Bundesliga, Nachholspiel vom 10.Spieltag

90 Trainingsminuten für die SGS

SG Schönebeck – FSV Frankfurt 4:0 (2:0)

Text und Bilder von Heinz Günter Sporkel

5.12.2005    Die SG Essen Schönebeck hat im Grunde das Saisonziel am heutigen Sonntag erreicht. Die Mannschaft um Ralf Agolli wollte sich so schnell wie möglich aus dem Abstiegskampf verabschieden. Mit einem Sieg gegen den FSV Frankfurt ist dies nun gelungen. Elf Punkte Abstand auf den Tabellenvorletzten sprechen eine eindeutige Sprache.

Der FSV Frankfurt dürfte dagegen zum letzten Mal im Sportpark „Am Hallo“ gespielt haben. Zu deutlich zeigt sich der Unterschied der Teamstärke gegenüber den anderen Klubs. Schade um diesen Traditionsklub. Die Spielerinnen, die derzeit für diesen Klub auflaufen, versuchen zwar das Beste aus der Situation zu machen, doch der Trainer des FSV, Frank Schwalenberg, sieht die Situation genau richtig, der Weg führt in die zweite Liga.

Verena Volz

Verena Volz, bedauernswerte Torfrau des FSV Frankfurt, brachte in Essen eine gute Leistung

Das Spiel sollte eigentlich schon am letzten Sonntag über die Bühne gehen, doch der Wintereinbruch machte den Verantwortlichen einen dicken Strich durch ihre Rechnung. Der Platz in Frankfurt war vereist. So wurde ein schnellstmöglicher Nachholtermin gesucht. Der 4. Dezember erschien beiden Vereinen günstig. Allerdings spielte an diesem Tag auch die Herren Mannschaft des FSV Frankfurt am Bornheimer Hang, die beim FSV oberste Priorität besitzt. Doch daraus wurde kein Problem gemacht und das Heimrecht einfach getauscht. Ein Arrangement, das es sicherlich in der Herren Bundesliga so nicht geben würde.

Der DFB schickte auch die Schiedsrichterbesetzung zum Sportpark, die für das Spiel in Frankfurt angesetzt war. Anja Kunick aus Leipzig an ihrer Seite Daniela Klein und Sandra Jung.

Pünktlich um 14 Uhr wurde das Spiel angepfiffen. Bei Schönebeck musste man auf Melanie Hoffmann verzichten. Im Tor stand Monique Langpohl. Die Torhüterin hat sich einen Einsatz nach ihren guten Trainingsleistungen verdient. Es nahm auch den zu erwartenden Verlauf. Die SG Schönebeck machte Druck und der FSV Frankfurt stand in der Abwehr auf Konter bedacht. In der achten Minute dann die erste nennenswerte Aktion. Ladi Akaahadi säbelte Stefanie Weichelt rüde um und sah dafür die gelbe Karte von Anja Kunick. Dem Essener Dauerdruck konnte das Team des FSV nicht lange standhalten. In der zwölften Spielminute sah Jennifer Balkenhol ihre Mitspielerin Charline Hartmann vollkommen „blank“ im Strafraum stehen. Ein Zuspiel und kein Problem für Hartmann, das 1:0 zu markieren. Torhüterin Verena Volz war machtlos.


Torjubel

Die Essener Spielerinnen hatten viermal Grund zum Torjubel und haben den Klassenerhalt damit fast schon in der Tasche. Hier freuen sich (v.l.) Charline Hartmann, Mirja Kothe und Sandra Deilmann.

Essen machte weiter Druck. Stefanie Weichelt rackerte unermüdlich im Mittelfeld und verteilte eifrig die Bälle an ihre Mitspielerinnen. Mirja Kothe wirbelte eifrig auf der linken Seite. Kothe hatte in der Woche noch Trainingseinheiten für die U21 Nationalmannschaft in Hennef absolviert. Nach den tollen Leistungen der letzten Wochen hatte sich die SGS Stürmerin dies auch redlich verdient. Auch heute spielte Kothe wieder eine tolle Partie für Schönebeck.

Sandra Deilmann und Charline Hartmann hatten dann weitere Tormöglichkeiten und die Vorentscheidung auf den Fuß. Allerdings scheiterten beide Spielerinnen an Verena Volz. Die Torhüterin des FSV zeigte sehr schöne Paraden. Nach einen Foul an Stefanie Weichelt gab es dann einen Freistoss an der Strafraumgrenze für die SG Schönebeck. Carina Chojnacki legte sich den Ball zurecht. Ein satter Schuss in die linke Torecke und es stand 2:0 für die SG Schönebeck. Das Spiel war entschieden. Die 334 Zuschauer waren sich bewusst, dass der FSV Frankfurt nicht die Möglichkeiten besitzen würde, diesem Spiel eine Wende zu geben.

Für den FSV Frankfurt erschien der Halbzeitstand von 2:0 sogar als ein annehmbares Ergebnis. Die SG Schönebeck enttäuschte in der ersten Halbzeit ein wenig im Spiel nach vorne. Ralf Agolli war schon vor dem Spiel sicher, dass man bei dieser Partie eigentlich nicht viele Lorbeeren ernten würde.

In der zweiten Halbzeit ging das Spiel wieder in Richtung FSV- Tor weiter. Schon in der 48.Spielminute konnte Charline Hartmann ihren zweiten Treffer verbuchen. Eine weitere Unachtsamkeit in der FSV Deckung ausgenutzt, ein satter Schuss an den rechten Innenpfosten und das runde Leder knallte ins Tor.

Freistoß für Carina Chojnacki

Freistoß für Essen: Carina Chojnacki legte sich den Ball zurecht und verwandelte zum 2:0. Links Vjollca Maksuti, dann die gut leitende Schiedsrichterin Anja Kunick, Chojnacki und ganz rechts Mirja Kothe

Dann in der 52. Spielminute die große Möglichkeit für den FSV. Doch Safi Nyembo versagten vor Monique Langpohl die Nerven. Allein vor Langpohl schob Nyembo den Ball am Tor vorbei. Sandra Deilmann konnte dann in der 58.Spielminute ihren zweiten Saisontreffer erzielen. Deilmann bestätigte mit ihrem Tor ihre immer mehr nach oben zeigende Leistungskurve und ist aus der Anfangself momentan gar nicht mehr wegzudenken. Das Spiel rollte dann weiter bis zum Schlusspfiff Richtung Verena Volz. Allerdings konnte Volz eine höhere Niederlage verhindern, unterstützt ab und an auch durch die Unkonzentriertheit der SGS.

Anja Kunick pfiff die Partie nach neunzig Minuten ab. Die Schiedsrichterin aus Leipzig zeigte eine sehr gute Leistung. Zuverlässig und jederzeit den Ball im Auge hatte sie die gesamte Spielzeit das Spiel sehr gut im Griff. Auch die Assistentinnen


waren immer auf Ballhöhe. Dies sollte in einer Zeit, in der die Schiedsrichterleistungen im Frauenfußballbereich oft negativ in den Medien dargestellt sind, auch mal lobend erwähnt werden.

Glanzparade von Volz

Diesen Schuss von Stefanie Weichelt (rechts) konnte FSV Torfrau Verena Volz gerade noch entschärfen.

Pressekonferenz:
Frank Schwalenberg (FSV Frankfurt):
„Schönen Dank, dass wir das Heimrecht tauschen konnten. Es wäre bei uns heute nicht gegangen. Das Spiel war einseitig wie erwartet. Wir kamen definitiv als klarer Außenseiter nach Essen. Mit einer Mannschaft, die wenn überhaupt, unteres Zweitliga Niveau hat. Mit etwas mehr Konsequenz hätte Essen zwei Tore mehr schießen können. Mich ärgern etwas die Fehler meiner Mannschaft, es wäre ein Tor drin gewesen. Allerdings können wir froh sein, in Essen nicht komplett untergegangen zu sein.“

Ralf Agolli (SG Schönebeck):
Wir haben in der ersten Halbzeit auf Geschenke gewartet. Nachdem 1:0 fand das Spiel ohne Ball gar nicht mehr statt. Ich war sehr sauer und habe dies in der Halbzeit angesprochen. Es ist klar, wenn der FSV Frankfurt kommt, dass das Spiel in deren Hälfte stattfindet, damit tun wir uns immer schwer. Wir haben schöne Tore gemacht. Der Sieg ist zwei, drei Tore zu niedrig ausgefallen. In der zweiten Halbzeit haben wir sehr gute Szenen gesehen. Unser Problem ist das Training, das in den letzten Tagen kaum stattfand. Wenn man sieben Tage wetterbedingt nicht trainieren kann, merkt man dies schon. Ich bin froh, wenn das Spiel gegen Heike Rheine beendet ist und die Winterpause kommt.

SG Essen Schönebeck:

Langpohl - Chojnacki (van Kampen 65.), Schubert, Duhme, Balkenhol (Winter 37.), Arndt, Hartmann (Bolle 68.), Gäggeler, Deilmann, Weichelt, Kothe

FSV Frankfurt:

Volz - Bärthel, Engel, Holzhaus, Gado, Naji (Günther 54.), Maksuti, Schatton (Riedl 73.), Nyembo, Akaahadi, Dürr

Tore:
1:0 Hartmann (12.)
2:0 Chojnacki (38.)
3:0 Hartmann (48.)
4:0 Deilmann (58.)

Gelbe Karten: Weichelt (41.) – Akaahadi (8.) und Volz (61.)

Schiedsrichterin: Anja Kunick (Leipzig)
Assistentinnen: Daniela Klein und Sandra Jung

Zuschauer 334


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