1.Bundesliga, 9.Spieltag - vorgezogenes Spiel

3:0 bringt Schönebeck Sicherheit

SG Essen-Schönebeck - Hamburger SV 3:0 (0:0)

Text und Bilder von Heinz Günter Sporkel

14.11.2005    In einem vorgezogenen Bundesligaspiel trafen gestern die SG Schönebeck und der Hamburger SV aufeinander. Weil nächsten Sonntag „Totensonntag“ (Feiertag in NRW) ist und beide Teams keine aktuellen A-Nationalspielerinnen stellen, war diese Ansetzung möglich. Ansonsten hätte man Samstag 18 Uhr spielen müssen und dies wollte man unbedingt vermeiden.

Der Hamburger SV hatte in der letzten Spielzeit „Am Hallo“ ein schmeichelhaftes 0:0 mit nach Hause genommen, wo man das Rückspiel gegen den Ruhrpottclub 1:2 verloren hat. Auch nach den letzten Ergebnissen der SGS wusste der HSV, was ihn im Sportpark erwarten würde. So reiste das Team aus Hamburg schon am Samstag an und absolvierte an der Ardelhütte noch eine Trainingseinheit.

Willi Wissing, Claudia Mandrysch

Essens Manager Willi Wissing ehrt Claudia Mandyrsch, die ihre Karriere beendet hat

Vergessen hat auch die SG Schönebeck „Claudia Mandrysch“ nicht. Die Abwehrstrategin der SGS hatte maßgeblichen Anteil am Aufstieg ihres Teams. Dazu hatte Mandrysch auch in der letzten Saison gute Aufräumarbeiten in der Defensivabteilung des Bundesligisten verrichtet. Manager Willi Wissing nahm eine kleine Ehrung für Claudia vor, die nun die Fußballstiefel endgültig an den Nagel hängt und ihr Karriereende erklärt hatte.

Miriam Dräger aus Mainz pfiff das Spiel pünktlich an. Bei der SG Schönebeck musste man auf Melanie Hoffmann verzichten, die an einer Leistenverletzung laboriert. Der Hamburger SV musste weiterhin auf die Langzeitverletzte Katharina Grießemer (Kreuzbandriss) und auf die rotgesperrte Bianca Weech verzichten. Für Weech rückte U19-Weltmeisterin Tessa Rinkes ins Tor.

Schönebeck versuchte sofort ins Spiel zu finden. Doch der Hamburger SV setzte alles dagegen. In der ersten halben Stunde bot sich den Zuschauern ein Spiel mit viel Mittelfeldgeplänkel, richtige Torchancen gab es allerdings keine. Tanja Wörles Spielkreise wurden sehr eingeengt, Silva Lone Saländer und Tanja Vreden konnten sich im Angriff nicht entfalten. Auf der anderen Seite rackerten sich Stefanie Weichelt und Mirja Kothe mächtig ab. Doch beide Defensivreihen waren prächtig auf den Gegner abgestimmt. Steffi Schubert und ihre Gegenüber Alexandra Gärtner hatten alles unter Kontrolle. In der 29.Spielminute hatte Sandra Deilmann die erste Möglichkeit - nach einem Zuspiel von Mirja Kothe knallte Deilmann das Leder knapp über das HSV-Gehäuse. Imke Wübbenhorst kam in der 32. Spielminute für Frederike Engel. Diese Auswechselung gab der HSV-Offensive etwas Impulse, so hatte Wübbenhorst nach einem Anspiel von Saländer die Führung auf dem Fuß. Stefanie Löhr konnte jedoch mit einer tollen Tat zur Ecke abwehren. Maja Schubert sah nach einem Foulspiel an Stefanie Weichelt in der 41. Spielminute die gelbe Karte. Zwei Minuten später musste auch Imke Wübbenhorst nach einem Foulspiel an Carina Chojnacki sich mit dem gelben Karton von Miriam Dräger abfinden.

Carina Chojnacki hatte mit einem knallharten Freistossschuss kurz vor der Pause noch für mächtigen Wirbel gesorgt. Es wäre des Tor des Monats wert gewesen, doch der Ball strich knapp über das Tor. Miriam Dräger pfiff zur Pause. Ein angemessener Halbzeitstand. Beide Mannschaften waren eine Dreiviertelstunde darauf getrimmt, sich auszugleichen. Das Spiel kam nicht so richtig zur Entfaltung, doch auf beiden Seiten war der Wille zu punkten schon erkennbar.

Janina Haye, Alexandra Gärtner

Janina Haye (l.) und HSV-Spielführerin Alexandra Gärtner konnten mit dem Spiel ihres HSV gestern nicht zufrieden sein

Die Teams begannen die zweite Halbzeit unverändert, für beide Trainer gab es keinen Grund zum Wechseln. Doch diesmal hatte das Spiel der Schönebecks mehr Feuer. Die SGS war dynamischer und beweglicher, ging auch aggressiver zum Ball. Man störte den Gegner nun früher. In der 50. Spielminute dann auch das 1:0 für die SGS - eine schnelle Kombination von Mirja Kothe zu Sandra Deilmann, ein schnelles Zuspiel auf Stefanie Weichelt. Weichelt, schneller als ihre Gegenspielerin, schob den Ball an Tessa Rinkes vorbei ins Tor - keine Chance für die U19-Weltmeisterin. Jubel im Sportpark „Am Hallo“ von den über 800 Zuschauern, sofern sie SGS-Fan waren.


Friederike Engel, Sandra Deilmann

Sandra Deilmann (r.), hier im Zweikampf mit Friederike Engel, erzielte ihr erstes Bundesliga-Tor

Das Tor gab dann dem Spiel neue Impulse, es entwickelte sich ein tolles Frauenfußball-Spiel. Eine Minute nach der Essener Führung hatte auch Silva Lone Saländer mit einem wuchtigen Kopfball die Möglichkeit zum Ausgleich. Steffi Löhr musste sich mächtig strecken, um zur Ecke zu klären. Es begann nun die Zeit der Charline Hartmann. Ein Anspiel von Steffi Weichelt, und Hartmann steht allein vor Tessa Rinkes – doch im letzten Moment konnte die Torhüterin das 0:2 verhindern. Drei Minuten später fand sich Hartmann wieder alleine vor Rinkes, diesmal begrub die großgewachsene Spielerin das Leder unter sich. Essen war in dieser Phase spielbestimmend. Der HSV schwamm in der Abwehr. FCR Duisburgs Co-Trainer Thomas Obliers wird sich fleißig Notizen gemacht haben. Immerhin muss der FCR am 27.11 (Bundesliga) und am 4.12 (DFB-Pokal) gegen den Hamburger SV ran.

Eine verunglückte Balkenhol-Flanke wehrte Tessa Rinkes kurios zur Ecke ab. Der Ball bekam einen Bogen und wurde am Ende noch sehr gefährlich, doch Rinkes war zur Stelle. Eine hundertprozentige Tormöglichkeit ließ Charline Hartmann dann nach gut einer Stunde Spielzeit liegen. Nun hatte Ralf Agolli ein Einsehen und brachte Stephanie Ducke für Hartmann (61.Spielminute) ins Spiel. Essens Torjägerin hätte gestern wohl bis Mitternacht ohne Torerfolg weiter spielen können.

Stefanie Weichelt

Stefanie Weichelt traf zum wichtigen 1:0

Ab der 65. Spielminute nahm sich die SGS konzentrationsmäßig eine Auszeit. Steffi Weichelt handelte sich eine überflüssige gelbe Karte ein (zu früh aus der Mauer). Man überließ nun dem HSV das Mittelfeld und war mit dem Verteidigen beschäftigt. Der HSV konnte sich in dieser Zeit nur eine Möglichkeit erspielen. Imke Wübbenhorst setzte ihren Kopfball verdammt knapp am Gehäuse von Steffi Löhr vorbei. Barbara Müller kam dann eine Minute später für die angeschlagene Steffi Weichelt.

Fans Hamburger SV

Vom HSV waren einige Fans vor Ort

Die Schlussphase hatte es in sich. Besonders Tessa Rinkes würde drei Minuten davon gerne ungeschehen machen. Ein Schuss von Mirja Kothe landet bei Steffi Ducke, Ducke schießt auf das Tor - Tessa Rinkes begräbt den Ball unter sich und lässt ihn dann weiter kullern. Sandra Deilmann ahnt die Situation und schiebt den Ball geistesgegenwärtig ins Tor (84.Spielminute). Das Spiel war nun entschieden. Auch beim 3:0 von Barbara Müller drei Minuten später sah Rinkes etwas unglücklich aus. Allerdings ließen in der Schlussphase die Hanseatinnen die Köpfe sehr hängen.

Miriam Dräger pfiff das Spiel ab. Dräger leitete die Partie souverän. Auch die Schiedsrichterassistentinnen waren auf Ballhöhe und lagen mit ihren Entscheidungen immer richtig. Die SGS hatte auf Grund der zweiten Halbzeit das Spiel verdient gewonnen, wenn auch um ein Tor zu hoch. Essen sollte mit dem Abstieg in dieser Spielzeit nichts mehr zu tun bekommen. Der HSV hat in Schönebeck seinen leichten Höhenflug endgültig beendet. Die Mannschaft hat aber viel mehr Potential, als sie gestern gezeigt hat. Oder es liegt einfach daran, dass die SGS nun der Angstgegner des Hamburger SV ist.

Stimmen der Spielerinnen zum Spiel:

Sandra Deilmann (SG Schönebeck):
Beim 2:0 hat die Torhüterin den Ball einfach losgelassen und ich stand aus Versehen irgendwie da. Dann ist der Ball reingegangen. Im Gegensatz zu den letzten Spielen, muss ich sagen, haben wir uns klar


gesteigert. Man hat gemerkt, dass der Teamgeist zurück in die Mannschaft gekommen ist. So kann es weitergehen.

Alexandra Gärtner vom HSV war vom Spiel ihres Teams nicht so begeistert:
Das Spiel war scheiße. Wir haben uns eigentlich viel mehr vorgenommen. Das hat überhaupt nicht funktioniert. Wir sind direkt von Anfang an mit dem Anstoß unter Druck gesetzt worden. Essen hat das clever gemacht. Wir sind nicht in die Zweikämpfe gekommen. Wir haben das Spiel überhaupt nicht vernünftig aufgebaut, keine Ruhe reinbekommen. Das war eines der schlechteren Spiele in dieser Saison, wir können das deutlich besser. Das heute war sehr enttäuschend.

Tessa Rinkes

HSV-Torfrau Tessa Rinkes zeigte ein gutes Spiel, bis die unglücklichen drei Minuten kamen

Auch Tessa Rinkes gab dem Fansoccer geknickt ihre Kurzanalyse:
Zum 0:2: Das war halt ein Torwartfehler, der Ball kam direkt auf mich zu, ich wollte ihn fangen und dann ist er mir durchgerutscht.
Zum Spiel: Wir hatten das Spiel im Griff, dann fiel das 1:0 und wir haben es nicht mehr hingekriegt. Es war heute kein sehr gutes Spiel.

Pressekonferenz:

Achim Feifel (Hamburger SV):
Es war für uns eine herbe 0:3-Niederlage heute. Wir sind sicherlich mit mehr Optimismus ins Spiel gegangen. Wenn man 0:3 verliert, dann ist das auch verdient. Da braucht man nichts beschönigen in der Richtung, dass Fußballspiele vor den beiden Toren entschieden werden. Wir haben vor den eigenen Toren die Fehler gemacht Krasse Fehler, die zu den gegnerischen Toren geführt haben. Vor dem gegnerischen Tor waren wir zu harmlos. Wir sind auf den Boden der Tatsachen zurückgekehrt.

Ralf Agolli (SG Essen Schönebeck):
Ich habe eine disziplinierte, gut organisierte Schönebecker Mannschaft gesehen heute. Wir haben vor dem Spiel gesagt, dass wir die Räume eng machen werden, dass wir aggressiv spielen, die Hamburger nicht zur Entfaltung kommen lassen wollen. Wir haben das in der ersten Halbzeit ganz gut gemacht. Wir haben in der zweiten Halbzeit glücklich das 1:0 gemacht. Wobei das Tor, wie es herausgespielt wurde, schon alleeerste Sahne war. Charline Hartmann versäumte es, den Sack vorzeitig zuzumachen. Ein Kompliment an meine Mannschaft, die trotz des Ausfalls von Melanie Hoffmann bewiesen hat, was sie leisten kann. Der Sieg war in der Höhe in Ordnung.

SG Essen-Schönebeck:

Löhr, Chojnacki, Schubert, Duhme, Balkenhol, Gäggeler, Hartmann (61.Ducke), Deilmann, Weichelt (79.Müller), Arndt, Kothe (90.Winter)

Hamburger SV:

Rinkes, Engel (32.Wübbenhorst), Gärtner, Ende, Freitag, Kameraj, Vreden, Saländer, Haye, Schubert, Wörle

Tore:
1:0 Weichelt (50.)
2:0 Deilmann (84.)
3:0 Müller (87.)

Schiedsrichterin: Miriam Dräger (Mainz)

Karten: Weichelt, Müller — Schubert, Wübbenhorst

Zuschauer: 812


 Zur FanSoccer-Startseite