler wurde dann von Mirja Kothe unfreiwillig auf Julia Bolle weitergeleitet. Bolle zeigte nun ihr Gesicht - allein vor Bittner knallte sie die Kugel ins Tor. 2:1 für Essen. Für Julia Bolle war es der erste Bundesligatreffer und es werden noch mehrere folgen. Da kann man sicher sein.
Schönebeck setzte danach Konter auf Konter. Julia Bolle und auch Mirja Kothe hatten immer wieder gute und hundertprozentige Tormöglichkeiten. Doch Trainer Agolli und das gesamte Team plus Fans der SGS mussten bis zum Schlusspfiff um die drei Punkte bangen.
Danach allerdings großer Jubel im weiten Rund. Mit einem völlig verdienten Sieg verabschiedet sich das Team aus Schönebeck in die Winterpause. 17 Punkte und Platz sechs in der Hinrundentabelle, wer hätte das noch am Anfang der Saison zu denken gewagt? Die Spielerinnen dürfen nun auch etwas später mit der Vorbereitung für die Rückrunde beginnen.
Das Team aus Rheine ist vier Punkte von einem Abstiegsplatz entfernt. Auch in der nächsten Woche kann man beim Nachholspiel in Potsdam wohl keine Punkte einplanen. Somit wird das Team um Nicole Werner weiterhin auf das untere Tabellenbild schauen müssen. Hier heißt es weiter, im Abstiegskampf gerüstet zu bleiben, um nicht am Ende eine böse Überraschung zu erleben.

Ines Reinicke (l.) und Theresa Hunecke
Pressekonferenz in Essen:
Nicole Werner sorgte mit ihrem Statement auf der PK für Erstaunen bei den Anwesenden. „Hatte die Trainerin ein anderes Spiel gesehen?“, fragten sich danach die Pressevertreter sowie Verantwortlichen der SGS.
Nicole Werner : „Aus meiner Sicht hat das heutige Spiel keinen Sieger verdient gehabt. Ich denke, die erste Halbzeit ging voll und ganz an Essen. In der zweiten Halbzeit haben wir uns gesteigert. Daher,
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glaube ich, wäre das Unentschieden ein gerechtes Ergebnis gewesen. Insgesamt war es eine sehr kampfbetonte Partie, wo es doch auf beiden Seiten aggressiv zur Sache gegangen ist. Wo ich kein Verständnis für habe und wo ich mir keine Freunde machem wenn ich das sage, doch ich muss mir das einfach mal von der Seele reden: Aggressivität ist gut und schön und beim Fußball spielen voll in Ordnung, aber wer mitgehört hat, was von der Essener Seite verbal von den Spielerinnen abging, da muss ich sagen, habe ich kein Verständnis für. So etwas hat auf dem Fußballplatz absolut nichts zu suchen.“
Ralf Agolli: “Was die Spielerinnen auf dem Platz gesagt haben, da kann ich nichts zu sagen. Ich muss die These von Nicole Werner entschieden zurückweisen. Ich denke, dass wir klar die bessere Mannschaft waren. Wir haben beide Halbzeiten die klareren Chancen gehabt. Wir haben mindestens sieben Torchancen gehabt, davon fünf hundertprozentige, Rheine vielleicht zwei oder drei. Der 2:1-Sieg ist für Rheine eher schmeichelhaft. Er hätte auch weitaus höher ausfallen können. Ein Unentschieden wäre unverdient gewesen, deshalb bin ich mit dem Sieg zufrieden. Vielleicht mag es sein, dass einige Spielerinnen verbal über die Stränge geschlagen haben. Ich hab es nicht gehört. In einer Szene hat z.B. Dekke gegen Chojnacki nachgetreten, so was gehört sich auch nicht. Ich will das auch nicht neu ausdiskutieren. Ich bin froh, dass wir ein Superjahr hinter uns haben. Wir haben 17 Punkte. Ich denke, wir werden mit dem Abstieg nichts mehr zu tun haben. Wir können optimistisch in die Zukunft schauen. Ich bin wirklich stolz auf meine Truppe, was sie im Jahr 2005 geleistet hat Ich hoffe, das Jahr 2006 wird ähnlich und wir können noch einen Tick drauflegen. Ich möchte mich im Namen der Mannschaft bei allen Helfern bedanken.“

Carola Winter (l.) und Stefanie Weichelt vor dem Pausentee
Willi Wißing (Manager Essen):
"Wenn ich mal Resümee ziehen kann nach der Hinrunde, muss ich einfach sagen, dass ein Zuschauerschnitt von fast 900 eine tolle Leistung ist, wir haben eine Menge erreicht. Wir haben neue Fans gesammelt für unsere Spiele und für den Frauenfußball. Wir müssen sehen, dass wir dies erhalten. Wir haben aus den letzten drei Spielen neun Punkte geholt. Ich bedanke mich bei allen Helfern. Wir haben ein Klasseteam zusammengestellt. Jeder weiß, was er zu tun hat. Ich kann mich bei allen, die geholfen haben, nur recht herzlich bedanken. Auch vielen Dank und ein Lob an die Presse, das war eine tolle Zusammenarbeit in der Hinrunde. Am 21. Januar 2006 kann ich noch den Oddset Cup empfehlen. Eine tolle Veranstaltung und alle zwölf Bundesligateams sind da."
SG Essen-Schönebeck:
Löhr - Chojnacki, Schubert, Duhme, Arndt, Hartmann (73.Bolle), Winter (80.Müller), Gäggeler, Deilmann (67.Hoffmann), Weichelt, Kothe
FFC Heike Rheine:
Bittner, Pohl, Heuvels (29.Mittendorf), Hüwe, Dekke, Torny (37.Reinicke), Bito, Hunecke, Bock, Graf, Stegemann
Tore:
1:0 Winter (6.)
1:1 Reinicke (68.)
2:1 Bolle (79.)
Schiedsrichterin: Daniela Schneider (Limbach-Oberfrohna)
Karten: Arndt, Hoffmann — Dekke, Bock
Zuschauer: 812
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